Filmkritik & Interview: Die Legende von Aang
Avatar: Der Herr der Elemente bzw. The Last Airbender ist eine international erfolgreiche Zeichentrickserie von Nickelodeon, die an das historische Ostasien angelehnt ist und die stilistisch eine Art U.S.-Adaption des japanischen Animestils darstellt. Was Mystery-Experte M. Night Shyamalan daraus mit dem größten Budget seiner Karriere fürs Kino gemacht hat, lest ihr hier in der Filmkritik.
Worum geht's?
Die Welt von Die Legende von Aang wird von vier Elementen zusammengehalten: Feuer, Wasser, Wind und Erde. Um jedes dieser Elemente hat sich eine Nation gebildet, deren begabtesten Mitglieder die Fähigkeit erlernen können, ihr jeweiliges Element zu manipulieren, um es z.B. wie eine magische Waffe einzusetzen. Alright, das klingt jetzt erst mal wie Captain Planet ohne Ringe, das reingemogelte Element "Liebe" und natürlich auch ohne Captain Planet. Na ja, fast. Denn es gibt da immerhin einen Menschen, der aussieht wie der kleine Dalai Lama, sich so anzieht wie ein kleiner Dalai Lama und der auch so ausgesucht wird wie ein kleiner Dalai Lama (er wählt aus einer Vielzahl an Objekten ein paar aus und wenn er der Auserwählte ist, wählt er dieselben Objekte wie seine Vorgänger). Der Herr der Elemente besitzt als einziger die Fähigkeit dazu, Wasser, Feuer, Wind und Erde gleichzeitig zu bändigen. So richtig besiegt werden kann er dank Wiedergeburtsfähigkeit niemals. Trotzdem ist es selbstverständlich recht umständlich, ihn nach seinem zwischenzeitlichen Ableben jedes mal wieder neu suchen, großziehen und ausbilden zu müssen. Zumal das auch mal schief gehen kann, so wie im Falle von Aang (Noah Ringer). Dem gefiel die Vorstellung nämlich überhaupt nicht, so enthaltsam und familienlos wie ein Jedi-Ritter leben zu müssen, nur um dann auch noch alle Bürden der Welt auf seine Schultern gesetzt zu bekommen. Er rannte Weg, vergrub sich im ewigen Eis und... vergaß für sehr lange Zeit, sich wieder aufzutauen.
Nach seinem Erwachen stellt er fest, dass die Feuernation (wie hätte es auch anders sein sollen... es ist IMMER die Feuernation) die Weltherrschaft anstrebt, zu einem mordenden Imperium geworden ist und mal eben auch einfach so alle Windbändiger getötet hat, denn: Die Re-Inkarnation des Herrn der Elemente beginnt in seinem Falle als Windbändiger, ehe er nach und nach die anderen Mächte hinzulernt. In Die Legende von Aang (oder The Last "Airbender", wie es im Original etwas stimmiger heißt) gilt es für den Auserwählten allerdings erst einmal, nach all dem Schlaf seine Welt wiederzuentdecken, neue Verbündete zu finden, vor der Feuernation zu fliehen, gutes zu tun und... natürlich dann irgendwann auch zu versuchen, weitere Elemente außer Wind zu bändigen.
Das Goldene Kind meets Magic: The Gathering?
Fair ist fair: Ich habe oben bloß die Rahmenhandlung von The Last Airbender angebrochen, welche sich natürlich stark auf den kleinen Jungen Aang, den letzten Windbändiger, fokussiert. Auch andere Figuren im Film haben ihre Probleme, immerhin hat die Welt in Abwesenheit des "Avatars" enorm gelitten. Der Sohn des Feuer-Imperators kämpft um die Anerkennung seines Vaters, nachdem er unehrenhaft des Hofes verwiesen wurde. Die beiden treusten Begleiter Aangs, beide selber Wasserbändiger in der Ausbildung, haben ihre Familie verloren und suchen nun nach ihrem Platz in der Welt. Es gibt eine Art "Kindliche Kaiserin", deren Volk das letzte Aufgebot gegen die Feuerstreitkräfte darstellt, um einige alte Naturgeister zu schützen, die in hilfloser Fischgestalt in einem kleinen Tempel vor sich hin schwimmen und doch enorm wichtig für das Gleichgewicht in der Welt von The Last Airbender sind. - Und eben jene ist keine originelle, trotzdem aber eine sehr stimmig erdachte, simpel-traditionelle Fantasywelt voller Magie, schöner Ausblicke und hübscher Frauen, die zwar immer einen Tick zu jung aussehen um legal zu sein, in ihren eleganten Garderoben aber trotzdem auch gestandene Männer zu verzücken wissen. Kindgerecht kann man das Ganze gerne nennen, immerhin basiert Die Legende von Aang ja auf einer Zeichentrickserie von Nickelodeon, trotzdem kriegt man im Film jede Menge Action, hier und da ein wenig Dramatik und ja, zuweilen auch durchaus mal düstere Atmosphäre geboten. Es ist ein Fantasy-Märchen für die ganze Familie, dass seine allzu stark ausgeprägten Klischeemomente glücklicher Weise nie zu lange überstrapaziert und sich trotzdem ernst genug nimmt, nicht in ständige Albernheit zu verfallen.
Ein Kumpel bei Facebook schrieb, der Film wäre in den USA gefloppt und deswegen doof!
Ja, so etwas ähnliches hat auch ein Kumpel von mir bei Facebook geschrieben. Ich kann dem nur entgegnen, dass Die Legende von Aang in seiner ersten Woche ein "Box-Office"-Ergebnis von mehr als $51 Millionen eingefahren hat und damit auf Anhieb einen überzeugenden zweiten Platz erreichte... hinter dem kaum zu schlagenden Twilight: Eclipse. Und es blieb auch danach bei einer starken Performance, die alleine in den Vereinigten Staaten ein bisheriges Einspielergebnis von knapp $130 Millionen einbrachte. Da die Avatar-Zeichentrickserie außerhalb der USA gerade bei Kindern nicht minder beliebter ist als in Obamaland, würde ich mal sehr schwer davon ausgehen, dass der Streifen trotz eines hohen Budgets von rund $150 Millionen in spätestens zwei Monaten ordentlich Gewinn abgeworfen haben wird (aktuell spielte er weltweit schon fast $200 Millionen ein)... noch ehe das "DVD/Blu-ray"-Geschäft erneut die Kassen klingeln lässt. Und all das auch noch angesichts durchweg mäßiger bis schlechter Kritiken, gegen die ich allerdings ebenfalls etwas einzuwenden habe: Mir hat der Film gefallen!
Das klingt ja so weit alles ganz gut. Ich bin großer Fan der Zeichentrickvorlage...
HALT! - Jetzt folgt sicher die Frage, wie akkurat das Original auf die große Leinwand adaptiert wurde, was ich vom Aussehen der Besetzung halte, ob es Person XY auch in den Kinofilm geschafft hat und... ich weiß es nicht. Mir war die Existenz des Franchises bisher nur aus drei Gründen bewusst.
- 1. Ich habe mal ein Kind gebabysittet, mit dem ich Disneys Alice im Wunderland auf einem Kinderkanal geschaut habe, der Werbung für den Cartoon gezeigt hat.
- 2. Weil es auf der Xbox 360 ein Lizenzspiel gibt, mit dem man in weniger als fünf minuten 1000 Gamerscore verdienen kann.
- 3. Weil ich vor ein paar Jahren schockiert dachte: "WTF, James Cameron will Avatar verfilmen!"
Alles was ich beurteilen kann ist, dass mir der "The Last Airbender"-Kinofilm für sich selbst betrachtet als Genrefilm sehr gefallen hat. Dass richtige Fans der Zeichentrickserie und damit verbundenen Medien womöglich enttäuscht sein könnten, vermag ich nicht zu sagen.
Boa, mein Freund von Facebook wieder: Jetzt schreibt er, die ganzen Schauspieler würden stinken!
Na ein Glück, dass sich das Geruchskino nie durchgesetzt hat! Aber im Ernst, natürlich gibt es jede Menge Kritik an den schauspielerischen Leistungen in Die Legende von Aang. Der will ich mich sogar anschließen, denn besonders die noch ganz junge Nicola Peltz oder auch der aus Twilight bekannte Jason Rathbone kommen mit ihren Darbietungen nie über das solide, letztendlich aber merkwürdig plakativ aussehende Handwerk einer Disney-Kinderserie hinaus. Der Herrscher des Feuervolkes (Cliff Curtis) und die Prinzessin der Wassernation (Seychelle Gabriel) kommen in manchen Shots alleine schon deswegen unfreiwillig komisch rüber, weil sie einfach seltsam lächerlich gestylt wurden. Ganz gut gefallen haben mir dagegen Dev Patel (DER Slumdog Millionair) als frustrierter, geächteter Feuerprinz und überraschender Weise auch Noah Ringer als Aang. Manch ein Kritiker scheint zu denken, er hätte seine Rolle am schlechtesten gespielt, weil er zwischen all seinen Postergesichtkollegen als einziger einfach natürlich rüberkommt. Vermute ich zumindest. Ja, irgendetwas an seinem Schauspiel wirkt "ungewöhnlich", auch wenn ich dieses Gefühl nicht weiter definieren kann. Das habe ich jedoch nicht als negativ empfunden, ganz im Gegenteil. Zuletzt hatte ich so ein Feeling bezüglich Stuntfrau Zoë Bell in Tarantinos Death Proof, falls euch das beim Entschüsseln meiner Worte hilfreich ist.
Der Kampfstil: Gun-Kata für Magier?
Das war zumindest mein erster Gedanke, als ich die Fights von The Last Airbender erstmals in ganzem Ausmaß in Bewegung erlebt habe. Die Bändiger beeinflussen ihre Elemente, indem sie speziell trainierte Kampfbewegungen durchführen, bei denen sich die Moves der Menschen letztendlich mit Erde, Wasser, Feuer oder Wind aus der Umgebung verbinden und so magische Extrapower mit sich bringen. Die Legende von Aang setzt diese wirklich coole Idee in vielen stylischen Zeitlupensequenzen voller gelungener CGI-Effekte und beeindruckender "Martial Arts"-Einlagen um, die einfach nur faszinierend anzusehen sind und mit ihrer Mixtur ein erfrischendes Gesamtbild abgeben. Vor allem auch eins, das man wirklich sehen kann. M. Night Shyamalan verzichtete bei seiner Inszenierung der Actionsequenzen auf dauerwackelnde Handkameras und präsentiert stattdessen ruhig gefilmte, ohne Anstrengung mitverfolgbare Bewegungsabläufe, die wie gesagt mit feinen Feuer/Wasser/Erde/Wind-Spielereien angereichert wurden. Auch hier kann ich wieder nur die tolle Leistung von Noah Ringer hervorheben, der als Jungstar unter den Kampfsportmeistern unserer Zeit maßgeblich daran beteiligt war, dass die atemberaubend choreografierten Fights in Die Legende von Aang trotz aller Showeffekte so spektakulär glaubhaft durchgeführt aussehen. Selbstverständlich kann der kleine Mann nie im Leben so hoch springen wie im Film... aber er lässt es verdammt noch mal so aussehen. Und darauf kommt's mir an.
"Ja 3D!" oder lieber "3D, neeeee!"?
Die AreaGames-"2D Defence Force" rät gewohnt mit Nachdruck davon ab, den Zuschlag für 3D-Brille und verfälschten Farbkontrast zu bezahlen. Die Legende von Aang wurde kurzfristig ungeplant von handelsüblichem 2D in 3D umkonvertiert, was die durchaus vorhandene Bildtiefe eines "James Cameron's Avatar" gänzlich vermissen lässt und eigentlich nur Nachteile mit sich bringt. Das Bild auf der Leinwand wirkt blasser, dunkler und hat einfach nicht die Schärfe einer standard 2D-Projektion. Wie gesagt, bei von vornherein mit neuster Technik in 3D gedrehten Filmen würde ich Fans des Effekts nicht einfach aus Prinzip von der 3D-Version abraten. In diesem Falle wiederholt sich jedoch, was bei "Kampf der Titanen" zuletzt seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden hatte: Ein Film wurde aus reinen Trendgründen hastig konvertiert, obwohl er gar nicht darauf ausgelegt war und es auch eigentlich gar nicht nötig gehabt hätte. Wie ihr weiter unten lesen könnt, ist Regisseur M. Night Shyamalan übrigens selber gar nicht so glücklich über diese Entscheidung des Filmstudios gewesen...
Wie viel Shyamalan lassen Riesenbudget, große Actionszenen & Fantasy-Epik noch erkennen?
Eine Story über Figuren, die nach ihrem Glauben (vor allem den an sich selbst) suchen, denen eine Bestimmung vorgeschrieben ist, die ein Schicksal erfüllen sollen, die besondere Fähigkeiten besitzen... auf inhaltlicher Ebene bot der Avatar-Stoff tatsächlich viele Parallelen zu den bisherigen Werken M. Night Shyamalans auf, denn genau mit diesen Thematiken beschäftigten sich The Sixth Sense, Signs, Lady in the Water & Co. im Kern ebenfalls. Trotzdem hätte ich die filmische Handschrift des Regisseurs in Die Legende von Aang nicht herauslesen können. Der Streifen ist auf hochwertigem Hollywoodniveau gemacht, zieht im Bereich der Cinematography jedoch nie die richtige Konsequenz, Kamera und Beleuchtung als vollwertige Erzählmittel der Handlung zum Einsatz zu bingen. Obwohl nie billig wirkend, fällt die Ausleuchtung der Schauspieler dazu in Naturumgebungen gelegentlich deutlich zu hell aus. So etwas ist man von Shyamalans Hollywoodwerken eigentlich nicht gewohnt. Andererseits nimmt sich Die Legende von Aang immer wieder die Zeit für meditative Momente, in denen man ruhig durchatmen und die wahnsinnig gute Filmmusik von James Newton Howard genießen kann. Gefühlvolle Einlagen dieser Sorte machen den Streifen zwar noch lange nicht zu einem "typischen" Shyamalan, lassen allerdings deutlich erkennen, dass da ein Regisseur am Werke gewesen sein muss, der ein emotionales Gesamtgefüge zu erschaffen weiß und dessen Bilder perfekt mit dem Score seines Komponisten zusammenspielen. Shyamalan/Howard, das passt einfach und tut The Last Airbender selbstverständlich richtig gut!
Unser Fazit
Daniel: Vielleicht müsste ich dessen Zeichentrickvorlage besser kennen, um Die Legende von Aang so sehr hassen zu können, wie es manch ein Fan der Serie im Internet scheinbar tut. Ich bin also froh, mich zuvor nie mit Avatar - The Last Airbender beschäftigt zu haben, denn so hatte ich mit M. Night Shyamalans Real-Adaption des Cartoonstoffes ein rundum gelungenes Kino-Erlebnis, dass mich nie komplett aus dem Stuhl gerissen oder in seine Welt gesogen, dafür aber mit einer traditionellen Hollywood-Fantasystory unterhalten hat, der schön die Balance zwischen ein wenig Symbolik, etwas Magie und ganz viel Action gelungen ist. Der originelle Kampfstil mit Zauberei und Martial-Arts hat Spaß gemacht, die Spezialeffekte wurden dem hohen Budget des Films gerecht und ich fand das übersichtlich erzählte, trotzdem für leicht epische Stimmung sorgende Abenteuer mit Aang und seinen Freunden letztendlich befriedigender als die letzten drei Harry Potters zusammen. Von Der Goldene Kompass ganz zu schweigen. Wer die x-te Auserwähltenstory mit Messages wie "Vertraue den Kräften in dir", usw. nicht mehr sehen kann, braucht The Last Airbender sicherlich erst gar keine Chance zu geben. Für mich können Fantasy-Klischees, kindgerechtes Kampfspektakel und traditionelle Genre-Elemente bei stimmiger Umsetzung allerdings auch für ein gewisses "Gutenachtgeschichtensyndrom" sorgen, dass ich hier endlich mal wieder ungetrübt genießen konnte, nachdem sich Narnia und Eragon zuvor in zu viel überzogenem Kitsch und zu bedeutungsschwangerer Symbolik verlaufen hatten. Die Legende von Aang wird wohl nie ein wahrer Klassiker, für mich ist er bisher (Duell der Magier eingeschlossen, Filmkritik folgt bald) aber trotzdem der handwerklich sauberste, unterhaltsamste und am besten abgeschmeckteste Popcorn-Effektfilm des Sommers, den man bedenkenlos auch mit der ganzen Familie gucken gehen kann.
Der Trailer
Die Filme von M. Night Shyamalan
Außer einer ganzen Reihe weniger bekannter Kurzfilme und den Insider-Streifen Wide Awake sowie Praying with Anger war M. Night Shyamalan auch maßgeblich am Drehbuch des Kinderfilms Stuart Little beteiligt. In meinem kleinen Kurzrezensionsrückblick hier wollen wir uns nun aber auf die Streifen konzentrieren, welche dem gebürtigen Inder zu internationalem Ruhm und einem gewissen Kult verholfen haben. Wobei natürlich nicht alles nach Sixth Sense in meinen Augen einen ähnlich großen Zuspruch erhält...
The Sixth Sense (1999)
Shyamalans Durchbruch in Hollywood, der ihm sogar gleich zwei Oscar-Nominationen (Beste Regie/Bestes Drehbuch) einbrachte. Und das als jüngster Regisseur aller Zeiten (die Trophäe ging allerdings an Sam Mendes für American Beauty) .
"Ich sehe tote Menschen" - Die Mysterie-Story rund um einen Psychiater (Bruce Willis) und dessen kleinen Patienten (Haley Joel Osment als er noch süß war), der angeblich überall tote Leute sieht, gilt heute als Kultklassiker, der vor allem wegen seines schockierenden Plot-Twists zum Ende hin in Erinnerung geblieben ist. Endlich mal ein Storytrick, der selbst die Klugscheißer unter den Zuschauern überraschen konnte. Dazu herrlich stimmungsvoll gefilmt, mit viel Gefühl geschnitten und überhaupt sagenhaft effektiv erzählt. Grusel pur, ohne brutales Gesplatter und am Ende wird man dann gar noch mal etwas nachdenklich.
Wertung: 5 von 5
Unbreakable (2000)
131 Menschen sterben bei einem Zugunglück, David Dunn (Bruce Willis) überlebt als einziger Passagier ohne einen Kratzer. Es ist nicht das Erste Mal in seinem Leben, dass er dem Schicksal auf wundersame Weise entkommen zu sein scheint und er kann sich auch nicht daran erinnern, jemals krank gewesen zu sein oder gar einen Schnupfen gehabt zu haben. Kurz nach der Zugkatastrophe wird David von einem mysteriösen Unbekannten namens Elijah Price kontaktiert, der sich als Comic-Experte vorstellt. Sein Leben wird von Geburt an von der Zerbrechlichkeit seines Körpers geprägt, denn er leidet unter Glasknochen. Er konfrontiert David mit einer Theorie, welche die Grundfeste seiner gewohnten Realität zum Erbeben bringt und die letztendlich in einem wahren Gänsehautfinale mündet. - Nach The Sixth Sense legte M. Night Shyamalan mit Unbreakable erneut das Kunststück hin, eine originelle, clever erzählte Geschichte atmosphärisch dicht mit der Kamera einzufangen. Der Film mag nicht nur beim wiederholten Gucken ein paar Längen haben, trotzdem ist er alleine schon aufgrund der Art, wie ganz am Ende alles zu einem runden Ganzen zusammenläuft, ein wahrlich erinnerungswürdiges Guckerlebnis.
Wertung: 4 von 5
Signs (2002)
Kornkreise, die man nicht aus Sensationsgeilheit heraus mit 'nem Riesenzirkel in sein eigenes Feld gemäht hat, verheißen selten etwas gutes. In Signs häufen sie sich auf aller Welt... und das ist nur der Anfang einer Reihe unheimlicher Vorboten einer Invasion aus dem Weltraum. Fürchtet zumindest die Familie (Abigail Breslin, Rory Caulkin, Joaquin Phoenix) eines ehemaligen Pfarrers (Mel Gibson), dem der tragische Unfalltod seiner Frau seinen Glauben geraubt hat. Bis zu einem bestimmten Punkt sehr spannend, da erneut mit hervorragender Cinematography erzählt, das Finale enttäuscht dann allerdings mit einer etwas lächerlich anmutenden Auflösung der Geschehnisse und viel zu viel Christenpathos. Trotz allem: Eine ganze Reihe packender Erschreckmomente, der berühmteste wird einem als Amateur-Aufnahme von einer Gartenparty präsentiert, macht den Streifen aber fast doch schon wieder zu einem Must-See-Erlebnis.
Wertung: 3 von 5
The Village (2004)
Eine Stadt im Wald. Wann? Wo? Man weiß es nicht. Die Leute leben traditionell, ohne jegliche Technik unserer modernen Welt. Und sie leben in Furcht, denn der Wald um sie herum beherbergt garstige Monster, was die Ortschaft praktisch von jeder Zivilisation abschneidet, die es irgendwo vielleicht außer ihnen noch geben könnte. Befolgt man die Regeln, so lautet ein uraltes Abkommen, halten sich die mit riesigen Krallen behafteten Wesen zurück. Die Stadtgrenze darf nicht übertreten, es müssen regelmäßig Opfergaben erbracht werden... und es gibt eine Schutzfarbe, welche die Monster nicht leiden können. Aber auch eine Farbe, welche sie rasend anzieht. So weit, so spannend. Bis zum zweiten Drittel des Films, denn leider übernimmt sich Shyamalan hier mit seinen inzwischen zum Markenzeichen gewordenen Plot-Twists so sehr, dass dem restlichen Drehbuch alle Cleverness entzogen wurde und man den großen Masterplan als Zuschauer bereits durchschaut hat, ehe er richtig in Gang gekommen ist. Von da an verkommt der Film mehr zur unfreiwilligen Komödie als zum Gruselspaß - auch wenn hier auf Ebene der Cinematography erneut super stimmungsvolle Arbeit abgeliefert wurde.
Wertung: 2 von 5
Lady in the Water (2006)
Ein kleiner Appartementkomplex gefüllt mit Individuen unterschiedlichster Kulturen und Mentalitäten entwickelt sich zum Schauplatz eines schicksalsträchtigen Kampfes, an dessen Ende die Hoffnung auf eine bessere, friedlichere Welt für die gesamte Menschheit steht. Eine Chance, die bei Misslingen für sehr lange Zeit nie mehr wiederkommen würde. Und all das nur, weil sich eine liebliche nackte Wassernixe (Bryce Dallas Howard) auf der Flucht vor einem brutalen Monster aus der Uhrzeit der Schöpfung in den Swimmingpool der Wohnanlage verirrt hat. Es beginnt ein intensiver Wettlauf mit der Zeit, während dessen ein stotternder Hausmeister (Paul Giamatti) komplett über sich und seine tragische Vergangenheit hinauswachsen muss, um aus den Bewohnern des Appartements ein großes Team zu formen, in welchem jeder seiner wahren Bestimmung folgen muss, um eine uralte Prophezeiung wahr werden zu lassen... die mit großem Opfer verbunden ist, wenn ihre Versprechungen wirklich eintreten sollen. - Für den Rest der Welt scheinbar der meistgehasste Shyamalan-Streifen, für mich ein bemerkenswert mutiger, überaus wichtiger und auch sehr berührender Film, der kunstvoll, zugänglich, vom kompletten Cast perfekt gespielt, intelligent, spannend, dramatisch und originell zugleich ist. Steht man den bewusst simpel-archetypisch gehaltenen Märchen-Elementen der Fantasy-Seite des Filmes nicht zu ablehnend gegenüber, kann man sich mit Lady in the Water durchaus noch länger nachhaltig beschäftigen. Nicht, weil man dessen Message vorher nicht schon kannte. Wohl aber, weil sie einem auf emotionaler Ebene vielleicht doch plötzlich noch viel bewusster geworden ist.
Wertung: 5 von 5
The Happening (2008)
Eine unbekannte Macht sorgt weltweit dafür, dass Menschen aus heiterem Himmel die Kontrolle über ihr Bewusstsein verlieren und ihren Lebenserhaltungs-Trieb aufgeben. Sprich: Sie bringen sich gleich reihenweise, ohne zu zögern, selber um. Während sich niemand wirklich im Klaren darüber ist, woher genau diese merkwürdige Verhaltensstörung kommt, verfolgen wir das Ehepaar Elliot (Mark Wahlberg) und Alma (Zooey Deschanel) Moore auf der Flucht vor dem ungreifbaren Übel. Auf ihrem ziellosen Weg treffen sie immer wieder auch andere Überlebende, was nicht in allen Fällen eine Hilfe darstellt, sondern öfters eher für größere Probleme sorgt. Einzelne Szenen überzeugen mit dichter Atmosphäre und gelungenen Schockmomenten, viel zu oft reißen jedoch seltsam irrational geführte Dialoge zwischen den Protagonisten aus dem Geschehen heraus. Der Film schafft es außerdem nicht, die laut Plot eigentlich ständig vorhandene Gefahr aus dem Nichts für den Zuschauer auf emotionaler Ebene miterlebbar zu machen. Was nach dem Gucken bleibt ist vor allem der Eindruck, aus der interessanten Grundidee von The Happening hätte man vom Potenzial her einen deutlich stimmigeren Film machen können.
Wertung: 2 von 5
Das Interview
Wir hatten kürzlich die Gelegenheit, in lockerer Runde mit Regisseur M. Night Shyamalan zu plaudern und ihn über seine Meinung zum Thema 3D, seine neue Erfahrung mit dem Big-Budget-Effektkino Hollywoods, sein Verhältnis zu Filmkritikern und einiges mehr zu befragen. Da wir das Interview nicht wie gewohnt filmen konnten, fassen wir euch hier übersetzt die wesentlichen Aussagen zusammen.
M. Night Shyamalan über...
... die Dreh-Erfahrung mit riesigen Kulissen und Spezialeffekten: Gerade zu Anfang empfand er es als schrecklich, nie wirklich sehen zu können, wie die Szenerien beim Dreh später tatsächlich aussehen würden. Seine anderen Filme spielten in realen, oft übersichtlich gehaltenen Umgebungen unserer Realität, die komplett mit allen Details als echte Sets existierten. Bei Die Legende von Aang konnte er viele Nuancen nicht spontan beim Dreh umgestalten und auch nicht mehr so experimentierfreudig mit der Kameraführung herumspielen, da gerade in Sachen Beleuchtung und Blickwinkelkonstellation sehr viel CGI-abhängig geplant werden musste. Zwar hat Shyamalan schnell gemerkt, dass vieles so auch einfacher wird, da man eine künstlich erzeugte Welt im Nachhinein umfangreich dynamisch beeinflussen kann, trotzdem hat er aus seinem Naturell heraus wo immer möglich den Einsatz echter Locations vorgezogen, die später dann durch CGI-Effekte ergänzt wurden. Insgesamt waren die Arbeiten an Die Legende von Aang für ihn eine komplett neue, manchmal etwas frustrierende Erfahrung, aus der letztendlich ein Gesamtwerk geworden ist, mit dem er sehr zufrieden ist. Für ihn ist das Ganze ein neuer Stil und eine ganz neue Art zu arbeiten gewesen und genau solch eine Erfahrung habe er damit gesucht. Zudem sei es der richtige Weg gewesen, die fantasievolle Zeichentrickvorlage zu adaptieren, zu der seine traditionelle Art des Filmemachers einfach nicht gepasst hätte.
... die Kritik an seinen Darstellern: "Wenn Noah Ringer nicht wie Aang aus der Zeichentrickserie aussieht, wer denn dann? Ich meine... er IST Aang!", zeigt sich Shyamalan begeistert von seinem jungen Hauptdarsteller, der in einigen Messageboards demonstrativ abgelehnt wurde, da er nicht asiatisch genug sei. Tatsächlich ist er allerdings zur Hälfte Asiat, wie Shyamalan erklärte. Außerdem empfand er es als skandalös, dass seinem Ensemble zu wenig Multikultur und dem Film damit auch Rassismus vorgeworfen wurde. Im Netz war vielerorts davon zu lesen, wie taktlos es sei, dass viele asiatische Figuren aus der Zeichentrickserie von "weißen Amerikanern" gespielt würden. "Die Leute liefen praktisch Amok und warfen uns typischen Hollywood-Rassismus vor. Aber das ist lächerlich. Die Legende von Aang ist der multikulturellste Film, der je innerhalb des Studiosystems gedreht wurde. So gut wie jedes Mitglied des Casts und der Crew bringt andere ethnische Wurzeln mit. Und ich musste richtig dafür kämpfen, die Studiobosse davon zu überzeugen, so etwas auf die Beine zu stellen. Später haben wir uns nur an den Kopf gefasst. Natürlich lautet die Schlagzeile 'Rassismus', weil wir bei der Rollenauswahl mehr Wert darauf gelegt haben, passende Schauspieler für die Originalfiguren der Serie zu finden anstatt darauf zu schauen, aus welchem Land deren Eltern kommen. Darüber, dass wir wohl das multikulturellste Filmteam aller Zeiten in Hollywood hatten, berichtete dagegen niemand!"
... sein Verhältnis zu den U.S.-Kritikern: "Sie sind unfair, oder? Sie mögen mich aus Prinzip nicht mehr. Aber das sind nur die bekannten Leute, von den großen Magazinen und überregionalen Zeitungen. In den kleineren Blättern und bei vielen international nicht so im Blickfeld stehenden Rezensenten hat Die Legende von Aang eine fairere Beurteilung erhalten und man geht weniger 'speziell' mit meiner Person um. Aber selbst die harschen Worte einiger Journalisten sind mir eigentlich egal. Sie mögen es eben, mich zu bashen und sie denken, ich wäre nach meinem Erfolg mit The Sixth Sense, als sehr junger Regisseur, arrogant geworden. Viele von ihnen stören sich wohl daran, dass mein Name immer so groß auf den Plakaten meiner Filme vermerkt wird. Es heißt immer 'der neue Shyamalan-Film", dabei will ich das gar nicht. Das geschieht aus reinen Werbezwecken, gerade da man mit mir eine bestimmte Art von Film verbindet. Und das kann besonders bei Die Legende von Aang hinderlich gewesen sein, da er eben eine ganz andere Sorte von Film darstellt. Ich fände es super, wenn ich bei der Vermarktung meiner Filme nicht so in den Vordergrund gestellt würde und die Leute sie ganz unvoreingenommen und ohne den Gedanken im Kopf betrachten würden, dass sie da gerade "den neuen Shyamalan-Film" gucken.
... den 3D-Trend: Selbst wenn Die Legende von Aang optional in 3D gezeigt wird, ist Shyamalan persönlich kein Fan der Technik. Laut ihm war es eine reine Entscheidung des Filmstudios, den Streifen nachträglich entsprechend zu konvertieren. Zwar ist er mit dem Ergebnis nicht unzufrieden, da er maßgeblich Einfluss auf den von Szene zu Szene individuell angepassten Intensitätsgrad der 3D-Effekte nehmen konnte und er sieht ein, dass ein effektreicher Unterhaltungsfilm wie Die Legende von Aang damit in den Augen der Zuschauer an Showfaktor dazugewinnen kann, allerdings hätte er selber die kontrastreichere, hellere 2D-Variante des Films vorgezogen. Er denkt nicht, dass der 3D-Trend über einen längeren Zeitraum weiter boomen wird, wohl aber, dass einzelne Filme - bei denen es sinnvoll ist - weiter auf die Technik zurückgreifen werden. So fällt auch sein bisheriges Erlebnis mit anderen 3D-Filmen aus: Ohne Namen zu nennen, berichtet er von mehreren Kandidaten, die er in 3D optisch katastrophal fand und für die Technik vollkommen ungeeignet fand. Tim Burtons Alice im Wunderland habe ihn in 3D dagegen in jeder Hinsicht sehr begeistert, genau so wie James Cameron's Avatar. Darauf angesprochen, ob er das Sequel zu Die Legende von Aang nicht gleich mit Camerons 3D-Kameras von vornherein mit der Technik aufnehmen wolle, falls Produzenten und Filmstudios weiter auf den Effekt bestünden, zeigte sich Shyamalan interessiert, aber nicht schlüssig. Er könne es sich vorstellen, Testaufnahmen mit dem System zu machen, um einen Eindruck davon zu bekommen, in wie weit er seine Regie-Arbeit dafür umstellen müsste und das Ganze für ihn überhaupt funktionieren kann. Sollte das Ergebnis positiv auffallen, wäre eine entsprechende Anwendung nicht auszuschließen.
... mögliche Fortsetzungen der Aang-Kino-Adaption: Die Legende von Aang wurde mit mindestens zwei Fortsetzungen im Kopf konzipiert und die Hauptdarsteller haben auch entsprechende Klauseln für einen möglichen zweiten und dritten Teil unterzeichnet, wie sowohl Shyamalan als auch Dev Patel und Jackson Rathbone bestätigen konnten. Zwar sei noch nicht sicher, ob und wann Teil zwei gedreht werden würde, angesichts des bisherigen Erfolges von Die Legende von Aang stünden die Chancen dafür jedoch nicht schlecht und Shyamalan schien sich recht sicher zu sein, dass er auch dann wieder für die Drehbuch-Adaption und die Regie verantwortlich sein würde.
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Kommentare (38)
HCrider
dr.gun
L1ghT
Jägerfisch
jurista
Ansonsten weiter so mit den Filmbeurteilungen,sind eine nette Abwechslung und vor allem die Auflistungen und Bewertungen von älteren Filmen der jeweiligen Regisseure ist top!Weiter so,vielleicht gibts hier demnächst auch Buchrezensionen/Tipps!
Micherl
verdammt jetzt hab ich die kritik doch ganz gelesen, obwohl mich der film eigentlich nicht interessiert. auch ich hab gedacht: hää was machen die blauen menschen in avatar?? ^^ oh und wer avatar auf der xbox gezockt ist ne echte hure :P
richard50
In dem Film im Prinzip nur um irgendwelchen Beziehungprobleme gegangen und Mystery war gerade mal ansatzweise vorhanden!
Für mich der Schlechteste Film von allen und wurde auch zu Recht damals von den Kritiken verrissen : (
Wertung 1 von 5!!!!!!!
PaterSigmund
""Die Re-Inkarnation des Herrn der Elemente beginnt immer als Windbändiger, ehe sie nach und nach die anderen Mächte hinzulernt""
-Das ist so nicht richtig. Es ist immer im Zyklus. Wasser - Erde - Feuer - Luft (- Wasser). Avatar Roku war zB .Feuerbändiger
Soweit von meiner Seite.
"Klugscheiss aus"
Claudandus
Kein Lebenswillen mehr zu haben, heiß nicht das ich mich sofort umbringen will.
Ace_D