FIFA Fussball Weltmeisterschaft 2010 Südafrika
10:50 Uhr - (Nicht nur) für mich ist so eine WM schon was Besonderes: Der normale Arbeitsalltag ist gekippt, alle Terminplanungen richten sich mindestens an den Spielen der deutschen Nationalmannschaft aus. Die wird uns hoffentlich dieses Mal wieder mit einem Titel verwöhnen werden, schon allein weil ein Sportfreunde Stiller-Song "54, 74, 90, 2014" etwas holprig klingt. Und auch mich hat's wieder erwischt: das Panini-Album liegt auf dem Tisch, Grillfeste zu Spieleabenden sind schon geplant und in der Xbox 360 läuft das neue FIFA WM 2010 von EA in Dauerrotation.
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Und das nicht nur, weil ich momentan dem WM-Hype unterliege und deswegen sowieso jedes noch so kleine Fussball-Update verschlingen würde, sondern weil EA uns mit WM 2010 ein wirklich schönes Stück Software beschert, dass vom Umfang her zwar nicht ganz an ein FIFA 2010 heranreicht, aber dennoch so umfangreich ist, dass auch die Zeit nach der WM bis zum Erscheinen von FIFA 2011 mit genug Spielmöglichkeiten überbrückt werden kann.
Wie wär's denn zum Beispiel mal, mit Nationalmannschaften den Titel zu holen, die so klein sind, dass schon jeder Einwohner Fussballspielen muss, um überhaupt eine komplette Elf auf die Beine zu stellen? Kein Problem, immerhin warten nicht weniger als 199 Nationalmannschaften darauf, gespielt zu werden. Und wer da im WM-Turniermodus inklusive optionaler Qualifikation dann auch schon mit Guinea-Bissau oder den Seychellen die WM-Trophäe in den Händen gehalten hat, darf sich offline auch gerne an den vielen Qualifikations- und WM-Szenarien versuchen. Hier steigt man bei einer bestimmten Spielminute in ein bereits gestartetes Fussballspiel, das genauso statt gefunden hat, ein und muss verschiedene Ziele erfüllen, wie beispielsweise ein 1:0 Irlands gegen Italien in der 84 Minute drehen, um doch noch zur WM fahren zu dürfen. Das macht Spaß, ist abwechslungsreich und glücklicherweise auch wesentlich fairer als in den vergangenen FIFA-Ausgaben.
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Und selbst wer da dann einmal alle Haupt- und Nebenziele erfüllt hat, darf sich selbst wieder als "Pro" den Traum vom steilen Aufstieg während der Qualifkationsspiele und anschließender WM-Teilnahme erfüllen. Spielerisch etwa auf dem gleichen Umfang wie schon in FIFA 10 angesiedelt, darf man hier in der Rolle eines bestimmten Spielers (gerne darf hier auch der Pro aus FIFA10 samt Game-Face importiert werden) zusammen mit maximal drei Freunden seinen Weg in die Stamm-Elf beschreiten.
Wer all das schon hinter sich hat oder sowieso lieber online spielt, darf die WM 2010 natürlich auch im Online-Turnier gegen Gegner aus aller Herren Länder bestreiten. Oder mit Freunden in der Lobby spielen. Oder ganz normale Mann-gegen-Mann-Spiele starten. Klar, da v.a. auch Offline Modi wie der Manager-Modus oder diverse eigene Ligen/Pokale fehlen und auch die Online-Modi nicht ganz so umfangreich sind wie in FIFA 10, kann man natürlich den Vorwurf des schnellen Zocker-Melk-Updates aus dem Hause EA anbringen. Aber gerade in diesem zwischenjährlichen Turnier-FIFA ist wie schon erwähnt wirklich mehr als genug Material enthalten, um auch über die WM hinaus noch bis zum Release von FIFA11 Spaß zu haben.
Das liegt in erster Linie daran, dass sich spielerisch im Vergleich zum Vorgänger wieder einiges verbessert hat. Die Änderungen erscheinen zwar zugegebenermaßen vor allem in den ersten Spielen wirklich marginal, aber sobald man sich einmal warm gespielt hat, erlebt man ein sehr viel flüssigeres, abwechslungsreicheres und ein insbesondere realistischeres FIFA als noch beim "großen" Vorgänger. Ob es das verbesserte Stellungsspiel ist, die verbesserten Animationen, spürbar aufgebohrte Torhüter-KI und -reaktionen, das verbesserte Schusssystem, die feinfühligeren Schiedsrichter oder oder oder. Die Spiele sind actiongeladener, ohne aber ins arcadige abzudriften. Und nervige nicht von mir selbst verschuldete Szenen hatte ich bislang wirklich selten. Manchmal verhält sich der Torhüter daneben und der Spielerwechsel ist in bestimmten Situationen immer noch nicht möglich, aber es hält sich dieses Mal in Grenzen.
Etwas mehr Umstellung erfordert für FIFA-Veteranen lediglich das Elfmeterschießen, das am spürbarsten verändert wurde. Mit je nach Spieler mehr oder weniger ausgeprägter "Ruhe-Leiste", einem verbesserten Zielsystem und insgesamt mehr Variation macht das nach etwas Einübung dann doch deutlich mehr Spaß als noch vorher. Zum Glück lässt sich das auch dank Tutorial-Videos und Elfmeter-Trainingsvideos bis zur Perfektion hin üben. Das sei vor allem den Engländern ans Herz gelegt.
Inklusive Vater-Modus
Neu hinzugekommen ist auch der Zwei-Button-Modus: Wie der Name schon vermuten lässt, kann man da dann auch mal mit Leuten spielen, die eine Konsole nur als Möbelstück kennen. Das Spiel entscheidet dann selbstständig, ob es bei Druck auf die Pass-Taste einen normalen Pass, eine Flanke oder einen steilen Pass spielen soll oder ob beim Torschuss ein Lupfer, ein platzierter Schlenzer oder ein Gewaltschuss angebracht ist. Auch die Laufgeschwindigkeit und das Dribbeln werden automatisch an die jeweilige Situation angepasst. Das stellt den erfahrenen Zocker natürlich schnell unzufrieden, ist aber für diesen auch gar nicht gedacht. Gerade für Leute, die mal eben mitspielen wollen ohne gleich das ganze Tastenlayout lernen zu müssen, ist das eine willkommene Erleichterung und sorgt dafür genau für das, wofür dieses Prinzip gedacht war: einfaches und zugängliches Spiel für jedermann. So kann man zur Einstimmung vor einem echte WM-Spiel dann auch mal schnell mit unbedarften das Ergebnis in FIFA WM 2010 vorgreifen.
Und ja: die Präsentation ist EA-typisch mal wieder topp. Der Soundtrack um längen stimmungsvoller als die schwache FIFA 10-Mucke und die Stimmung im Stadion wirklich wm-tauglich. Ok, die Zwischensequenzen mit fast schon grenzdebil feiernden Fans aus aller Herren Länder kennt man nach dem fünften Mal und drückt sie genauso schnell weg, wie die (zum Glück abschaltbaren) Zwischenszenen, aber die Reaktionen der Fans auf Schüsse sowie die Fangesänge sind erste Sahne. Spielt man mit oder gegen ein südamerikanisches Team, erwartet einen ein regelrechtes Trommelfeuer, während die britischen Fans ihre National-Elf mit beherzten "England! England!"-Rufen nach vorne peitschen. So muss es sein. Auch wenn natürlich noch genug Platz für Verbesserungen ist, ist es spielerisch das bislang beste FIFA, das Lust auf die WM macht und für jeden Konsolen-Fussballer ein durchaus lohnendes "Update" darstellt.
Pro und Contra
- + Grandiose Präsentation
- + Einsteigerfreundlicher Zwei-Button Modus
- + Bestes FIFA aller Zeiten
- + Sinnvolle Detailverbesserung
- + Tolle Animationen der Spieler
- - Nicht so viele Online-Modi wie FIFA 10
Für die WM bestens gerüstet
Als ich das erste Mal in FIFA WM 2010 auf dem virtuellen Rasen stand, war ich auch etwas enttäuscht, da es anfangs schon den Eindruck eines Minimal-Updates hinterließ. Aber nach vielen ausgiebigen Partien merkt man die dezenten Verbesserungen dann doch schon deutlich und dann macht es richtig Spaß. Das Argument, man bekäme nicht genug für sein Geld, kann ich aufgrund der Vielzahl an Spielmodi und Mannschaften nicht gelten lassen, auch wenn der erwartete Ego-Shooter-Part fehlt, bei dem man sich seinen Weg vom Mannschaftshotel zum Stadion in den Vierteln Johannesburgs freischießen muss. Da zahle ich bei vielen Spielen mehr und lasse das Spiel dann wesentlich schneller in der Ecke liegen.
FIFA WM 2010 ist für mich die bislang beste Fussballsimulation auf NextGen-Konsolen, das ich sicherlich auch nach der WM noch einschieben werde. Sehr erfreut war ich ausserdem zu sehen, dass EA sich endlich ein par der Kritikpunkte angenommen hat, die ich schon seit langem an der FIFA-Reihe hatte. Endlich sieht man bei der Trikotauswahl auch die Hose, so dass man nicht mehr so schnell Gefahr läuft, zu identische Trikots auszuwählen. Bei gleichzeitig von beiden Teams durchgeführten Auswechslungen werden nun endlich alle am Bildschirm eingeblendet und die Auswechselbänke sind nun endlich nicht mehr leer, auch wenn die Spieler darauf noch starr wie Pappkameraden sind. Das sind nur Peanuts, für mich aber ein Zeichen, dass EA durchaus auf Anregungen und Kritik aus dem Fanlager hört. Und wir alle wissen, dass gerade Details den Unterschied zwischen einem gelungenen und einem missratenen Spiel ausmachen können.
Wer also im WM-Fieber steckt oder sich sowieso mal ein zugängliches Fussballspiel zulegen wollte, kann bei FIFA WM 2010 bedenkenlos zugreifen.
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Kommentare (18)
mikekool
jensen
IM Carlos
marsupil
Der Papa
mindVex
Human Torch
Das hat auch nix mit WM Fieber oder sowas zu tun, vergleicht man das Gameplay von FIFA 10 und WM 2010 verliert FIFA 10 aber sowas von deutlich, von den sau dämlichen Keepern gar nicht zu reden, oder den Rakten Schüssen oder Flummibällen.
Das gibt es in WM 2010 nicht mehr, es spielt sich wie Fussball. Einziges Manko ist wirklich das es kaum Online Modi gibt, und keinen Mannschaftskapitän Modus online, nur die Online FIFA WM.
Für GS Jäger ist das dann auch nichts, nur als kleiner Hinweis.
Der Papa
Natürlich müssen die tests immer alle pünktlich zum Erscheinen fertig sein, besser noch vorher und das Spiel kann nicht wochenlang Probe gespielt werden. Aber man sollte dann halt nicht jedes Jahr den Fehler machen, das Spiel wie einen Messias zu feiern, um es dann im folgenden Frühjahr wieder mit zahlreichen Mängeln auf den Boden zu holen und dann oft schlechter zu machen, als es ist. Kann man nicht von vorne rein den Mittelweg finden und es als sehr gutes Spiel bezeichnen, was aber eben auch kleinere Mängel hat und diese dann ganz offen nennen? Oder am besten macht man bei Spielen, welche über Monate gespielt werden, mal nach 3-6 Monaten einen Nachtest und spricht dann darüber, wie gut der überragende Eindruck den Langzeittest übersteht.
Das ist jetzt allerdings keine ausgesprochene Kritik an Area Games, wo FIFA 10 ja meiner Erinnerung nach mit 8/10 nicht so extrem hochgejubelt wurde, sondern eher am breiten Spektrum der testenden Medien.
AG wünsche ich aber, dass sie auch in Zukunft Leute die Spiele testen lassen, die selbst langjährige Fans des Genres sind und auch die Vorgänger kennen. Denn ein Daniel Pook oder ALV, die allgemein sehr gute Testberichte schreiben, können halt zu einem FIFA oder PES nicht viel mehr sagen als "hat sich im Vergleich zum Vorjahr nur leicht verbessert" oder "wurde nochmal aufpoliert", was eben dann nur abstrakte Phrasen aus Werbetexten sind oder eben allgemeingültige Aussagen, mit denen man zwar nie ganz falsch liegt, aber auch keine Informationen liefert.
Das wollte ich mal loswerden :-)
Human Torch
Seit Euro 08 hat sich jedes FIFA Spiel verbessert, das ist schön sowas zu erkennen wenn man mit jedem Fussball Spiel weit über 300 Stunden verbracht hat. Nach jetzigem Stand finde ich vom Gameplay her sogar die für damals guten Vorgänger ziemlich bescheiden.
Ist halt nur die Frage ob FIFA 10 z.B. nicht hätte schon genau so gut sein können, oder ob es EA nicht wollte um absichtlich Luft nach oben zu lassen.
Fakt ist, spielerisch macht es mehr Laune FIFA WM 2010 zu spielen als FIFA 10.
ABER das ist der Online Faktor, und der zieht dann zurück zu FIFA 10 und dem Club Modus... leider.
Hoffentlich wird FIFA 11 mindestens so gut wie das WM Spiel.
132Shadow