Filmkritik: Prince of Persia
16:22 Uhr - Dachtet ihr wirklich, Ubisoft würde mit "Die Vergessene Zeit" nur deswegen zur "Sands of Time"-Saga zurückkehren, weil das "Cel-Shading"-Reboot zuletzt nicht nach Wunsch Erfolg verbuchen konnte? Sprechen wir es aus: Der Zeitmanipulationsstoff brachte den originellsten, spaßigsten und auch spektakulärsten Prince of Persia aller Zeiten hervor. Und weil Hollywood-Erfolgsproduzent Jerry Bruckheimer das genau so gesehen hat, blieb Ubisoft kaum eine andere Wahl, als anlässlich des Lizenzfilmblockbusters ebenfalls wieder mit dem magischen Sand zu spielen. Danke dafür, Jerry! "Danke" aber nicht für die Leinwandadaption an sich, denn die hat eindeutig zu viele Katzenkotstückchen im Sand.
Sechstes Jahrhundert. Eines Tages sah der König von Persien einen Straßenjungen, der einen Wachmann mit einem Apfel bewarf, um einen minderjährigen Verkehrssünder vor dessen gerechter Strafe zu bewahren. Muss wohl das Herzergreifendste gewesen sein, was der König je gesehen hatte. Und darum sagte er (so etwas wie): "Dä leeve Jung..." - Er adoptierte den kleinen Mann, aus dem einige Jahre später ein größerer Mann geworden ist, der in einen Mordkomplott rund um den Bruder des Königs verwickelt wird. Letzterer ist - das verraten ja schon Poster, Trailer und LEGO-Kästen zum Film - ein böser Intrigant, der wie Ben Kingsley mit schwarzem Eyeliner aussieht (routiniert gespielt von Ben Kingsley mit schwarzem Eyeliner). Dabei stellt Held Dastan - besagter Adoptivprinz, der jetzt des Adoptiv-Vater-Mordes bezichtigt wird - schnell fest, dass sein Adoptiv-Onkel die Familie nur deswegen ins Unheil stürzt, weil... er es nach all den Jahren als rechte Hand genau so satt hat, wie ich bereits nach wenigen Minuten im Publikum, dass des Königs Gelaber vom "Band zwischen Brüdern" alles zu sein scheint, was den Drehbuchschreibern als von Anfang an vollkommen unverschlüsselte, wiederkehrende Moralmessage für Kinder in den Sinn gekommen ist. Oder zumindest für Kinder, die Brüder haben. Alle anderen bleiben außen vor, bis auch ihnen ganz am Schluss etwas pädagogisch wertvolles mit auf den weiteren Lebensweg gegeben wird: Jeder hat sein Schicksal selbst in der Hand! Zumindest wenn er auf magische Gegenstände wie den Dolch der Zeit zurückgreifen kann, der im Film leider deutlich seltener eingesetzt wird, als im Trailer suggeriert. Der magische Sand im Inneren der edlen Waffe, die durch einen banalen Zufall in die Hände von Dastan gelangt, wird bereits früh im Film aufgebraucht und dann nur noch spärlich wieder aufgefüllt, weswegen aufwendigere CGI-Action in Prince of Persia überraschender Weise Mangelware ist. Ohne übertreiben zu wollen, zeigt der unten eingebettete Vorschauclip bereits fast alle "Sands of Time"-Momente des Films und die stellen wiederum die wenigen optischen Highlights von Regisseur Gabe Newells (Harry Potter und der Feuerkelch, Mona Lisas Lächeln, Donnie Brasco, Vier Hochzeiten und ein Todesfall) Werk dar. Ansonsten herrscht ein unstimmiges Gesamtbild aus nicht ganz überzeugend gerenderten CGI-Kulissen, realen Drehorten in der Wüste und Stadt- sowie Innenraumszenen im Disneyland-Look vor. Angesichts des relativ hohen Budgets von weit über $100 Millionen bin ich regelrecht erschrocken, wie künstlich und teils sogar billig die Umgebungen von Prince of Persia wirken und ähnliches muss ich auch über die viel zu sauber-glatte Garderobe der Darsteller sagen, die in jeder Situation so aussehen, als wären sie gerade frisch aus der Ankleidekabine gekommen. Ja, wenn packende Actionszenen gänzlich fehlen und die Dialoge selbst für einen Popcornkinofilm lächerlich flach ausfallen, hat man tatsächlich genug Zeit und Langeweile, auf solche Feinheiten zu achten.
Kennt ihr das, wenn ein Film mit Sätzen wie "Du sprichst weise Worte, mein Bruder" zwanghaft versucht, besonders bedeutsam rüberzukommen, obwohl seine Figuren nicht mehr als banalste Aussagen von sich geben? Die Diskrepanz zwischen Gesprächsinhalten und suggerierter Tiefe des Gesprochenen ist in Prince of Persia genau so hoch, wie in den meisten anderen Videospiele-Adaptionen bisher. Doch es ist nicht nur der Inhalt der Dialoge, sondern auch die ganze Art, wie die Schauspieler angesichts ihrer Schicksale und den ihnen gegenüberstehenden Gefahren reagieren, welche jede Form von Spannung oder Atmosphäre in diesem Film zunichte macht. Jake Gyllenhaals freundliches Dauergrinsen und ein lockerer Spruch nach dem anderen lässt jedes Gespür dafür vermissen, dass er zwischenzeitlich von Meisterkillern mit magischen Kräften verfolgt wird und gerade erst den qualvollen Säuretod seines Vaters miterleben musste. Seine ständige Begleiterin, Prinzessin Tamina (Gemma Arterton), stellt sich als Hüterin des Schicksals der ganzen Welt heraus und wenn sie uns das im Film nicht ein paar mal ins Gesicht gesagt hätte, wäre sie uns von Anfang bis Ende bloß wie eine leichtsinnige, verzogene Zicke mit wunderschönen Lippen und leider kaum enthüllten Traumbrüsten vorgekommen, die im Falle einer Bedrohung alleine keinen Blassen Schimmer hätte, was auch nur ansatzweise zu tun wäre, um wenigstens sich selbst zu retten. Geschweige denn den ganzen Planeten. Wenn ich an Die Mumie denke, habe ich mit Evelyn und Rick O'Connell sogleich ein erinnerungswürdiges Pärchen im Kopf, das schlagkräftig ist, auch mal für lustige Momente sorgt und sich der Bedrohungen um sich herum trotzdem zu jeder Zeit bewusst ist. Selbiges gilt für das heute schon als Kult zu bezeichnende Charakter-Aufgebot von Fluch der Karibik. Selbst Jack Sparrow (Verzeihung: "Captain" Jack Sparrow) ist sich des Gelingens seiner Pläne nur selten sicher, er zeigt oft mal Furcht und wird gar von Flüchen getrieben, die ihn ab und zu für einen Moment verzweifelt nach einem gerade nicht sichtbaren Ausweg suchen lassen. Prinz Dastan und Prinzessin Tamila spazieren dagegen mit einer unglaublichen Leichtigkeit des Seins durch die Wüste, ins Feindesland und kurz gesagt kopflos ins Ungewisse, als wüssten sie beide schon, dass sie beim Finale der Story ja noch gebraucht würden und ihnen deswegen gar nichts passieren kann.
Hat es sich denn wenigstens für mich als Zuschauer gelohnt, dem bis dahin höhepunktslosen, die meiste Zeit über sehr albernen Treiben bis zum Endkampf zu folgen? Absolut nicht. Von einem richtigen "Kampf" zu sprechen wäre übertrieben, viel mehr handelte es sich dabei um ein extrem vorhersehbares "Aufeinandertreffen" der Protago- und des Antagonisten, mit noch mehr Dialogen zum Fremdschämen und einem unspektakulären Kitsch-Ende voller weiterer unfreiwillig komischer Gespräche und Moralsprüche über das Brudertum sowie eines jeden Schicksals. Mit all diesen eklatanten Schwächen hätte Prince of Persia den schlechten Ruf der Videospieleverfilmungen sowieso nicht mehr ablegen können, ein paar sehenswürdige Actionszenen hätten den Streifen aber sicherlich davor gerettet, selbst als seichtes Blockbusterkino zum großen Flop zu werden. Diese Chance versaut sich der Streifen jedoch mit derart hektischen Schnitten, sowohl bei den Kletter- als auch den Kampfchoreographien, dass man oftmals gar keine logische Verbindung mehr zwischen den einzelnen Shots herstellen kann und schnell nicht mehr weiß, welche Figur jetzt gerade wo steht und welche Bewegung durchführt. Aufwendigere Stunts mit echten Menschen finden dazu oft in besonders auffällig nach Studiokulisse und/oder Greenscreen aussehenden Umgebungen statt. Man mag über das Drehbuch von Ridley Scotts "Robin Hood"-Prequel ja sagen was man möchte, aber bei dem Film habe ich wenigstens immer das Gefühl, er wäre per Zeitmaschine an echten Orten gedreht und in den Schlachten wären echte Menschen mit echten Pfeilen erschossen worden. Bei Prince of Persia entsteht eher der Eindruck, als wären die Actionszenen anhand von Gürtelkamera-Aufnahmen aus einer Disneyland-Stuntmanshow zusammengeschnitten worden. Und immer wenn die Drehbuchschreiber von Prince of Persia mal eine cool klingende Idee gehabt zu haben scheinen, will sie irgendwie nicht stimmig ins Gesamtkonstrukt passen. Gegen Assassine, die sich in Windhosen verwandeln und die rudelweise Giftschlangen kontrollieren können, wäre an sich z.B. nichts einzuwenden gewesen. Bis auf die Tatsache, dass jeder noch so vertraute Verwandte von Dastan eine Demonstrationsprobe erbracht bekommen möchte, ehe er an die Geschichte vom Sand der Zeit und dessen magischen Dolch glaubt. Magie scheint in der Welt von Prince of Persia in einer Szene mal das Unvorstellbarste der Welt zu sein, das nur mit spöttischen Kommentaren und Kopfschütteln abgetan wird, ein paar Szenen später akzeptieren die Protagonisten ihre Existenz dann wieder, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich wiederhole mich, wenn ich euch sage, dass ich mich während der fast zwei Stunden Laufzeit des Films so oft gelangweilt habe, dass ich genug Zeit hatte, mir über solche Dinge ausgiebig Gedanken zu machen...
Prince of Persia hat in meinen Augen keine Sekunde lang die Balance zwischen unbeschwertem Unterhaltungsfilm und aufregender Erzählung hinbekommen, die Popcornkinohighlights wie Fluch der Karibik, Die Mumie oder auch The Scorpion King so hervorragend gelungen ist. Ich hatte im Kino nie das Gefühl, gerade das epische Abenteuer für die ganze Familie zu erleben, welches Regisseur Newell nach Ubisofts Vorlage ganz offensichtlich abliefern wollte. Ob Action, Humor, Charakterstärke, Schauwerte, Story oder schlicht ein Mindestmaß an Grundatmosphäre - von all dem hätte der Lizenzstreifen ein bis zwei Portionen mehr benötigt, um mit seinen offensichtlichen Vorbildern einigermaßen mithalten zu können. Dann wäre allerdings immer noch die Hürde zu nehmen gewesen, all diese Elemente auch wirklich gut umzusetzen... und das ist Jerry Bruckheimers Team bei diesem Projekt ja schon im kleineren Ausmaße nicht gelungen. Es waren nur wenige Minuten, in denen mich Prince of Persia davon überzeugen konnte, dass es ein ganz heiteres Unterhaltungsvergnügen mit flotten CGI-Kämpfen plus viel Witz und echter Filmmagie geworden ist... und dieser Gedanke verpuffte in dem Moment, als ich feststellte, dass ich gerade bloß eine kurze Vorschau auf The Sorcerer's Apprentice präsentiert bekommen hatte.
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Kommentare (49)
methi
Hat wer paar Tipps :P
Jacuzzi
Jack Scallion
Naja, immerhin hab ich keine Lust mehr mir den Film anzuschauen, womit der Kauf des überteuerten MW2-Mappacks gesichert wäre...
Ach so, die Augen von Gemma(Heißt die echt so? Gemma Bier holen, hähä) sind auf dem Poster echt der Hammer.
Croe
Cabal2k
Ich mein mich hat der Trailer schon nicht von den Socken gehauen weswegen für mich schon kein Kinobesuch in frage kam, aber wenn mir ein Film vom Trailer her gefallen hat und ich einen Kinobesuch eingeplant habe bringt mich da ganz bestimmt keine Internetmeinung davon ab, aktuellstes beispiel wäre jetzt Kampf der Titanen, der im Internet ja teilweise zerissen wurde....ich hatte aber im (2D)Kino trotzdem meinen Spass.
kleiner Lemming
Abschneiden ist die beste Lösung, dann siehts nich doof aus.
Aber was hab ich schon zu sagen, ich hab auch immer meine Plüschfiguren "beschnitten".
blub.me
@methi: "Kick-Ass"!
pc_only_user_95
Spoiler für die, die sich den Trailer nicht angeschaut haben, sich den Film aber ansehen wollen:
Ich mein, jetzt weiß ich doch schon: Aha, die beiden Hauptprotagonisten haben am Ende eine Beziehung, er wird von der Schlange nicht gebissen, weil er sich in letzter Sekunde retten kann und die ganze Welt stürzt zusammen...oder so ungefähr zumindest.
Dadurch wird echt jegliche Spannung genommen...
samurai
Sowas wie "Die coolen Sprüche der Charaktere zerstören die Glaubwürdigkeit", war das denn in anderen Bruckheimer Produktionen wie Fluch der Karibik, Beverly Hills Cop oder Bad Boys großartig anders?
Ich hab zwar PoP noch nicht gesehen, aber anschauen werd ich ihn mit sicher noch.
blub.me
Und auch da kommt der Film jetzt nicht soo super weg. Nichts gegen No-Brainer, aber wenn der Film dann noch peinlich wird is aus.