Filmcheck: Underworld Awakening
Sexy Kate Beckinsale schlüpft zum dritten Mal in den hautengen Catsuit von Vampirkriegerin Selene und hinterlässt im neuesten Teil der Reihe um den Konflikt zwischen Werwölfen und Vampiren eine Spur der Verwüstung – natürlich in 3D. Das leider sehr kurz geratene Filmvergnügen orientiert sich diesmal an Resident Evil und will mit noch mehr Blut sowie nackten Tatsachen punkten.
Das Kinopublikum ist doch gar nicht so schwer zufriedenzustellen. Wenn es bekommt, was es will, stimmt am Ende auch die Kasse. Ein gutes Beispiel sind die drei Underworld-Filme: Mit Kate Beckinsale in der Rolle von Vampirkriegerin Selene erreichten die ersten beiden Teile sehr gute Einspielergebnisse, die dritte Auflage ohne die Engländerin in der Hauptrolle floppte. Deshalb haben sich die Regisseure Björn Stein und Måns Mårlind für Underworld: Awakening wieder die Dienste der Galionsfigur gesichert, die der Serie wieder in die Erfolgsspur verhelfen soll. Wer also in den letzten Jahren von seiner Freundin in die Twilight-Filme gezerrt wurde, kann sich jetzt revanchieren. Hier gibt es keine Werwolf-Schönlinge mit Föhnfrisur oder weinerliche Vampire mit zerzausten Haaren. Die Jungs wollen Kate. Und in Underworld: Awakening bekommen sie die volle Dröhnung Kate.
Wer die ersten beiden Filme verpasst hat (Teil 3, Aufstand der Lykaner, spielte storytechnisch zu einer anderen Zeit), bekommt in den ersten Minuten die wichtigsten Ereignisse mit Szenen aus den Vorgängern schnell zusammengefasst. Aber selbst ganz ohne Vorkenntnisse kann man den Film theoretisch problemlos verfolgen: Werwölfe, genannt Lykaner, liefern sich seit Jahrhunderten einen Krieg mit den Vampiren. Viel mehr muss man eigentlich nicht wissen. In Underworld: Awakening haben die Menschen inzwischen von der Existenz der beiden Spezies erfahren – und sind von ihren bisher unbekannten Untermietern so gar nicht begeistert. Mit Licht- beziehungsweise Silbermunition machen die Menschen fortan Jagd auf Vampire und Lykaner. Die wenigen Überlebenden der Säuberungsaktion verstecken sich im Untergrund. Selene (Kate Beckinsale) wird gefangen genommen und erwacht 12 Jahre später eingefroren in einer Kältekammer. Natürlich kann sie sich aus ihrem eisigen Sarkophag befreien und steht vollkommen nackt (Ja, richtig gelesen) und von merkwürdigen Visionen geplagt in einem Labor des mächtigen Bio-Konzerns „Antigen“ (sämtliche parallelen zu Umbrella sind wahrscheinlich rein zufällig). Zum Glück wurde ihre geliebte Lederkluft all die Jahre gleich im Regal nebenan aufbewahrt.
Nach erfolgreicher Flucht aus den dunklen Laborgängen macht sich Selene auf die Suche nach dem Ursprung ihrer unheimlichen Visionen. In einem feuchten Keller entdeckt sie schließlich die kleine Eve (India Eisley). Es handelt sich um Selenes Tochter, die sie während des Komas zur Welt gebracht hat. Gemeinsam suchen die beiden nach Zuflucht bei den wenigen überlebenden Vampiren, da Antigen bereits auf den Fersen des tödlichen Duos ist. Denn hinter der zuckersüßen Fassade von Eve lauern gewaltige Kräfte. Und die will Dr. Jacob Lane (Stephen Rea) unbedingt für seine Zwecke nutzen. Hilfe bekommt Selene von Vampir-Kollege David (Theo James). Ach ja, einen Detektive (Michael Ealy), der die Machenschaften bei Antigen aufdecken will, gibt es auch noch.
Viel mehr soll hier zur Geschichte jetzt nicht gesagt werden, denn sonderlich neu und spektakulär ist das Ganze nicht. Der rote Faden reicht aber, um sich in den nicht ganz anderthalb Stunden (ohne Abspann) gut unterhalten zu fühlen. Die Laufzeit ist auf den ersten Blick verdammt kurz, aber immerhin wird so das Tempo hochgehalten und es kommt keine Langeweile auf. Allerdings fühlt man sich des Öfteren zwangsläufig an die Resident Evil-Filme erinnert: Versuchskaninchen bricht aus Labor von bösen Großkonzern aus und kommt zum großen Showdown zurück, um sich an ihren Peinigern zu rächen. Auf ausschweifende Dialoge, wie es sie besonders im ersten Teil gab, verzichtet der Streifen nahezu völlig. Die Beziehung zwischen Selene und Eve wird ebenfalls nur sehr oberflächlich behandelt, die wenigen Emotionen gehen im Gewitter von Kugeln, Explosionen und Staub unter. Dafür pflügt Kate Beckinsale noch öfter in Zeitlupe und mit gekonnter Akrobatik durch Horden von Werwölfen und Soldaten. Immer gut im Bild: ihr hübsch in Leder verpackter Hintern. Wie sie es aber schafft, aus zwei Pistolen geschätzte 40.000 Schuss Munition pro Minute abzufeuern, bleibt bis zum Abspann ein Geheimnis. Der Gewaltgrad war in der Serie bisher immer schon recht hoch, zieht hier aber noch einmal stark an. Aufgeschlitzte Kehlen, Kopfschüsse im Sekundentakt und Hektoliterweise Blut verwandeln den Film schon fast in ein Splatterfest. Der Gegner, der mit einer Granate im Bauch in einer riesigen Blutwolke zerplatzt, ist da eigentlich nur die logische Konsequenz. Von der FSK wurde Underworld: Awakening trotzdem mit einer Freigabe ab 16 Jahren durchgewunken.
Schon fast obligatorisch kommt der vierte Teil der Reihe in 3D in die Kinos. Und schon genauso obligatorisch ist der Effekt weitestgehend eine Enttäuschung. Der Tiefeneffekt kommt in den Anfangsminuten ganz gut zur Geltung, wenn Hubschrauber über eine brennende und von Kämpfen gezeichnete Stadt hinweg fliegen. Darüber hinaus bleibt es aber bei den inzwischen bekannten Spielereien. Futurischtische Granaten und Scherben splitternder Glasscheiben fliegen durch den Saal. Ein Problem der 3D-Technik wird bei Underworld besonders deutlich. Bei einem Film, der zu 95 Prozent in der Dunkelheit spielt, wirkt der lichtschluckende Effekt der 3D-Brille besonders fatal. Stellenweise lässt sich das Werk aber auch problemlos ohne Nasenfahrrad bestaunen. Angesichts der ziemlich kurzen Laufzeit muss man sich vor dem Kinobesuch dennoch fragen, ob der Aufpreis es wirklich wert ist. CGI-Effekte kommen in erster Linie bei den Verwandlungs-Szenen der Werwölfe zur Geltung. Das sieht alles ganz solide aus, der meterhohe „Endboss“-Werwolf wirkt aber etwas zu künstlich.
Underworld: Awakening legt von der ersten Minute an ein hohes Tempo vor und zieht seine Inszenierung von Anfang bis Ende konsequent durch. Der Krieg zwischen Vampiren und Werwölfen dient dabei nur noch als grober Rahmen für die schicken Actionsequenzen. Konzentrierte sich der Erstling wohl aufgrund des deutlich kleineren Budgets auf Dialoge und Charaktere, liegt der Fokus nun endgültig nur noch auf den Kurven von Kate Beckinsale. Die zeigt sich dann zur Freude der Zielgruppe auch einmal komplett hüllenlos. Die restliche Darsteller-Regie liefert Dienst nach Vorschrift ab und steht der Chefin ansonsten nicht groß im weg. Einzige Ausnahme: India Eisley als Eve, die man auch dann noch in den Arm nehmen möchte, wenn sie gerade einen Werwolf in zwei Hälften gerissen hat. Splatterfans kommen hier durchaus auf ihre Kosten, denn derart skrupellos metzelte sich die Leder-Amazone noch nie durch die Gegnerreihen. In den USA klingelten bereits die Kassen und auch in Deutschland dürften sich die wenigsten Kino-Besucher an der schwachbrüstigen Geschichte, die sich großzügig bei den Resident Evil-Filmen bedient, stören. An der Filmlänge hingegen schon. Zu kurz oder kurzweilig, das bleibt eine Geschmacksfrage. Im Grunde liefert der Streifen aber genau das, was die Zuschauer erwarten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
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Kommentare (17)
Jace
Keine ganz große Reihe aber mir hats immer Spaß gemacht... werd aber auf den DVD Release warten.
Kate ist auf jedenfall ne gute Besetzung.
samurai
Eigentlich schade, dass es wohl mehr Richtung Action geht. Werde mir den vierten Teil sicherlich anschauen, die Reihe fand ich bislang durchweg unterhaltsam.
Pairikas
" liegt der Fokus nun endgültig nur noch auf den Kurven von Kate Beckinsale."
Dann ist das genau der richtige Film für mich ^^
LookMyBullet
Die Underworld Serie ist den Resident Evil Streifen aber bisher mal sowas von universen vorraus gewesen.
Das ist wenigstens ein eigenständiges Franchise mit ner dazu super geillen schnecke!Die Resident Evil streifen sind dagegen doch reiner Bullshit und werden nur dazu genutzt Mila Jovobich zu vermarkten..Zudem dreht auch noch ihr Macker die Filme.
Kate ist Epic Win...Mal sehen ob der neuste Streich überzeugen kann, ich fand aber auch den dritten Teil recht gut.
xXDonReneXx
Frage am Rande... Daniel Beer? Hab ich was verpasst? Falls neu, willkommen :)
Nils Lendeckel
Daniel Beer ist ein Gast-Schreiber, der für uns Pro Evo 2012 und FIFA 12 getestet hat.
Jägerfisch
Es geht nur noch in die Richtung "Action"? In welche Richtung ging die Serie denn sonst? Ich bin im Kino bei Teil 1 eingepennt so strunzendämlich war das ganze. IMO war es besser einzupennen, als den ganzen in Pannesamt gekleideten Aushilfsmephistos den Kopf abzuschrauben, die danach in die gruftigen Zappeltempel gewandert sind. IMO ist Underworld der Grund warum Twilight so erfolgreich ist !
johnboy
@Jägerfisch: ne die Twighlightbücher und der undurchsichtige Geist pubärtierender Mädchen ist der Grund für den Erfolg von Twighlight. (sowie die Sickspacks der beiden männlichen Hauptdarsteller)
@Topic: Ich fand eigentlich nur den dritten richtig gelungen. Für mich waren die ersten beiden eher ne mäßige Mischung aus dem Lack und Leder von Matrix und der Action eines Resident Evil 2 (blos ohne Laserfallen). Klar is die Kate ne heiße Schnitte und ihr Overall steht ihr schon ausgesprochen gut, aber die Story hat mich zumindest sooo ultra kalt gelassen. Aber unterhalten konnten bisher alle Teile. Hauptsache Köpfe werden abgeschlagen ;)
Saibot
Nils Lendeckel
Unser letzter Filmcheck zu Mission Impossible: Phantom Protokoll ist doch gar nicht so lange her ...