Filmkritik: Unknown Identity
Ohne eigene Identität in einem Berliner Krankenhaus aufzuwachen, kennen wir nur zu gut. So beginnt traditionell der Tag nach unserer jährlichen AreaGames-Weihnachtsfeier. Was Liam Neesons neuer Actionthriller von Regisseur Jaume Collet-Serra aus dieser Ausgangslage gemacht hat, ist aber auch ganz nettes Kino geworden.
Unknown White Male
Als Dr. Martin Harris (Liam Neeson) nach einem schweren Autounfall aus dem Koma erwacht, beginnt sein Albtraum erst: Seine Frau (January Jones) erkennt ihn nicht mehr und ein anderer Mann (Aidan Quinn) hat Harris’ Platz eingenommen. Nicht nur als ihr Ehemann, auch als angesehener Wissenschaftler, der auf einem Kongress einen wichtigen Vortrag halten sollte. Als wäre das nicht genug, wird er auch noch von einem Killer (Stipe Erceg) gejagt. Was ist mit ihm passiert?
Harris beginnt an seinem Verstand zu zweifeln. Um seine Frau und sein altes Leben zurück zu gewinnen, macht er Gina (Diane Kruger) ausfindig, die Taxifahrerin, die ihn bei dem Unfall gerettet hat. Sie und der ehemalige Stasi-Agent Jürgen (Bruno Ganz) sind seine einzigen Verbündeten im Kampf um seine Identität gegen einen übermächtigen Gegner.
Nicht zu salzig, aber auch keine Zuckerwatte
Man könnte argumentieren, dass der Plot von Unknown Identity nicht minder unglaubwürdig und voller Logiklücken behaftet konstruiert wurde als jener des von mir so kritisierten SALT, allerdings macht der aktuelle Film von Regisseur Jaume Collet-Serra (House of Wax, Orphan) einige entscheidende Dinge viel besser als das "Angelina Jolie"-Starvehikel aus dem letzten Jahr. Unknown Identity versucht nicht gleich eine ausführlich vorgeplante Verschwörung globalen Ausmaßes in den Storymittelpunkt zu rücken, sondern konzentriert sich auf eine Schritt für Schritt aufgeklärte Schnitzeljagd, deren Showbühne bis zum Schluss eine recht übersichtliche bleibt. Die am Ende schlüssig und ohne unbeantwortet gebliebene Fragen aufgeklärte Backstory von Dr. Martin Harris ist die meiste Zeit bloß eine Verkettung typischer MacGuffins, während für den Zuschauer der Protagonist selbst und die Auflösung seiner eigenen Situation im Vordergrund stehen. Mir war es im Kino relativ Schnuppe, ob irgendwelche mir kaum vorgestellten Nebenfiguren ermorderdet oder irgendwelche Forschungs-Arbeiten in die falschen Hände fallen würden. Ich habe mit Dr. Harris mitgefiebert und wollte unbedingt wissen, ob er am Ende seinen Verfolgern entkommen und sein normales Leben zurückerhalten würde. Zu diesem Ziel, wie auch immer die Wahrheit über den Protagonisten schlussendlich ausgesehen haben und wie sein Schicksal verlaufen sein mag, führt Unknown Identity mit spannender Grund-Atmosphäre, einigen überraschenden Wendungen sowie einem angenehm straffen Tempo, ohne dabei unnötig gehetzt zu wirken.
Dass dabei letztendlich aber nicht mehr als nur ein kurzweiliges Popcornkino-Erlebnis der gehobeneren Sorte herausgekommen und nach dem Kinobesuch bei mir auch nicht gerade viel Langzeitbegeisterung hängengeblieben ist, liegt an vielen inhaltlichen Elementen, bei denen es sich die Drehbuchschreiber von Unknown Identity (ist übrigens eine Roman-Adaption von Out of My Head des Autors Didier van Cauwelaert) allzu einfach gemacht haben. Die meisten Fragen des Films werden beispielsweise dadurch beantwortet, dass aus heiterem Himmel eine Figur in Erscheinung tritt, die alles mögliche in ein paar Sätzen aufzulösen oder wirklich entscheidende Hinweise zu liefern weiß, auf die Dr. Harris niemals selber gekommen wäre. Überhaupt passt es oft nicht ins optisch so sehr auf authentizität bedachte Szenario, dass der Hauptprotagonist wie durch Zufall ständig auf genau die einzigen Menschen zu treffen scheint, ohne die sein Schicksal schon früh im Film auswegslos besiegelt gewesen wäre.
Als regelmäßiger Hauptstadt-Taxifahrer weiß ich: Man muss schon äußerst viel Glück haben, in Berlin wahllos das Taxi einer Fahrerin mit illegalem Migrationshintergrund und der Schönheit einer Diane Kruger zu erwischen, die zufälliger Weise 'ne verdammt gute Rettungsschwimmerin ist, einem dadurch das Leben rettet und sich anschließend auf der Flucht vor Killern auch noch als recht brauchbar erweist. Was für ein Gustav Gans muss man außerdem sein, eine schnuckelig süße Krankenschwester zugeteilt zu bekommen, die auch noch einen äußerst hilfreichen Ex-Stasiagenten kennt, der im Falle von Verschwörungen und Identitätkrisen gerne scheinbar geistig verwirrten Unbekannten zur Seite steht. So ein Glück hat Herr Dr. Harris im Film nicht nur zweimal. Gleichzeitig muss man allerdings auch sagen, dass er beim alles auslösenden Unfall zum Anfang des Films einer derart abstrusen und unlogisch verlaufenden Verkettung von Zufällen zum Opfer fiel, dass er kaum mehr Pech hätte haben können. Es gleicht sich also in Richtung beider Extreme aus, was die Sache allerdings kaum glaubwürdiger darstehen lässt. Ja, es ist tatsächlich vor allem dieser bekloppte Beginn, der mich den ganzen Film über latent im Hinterkopf gestört hat. Hier ist das Verhalten des Protagonisten im Überfluss zu all dem Pech, das er dort erlebt, von Anfang an so dämlich, dass es zum ganz ordentlichen Restverlauf des Films einfach nicht passen will. Dies stimmig einzuordnen, hat mich viel zu lange viel zu sehr beschäftigt, obwohl es in all seinen Details für die Gesamthandlung keine wesentliche Rolle spielt. Rückblickend betrachtet ist dieser eigentlich vermeidbare Störfaktor zum Einstieg des gar nicht ganz so schlechten Scripts umso ärgerlicher, da man über die meisten anderen kleinen Schwächen sehr einfach hätte hinweg sehen können.
Auf Seite 2 fühlen wir uns heimisch und feiern Liam Neeson...
Bitte logge Dich ein, um Kommentare zu verfassen.
Coming Soon
Videos
Kirby Mass Attack
Trailer zeigt Gameplay von Kirby Mass Attack und demonstriert euch den Plural de...Quantum Conundrum
Trailer zum neuen Spiel der Portal-Erfinderin namens Quantum Conundrum.Xenoblade Chronicles
Trailer zum Wii-Rollenspiel Xenoblade Chronicles führt in die Welt ein.Formel 1 2011
Die Highlights aus der Saison nachgestellt in Codemasters Formel 1 2011Galerien
Crimson Dragon
Drachenhafte Bilder mit echsigen Wesen.Lost Planet 3
Bilder zu Lost Planet 3.DmC
Weibliche Bilder zu DmC.Die Neuesten User-Tests
Kid Icarus: Uprising 3DS
Zur E3 2006 kündigte Nintendo mit einem kleinen Trailer einen neuen ''Smash Bros.'' Teil an. Die ganze Community war sehr erfreut und doch wunder...
Kid Icarus: Uprising 3DS
Pit ist wieder da. Beachtliche 21 Jahre liegt der letzte Auftritt des geflügelten Heldes zurück. Nun erwartet uns ein Reboot von \\\"Kid Ica...


















Kommentare (11)
Doppelaccount
Geh schlafen!
Scrub
Saibot
Gute Kritik ;)
Turkishflavor
tslarusso
Allgemein fand ich den Film aber recht schwach. Er war für mich besser als Salt, aber leider auch nicht viel besser. Habe es aber nicht bereut gestern im Film gewesen zu sein. Danach kam für mich the Eagle (Adler der 9. Legion). Den fand ich im Unterhaltungsvergleich besser.
DREJ
Er wird gegen Ende hin wenn sich das Gewirr langsam auflöst um einiges spannender, und macht dann auch richtig lust drauf endlich zu erfahren wie er endet.
Teilweise gibts aber sehr dämliche Dialoge drinnen.
Daniel Pook
Shit, du hast Recht, die Krankenschwester hatte ich schon wieder komplett vergessen. Ist ein paar Tage her, dass ich den Film sah. Arme Sau, ihr (SPOILER) Abgang hat mir echt leid getan(/Spoiler)!
DREJ
Erinnerte mich irgendwie an das Prinzip von der Simpsons Folge wo Radioactiv Man in Springfield gedreht wird und sie am Set als Kühe angemalte Pferde im Film als Kühe verwenden und zusammengebundene Katzen als Pferde!
tslarusso
Cooles Achievment :)
Ja leider hatte die Dame eine recht kurzen Auftritt. War ja nur dafür da ihm die Nummer zu zu Stecken.
Ich hätte im Film auch noch gern mehr vom "Stockinger" Karl Markovics gesehen. Habe den Film in O-Ton gesehen und seit Inglourious Basterds liebe ich den Wiener Akzent im Englishen. Bruno Ganz kommt da auch schon ran der ist aber nur Schweizer ;)