Filmkritik: 127 Hours
127 Stunden trennen Aron Ralston im gleichnamigen Kinofilm von Danny Boyle von seinem rechten Arm. Und zwar wortwörtlich, denn der eigenbrötlerische Naturbursche hat sich beim Klettern eingeklemmt und kann sich in seiner steinigen Todesfalle kaum ein paar Zentimeter bewegen. Buried goes artsy-fartsy?
Die meiste Zeit über Arm dran...
Den Blue John Canyon in Utah wollte Aron Ralston genau so sorglos angehen wie seine regelmäßigen Abenteuer-Ausflüge üblicherweise geplant werden. Niemand weiß, wohin er aufbricht oder dass er überhaupt mal wieder auf Touren geht. Dumm nur, dass er sich dabei in einer Felsspalte einklemmt, an der so bald kein zufälliger Spaziergänger vorbeikommen wird. Sein rechter Arm ist von einem massiven Felsbrocken begraben worden, jeder anfängliche Befreiungsversuch schlägt fehl. Mit nichts als einem stumpfen Messer, einer Taschenlampe, etwas Gerümpel, ein wenig Wasser und einer Videokamera ausgerüstet, bleibt Ralston kaum etwas anderes übrig, als auf unverhoffte Rettung zu warten und bis dahin seinen Lebenswillen nicht zu verlieren.
Wer den Rest der wahren Geschichte nicht kennt, möchte an dieser Stelle vielleicht nicht weiterlesen, um sich das Ende nicht zu spoilern. Obgleich dies eigentlich kein Problem darstellen sollte, da Danny Boyle bei seinem Film auf Basis der Autobiographie von Aron Ralston gewiss nicht davon ausgegangen ist, dass sein Publikum von der Vorlage aus dem echten Leben noch nichts gehört haben würde. Wie auch immer, am Ende ist der Arm dann doch ab und dazwischen erleben wir jede Menge Halluzinationen, Selbstfindung sowie Videonachrichten an Freunde und Familie.
... und doch nie langweilig.
Wer fürchtet, 127 Hours sei das nächste Kammerspiel mit eingesperrtem Hauptdarsteller auf engstem Raum, bei dem sich die Kamera kaum von der Stelle bewegt, hat die Rechnung ohne Danny Boyle gemacht. Zunächst einmal beginnt der Film mit effektvollen Bildmontagen, die stilistisch direkt an den Musikvideo-artigen Stil von Slumdog Millionaire anknüpfen. Anschließend erleben wir Aron Ralston als risikofreudigen Extremsportler, Fun-Abenteurer, Spaßvogel... alles gefilmt in energieversprühenden, hochstilisierten, kristallklaren Aufnahmen mit atemberaubender Naturkulisse. Was nach dem ersten Drittel folgt ist die schon eher bekannte Tragödie, die Kamera möchte sich dabei jedoch nicht dem Schicksal ihres Protagonisten anschließen. Sein Wunsch nach einem leckeren Getränk lässt uns eine kleine Reise aus der Felsspalte hinaus, durch die Umgebung des Canyons zurück in sein Auto unternehmen, wo eine volle Flasche Gatorade (Product Placement ist diesem Film beileibe kein Fremdwort...) einsam auf ihn wartet. Später träumt er vor sich hin, erinnert sich an Szenen der Vergangenheit - wir als Zuschauer bekommen dies in ausführlichen Rückblenden vor Augen geführt. Ob nun mit leinwandfüllenden Spezialeffekten in den später noch zu sehenden Halluzinations-Sequenzen, beeindruckenden Höhen-Aufnahmen mit fließendem Übergang vom Boden in den Himmel oder in traditionellen Flashbacks, 127 Stunden ist keinesfalls minimalistisch in seiner Darstellung und daher auch für ein breiteres Publikum geeignet, das nicht unbedingt auf bildliche Dauer-Beklemmung à la Buried steht.
Lest auf der nächsten Seite, ob wir James Franco ernsthafte Oscar-Chancen ausrechnen...
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Kommentare (18)
Cracker Braun
Saibot
Kann mir kaum vorstellen das die Armszene so krass ist, ist ja ab 12.
Daniel Pook
Turkishflavor
Icevodka
mir persönlich hat der film gut gefallen, der film war ein kleines abenteuer,
wobei das ende mir zu depri mäßig war.
"Guten Morgen NEW YORK!" insider^^
tsubasa_87
Atlantas Finest
vom arm ab zeug sag ich der freundin jetzt mal nix, dann kommt sie bestimmt mit :-)
iwin86
ich musste während des podcasts schmunzeln, als du sagtest "buried" hätte mehr authenzität als "127 hours", und dass obwohl "127 hours" auf einer wahren begebenheit beruht.
bei solchen geschichten tut es mir einerseits immer für die betroffenen leid, andererseits denke ich mir immer: SELBER SCHULD! warum begebt ihr euch auch in so eine situation.
so ähnlich wie in sean penns "into the wild". auch ein klasse film (tolle landschaftsbilder!)
Krampus
einfach zu beantworten: freiheit
abgesehen davon, mittels zebrastreifen über die strasse zu gehen ist auch kein garant dafür, nicht übern haufen gefahren zu werden ;) -> und da fehlt das gefühl der freiheit.
Daniel Pook
Das habe ich gar nicht gesagt. Ich finde Buried persönlich auch schlechter als 127 Hours. Und auf keinen Fall autentischer. Was ich gesagt habe ist, dass die Kamera bei Buried die ganze Zeit auf engerem Raum agiert und ich glaube, dass 127 H. auf diese Weise autentischer wie die realen Geschehnisse rübergekommen wäre.