Filmkritik: Sucker Punch
So sehr der Ausdruck "Sucker Punch" nach einer brutalen Form oraler Faust-Erotik klingen mag, so nüchtern ist er doch erklärt. Dahinter versteckt sich nichts weiter als ein Schlag, der sein Opfer komplett unerwartet und vor allem unvorbereitet trifft. Zack Snyder scheint das nicht gewusst zu haben, denn der überraschende Mindfuck nach all den CGI-gone-wrong-Vorschautrailern bleibt komplett aus. Ja, der Film wirkt genau so billig und uninspiriert wie von uns schon sehr lange befürchtet.
Irrendollhaus
"Alice im Wunderland mit Maschinengewehren, inklusive Drachen, B-25 Bombern und Bordellen.", so soll Adaptionsmeister Zack Snyder ("Dawn of the Dead"-Remake, 300, Watchmen) einst sein erstes kommerziell verbreitetes Langfilmwerk beschrieben haben, dessen Drehbuch seinem eigenen Geiste entsprungen ist. Das Ergebnis versucht alles mögliche zu sein, schafft aber nur sehr wenig. Es geht in Sucker Punch im Kern um eine junge Dame, die aus Erbschaftsgründen nach dem Tode ihrer Mutter von ihrem Stiefvater in eine Irrenanstalt verfrachtet wird, wo man ihr den vermeintlichen Wahnsinn mit Keil und Hammer aus den Hirn klopfen soll. Kurz vor dieser schrecklichen Prozedur taucht das hilflose Opfer in eine Traumwelt ab und das Sanatorium verwandelt sich in einen Erotik-Tanzschuppen für Kundschaft gehobener Klasse, in welchem sie als sündhaft junge Newcomerin "Baby Doll" bekannt ist. Die Mädchen dort werden gegen ihren Willen festgehalten, zu Auftritten gezwungen, an Politiker verkauft und mitunter auch mal vom Koch vergewaltigt. Zusammen mit ihren Lolita-Freundinnen "Sweet Pea", "Rocket", "Blondie"und "Amber" versucht "Baby Doll" einen Fluchtlplan umzusetzen, bei dem sie sich ihre hypnotisierenden Tanzfähigkeiten zunutze macht, damit ihre Freundinnen unbemerkt eine Karte, ein Messer, ein Feuerzeug und einen Schlüssel klauen können. Während ihrer Bühnenshow taucht "Baby Doll" in eine weitere Traumebene ein, in welcher sie mit ihren Kumpaninen gegen Drachen, Orks,... Nazis und alle möglichen anderen Schergen kämpft.
High School Shootical
Selbst wenn sich "Baby Doll" und Co. gerade mal nicht in der CGI-überpowerten Actiondimension befinden, wartet Sucker Punch dauerhaft mit einem derart künstlichen Look auf, dass man sich nicht recht entscheiden kann, ob man gerade etwas besonders billiges oder konsequent künstlerisches vor sich hat. Dieser höchst unbefriedigende Zwist zieht sich durch alle Bereiche des Films, ohne dabei in irgendeiner Form ein begeisterndes Erlebnis zurückzulassen. Sind die Hauptdarstellerinnen prollige Sex-Amazonen oder minderjährige Anziehpüppchen? Sind die Actionszenen gewollter Overkill oder der peinliche Versuch, alles in einen Film zu packen, was der männliche Teil der aktuellen Mainstreamgeneration Umfragen zufolge als besonders cool empfindet? Sind die vielen musikalisch unterlegten Slow-Motion-Sequenzen berauschend inszeniert oder gähnend langatmig? Soll das Ganze überhaupt die maskuline Prollfraktion ansprechen oder doch eher die Ballergelüste geneigter "High School Musical"-Fans wecken? Ist der Film matschig-braun oder schummrig düster? Wurden die einzelnen Ebenen des Films wahllos zusammengewürfelt oder gibt es dahinter irgendeine tiefgehende Symbolik? Wie kann ein Film nur mit so vielen Sachen vollgepackt und doch so fantasielos sein?
Meint Zack Snyder das alles wirklich ernst oder will er uns einfach nur auf Kosten seiner Filmstudios und Produzenten verarschen?
Wenn man diese unklare Rezeptur in Worte fassen will, kann Sucker Punch allerhöchstens als atmosphäreloses Dauer-Teeny-Musikvideo-Renderfilmchen mit vereinzelt eingestreuten Realdarstellern bezeichnet werden. Wobei jetzt manch ein Teenager zu Recht laut aufschreien mag: "Hey, so anspruchslos bin ich eigentlich gar nicht!" - Stimmt, aber genau das scheint Zack Snyder von euch zu denken. Und das ist offenbar das größte Problem von Sucker Punch, auch wenn er rein handwerklich gesehen mitunter durchaus das wahre Talent des kommenden Superman-Reboot-Regisseurs durchscheinen lässt.
Da Sucker Punch so verdammt gehaltlos ist, gibt's das abschließende Fazit schon auf Seite 2!
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Kommentare (42)
Sensei Krom
In dem Film macht niemand was falsch, der ein Hetero-Mann ist und an den Effekten gibt es nichts zu meckern. Ich finde ihn irgendwie gut, erfrischend anders und folgt ein bißchen den "starken Frauen" von SINCITY Ö)
Valium
DREJ
Das ganze könnte als Musical oder als Musikvideo durchgehn aber nicht als Film.
Und von diesen Fantasysequenzen war auch nur die mit den Samurais und die im ersten Weltkrieg halbwegs gut, das andere war vollkommener Blödsinn.
Und in der realen Welt, naja langweilige Dialoge und n zml unüberlegtes Ende. Die CGI sahn allerdings immer ganz gut aus.
Solide unterm Durchschnitt, ganz weit abseits von Sin City, 300 und Co.
Dr4g0nfir3
Daniel Pook
Clubfighter17
zaziki78
-> Filmabend mit Dudes ebenfalls auf DVD-/BluRay-Release verschoben.
farrellybrother
Der Film ist von Zack Snyder, dem Cliffy B. der Filmbranche - einem Nerd. Alle Bilder dieses frivolen und überborenden Machwerkes sehen phänomenal aus. Ich habe die Hoffung, das sein Sucker Punch in ein paar Jahren einer DER Kultfilme im phantastischen Bereich sein wird. Da er bereits heute verteufelt und geliebt wird ist schon mal ein gutes Zeichen :-)
Meister Proper
PS: Ich hätte gern mal den Tanz gesehen....
Saibot
Hatte mir wenigstens einen richtigen Regel Nr. 2 Film mit fetten Effekten gewünscht, aber hervorragen tut er wohl überhaupt nicht in irgendeiner dieser Kategorien.
Irgendwann mal zu Hause.... vielleicht.