Fight Club

16.01.2007 11:56
Fight Club


Eigentlich ist es verwunderlich das erst jetzt, Jahre nach Veröffentlichung des Streifens, ein Spiel zu einem Film erscheint, der auf den markanten Namen „Fight Club“ hört. Das hat sich wohl auch Vivendi Universal gedacht, und strickte rund um den Kultfilm mit Brat Pitt und Edward Norton in den Hauptrollen ein simples Prügelspiel, das dem düsteren Fincher Werk gewidmet ist. Während die Entwicklerneulinge von Genuine Games zwar alle Regeln des Fight Clubs gut ins Spiel integrierten, vergaßen sie scheinbar einige grundsätzliche Prinzipien des guten Gamedesign.

Die erste Regel für ein gutes Spiel lautet:

Langweile den Spieler nicht mit ödem Gameplay – Eigentlich ist es doch gar nicht so schwer, ein Beat´em Up zu entwickeln. Man nehme möglichst viele interessante Charaktere (die sich in der Filmvorlage zu hauf finden lassen), gebe ihnen unterschiedliche Kampfstile, und versehe das ganze mit vielen Angriffsvarianten, die den Spieler auch nach Wochen noch fordern. Nun zumindest einen extravaganten Charakter hat es dann in die Kämpferriege geschafft. Das männliche Tittenmonster Bob ist skurril und schrill, und hebt sich somit wohltuend vom restlichen Kämpferfeld ab. Dieses besteht ansonsten aus langweiligen Allerweltstypen wie einem dicken Polizisten oder dem gelangweilten Büroangestellten Jack. Selbst der im Film so charismatische Tyler verkommt in der Versoftung zum Langweiler.

Auch in Sachen Kampfstile scheinen die Entwickler keine großen Einfälle gehabt zu haben. Alle vierzehn Kämpfer lassen sich in drei Klassen einteilen. Straßenkämpfer, Ringer und Martial Arts Experten. So zumindest die Theorie ... in der Praxis verquirlen sich alle drei Kämpferklassen zu einem Einheitsei, bei denen sich die Moves kaum voneinander unterscheiden. Das Tekkenlastige Kampfsystem mit vier Angriffsbuttons und zwei Griffvarianten überzeugt auch sonst nicht durch Abwechslungsreichtum. Die Movevielfalt der Kämpfer ist zwar ganz ordentlich, die einzelnen Angriffe unterscheiden sich in Wirkung und Aussehen aber kaum voneinander, so das ihr schon bald zu den Standartangriffen zurückkehrt, anstatt euch die komplizierten Buttonkombinationen zu merken.

Die zweite Regel für ein gutes Spiel lautet:

Viel Spielmodi für viel Abwechslung – hier kann der geneigte Prügelfan den Entwicklern keinen Vorwurf machen. Zwar finden sich keine innovativen Neuerungen unter den anwählbaren Spielmodi, alle Standartmodi wie Arcade-, Versus- oder Trainingsmodus haben es ins fertige Spiel geschafft. Wer mag darf sich im Storymodus zudem als Neuling im Fight Club beweisen. Leider wird die Geschichte durch eingestreute Standbilder nur unzureichend präsentiert. Im Grunde prügelt ihr euch nur von Kampf zu Kampf, ein wenig mehr Abwechslung wäre schön gewesen. Im obligatorischen Überlebensmodus tritt der Spieler nacheinander gegen so viele Gegner wie möglich an. Die Gesundheit des eigenen Kämpfers erholt sich dabei nach jeder Runde nicht vollständig, so dass ihr gezwungen seid, möglichst Energieschonend durch die Runden zu kommen.

Onlinespieler freuen sich zudem über vollen Xbox Live Support, in dem ihr euren eigenen Fight Club gründen könnt. Kreiert vor dem ersten Onlinekampf euren eigenen Kämpfer, in dem ihr entweder auf die schon im Spiel integrierten Charaktere zurückgreift oder manuell einen eigenen Kämpfer erstellt. Leider bieten euch die Menüs dabei kaum Handlungsspielraum, die einzelnen Charaktereigenschaften sowie Körpermasse lassen sich nur spartanisch auswählen. Nett ist die Idee des Hardcoremodus, in dem ihr durch siegreich gestaltete Kämpfe eure Kampfwerte verbessern könnt. Aber Vorsicht, steckt ihr zu viel Schläge ein, kann es passieren das euer Charakter in den Ruhestand versetzt wird. Die Onlinemöglichkeiten sind recht knapp ausgefallen, und gehen über Optimatch, Rang- und Freundesliste nicht hinaus. Immerhin bietet Vivendi zusätzlich neue Inhalte zum Download an. Zum Testzeitpunkt befand sich beispielsweise ein neues Soundtrackpaket zum Download auf dem Server. Auch die Möglichkeit des System Links wird angeboten.

Die dritte Regel für ein gutes Spiel lautet:

Grafik und Präsentation müssen stimmen – Grafisch weiß Fight Club mit schön detaillierten Kämpfern und Arenen durchaus zu überzeugen. Auch das Schadensmodell der Kämpfer mit Blutergüssen, aufgeplatzten Lippen und leicht humpelnden Kämpfern schmeichelt dem Spielerauge. Besonders schwere Treffer kurz vor Ende eines Fights werden zudem in nett präsentierten Röntgenaufnahmen dargestellt, in denen ihr die Knochenüche des Gegners in aller Genauigkeit unter die Lupe nehmt. Auch sonst ist der Gewaltpegel sehr hoch angesetzt, so dass der Bildschirm schon mal mit Blutspritzern gesprenkelt ist.

Völlig misslungen ist dagegen die komplette Präsentation des Spiels, bei denen man oft das Gefühl hat, der Vivendiklopper leidet unter einem Soundbug. So hört ihr vor einem Kampf keinen Kommentator der euch durch ein martialisches „Fight“ zur Klopperei auffordert, oder aber einschüchternde Sprüche eures Gegners. Auch bei den Siegerposen nach einem Kampf bleiben die Kämpfer völlig stumm. Hier hätte man mit ein wenig mehr Können deutlich mehr Atmosphäre erzeugen können. Immerhin erfreut sich euer Ohr an einem gelungenen Soundtrack mit Songs von den Dust Brothers, Korn, Limp Bizkit und den Queens of the Stone Age. Wem die Musik nicht gefällt, kann auf seinen eigenen Festplattensound zurückgreifen.

"Der Film haut mehr rein"

(Meinung » Mario Schonhoff)

Na ich weiß nicht. Fight Club ist sicherlich kein schlechtes Spiel, wirkt aber ziemlich dahingeschludert und unfertig. Das fängt schon bei der Präsentation an. Eigentlich ist es man von guten Prüglern gewohnt, durch einen bissigen Kommentator und markige Sprüche der Kontrahenten auf die Schlacht eingestimmt zu werden. Das fehlt in Fight Club komplett. Auch in den Siegerposen nach einem Kampf bleibt der strahlende Sieger völlig stumm. Ebenfalls nicht überzeugen konnte mich das einfallslose Kampfsystem. Zwar gibt es eine Menge Moves, die ihr ausführen könnt, irgendwie schauen die aber alle gleich aus, und haben eine ähnliche Wirkung. Warum soll ich mich also durch die lange Movelisten quälen, wenn ich auch mit Standardkombos locker den Sieg erringe? Ebenfalls nicht gefallen hat mir das langweilige Kämpferfeld, dessen Charaktere sich in Sachen Kampfstile kaum voneinander unterscheiden.

Ansonsten gibt es wenig zu meckern. Die Vielfalt der Spielmodi geht in Ordnung, selbst an eine Onlineunterstützung hat Vivendi Universal gedacht. Grafisch und akustisch kann der Fight Club ebenfalls überzeugen. Mit ein wenig mehr Feintuning seitens der Entwickler wäre aus der Filmumsetzung wohl ein nettes Spiel geworden, so bleibt es leider bei Durchschnittskost, die sich nur Genrefreaks mal anschauen sollten, die auf der Xbox schon alles andere an ordentlichen Prüglern besitzen.

Bewertung

Fight Clubxbox

0/10

Alexander Laschewski-Voigt

Der gelernte Industriekaufmann probierte sich im BWL-Studium aus, um dieses dann allerdings zugunsten einer Xbox-Website namens AreaXbox vorzeitig zu beenden. Seitdem steht er als Chefredakteur auf der Kommandobrücke der MS AreaGames. Der bekennende US-Serienfan legt am liebsten Renn- oder Rollenspiele in seine Xbox 360. Zu den Alltime-Hits seiner mit dem C64 begonnenen Spieleleidenschaft gehören Deus Ex, System Shock 2 und die Wing Commander-Reihe.