FUEL
16:30 Uhr - Ein neues Rennspiel von Codemasters lässt Joypadpiloten in der Regel das Benzin im Munde zusammenlaufen. Nach dem letztjährigen Hit „Racedriver Grid“ soll die Endzeit Motorsportvariante FUEL die Sommerdosis Nitro sein. Hauptzutaten sind eine riesige freie Spielwelt und ein dynamisches Unwettersystem. Warum das Spiel trotz der viel versprechenden Zutaten unter Startschwierigkeiten leidet, erklärt unser Testbericht.
FUEL ist keine Eigenentwicklung von Codemasters, sondern stammt aus den Händen vom Entwicklerstudio Asobo, die bisher allerdings eher durch Lizenzspiele wie Wall-E und Ratatouille aufgefallen sind. Umso erstaunlicher, dass deren erstes Rennspiel gleich eine derart riesige Spielwelt biet und dabei nicht mal die Codemasters übliche EGO Engine benutzt. Allerdings musste man sich für die 14.000 m² große Spielwelt nun auch nicht soviel Gedanken machen, da FUEL einem aktuellen Trend folgend natürlich in einer postatomaren Endzeitwüste spielt, in denen man sich nach Filmen wie Mad Max oder jüngst Terminator 4, bzw. Spielen wie Fallout 3 ja fast schon zu Hause fühlt. Da in dieser staubigen Schlechte-Laune Welt wohl weder Fernsehen noch Videospiele existieren, treffen sich die wenigen Überlebenden in dutzenden von Rennen, bei denen dann fleißig der knappe fossile Brennstoff Benzin verballert wird. Wie schon in Test Drive Unlimited oder Burnout Paradise steht dem Spieler damit eine riesige Welt zur Verfügung, in der er entweder frei herumfahren kann, oder sich in übersichtlichen Menus schlicht das nächste Rennen auswählt.
Im Fuhrpark: Die üblichen Verdächtigen
Da ein Fußmarsch durch die riesige Spielwelt vermutlich so viel Spaß machen würde, wie Plutonium beim Strahlen zu beobachten, bietet FUEL eine nette Auswahl an fahrbaren Untersätzen. Über einfache Motorräder, Quads und Buggys führt das Spiel dann später auch noch Monstertrucks ein und bietet damit ein vergleichbares Angebot wie der offensichtlichste Mittbewerber Motorstorm. Allerdings ohne dessen spaßige Zerstörbarkeit, denn die Fahrzeuge von FUEL besitzen kein Schadensmodell. So bleibt jeder Zusammenprall mit der Botanik äußerlich ungesühnt und führt höchstens zu einem Respawn auf der Strecke. Auch andere Sonderausstattungen scheinen in der Endzeit wohl aufpreispflichtig zu sein: So fehlen den Fahrzeugen z.B. Nitros, die anderen Spielen oft zu einer etwas taktischeren Note verhelfen. FUEL hingegen kennt nur eine Taktik: Als erster ins Ziel kommen. Alles andere zählt hier nicht. Gut, dieser Benzin-Darwinismus ist mittlerweile in anderen Spielen auch üblich, allerdings ärgert man sich doch immer wieder, wenn man nach einem anstrengenden Rennen als knapper Zweiter ins Ziel kommt, und sich dann gleich wieder auf einen erneuten Versuch freuen kann.
Bei der nächsten Möglichkeit bitte wenden
Auch die größte Spielwelt benötigt natürlich verschiedene Rennmodi, um ihre Quadratkilometer auch mit der nötigen Portion Spaß zu füllen. Hier bietet FUEL Standardware wie Checkpoint- und Rundkursrennen, aber auch den sehr witzigen Wettkampf gegen einen Helikopter. Nicht selten fragt man sich allerdings, was denn da für ein Trottel im Cockpit sitzt, denn sich von einem Quad in der Wüste überholen lässt. Spaß macht es aber trotzdem. Ebenfalls witzig: Die Finde und Zerstöre Missionen, in denen man ein andere Fahrzeug, nun, finden und zerstören muss. Ja, kennen wir alles aus Burnout, aber was solls. Was wir jedoch nicht aus Burnout kennen, ist eine unfreiwillig komische GPS-Navigation. Zwar weisen uns die optional einblendbaren Pfeile in der Regel schon in die richtige Richtung, allerdings nehmen sie dabei wenige Rücksicht auf das eigene Gefährt. Die Tatsache, dass man mit einem Motorrad keinen tiefen Fluss durchqueren kann, scheint dem freundlichen TomTom-Kollegen herzlich egal zu sein. Eine gesunde Portion Misstrauen ist damit angebracht.
Optik: Nichts für Kurzsichtige
Die Grafik von FUEL soll nicht etwa Fielmankunden ausschließen, bezieht aber ihren Reiz vor allem aus der beeindruckenden Fernsicht. Gerade auf den zahlreichen Bergen der Spielwelt kann sich auch der abgebrühteste Racingfan nicht allzu schnell satt sehen. Der Blick reicht mehre Kilometer weit und vermittelt damit perfekt das Gefühl, sich in einer riesigen Endzeitwelt zu befinden. Der Preis der Freiheit ist allerdings eine recht statische Umgebung, in der so ziemlich alles aus massiven Beton zu bestehen scheint. Eine zerstörbare Umgebung, wie sie z.B. Flatout immer wieder beeindruckend bietet, fehlt in FUEL leider. Dafür können die verschiedenen Wetterverhältnisse überzeugen. Selten hat ein Spiel derart überzeugend Schmuddelwetter auf den Bildschirm gebracht. Wenn in FUEL der Wind aus allen Surrondlautsprechern pfeift, greift man fast automatisch zur Regenjacke. Schade nur, dass besonders üble Schlechtwetterphänomene wie Tornados nur bestimmten Rennen vorbehalten sind, und nie im Free-Ride Modus anzutreffen sind. Denn die Naturgewalten sorgen mit zahlreichen gescripten Events, wie umfallenden Bäumen, immer wieder für extrem spannende Rennerlebnisse. Dafür bietet die freie Fahrt einen Tag-Nachtwechsel der die Umgebung alle 15 Minuten in Finsternis hüllt. Hier wird es allerdings so düster, dass selbst Riddck eine Taschenlampe bräuchte. Spielerisch machen Nachtfahrten damit leider schlichtweg keinen Sinn. Schade um das nette Feature.
Die nervigen Nachtfahrten fallen allerdings kaum ins Gewicht, da es ohnehin sehr wenig Gründe gibt, die Spielwelt frei zu erkunden. Alle Rennen lassen sich Gott sei Dank bequem über Menus auswählen, und wer wirklich die karge Landschaft nach Aussichtspunkten abklappert, der sucht bestimmt auch im Stadtpark jede Hundewiese nach einem vierblättrigen Kleeblat ab.
Offline oder Online: Ein bisschen Lag ist immer
Okay. Natürlich laggt das Spiel im Offline-Modus nicht. Ein bisschen befremdlich ist die KI allerdings schon. Sie scheint mit deutlich weniger Problemen zu kämpfen, als der Spieler. Die Wegfindung ist meist tadellos (vermutlich stellt die KI als erstes die GPS-Hilfe aus) und auch die unterschiedlichen Bodenbeläge scheinen die Computer-Kumpels nicht stark zu beinträchtigen. Wenn man die Schwächen des Computers ausnutzt, und Abkürzungen nutzt, die er auf seinen Idealwegen natürlich links liegen lässt, dann kann es schon mal passieren, dass er mittels Temposchub plötzlich wieder aufholt. Beim Spielen fragt man sich dann immer wieder, ob hier ein Gummiband am Werk ist, oder die KI einfach nicht gerne verliert und manchmal etwas mit unfairen Mitteln nachhilft. Da die meisten Rennen allerdings sehr flott über die Bühne gehen und gerade bei den Rundkursen ein sehr interessantes Streckendesign bieten, sind die KI-Schwächen letztendlich keine allzu großen Spielspaßbremsen.
Online kommt da schon echter Lag ins Spiel. Auch wenn die Rennen gegen menschliche Gegner weitaus mehr Spaß machen, so dürften die meisten Spieler von den andauernd Lags schwer genervt sein. Das ewige Hin und Herspringen von anderen Fahrern hat schon in Test Drive Unlimited für Kopfschmerzen gesorgt und scheint auch hier nicht zu vermeiden gewesen zu sein.
Pro und Contra
- + Gigantische Spielwelt...
- + Spektakuläre Unwettereffekte...
- + Beeindruckende Grafikengine
- + Spielumfang bietet genug Rennen für Wochen
- - ... in der es aber zu wenig zu erleben gibt
- - ... leider nur in ausgew
- - Leicht verwirrtes GPS-System
- - Sinnlose Tag/Nachtwechsel
Weniger wäre mehr gewesen
Es gibt Spiele, die klingen auf dem Papier unglaublich öde: Sieben verschiedene Formen sortieren, die immer aus vier Quadraten bestehen. Na spannend. Wer dann aber mal Tetris gespielt hat, wird diese Lebenserfahrung kaum vergessen. Aber natürlich gibt es auch den umgekehrten Fall: Ein Open-World Racingspiel mit 14.000m² Spielfläche. Wow. Doch der Teufel steckt hier weniger im Detail, als vielmehr in der Masse: Spiele wie Motorstorm bieten schlauchförmige Level, pflastern diese aber mit unzähligen Details und genialen Streckenvarianten zu und spendieren obendrein noch ein exzellentes Schadensmodell. All dies bietet FUEL leider nicht. Stattdessen können vor allem die spektakulären Wettereffekte noch begeistern, allerdings bleibt es auch hier fraglich, ob diese einen auch nach 10 Spielstunden noch so richtig vom Hocker hauen. Für meinen Fall kann ich das klar verneinen. Es bleibt ein überambitioniertes Rennspiel, das viel verspricht, aber bei seiner wichtigsten Disziplin, nämlich spannende und faire Rennen zu liefern, leider zu wenig bietet. Dass die Ansprüche an Rennspiele höher sind, hat sich Codemasters allerdings auch selbst zuzuschreiben. Wer Grafik- und Actionorgien wie GRID auf den Markt wirft, darf sich nicht wundern, wenn andere Rennspiele auch trotz riesiger Spielgebiete plötzlich langweilig erscheinen.
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Kommentare (11) « 1 2 »
Xenob1te
KingDingeling83
17.06.2009 16:59 - kein schadensmodell? nicht gekauft! ansonsten klingt das alles ziemlich öde. schade eigentlich.Werner Stelzenpop
17.06.2009 17:39 - Genau das, was im Fazit steht, habe ich befüchtet!pb2007
17.06.2009 17:44 - schade, da ist man von codemasters besseres gewohnt.....LookMyBullet
17.06.2009 19:45 - Finde sowas wie in Test Drive schon war darf einfach nicht passieren..Wenn da Autos durch die gegend hüpfen...dicke crashes verursachen an denen man eig. vorbei fährt um dann doch mittenrein zu donnern.
Lags sind bei Rennspielen für mich ein No Go und daher hat mir Test Drive online leider garnicht gefallen.
Warum wird bei sowas geschlampt und einfach nicht dafür gesorgt das es gut läuft..Hätten bei test Drive so geille momente sein können die man zusammen über die Strecke rast aber dem sollte wohl nicht so sein.
Und das gleiche mitte 2009 nochmal?Ne danke...Und wenn der online mode nix taugt..Offline wirds mich auch nicht ewig begeistern können..Schade..Aber wenns mal billig zu haben ist werde ich zuschlagen..Finde das ganze setting und die schiere grösse schon interresant genug.
amos77
17.06.2009 20:09 - 14.000m²? Klingt nach dem kleinsten Rennspiel ever ;-) Reicht aber wohl für 14 Einfamilienhäuser mit Pool. und ein paar R/C-Rennstrecken....das Game ist leider katastrophal geworden, die Pop Ups sind echt nicht mehr schön. Codemasters wird leider immer schlechter. Erst Dirt, dann Grid und jetzt Fuel. Kein Vergleich mehr mit den alten Colin McRae, DTM und natürlich noch viel weniger mit Forza 2. Bleibt nur zu hoffen, dass das Next Gen-F1-Spiel kein NFS-Klon wird.Mortician
17.06.2009 21:46 - hab mir das spiel gekauft.ich muss sagen,am anfang war ich voll enttäuscht.aber nach paar std macht es richtig spass.die rennen sind klasse....der freerunmodus ist dank fehlender abwechslung SEHR langweilig!!!
fubu
Nach ein paar Stunden macht es einfach immer mehr Spaß, der Hauptgrund liegt darin, dass man nämlich nicht wie bei allen anderen Rennspielen immer auf den 10-20 gleichen Strecken fährt, sondern jedes der ~250 Rennen eine neue Herausforderung ist. Dazu kommen die echt coolsten Wettereffekte, die ich bisher gesehen habe. Dazu zwischendrin immer mal ein bißchen in der riesigen Welt rumheizen, coole Aussichten genießen...
Und Lag hin oder her, bei mir (auf der 360) laggts nicht besonders, außerdem kann sowas per Patch auch noch gefixt werden. Und immer an den Onlinemodus von Gears2 denken, als es noch neu war...
Cabal2k
18.06.2009 19:24 - "- ... leider nur in ausgew"Soll jetzt genau was bedeuten? Ich tippe mal auf "ausgewählten Bereichen" oder "ausgewählten Gebieten"...
Warte noch auf eine Demo, dann schau ich mir es mal an. Was mich interessieren würde ist ob ihr die Steuerung auch als "schwammig" empfindet? Zumindest die Gamepro schreibt das unter Kontra....
paulfect
20.06.2009 20:35 - Schade, hatte mir mehr von erwartet.Bitte logge Dich ein, um Kommentare zu verfassen.
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