Eternal Sonata
15:29 Uhr - Normalerweise guckt man Die Sendung mit der Maus, wenn man sich über bestimmte Themen fortbilden will. Wenn man größer wird, schaut man sonntags Anne Will oder Big Brother. Je nach Geschmack. Dass man sich aber auch durch ein Videospiel fortbilden kann, beweist Eternal Sonata, welches als klassisches Rollenspiel das Leben des berühmten Frédéric Chopin behandelt. Wir garantieren, dass ihr nach diesem Spiel sämtliche Begriffe der Musik auswendig wisst. Wie schlägt sich die nun endlich erschienene PS3-Version im Vergleich mit dem 360-Original?
Willkommen zum Musikkurs für Anfänger
Disc einlegen, Pizza in den Ofen und auf 10 Minuten stellen, mit dem Hund einmal Gassi gehen, die fertige Pizza aus dem Ofen nehmen und anfangen zu spielen. So in etwa gestalten sich die ersten 10 bis 15 Minuten von Eternal Sonata, denn die Introsequenz, die euch die Geschichte näheringt, erfordert viel Geduld und Knuddel-Immunität. Hier trieft es nur so vor lieblichen Szenen auf grünen Wiesen mit Schmetterlingen, über die ein kleines Mädchen in rosa Aufmachung mit seiner Mutter spaziert und redet. Wenn wir nicht zuvor gesehen hätten, wie sich Polka, so heißt das eben genannte Mädchen, von einer Klippe gestürzt hat, dann hätten wir wahrscheinlich die Konsole eher abschaltet, in dem Glauben, man habe soeben das Vormittagsprogramm von RTL II erleben müssen. Doch wir halten durch und beginnen die ersten Minuten eines Rollenspiels, welches in punkto Kampfsystem ein paar frische Neuerungen auf Lager hat. Doch dazu später mehr.
Denn jetzt kümmern wir uns erst einmal um Allegretto und seinen kleinen Begleiter Beat (man achte auf die Namen, die der Welt der Musikbegriffe entliehen wurden), die ebenfalls zu den spielbaren Charakteren gehören. Die befinden sich nämlich in der Nahrungskette einer Stadt ganz unten, und müssen ihren Lebensunterhalt mit dem Stehlen von Lebensmitteln verdienen. Des weiteren haben wir natürlich Frédéric Chopin, der, Musikkenner wissen das bestimmt, gerade auf dem Totenbett liegt, da der Komponist auch in Wirklichkeit in jungen Jahren verstorben ist. Da so ein Totenbett nicht unbedingt der mobilste Ort ist, steuert ihr Chopin in einer Art Traumwelt. Und genau diese Welt ist es, in denen Polka, Allegretto und Beat leben, und in der das gesamte Spiel stattfinden wird.
Die Story in Eternal Sonata ist eher zweckorientierter Natur. Ihr habt den bösen König Walzer, der regiert ein Land, will aber nicht, dass es seinen Untertanen gut geht, denn er hat andere Pläne. Wäre ja auch ein langweiliges Spiel, wenn man durch die perfekte Welt spazieren würde, oder? Die Steuern, die er auf sämtliche Güter erhebt, sind exorbitant. Nur das merkwürdige Mineralpulver ist steuerfrei, und das obwohl es ein Allheilmittel ist. Meint es Walzer also doch nur gut mit seinem Volk? Määähhhppp… natürlich nicht. Was haben wir eben gesagt? Genau, das Spiel wäre langweilig, wenn man durch eine perfekte Welt laufen würde. Das Mineralpulver hat nämlich den kleinen, aber feinen Nebeneffekt, dass es seine Benutzer Magie verwenden lassen kann. Wunderbar, der Herr Walzer meint es doch wirklich gut? Der andere Nebeneffekt ist, dass es eine tödliche Krankheit auslöst. Na, wer ist jetzt hier der Nette? Nachdem wir endlich die Postionen im Spiel geklärt haben, können wir uns dem Gameplay von Eternal Sonata zuwenden.
Nur noch 5 Sekunden
Gespielt wird rollenspieltypsich aus einer isometrischen Perspektive. Ihr lauft durch hübsch animierte und detaillierte Areale und seht schon von weiten eure Gegner, denn auch hier sind Kämpfe mit Kreaturen, die nicht eurer Meinung sind, zwecks Erfahrungspunkt-Gewinns, an der Tagesordnung. Es wird also keine Zufallskämpfe ala Final Fantasy geben. Stattdessen könnt ihr euch sogar in eine bessere Ausgangsposition für den Kampf ingen. Wenn ihr euch also einer Ratte von hinten nähert, und sie dann schlagt, dann dürft ihr im richtigen Kampf meistens den ersten Schlag führen. Mit richtigem Kampf, meinen wir natürlich die Schlachten, die ihr auf einem separaten Kampfbildschirm führt. Kenner von Rollenspielen wissen, was das heißt: Sobald ihr einen Gegner auf der Karte berührt, kommt eine laute psychedelische Musik, der Bildschirm zerfällt in seine Einzelteile und man sieht seine Protagonisten als Team auf einem neuen Bildschirm angeordnet. Meistens hat einer eurer Kollegen immer einen blöden Spruch auf Lager ("I am the winner" oder so ähnlich) und dann geht es auch schon los.
Nun, wie lässt sich die Art des Kampfes beschreiben? Am besten als eine Mischung aus rundenbasiertem Kampf mit Echtzeitelementen. Das sieht dann folgendermaßen aus: der Kampf beginnt, einer eurer Kollegen macht erst wieder seinen blöden Spruch und beginnt meistens auch. Alle bleiben auf ihren Plätzen, und erst wenn ihr die Figur, die gerade am Zug ist bewegt, habt ihr genau 5 Sekunden Zeit zum Gegner zu laufen und den Angriff auszuführen. Diese Bewegungen laufen also in Echtzeit ab. Wenn die Zeit rum ist, ist die nächste Figur dran usw. Eines könne wir euch versichern, ihr werdet nach ein paar Stunden Eternal Sonata noch nie ein so gutes Zeitgefühl über 5 Sekunden haben. Jede Figur hat im Kampf zwei Angriffsarten. Der Standardangriff, den ihr mit der X-Taste ausführt und ein Spezialangriff, der auf der Viereck-Taste liegt. Durch das Verwenden von Standardangriffen füllt ihr eine Kombo-Leiste am rechten Bildschirmrand auf, die dann zum Tragen kommt, wenn ihr einen Spezialangriff ausführt. Je höher der Kombo-Zähler ist, desto mächtiger wird dann der Angriff. Dafür erhält er im Kampfgeschehen sogar eine eigene Animation, die jedoch relativ unspektakulär ausfällt.
Lichtverhältnisse als taktisches Element
Ein weiterer wichtiger Faktor beim Kampf sind die Lichtverhältnisse. Denn auf dem Feld habt ihr sowohl Licht- als auch Schattenareale. Diese solltet ihr genau beachten, denn je nachdem in welchem Lichtverhältnis sich eure Spielfigur befindet, unterscheiden sich auch die Spezialangriffe. Macht Beat im Schatten z.B. seine Schnellschussfähigkeit, wird er im Licht in den Fotomodus umschalten, und ihr könnt ein Bild des Gegners machen. Das klingt etwas merkwürdig, aber später könnt ihr die Fotos je nach Qualität der Aufnahme bei Händlern verticken. Steigen eure Kameraden ein Level auf, steigen auch deren Attribute d.h. Lebensenergie, Stärke usw. Außerdem lernen sie ab einem bestimmten Level neue Spezialfähigkeiten, die ihr in einem separaten Menü zuordnen könnt.
Wenn man den Adam Riese zu Rate zieht kommt man auf drei Angriffsarten pro Spielfigur. Das ist ehrlich gesagt etwas dürftig, denn wenn man einmal Tales of Symphonia, und damit lässt sich Eternal Sonata nun mal vergleichen, gespielt hat, weiß man, dass es durchaus möglich ist mehr als drei Angriffe pro Figur einzubauen. Damit eure Standardangriffe nicht nur zu Kombofüllern verkümmern, findet ihr jede Menge Ausrüstungsgegenstände, die sich zwar nicht optisch an den Charaktermodellen bemerkbar machen, aber im Kampfgeschehen den Schaden durchaus signifikant erhöhen. Desweiteren könnt ihr auch noch Items auf die Viereck-Taste legen, so dass ihr euch bei Bedarf z.B. heilen könnt.
Ist der Gegner an der Reihe, spielt sich genau dasselbe Spiel ab. Auch er hat 5 Sekunden Zeit seinen Angriff durchzuführen und auch seine Fähigkeiten variieren je nach Art der Lichtverhältnisse. Falls eine eurer Figuren angegriffen wird habt ihr die Möglichkeit durch das Drücken der Kreis-Taste im richtigen Augenblick zu Blocken, und so den Schaden zu minimieren. Das ist enorm wichtig, denn die Gegner können mächtig austeilen. Dabei ist uns aber aufgefallen, dass sie nicht besonders klug agieren. Es kommt schon mal vor, dass sie sich erst einmal dreimal im Kreis drehen und dann in eure Richtung laufen – doch dann ist die Zeit vorbei und ihr seid am Zug.
Besonders knackig sind die Bossfights, denn die strotzen nur so von HP-fressenden Spezialfähigkeiten und die Blocktaste ist bei diesen Kämpfen euer bester Verbündeter. Meistens arten diese Kämpfe so aus, dass ihr zwei eurer Kämpfer zum heilen abstellt, während der dritte auf den Klops einschlägt. Denn ihr bekommt zwar im Spiel bis zu 9 Mitstreiter, kämpfen können jedoch nur drei Stück. Schade ist auch der Umstand, dass inaktive Mitglieder nicht parallel mitleveln, wie es z.B. in Tales of Symphonia der Fall ist. Falls ihr also ein schlagkräftiges Elite-Trio zusammengestellt habt, und die Story euch eine andere Truppe vorgibt, kann es zu, sagen wir, unglücklichen Situationen kommen.
Warum Gruppenlevel sch… sind
Wenn eure Figuren kräftig leveln, steigt auch eurer sogenannter Gruppenlevel. Dieser hat jedoch eher negative Folgen, denn er macht das Spiel schwerer bzw. hektischer. Kleines Beispiel: Bei Gruppenlevel 1 läuft die Zeit für eure Figur auf dem Kampffeld nur dann ab, wenn ihr sie bewegt. Bleibt sie stehen, stoppt die Zeit also. Ihr könnt euch also in Ruhe überlegen, was ihr als nächstes macht. Bei Gruppenlevel 2 sieht das schon anders aus. Sobald ihr eure Figur bewegt verstreichen die 5 Sekunden kontinuierlich. Bleibt ihr also stehen, vergeht die Zeit trotzdem. Bei Level 3 vergeht die Zeit SOFORT und ihr habt nicht viel Zeit zum überlegen. Ihr könnt euch vorstellen, was bei Level 6 passiert… Das kann aber etwas störend sein, denn gerade in Gebieten, in denen man die Gegner noch nicht kennt, wäre es schön gewesen, diese und ihr Verhalten erst zu studieren als gleich blindwütig losstürmen zu müssen. Einigermaßen gut gelungen ist die Speicherfunktion in Eternal Sonata. Ihr könnt zwar nicht frei speichern, dafür sind die Speicherpunkte fair bzw. oft verteilt. Gerade in kleinen Knobelpassagen, die an den Wassertempel aus Zelda: Ocarina of Time erinnern, sind diese Savepoints eine gute Tat, so dass ihr bei einem Versagen nicht den ganzen Weg zurücklegen müsst, denn auch in Eternal Sonata respawnen die Gegner.
Wenn ihr gerade nicht am Kämpfen seid, dann befindet ihr euch höchstwahrscheinlich in Videosequenzen, denn die gibt es in diesem Spiel sehr oft. Das kann manchmal etwas störend wirken, denn wenn nach 5 Minuten Kampf, 10 Minuten Videosequenz kommen, dann kann man nicht unbedingt von einem Spielfluss reden, zumal die Sequenzen sehr langatmig gestaltet sind. Eine besondere Art von Cutszenen sind die Lernfilme, die weder in Ingamegrafik gehalten, noch gerendert sind. Sie sind nämlich „echte“ Filme, die etwas über das Leben Chopins erzählen und uns die Beweggründe mancher Klavierstücke des Komponisten naheingen. Eigentlich eine schöne Sache, trotzdem mutet es etwas merkwürdig an, gerade dann, wenn anschließend der Schnitt auf die Anime-Figuren mit deren typischen Übertreibungen gemacht wird. Außerdem findet ihr im Spiel Partituren, die eine Art Minispiel einläuten, in dem ihr mit euren Kameraden ein Stück aufführt.
Grafisch kann Eternal Sonata überzeugen, wenn man es in Kontext mit der Geschichte ingt. Alles ist schön bunt, die Hasen hoppeln über die Felder und eure Figuren sehen so aus, als würden sie von einer Horde 6-Jähriger bekleidet worden sein, deren Quelle leider nur Barbie-Anziehsachen waren. Wenn man dieses Szenario akzeptiert hat, kommt einem die Welt wie aus einem Guss vor. Auch die Musik kann bzw. muss überzeugen, denn die Entwickler hatten es hier besonders leicht, schließlich konnte man sich an einem der größten Komponisten orientieren, sodass der japanische Komponist Motoi Sakuraba das Rad nicht neu erfinden musste. Wer also Musik abseits des typischen Rollenspiel-Gedudels genießen möchte, der kann die Anlage bei Eternal Sonata lauter stellen. Die Lokalisation für Deutschland ist nicht gerade aufwändig betrieben worden, denn einzig der deutsche Untertitel teilt Unwissenden mit, was in den langen Cutszenes auf English geabbelt wird. Da wir aber wissen, dass deutsche Synchronisationen nicht immer perfekt sind, wollen wir großmütig über diesen Mangel an Einsatz hinweg schauen.
Was kann die PS3-Version?
Nachdem die PS3-Umsetzung in den USA schon letzten Oktober herauskam, ist sie nun endlich auch in unseren Gefilden zu haben. Viele Rollenspiel-Fans, die nur eine PlayStation 3 besitzen und von guten JRPGS nicht gerade erschlagen wurden, lauern wahrscheinlich schon lange auf das Spiel. Doch das Warten war zumindest nicht vergebens. Die Portierung bietet neue Dungeons und Quests, die nicht nur die Spielzeit noch einmal ein Stück dehnen, sondern auch nette Additionen zur Story darstellen. Hinzu kommen zwei zusätzlich spielbare Charaktere, namentlich Prinz Crescendo und Prinzessin Serenade.
Der bunte, freundliche Grafikstil ist auf der PS3 natürlich erhalten geblieben. Wer den Stil nicht mag, darf sich also weiterhin mit Grausen abwenden. Zählt man alle Neuheiten zusammen und berücksichtigt die beschleunigten Ladezeiten, ist die PS3-Fassung so etwas wie „Eternal Sonata Ultimate“.
Für 360-User schon ein alter Hut, weiß die Reise durch Chopins Traumwelt auch heute noch zu gefallen. Die ideenreiche Welt mit ihren Allegorien auf die klassische Musik ist nach wie vor einzigartig und das Kampfsystem überzeugt mit taktischer Tiefe. Zudem ist Eternal Sonata ein spielerischer Weg, ein wenig über den Komponisten und seine Kunst zu lernen.
Die neuen Features machen die PS3-Fassung zur ersten Wahl für diejenigen, die Eternal Sonata noch nicht kennen, und ist auch aufgrund fehlender Alternativen für alle Besitzer von Sonys Konsole ein heißer Tipp.
Bewertung
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Kommentare (6)
chiefrebelangel
die gruppen level haben meiner meinung nach auch ihre berechtigung, denn das spiel ist eigentlich immer so leicht, dass man wenn man jeden gegner auf dem weg zum boss einmal killt ohne probleme durchkommt.
außerdem sind die harmony-chains ab lvl 4 nen segen gegen bosse, möcht gern sehen wie du das mit nem gruppenlvl1 hinbekommen willst^^
ansonsten kann man die gruppelvl als lernkurve bezeichnen, anfangs easy später halt nen tacken schneller und da man sowieso immer von einer seite zur anderen rennt ist es eigentlich egal gegen was genau man kämpft^^
Sir Archibal
Atlantas Finest
Demon Cleaner
Zerfikka
Ja in Zukunft solltest du mit Bedacht kaufen, so etwas kann viel Geld sparen. Ich hab auch diverse Spiele im Auge aber ich warte bis alles andere weggezockt ist^^.
Cuberde