Filmkritik: The Expendables
Schon alleine die Besetzungsliste liest sich wie ein feuchter Traum von Actionfans, die ihren 18. Geburtstag schon ein paar Jährchen hinter sich haben. Aber Sylvester Stallones neuer Film "The Expendables" hat mehr zu bieten als die geballte Star-Power von Statham, Lundgren, Li und Rourke. Er teleportiert uns in eine Zeit, in der Action nicht das notwendige Übel für einen spannenden Thriller war, sondern reiner Selbstzweck. Die gute alte Zeit, eben.
Worum geht’s?
Barney Ross (Sylvester Stallone) führt eine Gruppe von Söldnern an, die sich selbst die „Expendables“, also die Ersetzbaren, nennen. Auf der Suche nach einem neuen Job bekommen sie vom geheimnisvollen CIA-Strohmann Mr. Church (Bruce Willis) den Auftrag, in einem fiktiven Inselstaat in Süd-Amerika einen brutalen Diktator zu stürzen. Nachdem sich Ross und sein unter einem Messer-Fetisch leidender Kollege Lee Christmas (Jason Statham) vor Ort ein Bild von der Lage gemacht haben, wollen sie den Auftrag zuerst ablehnen, werden aber von der hübschen Diktator-Tochter (und anscheinend einzigem Mitglied der dortigen Widerstandsbewegung) dazu bewegt, doch noch alles kaputt zu schießen. Natürlich steckt hinter den üblen Machenschaften auf der Insel ein ehemaliger CIA-Agent, und als wäre das alles nicht kompliziert genug, dreht ein Team-Mitglied der Expendables (Dolph Lundgren) auf einer Mission durch und wechselt anschließend die Seiten. Wer es kurzer haben möchte: Sly fliegt mit seinen Kumpels auf eine Insel und tötet alle bösen Menschen, inklusiver deren Freunde, Bekannte und Leute, die böse Menschen kennen. Was will man mehr?
Arnold? Sly? Willis? IN EINER SZENE?
Ohne Zweifel: Für Fans und Kenner des Actionfilms der 80er und 90er Jahre stellt die Besetzung von „The Expendables“ einen Traum dar: Alleine schon um Dolph Lundgren und Sylvester Stallone knapp 25 Jahre nach Rocky IV wieder gemeinsam auf der Leinwand zu sehen, lohnt das Kino-Ticket. Aber auch die „jüngeren“ Team-Mitglieder wie Jason Statham und Jet Li ergänzen das Cast perfekt und bekommen im Fall von Statham sogar eine kleine Nebengeschichte spendiert. Highlight bleibt aber trotzdem eine knapp zwei-minütige Szene, in der sich Sylvester Stallone, Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger einen kleine Stichelei leisten. Nicht nur, dass Gouvernator Arnold Schwarzenegger das erste Mal seit sechs Jahren wieder auf der Leinwand zu sehen ist, auch die Tatsache, das Sly und Arnold zum ersten Mal gemeinsam in einem Raum stehen, sichert diesem Film einen besonderen Platz in den Hollywood-Analen.
Wie blutig ist das Steak?
Sehr, sehr englisch. Wer die ungeschnittene Version von Rambo gesehen hat (und wir meinen den Rambo aus 2008), der kann sich ungefähr vorstellen, welcher Gewaltgrad ihn in The Expendables erwartet. Statt der Hackfleischszene (Maschinengewehr auf Truck) aus Rambo bekommen wir hier eine nette Messer-Enthauptung und die faszinierende Wirkung einer Super-Granaten-Schrotflinten-Kombination. Die Gewalt wie auch die restliche Action wirkt dabei angenehm handgemacht. Computer-Effekte sind so gut wie nicht sichtbar, was in Zeiten von CGI-Spektakeln wie A-Team eine wahre Wohltat ist.
Natürlich ist die Action trotz Verzichts auf (offensichtliche) Computertricks dadurch nicht unbedingt glaubhafter, aber hey, wir sind hier nicht bei „The Hurt Locker“. Obwohl The Expendables in der erweiterten Oscar-Nominationsliste des nächsten Jahres unserer Meinung nach durchaus ebenfalls eine Erwähnung verdient hätte...
Der Trailer
Unser Fazit
Alex: Die Ersetzbaren liefern. Und das ist heutzutage gerade bei Action-Filmen selten geworden. Mit seinem sympathischen Action-Cast gelingt es Stallone, die pure Lust an Zerstörung und Geballer wieder derart kompromisslos auf die Leinwand zu bringen, wie es zuletzt in den 80er Jahren in Filmen wie „Phantom-Commando“ üblich war. Natürlich steckt null Substanz in den Film und auch die Dialoge hätten manchmal etwas mehr Witz vertragen. Aber „The Expandanbles“ macht einfach extrem viel Spaß. Das letzte Mal, das in einem Kino voller Männer derart gefeiert wurde, habe ich bei „Starship Troopers“ erlebt, was vielleicht auch etwas zu viel über meinen Geisteszustand im Speziellen und den der Männer im Allgemeinen verrät. Aber spätestens wenn im Finale die Mutter aller Kanonen herausgeholt wird und sich Slys Team nur noch kompromisslos durch die Schurken ballert, ist jede Kritik vergessen.
Daher auch fünf Popcorn-Tüten. Nicht, weil der Film so gut ist wie Inception. Sondern, weil er genau das bietet, was Actionfans seit Jahren vermissen. Kompromisslos überzeichnete Action, die sich nicht für eine kassenträchtige Altersfreigabe selbst beschneidet. The Expendables zeigt leider auch, wie wenig echte Actionstars zur Zeit noch Nachwachsen. Das Jason Statham mit 38 Jahren quasi das Küken der Besetzung ist, spricht Bände. Vielleicht wird es nie wieder mehr neue Stallones und Schwarzeneggers geben. Aber bis es soweit ist, können uns die Helden der 80er gerne noch weiter ins Kino locken. Expendables 2 kann kommen!
Daniel: Alles das was Alex geschrieben hat, plus: Stallone ist einfach ein sehr guter Filmemacher. Er weiß aus eigener Erfahrung, was zu tun ist, um das Beste aus seinen Schauspielern herauszuholen. Und wenn das bedeutet, dass man mal eine komplette Gesprächsrunde nur anhand von Close-Ups mit Einzelaufnahmen zusammenschneidet, weil Mr. Wrestling keine zwei Sätze fehlerfrei geradeaus sprechen kann. Aber selbst solche Tricks hat er drauf, sie funktionieren, entfalten ihre gewünschte Wirkung. Er arbeitet mit Director of Photographys, die auch abseits von Actionszenen wissen, wie stimmige, ausdrucksstarke Bilder mit einem angenehm authentischen Look in komplett realen Kulissen zu erzeugen sind. Und trotz aller überzogener Ballermomente, puristischer Faustkämpfe, etc... habe ich bei The Expendables außerdem das schöne Gefühl gehabt, seine Protagonisten seien nicht bloß hohle Tötungsmaschinen. Das Script versucht sich nie daran, Shakespeare Konkurrenz zu machen. Aber es hat durchaus auch seine kurzen atmosphärischen Momente, die uns im Kinosessel durchatmen und mit den Figuren etwas vertrauter werden lassen.
So stilecht, rund, handwerklich qualitativ, genrebewusst und doch nie auf ermüdenswerte Weise klischeevoll hat sich lange kein reinrassiger Actionfilm mehr präsentiert. Wenn es nur eine Sache gibt, die mich an The Expendables doch etwas gestört hat, dann ist das Dolph Lundgrens Sidestory und der damit verbundene Kampfhöhepunkt gegen einen seiner Ex-Kollegen. Dieser Teil des Films erinnerte dann doch zu sehr an den Großteil von Lundgrens Direct-to-Video-Werken, die er selber offenbar am liebsten ganz gerne in Vergessenheit geraten lassen würde...
Das Video-Interview
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Kommentare (50)
retroman
agaso
Zum Glück ist ein zweiter Teil nur reine Formsache. Als jungen Neuzugang wünsche ich mir einen Vin Diesel und als alten Haudegen Kurt Russel.
samurai
Stallone plant ja schon Teil 2, offiziell hat er schon gemeint dass er probiert Hulk Hogan, Van Damme, Dwayne Johnson, Carl Weathers, Mr T und Vin Diesel dafür ins Boot zu kriegen, das wär so feierlich :D
retroman
Saibot
Geiler Film! ;)
Daniel Pook
Ja, klar, was denn sonst. Wir gehen als Fanboys ins Kino, warum dann eine andere Meinung über den Film vorgaukeln. Lies mal das hier: http://www.areagames.de/artikel/detail/Uncut-Kolumne-Wertungen-sind-kein-Wunschkonzert-liebe-Leser/108808
Konterbande
Dr4g0nfir3
Da bekommt sogar ein waschechter Hetero-Mann feuchte Träume :D
Mongo2k2
agaso
Was fändet ihr eigentlich von Jackie Chan neben Jet Li? Oder ein Tony Jaa.