Filmkritik: Duell der Magier
Im echten Leben ist Nicolas Cage ein wahrer Zauberer. Begabt darin, sein eigenes Multimillionen-Dollar-Vermögen in Schulden zu verwandeln, vom würdigen Oscar-Preisträger (Leaving Las Vegas) zur trashigen Karikatur seiner selbst (Ghost Rider) zu werden und zwischendurch doch immer wieder für einen Knaller (Kick-Ass) gut zu sein. Der bei uns in Deutschland arg verspätete Sommerblockbuster Duell der Magier zeigt Cage als mächtigen Filmzauberer genau zwischen seinen Extremen. Sympathisch, unterhaltsam, aber nie hitverdächtig.
Worum geht's?
Der kleine Junge Dave Stutler stolpert durch einen scheinbaren Zufall in einen Zaubererladen, wo er zwar als seit mehr als Tausend Jahren gesuchter Nachfahre Merlins identifiziert wird, gleichzeitig aber für so viel Chaos sorgt, dass der mächtige Magier Balthazar Blake (Nicolas Cage) zusammen mit seinem Erzfeind Maxim Horvath (Alfred Molina) in einer magischen Urne gefangen wird. Dave entkommt mit einem sagenumwobenen Ring um seinen Finger, nur um im Studentenalter (hier gespielt von Jay Baruchel) von den turbulenten Ereignissen jenes schicksalsträchtigen Tages eingeholt zu werden. Dave erfährt, dass er Merlins schweres Erbe antreten und dessen Widersacherin Morgana besiegen muss, zuvor steht jedoch die frustrierende Ausbildung bei Balthazar an. Gleichzeitig macht ihnen der fiese Horath selbstverständlich das Leben schwer und mittendrin versuchen alle irgendwie, ihre jeweilige Herzensdame für sich zu gewinnen bzw. von den quasi-Toten zu erwecken.
Ein Duell der Drehbuchklischees?
Es ist ganz so wie es in der Kurzfassung klingt. Duell der Magier mag sich Goethes Der Zauberlehrling im weitesten Sinne als Inspiration genommen haben (im Englischen heißt der Film auch genau so: The Sorcerer's Apprentice), an dessen poetischen Wert kommt er jedoch genau so wenig heran wie die damit verbundenen Moral-Aussagen heute noch auf irgendeine Weise frisch wirken würden. Jon Turteltaub (Das Vermächtnis der Tempelritter & Nachfolger) hat hier eine typische Schüler/Lehrer-Story mit typischen Außenseiter-Elementen, einer typischen Teeny-Lovestory, den typischen Konflikten solcher Geschichten und typischen Auflösungen eben dieser inszeniert. Hätte es dafür wirklich drei hauptverantwortlicher Drehbuchschreiber bedurft? Man wittert dahinter jedenfalls reine Arbeitsbeschäftigungsmaßnahmen für gute Kumpels des Produzenten Jerry Bruckheimer. Überraschender Weise schafft es Duell der Magier letztendlich aber die Kurve zu kriegen, sein Unterhaltungslevel auf konstant gutem Level zu halten und somit nicht in der Vorhersehbarkeit seines Plots zu versinken. Dafür sorgen herrlich selbstironische Gags, einige wirklich originelle Magie-Einlagen und das schöne Gefühl, dass jede Szene ganz abseits der Story immer wieder etwas nettes für den Zuschauer bereithält, um sich selbst mit dem peinlichsten Nerd/Coole-Schönheit-Lovestorydialog noch irgendwie so anfreunden zu können. Gerade die Szenen, die sich primär um den Lehrling Dave und seine eigenen Probleme drehen, gehören zu den schwächeren weil langweiligeren Momenten des Films. Spätestens am Schneidetisch scheint dies aber glücklicher Weise erkannt worden zu sein, denn genau so schnell wie man mit Dave gerade dabei ist wiederholt im Tal der Tränen zu versinken, zieht einen Balthazar mit viel Tempo, 'nem netten Gag und schicken Effekten wieder heraus. Wie gesagt... immer wieder gerade so die Kurve gekriegt. Besser kann man das Script von Duell der Magier als Popcornkinowerk wohl nicht beschreiben. Schade ist allerdings auch aus diesem Blickwinkel heraus betrachtet, dass ausgerechnet das Finale des Films dessen bescheuertsten und uninspiriertetsten Part darstellt.
Cage vs. Molina: Ein Duell der Schauspieler?
Sowohl Nicolas Cage als auch Alfred Molina haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie zu außerordentlichen Charakterdarstellungen fähig sind. Dem fantasievollen Blockbusterkino haben sie sich trotzdem beide nie verweigert, mal mehr oder mal weniger aus Geldnot heraus geboren. Im Falle von Duell der Magier kann man sich allerdings durchaus vorstellen, dass die beliebten Mimen tatsächlich aus Spaß an der Freude für die Rollen als mächtige Zauberer zugesagt haben. Beide haben eine gewisse Verbindung zu Jerry Bruckheimer (Cage sowieso, Molina zuletzt durch den ähnlich veranlagten Film Prince of Persia), das Gespann Cage/Turteltaub war finanziell ja auch immer recht erfolgreich, letztendlich merkt man den beiden Schauspielern allerdings auch so schon an, wie viel Fun sie in ihren jeweiligen Rollen gehabt haben mögen. Molina spielt den charismatischen Bösewicht, durch eine dramatische Vergangenheit von elender Wut getrieben, mit einer solchen Leichtigkeit wie man es von ihm standesgemäß erwartet hat. Unbeeindruckt, fast schon überheblich beschwört er seine Zauber im Kampf, abfällig ignorant erträgt er die notwendige Anwesenheit seiner rechten Hand (Toby Kebbell, ebenfalls bekannt aus Prince of Persia, hier als amüsanter Exzentriker des modernen Showmagiertums für ein paar Lacher gut). Cage hat es am Anfang des Films etwas schwerer, den Bann zu brechen, dass man ihn eben nicht nur als Nicolas Cage in einem abgetragenen Mantel, sondern wirklich als uralten, dennoch kaum gealterten Magier akzeptiert. Der Knackpunkt dafür, dass es gelingt, sind die bereits erwähnten Humormomente des Drehbuchs. Der Film nimmt sich nicht zu ernst, Cages Hauptfigur hat immer ein symbolisches Augenzwinkern für die Zuschauer parat und so erkennt man seine etwas zu plakative Darstellung des Magiermeisters Balthazar doch recht schnell als passenden Hollywoodschauspieler-Blockbuster-Style an.
Effektmagie: Ein Duell für die Augen?
Duell der Magier spielt in unserer Realität, in den Straßen New York Citys. Wir bekommen also kein von allerlei Kreaturen und unwirklichen Kulissen bevölkertes Gesamtbild geboten. Die Story des Films spielt sich zudem zwischen einer Hand voll Personen ab, die meist isoliert von der normalen Bevölkerung an abgeschotteten Orten ihre Zauber-Übungen machen, Experimente durchführen, Kämpfe ausfechten oder zwischenmenschlichen Probleme diskutieren. All das sorgt dafür, dass sich das Spezialeffekte-Aufgebot von Duell der Magier nie zu einem echten "Large Scale"-Bombast-Erlebnis entwickelt. Die Zauberer schleudern sich gleißendes Plasma, Energieblitze und Feuerstrahlen entgegen, manchmal verwandeln sie sich oder Objekte aus der Umgebung in magische Dinge, alles jedoch im schön überschaubaren, dadurch stets sehr gut mitverfolgbaren Rahmen. Hektische Schnitte und Wackelkamera-Einstellungen hat man in Duell der Magier nicht zu fürchten und die gezeigten CGI-Zauber überzeugen auf ihrem kleiner gehaltenen Level mit durchweg feiner Qualität, ja sogar einer gehörigen Portion Originalität. Sei es die Tatsache, dass man seine Widersacher in Spiegel schubsen und so in einer verkehrten Welt gefangen halten kann oder die Fähigkeit, das große Drachenkostüm einer chinesischen Parade zu einem realen Monster werden zu lassen, der Film bietet auf Magie-Seite einfach schöne Ideen, die Spaß machen. Inklusive dem schon zwei mal zitierten Hang zu locker-leichtem Humor, wenn die Kostumträger in letzterem Fall z.B. panisch feststellen, dass sie auf einmal im Bauch eines echten Drachen stecken.
2010 vs. 1940: Duell-würdig für Fantasia?
Walt Disneys Meisterwerk Fantasia aus dem Jahre 1940 genießt bis heute Kultstatus - und das vollkommen zu Recht. Die Sammlung großer Stücke der Dichtung, welche in Form bunter Zeichentrickfilme mit Mickey Maus umgesetzt wurden, stellt eine bis heute unnachahmliche Verbindung kindlicher Cartoon-Unterhaltung mit eindringlicher Klassikmusik dar. Unterhaltsam, wunderbar per Hand animiert, manchmal gar richtig düster und immer intensiv. Das bekannteste Kapitel von Fantasia dürfte wohl Der Zauberlehrling darstellen. Unvergessen ist die Brigade an hölzernen Wischmobs, Eimern und sonstigen Saubermachgegenständen, die sich erst wie willenlose Sklaven dem Worte des kleinen Möchtegern-Magiers ergeben, sich schließlich aber nicht mehr von ihrer übereifrigen Arbeit stoppen lassen wollen. In Anlehnung an das auf Goethes gleichnamigem Stück basierende Film-Original versucht sich auch der Zauberlehrling aus Duell der Magier an einer automatisierten Putzaktion... mit selbem Ergebnis wie im Cartoon. Die amüsante Szene hält sich stilistisch (bei der Gestaltung und den Bewegungen der Besen, etc.) sehr eng an die Fantasia-Version und stellt damit eine herrliche Hommage dar. Ob man aber nun diese Szene und ihr Equivalent oder gleich die beiden kompletten Filme miteinander vergleicht, das packende, ausdrucksstarke Gesamterlebnis von Fantasia bzw. aus Der Zauberlehrling ist dem routinierten Popcorn-Blockbuster Duell der Magier in Sachen Tiefe und brilliantem Handwerk deutlich überlegen.
Unser Fazit
Daniel: Komme was wolle, egal wie viele bizarre Hochzeiten, überteuerte Immobilienkäufe, Gebete zu Elvis und Filme zum Fremdschämen noch vor uns liegen werden, ich bin und bleibe "Nic Cage"-Fan. Sei es alleine deswegen, weil er es immer wieder schafft, so einen klassischen Popcornkinospaß wie Duell der Magier aus dem Hut zu... ja, zu zaubern. Natürlich dürfte es demnächst auch gerne mal wieder ein seriöser Auftritt in einem Meisterwerk wie Adaption, Lord of War oder dem ebenfalls sehr gelungenen The Weatherman sein. Aber das ist eben das Schöne an Herrn Nicholas Kim Coppola (Ich mache keinen Spaß, Francis Ford ist sein Onkel!): Er gehört zu den absoluten Wundertüten unter den Hollywoodstars. Zu allem Fähig und doch nie eine Garantie für einen guten Film. Egal in welchem Genre. Duell der Magier ist nun kein richtiger Knaller geworden, wahrscheinlich kommt er als prädestinierter Sommerblockbuster bei uns in Europa jetzt auch etwas zu spät in die Kinos, um seine enttäuschende Performance an den U.S.-Kinokassen wieder ausgleichen zu können. Trotzdem kann ich allen Freunden der leichten Unterhaltung mit schönen Spezialeffekten und nicht allzu komplizierter Story eine Empfehlung für den sympatischen Zauberspaß aussprechen. Für solche Filme wurde im Prinzip der Kinotag mit vergünstigten Eintrittspreisen erfunden.
Der Trailer
Ferner spielten mit: Teresa Palmer & Monica Bellucci
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Kommentare (18)
agaso
@Daniel
Hast du dir denn als Cage-Fan Bad Lieutenant von Werner Herzog angeschaut? Bin die ganze Zeit am überlegen, ob ich mir den endlich mal ausleihen soll. Rescue Dawn hat mir ja auch gefallen aber so ganz sicher bin ich mir da noch nicht.
Daniel Pook
Jace
Picknicker
ich denke mal wird sich bestimmt lohnen.
Daniel Pook
Jack Scallion
Kann dem absolut nicht zustimmen. Nicolas Cage kann man immer anschauen, aber nur dann wenn er sein Ding tut wie bei Bad Leutenant oder in diesem Film.
Rammtier
Jack Scallion
ICH kann mir Cage nicht mehr reinziehen. Ich hab ja nicht für die restlichen Leute geschrieben.
Wenn du den noch toll findest, schön für dich.