Filmkritik: Männertrip
Wer es gerne "griechisch" mag, hat gewiss seine ganz eigenen Vorstellungen von einem zünftigen Männertrip. Im Falle von Jonah Hill und Russell Brand steht dieser Titel allerdings für eine bizarre Reise durch verschiedene Spaßgebiete der USA, an deren Ende das Revival eines legendären Musik-Events im Greek Theater in New York City stehen soll. Ob das gelingt, bleibt im Film bis zuletzt höchst fraglich, wird deswegen auch nicht verraten. Vorab kann ich hier aber immerhin schon mal klären, wie die U.S.-Komödie bei mir so angekommen ist.
Worum geht's?
Kleiner, pummeliger Praktikant (Jonah Hill) mit chaotischer Blümchenbeziehung zu einer kleinen Freakfreundin, die eigentlich fast immer nur müde vom Krankenhausdienst nach Hause kommt, hat beim Plattenlabel-Brainstorming eine zündende Idee. Sein von jüngeren Misserfolgen gefrusteter Boss (P. Diddy) ist so begeistert davon, dass er den kleinen pummeligen Praktikanten selber damit beauftragt seine zündende Idee zu realisieren, indem er seinen liebsten Rockstar höchstpersönlich auf die Showbühne des Greek Theaters begleitet, wo der abgestürzte Künstler eines seiner legendärsten Konzerte quasi wiederholen soll, um sein Comeback zu feiern. Das wäre einfach, wenn es einfach wäre. Wie gesagt: Der Eine ist Praktikant, der andere Rockstar. Der Eine ist höflich und ergeben, der Andere macht was er will. Die große Frage ist: Schaffen sie es trotz einiger ungeplanter Abstecher, emotionaler Erkenntnisreisen, viel zu viel Absinthe aus dem 18. Jahrhundert und anderen Katastrophen rechtzeitig, ins Greek zu kommen?
Ist Jonah Hill genau so boring wie im weltberühmten AreaGames-Interview?
Hand aufs Herz: In Filmen wie Superbad oder Beim Ersten Mal (Knocked Up) hat man gerne über Jonah Hill gelacht und so unspontan er in unserem etwas verrückten Interview auch rüber kam, seine typische Klischeerolle des herzensguten, etwas tollpatschigen, leicht nerdigen, irgendwie recht fülligen... Idioten spielt er auch in Männertrip wieder sehr... herzensgut, tollpatschig, leicht nerdig und eben auch irgendwie recht füllig. Das konnte John Candy seinerzeit, das kann Jonah Hill heute. Ist vielleicht gar keine Kunst, man muss wohl einfach für solche Figuren geboren werden. Wie so oft soll Männertrip offensichtlich davon leben, dass man sich mit Jonah Hills Charakter identifiziert, mit ihm leidet, ihn bemitleidet und dann zu guter Letzt doch erkennt, wie glücklich er mit seinem einfachen, kuscheligen Normaloleben ist. Oder man hört auf damit, wie 'ne Pussy zu denken und fühlt sich eher zu dem Mann hingezogen, der auch in Männertrip wieder allen die Show stiehlt: Aldous Snow, gespielt von Russell "Fuckin' Epic" Brand.
Spielt Russell Brand Aldous Snow oder Aldous Snow Russell Brand?!?
Wer den Satz aus der Überschrift drei mal hintereinander ohne Verhaspeln schnell vor sich hin sagen kann, der hat für heute noch nicht genug getrunken! Und für Männertrip schon mal gar nicht genug, denn wer diesen Film richtig genießen möchte, sollte sich von Anfang an auf die Seite von Aldous Snow schlagen, ja in seine Gedankenwelt eintauchen können. Der Mann weiß, wie man richtig feiert, wie man standesgemäß Sex hat, wie man beim richtigen Feiern standesgemäßen Sex hat und wie man selbst dann noch konsequent zu qualitativ minderwertiger Arbeit steht, wenn das weltweite Medien-Echo darüber Urteile wie "Das Schlimmste was Afrika je passiert ist, mit Ausnahme der Apartheid" fällt (siehe African Child). Er IST Mr. AreaGames, da gibt es kein Vertun. Selbst in Momenten, welche eine etwas emotionalere Seite von Aldous zeigen, hat man immer das Gefühl, er würde mit seinem Kopf in einer Art Absinthe-gefüllten Taucherglocke stecken. Und wer Russell Brand mal quer durch TV-Auftritte, Filme, Web-Interviews,... gefolgt ist, wird inzwischen sicherlich festgestellt haben, dass erschreckend viel von ihm selbst in der Figur des exzentrisch-sexoffenen-durchgeknallten Rockstars steckt, die Männertrip erst von den meisten anderen Buddy-Komödien abhebt.
Ein Film, der uns unzensierte PINK zeigt?
Die Band Infant Sorrow, der abgestürzte Kultstar Aldous Snow, seine im übertragenen Sinne hirntote Sängerfreundin Jackie Q. und all diese Figuren mögen frei erfunden sein, die Welt in der Männertrip spielt ist es dagegen nicht. Seien es bekannte Cameos von realen Showgrößen wie PINK, Christina Aguilera oder eben P. Diddy, der eine Art Karikatur von sich selbst in tragender Rolle spielt, Freunde cooler Gastauftritte kommen in Männertrip nicht zu kurz. Wo sonst kann man ungefakte Video-Aufnahmen eines besoffenen Mannes sehen, der seine Fleischkeule direkt vor den Augen von "Lady Marmalade" Aguilera auspackt? Weiter zur sympathischen, weil nie wirklich hässlichen Musikbusiness- und VIP-Szene-Satire tragen viele Einlagen mit Fernsehshows und Klatschmagazinen bei, die ausnahmslos von realen Labels wie inTouch oder MTV geziert werden. Und als wäre das noch nicht genug des Spektakels, wurden sogar extra für den Film ganze Musikvideos mit Jackie Q. und Aldous Snow von Hollywood-Regisseuren wie Brett Ratner gedreht, die in Auszügen in Männertrip auftauchen, in aller Gänze zum Glück aber auch online bei YouTube zu finden sind. Würde es die ganzen Lieder aus dem Film auf CD zu kaufen geben, ich würde sie mir sofort herunterladen. Bei iTunes, für Geld, versteht sich.
Der Trailer ist ZU lustig: Die besten Gags schon ausgelutscht?
Besonders Freunde abgedrehter Buddy-Roadtrip-Komödien der etwas anderen Sorte wurden mit den Trailern zu Männertrip sicherlich enorm angefixt und das ist eines der größten Probleme des Films. Es handelt sich dabei nämlich zum einen gar nicht um die Gagfeuerwerk-Highspeed-Komödie, welche der Trailer vermuten lässt, zum anderen werden die lustigsten Szenen der ersten zwei Drittel des Films in den Vorschauclips bereits ganz fahrlässig vorweggenommen. Selbstverständlich ruiniert das den Film nicht wirklich, da die Faszination eines Aldous Snows deswegen keinesfalls verfliegt und man durch den Verlauf der Handlung eine ganz andere Sichtweise auf die vielen kleinen Ausschnitte bekommt. Dennoch bin ich mir sehr sicher, dass ich noch viel mehr Spaß mit Männertrip gehabt hätte, wären mir nicht so viele amüsante Dinge und auch Story-Aspekte vorab gezeigt worden. Bevor nun aber zu viel Panik ausbricht: Wie ich schon sagte, ist Männertrip weitaus einfühlsamer und auf die Gefühle seiner beiden Hauptprotagonisten fokussiert, als man es aufgrund der Werbung erahnen würde. Gags gibt es viele, gelacht und geschmunzelt wird sowieso an jeder Ecke, aber wer Apatow-Produktionen kennt, der wird wissen, was hier gemeint ist. Es bedarf nicht unbedingt des ganz großen Klamauks, um diese Komödie zu einem unterhaltsamen Film zu machen. Es gibt zwar einen gewissen Punkt zum Ende hin, ab dem der Plot von Männertrip zu vorhersehbar auf den üblichen Genrebahnen verläuft und man ein wenig vor sich hin dämmert, ein wahrhafitges Gänsehautfinale mit einem im Gegensatz dazu gar nicht mal so selbstverständlichen Twist reißt das Ruder dann aber im letzten Moment noch mal rum und sorgt dafür, dass Männertrip auch nach dem Gucken in der Erinnerung ein sehr schönes Gefühl zurücklässt, welches den ein oder anderen bestimmt an eigene Erlebnisse dieser Art erinnern wird. All das hätte nicht funktionieren können, wenn der Film nicht die ganze Zeit über so sehr darauf geachtet hätte, im Kern die Geschichte von Aldous Snow und seinem Praktikantenfreund zu erzählen, die ganzen Witze, etc. nur drumherum aufzubauen... und nicht umgekehrt.
Habe ich nicht von einem ähnlichen Film namens "Get Him to the Greek" gehört?
Höchstwahrscheinlich, denn das ist nichts anderes als die englische Originalversion von Männertrip (kam bereits Anfang Juni in den Staaten raus), der in Deutschland zwecks typischer Komödienzielgruppe mal wieder umbenannt wurde. Dasselbe Schicksal ereilte den Film Forgetting Sarah Marshall, aus dem die Figur des Aldous Snow ja bekanntlich entsprungen ist (siehe Extrakasten unten). Der hieß damals bei uns weniger schmeichelhaft "Nie Wieder Sex mit der Ex" und verkaufte sich damit enorm unter Wert. Was mal nach einem Männerfilm klang, hörte sich in unserem Lande eher wie ein Memmenfilm an. Get Him to the Greek hat es sichtlich besser getroffen (Russell Brand bevorzugt den Namen "Männertrip" ja bekanntlich sogar, wie er uns verriet). Statt eines knallharten Actionfilmes erwartet man nun immerhin noch eine deutsche Komödie mit Matthias Schweighöfer.
Unser Fazit
Daniel: Was ich bisher über Männertrip verschwiegen habe, damit ihr diese Filmkritik auch zuende lest und nicht mittendrin schon aufs Klo stürmt.
- 1. Ja, es gibt eine Dreier-Sexszene mit Russell Brand, Jonah Hill und Elizabeth Moss.
- 2. Ja, man sieht ziemlich lange und viel zu deutlich das nackte Hinterteil von Jonah Hill und es erinnert stark an selbiges Körperteil von Leslie Nielsen aus dem dritten Scary Movie.
- 3. In einem Shot greift Jonah Hill Russell Brand ziemlich kräftig an die Nudel.
Wenn ich so darüber nachdenke, fielen mir noch so manch andere zweifelhaft erotische Momente ein, welche für die bizarre Versautheit des Films sprechen, die natürlich trotzdem nie über das fürs amerikanische Komödienpublikum Erträgliche hinausgeht. Sex, Rock'n'Roll, ein gewohnt charismatisch aufspielender Russell Brand,... im Prinzip standen bloß Jonah Hills nackter Poppes und der lahme letzte Part vor dem eigentlichen Finale zwischen Männertrip und einer vollen Popcornskala. Der atmosphärisch hochgelungene Schlusspunkt stellt dafür aber in meinen Augen mit einiger Deutlichkeit sicher, dass Männertrip mehr ist als nur die typische U.S.-Komödie nach vorhersehbarem Strickmuster. Na klar, irgendwo im Kern steckt die natürlich auch hier wieder drin. Die gewohnte "Judd Apatow"-Grundqualität, die beiden jeweils auf ihre Art liebenswerten Hauptfiguren und die amüsanten Crossovers zwischen fiktiver Filmwelt und unserer Realität sorgen aber trotzdem dafür, dass mir der Film auch noch Wochen nach dem Pressescreening ab und zu heiter durch den Kopf schwirrt. Er ragt aus der Masse des Genres tatsächlich als erfrischend erinnerungswürdig hervor und mit etwas zeitlichem Abstand hätte ich auch noch mal richtig Lust, mir den Trip zum Greek erneut zu geben.
Der Trailer
Kurzkritik: Nie wieder Sex mit der Ex
TV-Musik-Komponist Peter Bretter ist seit vielen Jahren mit Schauspielerin Sarah Marshall zusammen, die in einer populären Krimiserie (à la CSI) die weibliche Hauptrolle spielt. Er lebt als nerdiger Stubenhocker wochenlang in ein und derselben Schlafanzughose, sie zählt zu den begehrtesten Frauen der Vereinigten Staaten. Irgendwie schien diese Kosntellation schon viel zu lange gut zu gehen, trotzdem kommt es für Peter sehr überraschend, seine große Liebe auf einmal in den Armen von... na wem wohl... Aldous Snow zu sehen. Forgetting Sarah Marshall aka Nie Wieder Sex mit der Ex zeigt Peter bei dem zähen Versuch, endlich über Sarah hinweg zu kommen und dreht sich weitesgehend um den Super-GAU, dass er beim Urlaub auf Hawai auf andere Gedanken kommen wollte, dort aber rein zufällig auf Sarah und Rockstar-Lover Aldous trifft. Alles in allem ist der geistige Ursprung von Männertrip und Russell Brands Figur des Aldous Snow stilistisch ein ganz anderer Film als sein Spin-Off, trotzdem haben sie die Thematik des "Über eine zerbrochene Beziehung Hinwegkommens" gemeinsam (wer beide Filme gesehen hat, wird das nachvollziehen können). Und auch das Fazit fällt sehr ähnlich aus: Nie wieder Sex mit der Ex lebt von seinen sympathischen bis einfach nur lustig-überzogenen Protagonisten und einigen originellen Gags, die viele von uns sicherlich an verrückte Situationen des eigenen Lebens erinnern. Was in diesem Falle nicht von ungefähr kommt, da Hauptdarsteller/Drehbuchautor Jason Segel (Marshall aus How I Met Your Mother) das Script zu Teilen auf Basis der eigenen Vergangenheit verfasst haben will. Was die hohe Vorhersehbarkeit und ein storymäßig stark abfallendes letztes Drittel angeht, leidet der Überraschungshit von Regisseur Nicholas Stoller (machte auch Männertrip) allerdings noch stärker als der neuste Teil des Franchises. Auch was das allgemeine Erzähltempo und die Gagdichte betrifft, weiß Männertrip viel mehr zu überzeugen.
Vielleicht hätte Nie wieder Sex mit der Ex von mir eine noch bessere Wertung bekommen, wenn ich ihn schon vor Männertrip gesehen hätte. Mein Problem ist nun im Vergleich nämlich, dass Aldous Snow bei seinem ersten Auftritt schon als Sidekick das eigentliche Highlight des ganzen Filmes darstellte. Da ich das so empfinde, fällt es mir schwer von dem Streifen so richtig begeistert zu sein, weil ich ja genau weiß, dass ich mit Männertrip die komplette Dosis Brand bekomme, so oft ich möchte. Und sonst ist Forgetting Sarah Marshall für mich eben einfach nur eine schrullig-sympathische Entspannungskomödie mit einer für die USA doch recht ungewöhnlichen Penis-Szene und offenherzigen Blowjob/Sex-Gags. Zwar nur was für zwischendurch, dafür aber auch etwas genreverhältnismäßig recht nahrhaftes. Wer übrigens meint, auch Jonah Hills Charakter aus Männertrip wäre im Vorgängerfilm derselbe gewesen, der irrt offensichtlich. Zwar weisen der übernervöse Hotel-Page und der pummelige Plattenfirmapraktikant gewisse Ähnlichkeiten auf, aus Matthew the Waiter ist nun allerdings Aaron Green und damit eine vollkommen neue Figur geworden.
- Wertung: 3/5
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Kommentare (14)
Drahcir1710
equax
retroman
retroman
Cendoor
Nie wieder Sex mit der Ex war einfach richtig klasse :D
Gehört zu den Filmen die man auch noch öfters als einmal anschaut und trotzdem drüber lachen kann...
Die Besetzung war halt auch einfach die richtige ;)
DerPate007
chris1993_
http://www.jp.playstation.com/scej/title/amimono/?ref=rss
Scrub
Hugo01
xXDonReneXx
Da geb ich dir sogar recht. Weiß zwar nicht wie die Synchronisation im allgemeinen ist, aber Russel Brand muss man im Original haben!
Dann hab ich jetzt wohl doch schon was vor dieses Wochenende :D