Filmkritik: Predators
17:28 Uhr - Seit 1994 hat Regisseur Robert Rodriguez ein Drehbuch für eine Fortsetzung von Predator 1 + 2 in der Tasche. Während Fox damals noch dankend ablehnte, stellte man nun 40 Millionen Dollar für ein Actionspektakel zur Verfügung, das unsere beiden Kinogänger Alex und Daniel allerdings ebenfalls lieber abgelehnt hätten. Warum die Predators im neusten Aufguss nicht mehr überzeugen können, erzählt euch unser Filmcheck.
Worum geht's?
Als direkte Fortsetzung von Predator 2 gedacht, spielt Predators im Jahr 2010. Eine Auswahl von Elite-Soldaten, Mafia-Killern und anderen Tötungsmaschinen wird auf einem fremden Planeten ausgesetzt um sich dem ultimativen Jäger zu stellen: Den Predators. Im Gegensatz zu den ersten beiden Filmen lassen sich unsere Aliens ihre Beute jetzt also lieber liefern. Nachdem sich die unterschiedlichen Charaktere um Söldner Royce (Adrien Brody) einmal zusammengerauft haben, gilt es gemeinsam den Feind zu bekämpfen. Natürlich stellt sich der Kampf gegen drei Predators dabei als wahrlich tödliches Kommando heraus. Vielleicht kann aber Veteran Noland (Laurence Fishburne) helfen, der bereits seit einiger Zeit auf dem Planeten überlebt hat und bereits einige Predators zur Strecke gebracht hat.
Wie uncool ist der Pianist?
Adrien Brody ist kein Actionheld der Sorte "beinhart", selbst wenn er seinen Körper für King Kong noch so gestählt haben mag. Die garantiert auch etwas künstlich nachbearbeiteten Muskeln sind ihm zwar in seiner Oben-Ohne-Szene in Predators noch überdeutlich anzusehen, von Natur aus ist der Kerl allerdings zart und schlank. Von daher stellt er natürlich auch keinen Ersatz für Arnie oder Alternativen wie Stallone, The Rock (hätte es etwas trashiger werden sollen) und Statham (der wäre nach Dungeon Siege garantiert günstig zu haben gewesen) dar. Dass so eine Leaderfigur mit wuchtigem Body und überzeugendem Actionheldencharisma überhaupt in der ganzen Gruppe der Predators-Story fehlt, ist jedoch ein allgemeines Problem des ganzen Films. Der russische oder mexikanische (Mr. Machete, by the way... aber dazu auch weiter unten noch mal mehr) Vertreter im Bunde hätte zumindest optisch das Zeug zu so einer Figur gehabt, doch mit ihrem eher dümmlichen Auftreten und kaum ein paar geradeaus gesprochenen Sätzen wird jegliches Potenzial dafür im Keim ihrer im Gegensatz dazu ganz gut mitarbeitenden Schweißdrüsen erstickt. Während Brody als vom Drehbuch vorgesehener Gruppen-Anführer und Hauptdarsteller versagt, ist er aber trotzdem nicht als Total-Fail zu bezeichnen. Sein Alter Ego gibt sich den ganzen Film über mysteriös, er versucht noch am ehesten schwierige Situationen mit dem Kopf zu lösen und er hat seiner Gefolgschaft gegenüber auch grundsätzlich etwas kühles, abweisendes an sich. Diese Eigenschaften kauft man Brody auf der Leinwand durchaus ab und so hat man nie das Gefühl, seine Präsenz würde den Film stören oder er würde seine Rolle nicht glaubhaft rüberbringen. Er kann dem Film bloß auch nicht die positiven Impulse hinzufügen, welche manch einer unserer persönlichen Wunschschauspieler mit ziemlicher Sicherheit von Natur aus mitgebracht hätten.
Wie cool ist Morpheus?
Irgendwie wird jeder Film aufgewertet, wenn Laurence "Morpheus" Fishburne im Cast auftaucht. Alleine sein Einstieg in die Welt der Predators dürfte einigen Kinogängern ein leichtes Schmunzeln auf die Lippen zaubern. Leider ist seine Rolle nicht ganz so überzeugend. Als einziger Mensch, der bereits mehrere Wellen von Predators überlebt habt, wohnt er einem Raumschiffwrack, führt Gespräche mit seinem imaginären Mitbewohner und gibt ansonsten eine Schmalspur-Version von Marlon Brandos Colonol Kurtz aus Apokalypse Now ab. Leider scheint das Drehbuch für ihn keine sinnvolle Verwendung zu bieten, so dass sein Einsatz dann doch eher enttäuschend ausfällt und vor allem Löcher in das ohnehin schon fragile Logikgerüst des Films reißt.
Wie viel fliegt in die Luft?
Weniger als man sich wünscht. Man fragt sich schon oft, wo eigentlich das Budget von 40 Millionen Dollar geblieben ist. Denn bis auf eine kleinere "Flucht vor der Flammenhölle" Sequenz, die zudem visuell extrem peinlich daher kommt und fast an den Werbespot des Nintendo 3DS erinnert, gibt es wenig optische Highlights im Film. Auch die Flora und Fauna der fremden Welt wirkt meistens wie ein ganz normaler Südamerikanischer Dschungel und hält natürlich keinem Vergleich mit Filmen wie Avatar oder King Kong stand. Weitaus überzeugender wirken da schon die Predators selbst, deren Waffensysteme und Jagd-Verhalten nahtlos an die vorhergegangen Teile anknüpft. In jeder Szene mit den Predators nimmt der Film spürbar an Dynamik und Spannung auf, um dann in den anschließenden Abschnitten wieder unter Durchschnittniveau herunter zu rutschen.
Wie viele Wirbelsäulen werden entfernt?
Eine. Erfreulich, dass Predators sich für eine 18er Freigabe nicht zu schade ist und natürlich auch den berühmtesten aller Finishing Moves des Predators auf gewohnt unappetitliche Art einbaut.
Warum uns Arnie fehlt!
Arnie war das geborene Raubtier für den Dschungel-Kampf. Mit Schlamm bedeckt und im Wütend-Modus konnte auch ein Predator nicht viel ausrichten. Mit etwas Phantasie nahm man für Teil 2 sogar Danny Glover den urbanen Super-Cop auf der Jagd nach blutrünstigen Gangmitgliedern ab, der sich bestens im Großstadtdschungel auskannte und damit einen würdigen Gegner für den Predator in einer für ihn ungewohnte Umgebung darstellte. Der zusammengewürfelte Haufen aus Predators wirkt dabei allerdings immer zu bemüht und bietet nur Klischees, für dich sich schon manch ein Videospiel schämen würde. Der wortkarge Russe wirkt fast wie der Heavy Weapon Guy aus Team Forttress 2 und spricht so sogar so. Der Yakuza-Killer ist natürlich ein Ehrenmann, der am liebsten mit Samurai-Schwert kämpft. Da Robert Rodriguez produziert, darf natürlich auch sein Lieblings-Killer Danny "Machete" Trejo nicht fehlen, der im Grunde einfach nur sich selber spielt. Leider bietet die Truppe um Adrian Brody wenig Sympathieträger, so dass sich schnell der SAW Effekt einstellt: Im Grunde ist man über jeden Toten dankbar, da auf diese Art wenigstens die Zahl der nervigen Nebenfiguren reduziert wird.
Unser Fazit
Alex: Predators langweilt nicht. Der Film bietet eine durchaus kurzweilige, allerdings selten überraschende Actionstory, die bis zum Ende ihr Tempo halten kann. Allerdings fehlen mir echte visuelle Highlights, wie die Mini-Atombombe bei Predator. Auch wenn der neuste Film nicht billig wirkt (bis auf die berüchtigte CGI-Flammenwelle), so läuft er doch spürbar auf Sparflamme. Dafür ist er sichtlich bemüht, mit harten Militär Sprüchen an gute alte Zeiten wie "Ich habe keine Zeit zu Bluten" und "Es leuchtet Blau" anzuknüpfen. Nur dass sie aus Adrians Brodys Mund immer so authentisch wirken, wie wenn Christian Bale seine Batman-Stimme einschaltet. Von einem Film, der allerdings behauptet "Aliens vs. Predators" hätte es nicht gegeben, muss man etwas mehr erwarten können, als das einfache "Reise nach Jerusalem" Abschlachtungsprinzip mit der ein oder anderen Story-Twist Idee, die sich vermutlich spannender liest, als sie dann auf der Leinwand rüber kommt. In erster Linie ist der Film damit unter-ambitionierter Fanservice, der niemanden überzeugen kann, der nicht schon seit Jahren eine Leidenschaft für die außerirdischen Kampfmaschinen hegt. Diese Fans verzeihen dann sicher auch das unbefriedigende Ende von Predators, das zu erkennbar auf eine baldige Fortsetzung schielt. Deshalb von mir eine 2/5 auf der AreaGames Popcorn-Skala.
Daniel: Mit der 2/5 sind Alex und ich uns im Prinzip einig, denn Predators ist ein gänzlich belangloser Film ohne jegliche Highlights, der sich trotzdem sowohl handwerklich als auch inhaltlich auf einem soliden Niveau bewegt, das zu keinem Zeitpunkt schlecht oder peinlich wirkt. Dass der Streifen sein "Tempo halten kann" hätte ich im Fazit allerdings nicht für positiv erwähnenswert gehalten, denn die meiste Zeit über passiert ja auch nicht viel. Eine Gruppe geht ziellos durch einen ihr unbekannten Wald, tut dabei so, als würde sie aus trivialen Spuren irgendwelche Erkenntnisse gewinnen können und wird dabei viel zu selten von unspektakulären Actionmomenten unterbrochen. Es gibt kaum signifikante Schauplätze und vor allem wird keine Geschichte erzählt, am Ende sind alle eigentlich genau so schlau wie am Anfang. Oder tot. Langweilig wurde mir der Film in erster Linie deswegen nicht, weil ich bis zum Schluss gehofft hatte, es würde noch was ganz dolles kommen. Immerhin eierte das Original mit Arnie ja auch etwas verloren als halber Kriegsfilm vor sich hin, ehe der Streifen im zweiten Akt dann auf einmal ordentlich durchgewirbelt wurde. 2010 bleibt mir das begeisternde Finale verwehrt und auch an echter Spannung hat es mir gefehlt, denn das Drehbuch von Predators hat zwei entscheidende Hauptprobleme.
Zum einen stellen sich die angeblichen Elitekämpfer der Menschheit schnell als ineffiziente Unsympathen, sentimentale Möchtegern-Soldaten oder hohle Hohlbirnen heraus, denen ich gegen so einen Predator im echten Leben nicht mal drei Sekunden Überlebenszeit einräumen würde und zu denen ich auch nicht genug Bezug aufbauen kann, um mit ihnen mitzufiebern. Zum anderen weiß ich vorab bereits alles, was die Truppe über ihr Schicksal und die Predators überhaupt hätte herausfinden können. Wenn mir ein Film schon nichts zu erzählen hat, soll er mir doch bitte mit atemberaubender Dauer-Action so dermaßen einheizen, dass ich mich trotzdem gut unterhalten fühle. Und ob eingefleischte Predator-Fans dem Film unbedingt so viel gnädiger gegenüberstehen werden? Das seltsam durchgemischte Opfer-Auswahlverfahren, die mangelnde Überlegenheit der Monster in ihrem eigenen Reservart und ein deswegen gänzlich fehlendes "gejagt werden"-Gefühl im Kino haben für mich jedenfalls nicht mehr die Atmosphäre und diese gewisse Mystik aufkommen lassen, welche ich von Predator I und auch Teil II (Ja, ich mag beide!) eigentlich gewohnt bin. *leichter Spoiler* Es ist ja schon bezeichnent, dass Predators am Ende noch mit einem extrem aufgesetzt wirkenden Plot-Twist versucht, abseits der Aliens für Spannung zu sorgen *leichter Spoiler Ende*
Am Ende habe ich das Kino relativ gefühlsneutral verlassen. Nicht wütend, weil Aliens vs. Predator I & II die Messlatte vorher schon so niedrig angelegt hatten und Predators auf keinen Fall zum Fremdschämen war. Aber auch nicht gerade glücklich, weil ich nun wohl weiterhin auf eine würdige Kino-Wiedergeburt eines meiner Lieblings Film-Außerirdischen warten muss.
Der Trailer
Die Predator Filme
Predator (1987)
Director : John Mc Tiernan
Alan "Dutch" Schaeffer (Arnold Schwarzenegger) und sein Team von Elitesoldaten wurden vom CIA engagiert, um einen im zentral amerikanischen Dschungel abgestürzten Piloten aus den Händen von Guerilla-Soldaten zu befreien. Doch schon bei ihrer Ankunft finden sie eine Einheit Green Berets vor, die von einem unbekannten Feind lebendig gehäutet wurden. Nachdem sie das Guerilla-Lager und damit den vermeintlichen Feind ausgeschaltet haben, fangen die Probleme allerdings erst richtig an. Einer nach dem anderen wird auf grausame Weise von einer unbekannten Kreatur mit einem überlegenem Waffensystem getötet. Am Ende steht nur noch Arnold Schwarzenegger aufrecht und liefert sich einen brutalen Showdown mit dem Predator, der nun endlich einen Meister gefunden hat.
Nette Fakten:
Der ursprüngliche Predator wurde von Jean-Claude Van Damme gespielt, der jedoch nach zwei Tagen kündigte, weil er unglücklich darüber war, nur als unerkannter Spezial Effekt gecastet worden zu sein. Im Making of ist er kurz als Predator zu sehen.
Es wurde versucht, zu filmen, wie sich der Predator von Baum zu Baum schwingt. Also steckte man einen Affen in einen Motion-Capturing-Anzug, der diesen aber immer wieder auszog, so dass die Idee dann doch wieder verworfen wurde.
Die Mundwerkzeuge des Predators waren eine Idee von James Cameron
Sonny Landham wurde nur unter der Bedingung für den Film engagiert, dass er rund um die Uhr einen Bodyguard bei sich hat. Nicht etwa um ihn selbst zu schützen, sondern alle anderen, da er für seine wilden Kneipenschlägereien bekannt war.
Predator 2 (1990)
Director : Stephen Hopkins
Lt. Harrigan (Danny Glover), ein Polizist aus L.A. kämpft gegen die hiesigen Drogenkartelle. Doch plötzlich werden die führenden Drogenbarone in einem blutigem Massaker ermordet. Zunächst wird ein Konkurrent verdächtigt, doch schon bald stellt sich heraus, dass es sich um niemand geringeren als den Predator handelt, der für die Tat verantwortlich zu machen ist. Und er hat auch schon sein neustes Opfer ausgewählt : Lt. Harrigan. Doch die Rollen ändern sich schon bald, und der Predator wird vom Jäger zum Gejagten. Im Predator Raumschiff kommt es zum Showdown.
Nette Fakten:
Der Film wurde mehr als 20 mal re-cutted um mehr grafische Effekte, Verstümmelungen und Enthauptungen durch den Predator einzufügen. Das war auch der Grund dafür, dass Predator der erste Film in Amerika war, der die neu eingeführte NC-17 Einstufung bekam, die aufgrund übertriebener Gewaltdarstellung verhängt wird.
Während der Szenen in den Gassen von L.A. wurde die Filmcrew von den aufgebrachten Bewohnern mit Müll und Fäkalien beworfen, außerdem haben sie unter einem der Müllberge eine Leiche gefunden.
Arnold Schwarzenegger sollte Co-Star werden, entschied sich dann aber für die Hauptrolle in Terminator 2.
John Mc Tiernan (Regisseur von Teil 1) wurde die Regie angeboten, doch er entschied sich für Jagd auf Roter Oktober.
Unter Fans hielt sich lange Zeit der Irrglaube, dass die Alienköpfe im Trophäenraum des Raumschiffes die Grundlage für das Alien vs. Predator Franchise waren. Tatsächlich gab es allerdings schon Ende der 80er Jahre erste Comics, die dieses Zusammentreffen thematisierten.
Predator auf Blu-ray und DVD
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Kommentare (44)
konsolenrocker
@Daniel:
Habt ihr den Remake "Nightmare on Elmstreet" getestet?
Neilz
Rammtier
Daniel Pook
132Shadow
Alexander Laschewski-Voigt
Rammtier
konsolenrocker
Saibot
Ich schätzte euch nämlich auch als Filmkenner sehr ;)
Steffen261279
Ohhhh man, wie kann man nur solche Schauspieler für diesen Film casten *kopfschüttel*
Brody geht mal überhaupt nicht!
Naja, nach den AVP Teilen konnte man aber eigentlich auch nichts gutes mehr erwarten.