Filmkritik: Das A-Team - Der Film
„Vor einigen Jahren wurden vier Männer einer militärischen Spezialeinheit wegen eines Verbrechens verurteilt, das sie nicht begangen hatten. Sie brachen aus dem Gefängnis aus und tauchten in Los Angeles unter. Seitdem werden sie von der Militärpolizei gejagt, aber sie helfen anderen, die in Not sind. Sie wollen nicht so ganz ernst genommen werden, aber ihre Gegner müssen sie ernst nehmen. Also wenn Sie mal ein Problem haben und nicht mehr weiter wissen, suchen Sie doch das A-Team!“ - Wir können diese Empfehlung auch für das aktuelle Hollywood-Remake aussprechen, wenn ihr auf Popcorn-Klamauk jenseits von zu viel Logik und Realismus steht.
Worum geht's?
Nachdem uns der Film eine ziemlich an den Haaren herbeigezogene und für den Anfang überraschend unspektakuläre Neu-Interpretation dessen zeigt, wie sich das A-Team (eine Spezialtruppe ehemaliger U.S.-Rangers, bestehend aus John "Hannibal" Smith, Templeton "Face" Peck, Bosco Albert "B. A." (Bad Attitude) Baracus und H.M. "Howling Mad" Murdock) zum ersten Mal irgendwo in Mexiko getroffen hat, kriegen wir zu sehen, wie das Team einige Jahre später betrogen und ins Gefängnis gesteckt wird. Beziehungsweise in vier verschiedene Gefängnisse, um auch ja kein Risiko einzugehen. Von hier an (nach einem Drittel des Films) entwickelt sich der spannendere und durchweg originellere Teil des Plots, denn nun muss sich die Truppe aus ihrer misslichen Lage befreien und zugleich auch noch dafür sorgen, dass sie ihre Namen reingewaschen und ihre Freiheit zurückbekommt. Dabei ist es sehr angenehm, dass der Film in einem höchst flotten Tempo erzählt wird, welches einen beim Gucken gar nicht erst zu viel über die Story oder deren platte Dialoge nachdenken lässt. Die kleinen Wendungen und Entwicklungen der Handlung selbst sind meist vorhersehbar und für sich alleine gesehen kaum richtig fesselnd. Dafür, dass es trotzdem nicht langweilig wird und man dem Geschehen gerne folgt, sorgt eher das "Wie" als das "Warum".
Wir lieben es, wenn Pläne funktionieren!
Das "Wie" steht hier für die aberwitzigen, selten realistischen und doch stets fein durchdachten Pläne von Anführer Hannibal. Ob er nun einen Transporter mitten in einer Stadt bestehlen muss, ohne dabei gesehen zu werden oder die Inszenierung seines eigenen Todes notwendig ist, um sich selbst aus einem Hochsicherheitsgefängnis zu befreien, ihm fällt immer irgendein durchgeknallter Weg ein, das oft nicht minder durchgeknallte Ziel zu erreichen. Seine drei Kollegen erfüllen dabei die ihnen angestammten Rollen wie aus dem Bilderbuch (der Charmeur, der Schläger und... der verrückte Pilot, der für jeden Scheiß zu haben ist), helfen ihm in Ausnahmesituationen zudem sogar auch mal mit eigenen Ideen weiter. Es ist zwar schade, dass ausgerechnet der finale Akt mit dem Kampf gegen den Hauptbösewicht so durchsichtig und "schon zu oft woanders gesehen" wirkt, ansonsten sind die wie actionreiche Kettenreaktionen aufgebauten Pläne des neuen A-Teams aber eine hoch-unterhaltsame Angelegenheit... die auf nicht zu ernstzunehmender Popcornkino-Ebene tatsächlich herrlich funktioniert. - Im Vergleich zur TV-Serie fallen übrigens sogleich ein paar wesentliche Unterschiede auf, die sich nicht nur auf die neue Rahmenhandlung und die Darsteller beziehen: Zum einen spielt das A-Team seine Fähigkeiten nicht, wie sonst üblich, für unterdrückte Menschen in Not aus, sondern einzig für sich selbst und am Anfang des Films eben für die U.S.-Regierung im Irak (jo, Vietnam wurde im Remake vermeintlich sinngemäß geupdated). Zum anderen glänzte die Fernsehserie normalerweise immer damit, dass Hannibals Pläne genau so verrückt wie genial und vor allem simpel waren. Die aktuelle Kinoversion lässt den Zuschauer dagegen vermuten, Hannibal sei immer darauf bedacht, uns Zuschauern ein spektakuläres Event nach dem anderen zu bieten. Egal wie hoch der Materialverschleiß, wie unverhältnismäßig viel höher das Risiko, wie stark von unmenschlich exaktem Timing abhängig und vor allem wie unübersichtlich das Gesamtwerk dann schließlich für nicht mehr als einen möglichst hohen Schauwert ausfällt.
Was macht das A-Team in D-Land?
Das wird hier jetzt natürlich nicht verraten. Nichtsdestotrotz sei erwähnt, dass große Teile und sogar einige dickere Actionszenen von A-Team - Der Film in Deutschland spielen. Und das sorgt im Kino selbstverständlich für den ein oder anderen Extraschmunzler. Wohl auch deswegen, da es sich dabei auf keinen Fall um Originalschauplätze handelt und man das als ortskundiger Mensch durchaus leicht bemerkt.
Steht "A" hier etwa für Action?
Nein. Eher für "Alpha". Mit A-Team bzw. Alpha Team bezeichnen die U.S. Army Special Forces nämlich ihre kleinsten Einheiten, die in der Regel aus 12 Leuten bestehen, welche für koordinierte Spezialaktionen eingesetzt werden. - Im übertragenden Sinne kann man aber natürlich trotzdem sagen, dass A-Team - Der Film genug ausufernde Action zu bieten hat, um sein "A" als Synonym für Action auszugeben. Gigantische Explosionen gibt es im Kino genau so zu sehen wie waghalsige Hubschrauberstunts, Ballereien am Kletterseil, hitzige Verfolgungsjagden, klassische Prügeleien und Autos, die durch Betonwände brechen. Realismus wird dabei klein geschrieben, believable Action ganz ohne CGI also ebenfalls. Stilistisch erinnert das neue A-Team stark an die McG-Remakes von Drei Engel für Charlie. Schnitte, Spezialeffekte und allgemeiner Look richten sich nach einer gekonnt ausgeführten Musikvideo-Ästhetik, die modern, bunt und auf kurzweilige Weise durchaus auch mal spektakulär rüberkommt. Mit Ausnahme einer Szene (der "fliegende Panzer" aus dem Trailer) verzichtet der Film dankender Weise auf zu offensichtlich-übertriebene Computer-Effekte und mischt sein mit CGI angereichertes Spektakel angenehm häufig mit realem Kaboom aus dem Feuerwerkslager und der Hollywood-Stuntschule. Das wirkt zwar auch nicht viel authentischer, weil alles bewusst über alle Maßen überzogen dargestellt wird, macht beim Zusehen aber viel mehr Spaß als reine Effektgewitter mit digitalen Gummi-Protagonisten und Flummi-Physik aus dem Computer. Unerwähnt bleiben darf selbstverständlich auch nicht, dass das A-Team 2010 noch mehr Action-Komödie als je zuvor ist. Mit Betonung auf "Komödie". Manch eine Nebenhandlung und regelrecht reine Comedy-Einlage ist dabei viel zu albern geraten, andere Gags zünden dagegen bestens, besonders wenn man vorher ein oder zwei Bierchen getrunken hat.
Konkurrenz für die Originale?
Das A-Team - Der Film steckt voller Anspielungen (vielleicht ja auch dem ein oder anderen Gastauftritt... man halte im Kino die Augen offen) an das Original, er orientiert sich eng an den Charakteren der Originalserie, lässt die ikonischen Standardsprüche neu erklingen und er vergisst auch die wichtigsten Running-Gags der Vorlage nicht (B.A.: "Ich steig in kein Flugzeug!"). Nichtsdestoweniger kommt die Neuauflage in meinen Augen immer mehr wie eine etwas zu überspitzte Hommage und nicht so wirklich wie ein eigenständiges Remake des richtigen A-Teams rüber. Liam Neeson (Hannibal), Bradley Cooper (Face), "District 9"-Star Sharlto Copley (Murdock) und sogar MMA-Fighter Quinton Jackson (B.A.) wurden zwar allesamt passend für die Rollen ausgesucht und sie machen ihre schauspielerische Arbeit auf einem für diesen Film angemessenen Level auch ziemlich gut, allerdings wurden sie optisch für den Film in etwa so hergerichtet, wie Hollywood Menschen eben gerne herrichtet. Zu stylisch, zu sauber, zu sehr darauf bedacht, Nuancen zu imitieren, die bei den Darstellern des "echten" A-Team ganz natürlich gegeben waren. Schlecht sind die "Neuen" deswegen nicht, über den Status gut gemeinter Nachahmungen kommen ihre Interpretationen der Truppe aus meiner Kindheit für mich allerdings nicht hinaus und an den Charme der Originale kommen sie damit sowieso nicht heran. George Peppard (R.I.P.) ist in der Rolle von Hannibal für mich eben wirklich zu Hannibal geworden. Liam Neeson dagegen bleibt in der Rolle von Hannibal nur Liam Neeson mit weißen Haaren und Zigarre im Mund. Optisch übrigens wie immer blendend: Jessica Biel! Nehmt also Taschentücher mit... man weiß ja nie, ob ihre strenge Militärkleidung im Film schon ausreicht, um euch zum Sabbern zu bringen.
Unser Fazit
Daniel: Das neue A-Team kommt mir tatsächlich eher wie ein B-Team vor, weil es eben diese merkwürdig karikaturenhaften Züge aufweist, wie man sie z.B. auch aus Starsky & Hutch kennt. Dabei spielt es die Comedy-Karte allerdings nicht so konsequent und gewollt aus wie Ben Stiller und Owen Wilson es in ihrem Kino-TV-Remake getan haben, schafft gleichzeitig zudem kein gänzlich eigenes Universum, so wie es McGs Engeln gelungen ist. Als bunte, actionreiche, stellenweise auch ganz lustige Popcorn-Albernheit hat mich Das A-Team - Der Film allerdings trotzdem über die volle Spielzeit hinweg sehr gut unterhalten können. Der Streifen kriegt von mir eine sommerliche Empfehlung an alle Freunde nicht allzu realistischer Actionszenen, die sich damit abfinden können, dass aus dem Remake weder ein erinnerungswürdiges neues, noch ein originalgetreues altes A-Team geworden ist. Bloß ein netter Unterhaltungsspaß ohne Anspruch, fürs sommerliche Zwischendurch.
Der Trailer
Frau Biel
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Kommentare (30)
toul81
Cuberde
Cell478
LECKER
Timbosteron
Trotzdem wird das ein DVD-Kauf. :)
Daniel Pook
Das habe ich mir auch schon gedacht, deswegen mussten auch viele Leute im Kino unfreiwilliger Weise lachen. :D Ich hab's mal im Text weiter ergänzt, danke für den Hinweis!
Bulletproof Warlord
Ausser, dass dieser Film kein Remake sondern ein Prequel ist, und er ist GUT!
The Ice Truck Killer
GT-Fan
Daniel Pook
Aber auch das klingt nicht ganz richtig, denn schon die erste Folge von A-Team im Fernsehen hat die Vorgeschichte mit dem Vietnamkrieg und der unfairen Verurteilung, der Flucht... etc. des A-Teams erzählt. Schaut man mal, dass diese ganze Story nun über den Haufen geworfen und neu inszeniert wurde, ist es schon ein Remake/Reboot/whatever... :)