Filmkritik: Inception
13:35 Uhr - Ein Film der hält was er verspricht. Die von Natur aus jedem Ansatz von Hype gegenüber eher skeptisch eingestellten Liebhaber des bewegten Bildes Daniel und Johannes sind einhellig begeistert vom Sci-Fi-Action-Thriller Inception. Regisseur Christopher Nolan empfiehlt sich hier ein weiteres Mal als der richtige Mann für einfallsreiches und komplexes Unterhaltungskino. In unserer Filmkritik lest ihr, was Inception zum unserer Meinung nach bislang besten Film des Jahres macht.
Traumfänger
In Zeiten in denen gerne das uninspirierte, Sequel- und Remake-wütige Blockbuster-Kino Hollywoods moniert wird, leuchtet die, angeblich auf einem Traum des Regisseurs basierende und somit in einem Originaldrehbuch resultierende Geschichte von Inception schon von sich aus wie ein bengalisches Feuer über der Masse an bislang durchweg enttäuschenden Neuverfilmungen (Alice im Wunderland, Kampf der Titanen), Um- oder Fortsetzungen (Prince of Persia, Iron Man 2) dieses Jahres. Umso größer die Strahlkraft, da Nolan die zugrundeliegende Idee mal wieder in einer, im wahrsten Sinne des Wortes verschachtelten Geschichte jenseits der Konventionen des Mainstream-Kinos ausgearbeitet hat, die sich trotz spektakulärer Schauwerte nicht scheut, ihr Publikum auch emotional und intellektuell herauszufordern.
Inception spielt zu einer unbestimmten Zeit, die zwar exakt wie unsere Gegenwart aussieht, in der es aber möglich ist in die Träume anderer Menschen einzudringen bzw. sie in die eigenen Träume zu holen. Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) ist ein Extraktor. Im Dienst betuchter Auftraggeber dringt er in Träume ein und stiehlt wertvolle Gedanken, etwa eine Idee oder einen geheimen Code. Wie man sich denken kann stößt diese Vorgehensweise bei den Opfern und Rechtskräften auf wenig Gegenliebe. So wird Dom auch in so ziemlich jedem Staat der Welt gesucht und lebt ständig auf der Flucht. Mit dem Versprechen auf Amnestie nimmt er einen Auftrag des einflussreichen Großunternehmers Saito (Ken Watanabe) an. Diesmal soll er allerdings keinen Gedanken stehlen, sondern einpflanzen. Eigentlich unmöglich, doch der verzweifelte Dom sieht darin die letzte Möglichkeit endlich zu seiner Familie zurückkehren zu können und stellt ein Team von Spezialisten zusammen.
Matrix: Impossible
Wie hieß es schon in Lethal Weapon so schön: „Kompliziert werden die Dinge von ganz allein.“ Unsere überschaubare Kurzangabe der Story ist somit auch nur der Auftakt zu einem knapp zweieinhalb Stunden langen Spektakel meisterhaft verwobener Handlungsstränge, in denen die Zeit wie im Schlaf vergeht. Zwar ist das Traumwandler-Szenario nicht gänzlich neu. Doch bei Zeitreisefilmen beschwert sich ja auch niemand, dass es das Thema schon mal gab. Tatsächlich ist Inception der wohl originellste und bahnbrechendste Action-Film seit Matrix. Der Vergleich mit dem Klassiker der Wachowsky-Brüder mag ermüdend erscheinen, ist aber geradezu zwingend. Denn hier schafft es endlich mal wieder ein Film dem Zuschauer faszinierende Bilder und Situationen vorzusetzen wie er sie noch nie gesehen hat und sie dazu in ein durchdachtes Universum einzubinden. Beide Filme nutzen ebenfalls, wenn auch in entgegengesetzter Funktion Slow-Motion als Mittel zur Darstellung veränderter Zeitverläufe. Statt klinisch überstilisierter Techno-Ästhetik entfaltet Inception durch seinen schnörkellos-erdigen Look eine rauhe, aber dennoch elegante Atmosphäre, in der die zahlreichen surrealen Momente eine umso überwältigendere Wirkung bekommen, weil selbst in den effektgeladenen Szenen stets ein konsequenter Realismus gewahrt wird. Wer den Trailer gesehen hat und Christopher Nolans Filme abseits der beiden Batman-Streifen kennt, wird sich vielleicht fragen wieviel Action er überhaupt von Inception erwarten kann. Nun, reichlich. Es gibt einige visuell briallante und technisch perfekt umgesetzte Sequenzen wie den Kampf im Hotel-Flur mit ikonographischem Potential und zahlreiche Explosionen, Verfolgungsjagden und Schießereien. Letztere sind zwar ebenfalls rasant gefilmt, hätten aber ein bisschen mehr Schmackes und – auch wenn's gewaltgeil klingt – Blut vertragen können. So lassen die Shoot-Outs mitunter ein wenig das Gefühl der Bedrohung vermissen und brennen sich weniger ins Gedächtnis als andere denkwürdige Szenen, von denen der Film viele hat. Glücklicherweise ist Inception aber nie seiner Action untergeordnet und so ist es auch diesmal Nolans größter Verdienst einen anspruchsvollen, ultra-spannenden Thriller inszeniert zu haben der keinen Vergleich findet. Anders als viele seiner Kollegen und entgegen des verachteten War-alles-nur-ein-Traum-Klischees (welches wohl weitaus seltener zu finden ist als man denkt) schafft er es in den multiplen Handlungssträngen packende Mysterien zu eröffnen und sie am Ende ebenso schlüssig wie befriedigend aufzulösen, ohne den Spielraum für ausschweifende Interpretationen oder Analysen zu schließen. Somit ist Inception nicht so kompliziert wie vielleicht von anderer Seite bereits behauptet wurde. Der eigentliche Plot ergibt ein abgeschlossenes Ganzes. Doch wer will kann wahrscheinlich auch nach Jahren noch daran rumrätseln. Eine solche erzählerische Qualität weisen nur wenige Filme auf, was Inception schon jetzt in den Status eines Klassikers erhebt.
The Cast is a Blast
Ob es nun daran liegt das Christopher Nolan seit The Dark Knight alles darf oder einfach aufgrund seiner Reputation jeder Schauspieler darauf brennt mit dem Briten zusammen zu arbeiten, können wir nicht sagen. Doch spätestens mit Batman Begins wurden seine Filme zu Schauläufen hochkarätiger Darsteller wie sie Hollywood sonst nur in Kriegsfilmen veranstaltet. Und Inception setzt dem ganzen die Krone auf. Seine mit zahlreichen Charakteren versehene Handlung ist bis in die kleinsten Nebenrollen mit bekannten Gesichtern besetzt. Ganz nach Tarantino-Art holt Nolan sogar längst vergessene Alteisen wieder vor die Linse. In diesem Fall ein kaum wiederzuerkennder, weil fetter und geliftet aussehender Tom Berenger (Platoon, Sliver). Ähnlich James Cameron arbeitet der Memento-Regisseur wohl auch gerne wiederholt mit den gleichen Akteuren. So finden sich hier nach Batman Begins der wandlungsfähige Cillian Murphy (Sunshine, Red Eye), der sympathische Ken Watanabe (Last Samurai, Letters from Iwo Jima), sowie der unvergleichliche Michael Caine (Prestige, Der stille Amerikaner, Get Carter) wieder zusammen. Neu im Nolan-Team sind Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio (Aviator, Zeiten des Aufruhrs), der sich inzwischen als hervorragende Wahl für anspruchsvolle Action-Rollen etabliert hat und auch diesmal in seiner Rolle als Dom Cobb die Genre-typische Erhabenheit eines Profis, mit der für die Glaubwürdikeit der Figur notwendigen Tiefe und Verletztlichkeit verbindet, der aufstrebende Joseph Gordon-Lewitt (Brick, (500) Days of Summer), welcher die coolsten Action-Szenen hat und Picard-Spiegelbild Tom Hardy (Star Trek: Nemesis, RocknRolla) als genuiner James Bond-Ersatz Eames, der sich bereits für seine Rolle als Mad Max im vierten Teil der Endzeit-Saga empfiehlt. Die geballte Männlichkeit wird von zwei umwerfenden Frauen ausgeglichen. Marion Cotillard (La vie en rose, Public Enemies) als Dom's Frau Mal zeigt wie immer die Klasse legendärer Diven aus Hollywoods goldener Ära und muss inzwischen längst auf eine Stufe mit Rachel Weisz und Kate Winslet gestellt werden. Schnuckelchen Ellen Page (X-Men: Der letzte Widerstand, Juno) mag als Zugeständnis an das jüngere Publikum anzusehen sein, ihre schauspielerischen Qualitäten bleiben unbestritten. Mit ihrer klugen, natürlichen Ausstrahlung passt sie glänzend in die Gruppe. Bei so viel Star-Power wirken einige Namen allerdings etwas verheizt. Einen Michael Caine für drei Sätze rauszuholen ist pure Verschwendung, aber besser als gar kein Michael Caine. Durch die vielen Charaktere bleiben einige Beziehungen oder Konflikte auch nur angerissen. Doch das ist beinahe schon kleinkarierte Kritik. Die Hauptfiguren machen dramatische, jedoch immer nachvollziehbare Entwicklungen durch, sodass Inception auch emotional ein ergreifendes Erlebnis ist. Zudem sorgt der durchweg charismatische Cast dafür, dass man in jeder Minute auch mit den Nebencharakteren mitfiebert.
Besondere Erwähnung verdient der abermals von Hans Zimmer komponierte Soundtrack, welcher einen Großteil zur intensiven Stimmung des Films beiträgt. Der wuchtige, unheilschwangere, von dunklen Streichern und Bläsern dominierte Score platzt vor Pathos, ohne dabei kitschig oder zu dick aufgetragen zu wirken und geht durch Mark und Bein. Wie zum Beispiel Spiel mir das Lied vom Tod wäre Inception ohne seine Musik nur der halbe Spaß (und damit immer noch genial). Die epische-bombastische Akustik fügt sich perfekt zu den epochalen Bildern. Weniger wäre zu wenig gewesen.Musik die ordentlich reinzimmert
Unser Fazit
Johannes: Seit ich den ersten Teaser gesehen habe, konnte ich es kaum bis zum Start von Inception aushalten. Nach den beiden Batman-Filmen und Prestige war klar, dass sich auf einen Christopher Nolan-Film zu warten lohnt. Und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Inception ist genau das was ich mir so oft wünsche und viel zu selten bekomme: Ein anspruchsvoller Action-Film, der Herz und Hirn auf allen Ebenen anspricht, intelligent, phantasievoll, metaphysisch und audio-visuell brillant inszeniert. Ein Film den man immer wieder sehen will, weil einen seine Bilder bei jedem Mal wieder umhauen, aber auch weil man seine Welt nie komplett erfassen kann. Am Ende bleibt keine leere Hülle, weil man alles was der Film bietet an der Oberfläche aufgesogen hat. Es ist ein Film dessen Welt im Zuschauer selbst weiterlebt und wächst, gleichzeitig einnehmend und inspirierend. Und es ist ein Film den man gerne anderen Menschen zeigt, in freudiger Erwartung das man sie begeistern kann, auch wenn es nicht das eigene Werk ist. Und auch wenn er ihnen nicht gefällt, weiß man, dass sie Filme fortan ein Stück anders sehen werden, da wieder einmal Sehgewohnheiten aufgebrochen wurden. Solche Filme findet man nur alle paar Jahre. Ich war mitunter den Tränen nahe, weil ich dachte „Nee, watt is' datt schon wieder geil!“ Dabei ist auch Inception nicht perfekt. Es gibt, wie zu erwarten, ein paar kleinere Logikfehler, nicht jeder Effekt wirkt blitzsauber, einige Charaktere kommen zu kurz und bei den Schießereien fällt der Film gegenüber manch anderen Genre-Werken ab. Sie sind zwar unterhaltsam und dynamisch choreographiert, aber irgenwie fehlt der Einschlag-Faktor, dass man die Wirkung bzw. Kraft und die damit einhergehende Gefahr der Waffen spürt. Gleichsam belustigend wie seltsam, weil eher unfreiwillig erscheinend fand ich die zahlreichen Anspielungen und Zitate, die sich in Inception finden. In einigen Momenten erinnert er doch überdeutlich an James Bond, Heat, Mission: Impossible oder gar Modern Warfare. Das sind kurze Augenblicke, die nie wirklich geklaut wirken, sondern eher wie kleine Reize für die Fans. Die hochkarätige Schauspieleriege veredelt den rundum gelungenen Filmgenuss. Die letztendliche Qualität eines Filmes misst sich bei mir stets daran wie lange er mir nach dem Sehen noch im Kopf rumspukt, weil er mich weiterhin zum Grübeln anregt oder ich schlichtweg noch immer davon berauscht bin. Inception hat diesen Effekt auch nach Tagen noch. In den nächsten Monaten und Jahren wird sich zeigen wieweit er sich ins kollektive Gedächtnis brennt und seinen Platz in den Annalen der Filmgeschichte verdient. Im Hier und Jetzt gibt’s von mir aber schonmal klare 5 von 5 endlos drehenden Kreiseln (aka Popcorn-Tüten).
Daniel: Kurz nach dessen Ende war ich zugegebener Weise noch nicht so begeistert von Inception wie Kollege Johannes. Schon während des Films hatte ich mehrmals das Gefühl, einige Unstimmigkeiten im Plot und meiner Meinung nach deutlich zu lange Actionszenen hätten dafür gesorgt, dass ich meine Verbindung zum Film verloren habe. Besonders das grundlegende Verhalten der Figuren, ihre Ignoranz manch eines extrem offensichtlichen Risikos gegenüber und die fragile Substanz ihrer Pläne während einer Mission, deren Wert für alle Beteiligten ich ernsthaft in Frage stellen musste, hatten meinem Kopf einen großen Riegel vorgeschoben, Inceptions Geschichte als stimmig akzeptieren zu können. Ein Gefühl, das im Nachhinein enorm wichtig war und welches Teil eines Erlebnisses ist, das ich im Kino schon lange nicht mehr hatte. Oder eher gesagt nach dem Kino, denn Inception reifte nachträglich in mir, als wäre der Film nur eine rohe Idee gewesen, die in meinem Kopf nach und nach zu einem vollwertigen Gedanken wurde. Der Clou: Erst mit seinem allerletzten Shot hat Nolan mich zum Denken bewegt, alles gerade gesehene noch einmal auf den Prüfstand zu stellen, meine Gedanken um alle vermeintlichen Problemchen der Handlung kreisen zu lassen und Lücken zu füllen, welche er offensichtlich mit Absicht frei gelassen hat. Letztendlich habe ich in Folge dessen meine ganz eigene Theorie über Inception entwickelt, für die es in meinen Augen nicht nur viele Hinweise im Film zu entdecken gibt, sondern die der ganzen Handlung und jeder Nuance des Streifens auch noch deutlich mehr Bedeutung beilegt, als es anfänglich erscheint. Und es sind kurioser Weise alle möglichen Sachen, die mich beim ersten Gucken gestört oder irritiert haben, die letztendlich das Bild dessen abzeichnen und die Verbindung dahin ermöglichen, was ich als eine große Nussschale um den Kern herum vermute, den man im Film gezeigt bekommen hat. Ob ich mit meiner Theorie "richtig" liege, ob es nicht noch weitere mögliche Deutungen des Films gibt oder ob man in den Plot eigentlich gar nichts mehr weiter hineinzuinterpretieren braucht, weiß ich natürlich nicht. Ich weiß nur für mich persönlich, dass alles, was mir nach dem Kinogang noch Tage lang bezüglich Inception durch den Kopf schoss, meine eigene Perspektive auf dessen Story enorm erweitert und das nachhaltige Erlebnis des Streifens extrem verstärkt hat.
Im übertragenen Sinne habe ich mich bei Inception im Kino wie jemand gefühlt, der aufgrund vieler kleiner Zeichen auf einmal feststellt, dass er sich nur in einem Traum befindet, den er plötzlich nicht mehr als Wirklichkeit akzeptieren kann. Im ersten Moment ist dieses Gefühl an sich eher unbefriedigend. Doch anstatt aufzuwachen und alles zu vergessen, mochte ich diesen Traum dann doch zu sehr, um ihn verlassen zu wollen. Ich wollte drin bleiben, habe mich zum Weiterschlafen gezwungen und habe damit begonnen, ihn so weiterzuspinnen, dass er für mich perfekt wurde. Sollte Nolan das tatsächlich so beabsichtigt haben - immerhin lässt er mir mit seinem Script wie gesagt den nötigen Freiraum für eigene Überlegungen - wäre Inception ein Geniestreich im Stile von The Prestige, bei dem sich das Storymotiv des Films über dessen Form hinaus auf mich als Zuschauer transferiert und mir das Gefühl gibt, ich würde selbst aus der Perspektive des außenstehenden Betrachters dieselbe Erfahrung machen, welche die Charaktere des Films in ihrer Handlung erleben.
Im Prinzip sind Filme an sich genau so etwas, was Inception mit seinem Konzept der von mehreren Leuten geteilten Traumwelten zeigt. Es sind in den Köpfen von Menschen erschaffene Szenerien, deren Fantasie nur die eine Grenze gesetzt wird, dass wir sie als Zuschauer zumindest für eine kurze Weile als vorgegaukelte, in sich stimmige Realität akzeptieren können müssen. Und so lange unser Unterbewusstsein auf die richtige Weise stimuliert wird, können uns diese Filmwelten - genau wie Träume - in sich hineinziehen und gar gefangen nehmen. Sie lassen uns Emotionen, ja auch Schmerzen empfinden, stellen unser Zeitgefühl auf den Kopf und wenn sie wirklich gut sind, pflanzen sie uns Ideen ein, die uns für sehr lange Zeit im Leben begleiten können. So wie Inception das bei mir schaffte, während er sich handwerklich von Anfang bis Ende in jeder Hinsicht auf solch einem meisterhaftem Topniveau bewegt hat, dass er alleine schon "audiovisuell" als wahrhaftiges Kino-Erlebnis zu bezeichnen ist, das man einfach auf der großen Leinwand erlebt haben muss. Und jetzt entschuldigt mich, denn ich muss unbedingt weiter die äußerst praktische Technik des luziden Träumens trainieren...
Der Trailer
Die Christopher Nolan Filme
Following (1998)
Um sich Inspirationen für die Charaktere seiner Bücher zu holen, verfolgt der arbeitslose Schriftsteller Bill willkürlich fremde Menschen. Dabei gerät er an den charismatischen Dieb Cobb (!), der ihn fortan mit auf seine Einbrüche nimmt. Bill, welcher so immer mehr zu einem Abbild Cobbs wird, macht auf diese Weise auch die Bekanntschaft mit dem Gangsterboss-Liebchen Lucy, die insgeheim eine enge Bande zu Cobb führt. Was haben die beiden mit dem gutgläubigen Autor vor?
Sein Debut-Film brachte Nolan bereits erstes Kritiker-Lob ein. Der deutlich im Film Noir-Metier angesiedelte Low-Budget-Krimi zeigt hier schon die Vorliebe und das Talent des Regisseurs für gewitzt ineinander verwobene Handlungsfäden und erschütternde Auflösungen, wirkt aber etwas zu konstruiert und, nun ja, billig. Nett, aber noch kein Meisterwerk.
Wertung: 3 von 5
Memento (2000)
Bei einem Überfall in ihrem Haus wird die Frau des Versicherungsermittlers Leonard (Guy Pearce aus L.A. Confidential, Tödliches Kommando) getötet und er brutal niedergeschlagen, wodurch er sein Kurzzeitgedächtnis verliert. Mit Hilfe von Fotos und „Notiz-Tattoos“ versucht Leonard fortan sich Sachverhalte zu merken und ist bessessen davon den Mörder seiner Frau umzubringen. Seine mangelnde Fähigkeit Dinge zu behalten liefern ihn jedoch immer wieder den Lügenkonstrukten von Bar-Mädchen Natalie (Carrie-Ann Moss aus Matrix, Red Planet) und Polizist Teddy (Joe Pantoliano aus Bad Boys 1 und 2) aus.
Memento war Nolans Durchbruch und einer der besten Filme des Jahres 2000. Neben seiner originellen Grundidee besticht Memento durch seine kongeniale Umsetzung. Da die Szenen in rückwärtiger Anordnung ablaufen, wird der Zuschauer in die Lage der Hauptfigur Leonard versetzt. Beim erstmaligen Sehen können die Situationen in keinen richtigen Kontext gesetzt werden, so wie es auch dem Protagonisten geht. Erst in der Szene danach werden weitere Zusammenhänge geklärt bis zum erneut bitteren Ende bzw. Anfang. Für diesen brillanten Kniff wurden Christopher Nolan und sein Bruder Jonathan zu Recht für den Oscar für das beste Originaldrehbuch nominiert.
Wertung: 5 von 5
Insomnia (2002)
Die L.A.-Cops Will Dormer (Al Pacino aus haufenweise geilen Filmen) und Hap Eckhart (Martin Donovan) sollen im alaskischen Nightmute bei der Aufklärung des Mordes an einem 17-jährigen Mädchen helfen. Eckhart gesteht Dormer sich auf einen Deal mit der Dienstaufsichtsbehörde einzulassen, bei der ein früherer Fall erneut aufgerollt werden würde, für den Dormer Beweise gefälscht hat. Als der Mörder (Robin Williams aus Mrs. Doubtfire, Good Will Hunting) in einer Berghütte gestellt werden soll kommt es zur Verfolgungsjagd im dichten Nebel bei der Dormer seinen Partner vermeintlich versehentlich erschießt, die Tat aber dem gesuchten Mörder zuschiebt. Dieser hat ihn allerdings dabei gesehen und erpresst den Polizisten damit, die Sache öffentlich zu machen, sollte der Verdacht weiterhin auf ihn fallen.
Das Remake des norwegischen Films Todesschlaf mit Stellan Skarsgard (Fluch der Karibik 2, Illuminati) ist weitaus gradliniger erzählt als Nolans andere Werke. Der effektvolle und spannende Krimi mit psycholgischem Einschlag besticht durch sein ungewöhnliches Szenario des Sommers in Alaska, in dem es den ganzen Tag nicht dunkel wird, wodurch Hauptfigur Dormer unter Schlafmangel leidet und sich langsam seine Wahrnehmung verzehrt. Innerhalb des außergewöhnlichen Gesamtwerkes verbuchen wir den Streifen aber doch eher unter der Kategorie Fingerübung des Ausnahme-Regisseurs.
Wertung: 4 von 5
Batman Begins (2005)
Als Kind muss Millardärs-Sohn Bruce Wayne (Christian Bale aus American Psycho, The Machinist) mitansehen wie seine Eltern ermordet werden. Nachdem er von seinem weisen Butler Alfred (Michael Caine) großgezogen wurde, reist der, vom überbordenden Verbrechen in Gotham City entsetzte Bruce nach Ostasien. Dort führt der geheimnisvolle Ra's al Ghul (Ken Watanabe) in den Bergen eine Gruppierung von „Friedens-Terroristen“. Unter Anleitung dessen rechter Hand Henri Ducard (Liam Neeson aus 96 Hours, Schinler's Liste) wird Bruce zum Ninja augebildet. Wieder in Gotham zurück nimmt er als Batman verkleidet und mit jeder Menge High-Tech-Spielzeug ausgerüstet jenseits der Polizei den Kampf gegen das Verbrechen auf.
Nach den äußerst umstrittenen Batman-Filmen des Joel Schumacher (Falling Down, Tigerland) war man bei Warner Bros. lange Zeit unsicher über den Erfolg weiterer Verfilmungen des Franchises. Umso ungewöhnlicher das die Wahl schließlich auf den Idependent-Regisseur Nolan fiel, welcher hier erstmals mit einem Budget jenseits der 100 Millionen Dollar hantieren durfte und die Reihe einer ebenso ungewöhnlichen Neuausrichtung unterzog, indem er auf keinen der vorherigen Filme Bezug nahm, sondern die Entstehung Batmans, basierend auf mehreren Comic-Interpretationen unterschiedlicher Künstler (u.a. Sin City-Schöpfer Frank Miller) für die Leinwand völlig neu erzählte und der Umsetzung einen radikal realistischen Anstrich verlieh, fernab jeder Übermenschen-Attitüde. Dabei war er selbstbewusst genug das Publikum mit moralischen Kontroversen, einem traumatisierten Held und sogar Horror-Elementen zu konfrontieren. Heraus kam ein wuchtiges, mit zahlreichen Stars besetztes Superhelden-Epos, das den Großteil der Blockbuster-Konkurrenz wie infantiles Amateur-Kino aussehen lässt. Auch wenn wir in Batman Begins ein wenig das atemberaubend atmosphärische Gothic-Design der Tim Burton-Versionen vermissen.
Wertung: 5 von 5
Prestige (2006)
Ende des 19. Jahrhunderts liefern sich die beiden Illusionskünstler Robert Angier (Hugh Jackman aus X-Men, Passwort: Swordfish) und Alfred Borden (Christian Bale) ein verbissenes Duell um den besten Bühnentrick. Was als freundschaftliche Konkurrenz beginnt artet bald in Bessenheit aus, die das Leben der beiden Magier zunehmend aufsaugt, als Angier versucht hinter das Geheimnis von Bordens spektakulärer Doppelgänger-Aufführung zu kommen und sie um jeden Preis zu übertrumpfen.
Es ließe sich ernsthaft streiten, ob Prestige nicht tatsächlich Christopher Nolans bester Film ist. Auf jeden Fall sein elegantester. Es stimmt einfach alles: Die Schauspieler, die Ausstattung, die Optik und allen voran die abermals virtuos erzählte Geschichte, die sämtliche Erwartungen nur müde belächelt und sich in schwindelerregenden Wendungen vorwärtsschraubt. Ein Meisterwerk das jeder Film-Fan gesehen haben sollte. Faszinierend, soghaft, überwältigend.
Wertung: 5 von 5
The Dark Knight
Ist es nötig, die Handlung von The Dark Knight zusammenzufassen? Den Einspielergebnissen nach hat vermutlich jeder Mensch auf diesem Planeten den Film gesehen. (Wir wissen, dass die Rechnung nicht hinhaut.) Ist es überhaupt möglich? Gibt es irgendetwas, das in den zweieinhalb Stunden Spielzeit nicht passiert?
Der Joker (Heath Ledger aus Der Patriot, Brokeback Mountain) taucht in Gotham City auf. Ein identitäsloser Clown mit entstelltem Gesicht. Ein moralfreier Psychopath. Ein perfider Verführer. Er will „die Welt einfach nur brennen sehen“. Bruce Wayne alias Batman (Christian Bale) versucht noch immer die Stadt zu retten. Ihr Kampf, bei dem bald ganze Teile der Metropole in Schutt und Asche liegen, ist gleichzeitig eine symbolische Schlacht um die Seelen ihrer Einwohner. Doch sie wird zu einem verlustreichen Pfad für den dunklen Rächer, denn der Joker, die personifizierte Willkür, ein Genie ohne Werte scheint die besseren Karten in der Hand zu haben.
Ohne jeden Zweifel ist The Dark Knight DER Hype-Film des Jahrzehnts. Den obszön maßlosen Lobes-Hymnen kann der Film gar nicht entsprechen. Ändert aber nichts daran, dass er trotzdem unglaublich gut ist. War schon Batman Begins erstklassig, eröffnet The Dark Knight einen, im Comic-Genre und allgemein im Blockbuster-Bereich nie dagewesenen Tiefgang. Die vielschichtige Handlung ist für einen Hollywood-Film (und eine FSK 12-Freigabe) ultra-düster und teils geradezu verstörend schonungslos. Die Action wurde deutlich verfeinert. Die Charakter-Zeichnung ist brillant. Der Soundtrack ist mitreißend. Selbst ohne die Batman-Grundlage wäre der Film ein hochdramatischer Meilenstein des Action-Genres und ist der endgültige Beweis, dass sich intellektueller Anspruch und Unterhaltungs-Bombast perfekt vertragen können.
Wertung: 5 von 5
Nolans Meisterwerke auf Blu-ray und DVD
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Kommentare (68)
besseralsduinjederhinsicht
PipBoy95
Muss ich mir umbedingt mal ansehen
Ayato
Drahcir1710
area_fan95
blub.me
Es gibt nichts, was in mir irgendwelche Zweifel hervorrufen kann, dass das kein filmischer Hochgenuss wird. Bisher fand ich jeden Nolan einfach nur bezaubernd. Ich bin gespannt.
agaso
Nolan ist einfach ein Meister und übertrifft meiner Meinung nach zur Zeit alle seiner Kollegen. Ich finde ihn sogar besser als Tarantino, der mich mit Inglorius Basterds zwar komplett begeistern konnte, aber der Schock von Death Proof sitzt einfach zu tief! :(
agaso
http://forum.areagames.de/kino-dvd-tv-musik-f152/der-christopher-nolan-fanthread-t33499.html
LookMyBullet
kenne ich noch nicht:)
Zed01