Fairytale Fights
15:03 Uhr - Was passiert, wenn vier berühmte Märchenfiguren ihres Ruhmes bestohlen werden? Na klar, sie ziehen in den Krieg! Diese doch sehr kuriose, aber gleichzeitig sympathische Story erzählt Playlogics Fairytale Fights. Leider wird die tolle Grundidee von technischen und spielerischen Macken zu einer Horrorgeschichte degradiert. Unser Test liefert die Einzelheiten zum Rotkäppchen-Massaker.
Das tapfere Schneiderlein ist nicht nur tapfer, sondern gelinde gesagt ein blödes Arschloch mit harmlosem Namen. Nicht, weil es seine Kleider zu überzogenen Preisen verkauft, sondern den vier Märchenhelden bzw. –heldinnen Rotkäppchen, Schneewittchen, dem nackten Kaiser und Jack (aus „Jack und die Bohnenstange“) ihren Ruhm und Glanz stiehlt. Wie genau? Keine Ahnung, dazu hab ich beim Intro nicht sorgfältig genug hingeschaut. Ist ja auch egal. Jedenfalls startet im direkten Anschluss das eigentliche Spiel und… verwirrt. Man findet sich in einem friedlichen Dorf wieder, in dem überall relativ weit voneinander Bücher verteilt sind, denen verschiedene Funktionen zukommen: während eines die Soundoptionen regelt, verrät das nächste diverse Statistiken, zehn Meter weiter dürfen wir uns einen der vier Charaktere aussuchen und ein anderes geleitet uns schließlich zur Levelauswahl. Sämtliche Menüs lassen sich ebenfalls über einen Druck auf die Start-Taste abrufen, was so oder so wesentlich mehr Sinn ergibt, da man außer dem Öffnen der Bücher nicht allzu viel in dem verschlafenen Örtchen anfangen kann. Wir entscheiden uns für den Quest-Modus, hinter dem sich die eigentliche Story-Kampagne versteckt.
Fairytale "Braindead" Fights
Als Schneewittchen starten wir nun den ersten Level. Den ersten bunten Level. Denn das ist Fairytale Fights vor allem: übertrieben bunt. Grelle Rot- und Gelbtöne verschiedenster Objekte reichen sich hier mit knallig blauen Flüssen und geradezu aufdringlich grünen Baumkronen die Hand. Die comichafte Aufmachung erinnert an ein Super Mario 64, angereichert mit ein wenig World of Warcraft auf Ecstasy. Was gar nicht mal so schlimm wäre, schließlich passt sich der Cartoon-Look nur an die verrückte Situation an. Doch schon nach kurzer Spielzeit fallen immer wieder Grafikmacken wie matschige, nicht flüssig ineinander übergehende Texturen und flackernde Ränder auf. Bereits nach wenigen Schritten treffen wir auf die ersten Widersacher: eine Bande grimmiger Holzfäller. Mithilfe des rechten Analogsticks dreschen wir auf die Baumtöter ein, und siehe da: Es fließt eine Menge Blut. Nicht die typische „Call of Duty“- oder „GTA“-Dosis, sondern literweise - Bruce Campbell wäre stolz auf die angeblich schönste Frau im Land. Später geht es immer härter zur Sache, da wir immer wieder neue Waffen finden, unter anderem Sägen, Gewehre, Äxte oder Schwertfische. Ja, Schwertfische. Ich will an dieser Stelle nicht zu viel verraten, aber im Laufe der Story werdet ihr immer wieder auf verrückte Items stoßen, wobei diese oft nur wenig Schaden (wird durch eine Anzahl von Sternen jederzeit verdeutlicht) verursachen und sich daher für Kampfsituationen als eher nutzlos herausstellten. Wobei es keinesfalls schlimm ist, wenn man öfter mal draufgeht, denn eine begrenzte Anzahl an Leben gibt es nicht, lediglich die eingesammelte Kohle verringert sich erheblich. Letzteres ist wiederrum unerheblich, da das Geld hauptsächlich zur Erweiterung einer lieblosen Statue im Dorf verwendet wird.
Haufenweise Fehler in der Märchenwelt
Was ein ganz netter Brawler im etwas anderen Setting hätte werden können, wird durch viele Design- und Technikbugs vermiest. Neben den bereits angeschnittenen Grafikfehlern verzichtete Playlogic auch auf eine Sprachausgabe. Was in den LEGO-Spielen zumindest hochgezogene Mundwinkel garantierte, lässt in Fairytale Fights meist nur verzerrte Augenbrauen zu. Hier und da funktionieren immerhin Anspielungen auf mehr oder weniger bekannte Märchen, einige davon sind sogar richtig lustig. Urkomisch wären auch die Zoom-Aufnahmen zerstückelter Feinde, doch statt sich auf besonders brutale Aktionen zu beschränken, werden bei jedem abgeschnittenen Arm und jedem durchtrennten Körper vertikale, sich über den ganzen Bildschirm erstreckende Nahansichten eingeblendet. Das nervt bereits nach kurzer Zeit und schränkt zudem die Übersicht ein. Oh, wo wir gerade dabei sind: das Spiel unterstützt zwar einen Ko-Op-Modus für bis zu vier Spieler, sowohl On- als auch Offline, leider geht hier die Orientierung komplett flöten und es verkommt zu einer sinnlosen „rechten-Stick-in-alle-Richtungen-hämmern“-Einschlafhilfe. Der kompetitive Arena-Modus, eine Ansammlung von mehreren Maps, die zum gegenseitigen Zusammendreschen einladen, leidet unter ähnlichen Problemen und fesselt nur für kurze Zeit. Darüber hinaus sorgt die Kollisionsabfrage in Kombination mit den pseudo-2D-Levels, die aber eigentlich dreidimensional sind, für reichlich Frust. Sehr oft rutscht die Spielfigur Abgründe herunter obwohl sie eigentlich noch auf dem Rand steht und die „Jump’n Run“-Abschnitte, welche wenigstens etwas Abwechslung in das stundenlange, monotone Gekloppe hineinbringen, erfordern dank der nicht justierbaren Kameraperspektiven häufig mehrere Anläufe. In zahlreich vorhandenen Kisten versteckte Waffen wirken meist lustlos bzw. zufallsgeneriert platziert und platzen gleich in mehreren Ausführungen, wohl um im Extremfall alle vier Teilnehmer bedienen zu können, aus ihren Verstecken. Blöd nur, dass sie dabei wirklich herausfliegen und die Truhen oft an Schluchten platziert wurden – die Items stürzen dann einfach in den Abgrund! Die letzte Wutprobe besteht aus technischen Bugs, die bereits früh im Spiel auftreten und sich dann immer wieder blicken lassen. So teleportierte sich an einer Stelle ein Boss-Gegner hin und her, offensichtlich nicht so vom Spiel vorgesehen, und tötete mich mehrmals auf der Stelle ohne jegliche Einflussmöglichkeit. Sagen wir es so: Ich habe die Wutprobe desöfteren nicht bestanden und musste die Konsole zwecks Lebenserhaltung von Geräten und Wohnungseinrichtung kurzzeitig ausschalten.
Pro und Contra
- + abgefuckte Märchen sind immer gut, ...
- + Brawler zu viert sind immer gut, ...
- + Blut ist immer gut, ...
- - ... wenn sie vertont sind
- - ... wenn sie einigermaßen übersichtlich sind
- - ... ständige Zoom-Kills aber nicht
- - technische Bugs & Grafikfehler
- - ungenaue Kontrolle
- - stark repetitiv
Es war einmal ein gescheitertes Spiel...
Das Grundkonzept von Fairytale Fights hört sich auf dem Papier grandios an, die Ausführung schlägt aber in nahezu allen Bereichen fehl. Schade, dabei hätte es ohne die zahlreichen technischen Fehler zumindest ein einigermaßen netter Brawler für zwischendurch werden können. Dass dann aber auch noch der 4-Spieler-Ko-Op aufgrund der fehlenden Übersicht im Grunde genommen schlechter ist, als wenn man sich alleine durch die knallig bunten Märchenwelten schlägt, ist eigentlich der traurige Tiefpunkt dieses Spiels. Für wen spreche ich letztendlich eine Empfehlung aus? Niemanden. Tut mir leid, Playlogic. Wer sich von der abstrusen Märchenidee angezogen fühlt, sieht sich lieber noch einmal American MCGee‘s Alice an!
Bewertung
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Kommentare (14)
Jace
Jace
Ausnahmen wie geldgeile Publisher gibt's natürlich auch... aber diese Spielen haben dann nicht SOLCHE Probleme.
Jace
Und auch Herr Buch schreibt ja: "Das Grundkonzept von Fairytale Fights hört sich auf dem Papier grandios an...".
Zu recht wie ich finde.
Insofern scheidet uns hier auch die Geschmacksfrage.
alp biker
Ich hab vorher noch nie von dem Spiel gehört und hab ja offensichtlich auch nichts damit verpasst.
PS: Die Grundidee ist ja super, aber die ganzen Designchoices nicht =)
float
Robert Buch
These nouns denote a noisy, disorderly, and often violent quarrel or fight"
Also einfach ein Klopp-Spiel im Stile der Watchmen, Final Fights, Double Dragons & Co.