Dienstag, 23. Oktober 2007
Im Grunde langweilt Square Enix Firmenpolitik seit vielen Monden. Unendliche Portierungen uralter Kamellen für zig Systeme nerven ebenso wie ständige Aufgüsse der Marken Final Fantasy und Dragon Quest. Mit der Veröffentlichung von Final Fantasy Tactics: The War of the Lions hingegen trifft der japanische Rollenspielentwickler genau den Nerv der deutschen Zockerseele, schließlich erschien das PSOne Original nie in Europa. Für Freunde klassischer Rundenstrategie also eine gute Gelegenheit eine echte Perle des Genres nachzuholen.Ausnahmsweise geht es in diesem Rollenspiel mal nicht um eine holde Maid, die aus den Fängen eines miesen Tyrannen befreit werden muss, der gleichzeitig den Untergang der Welt plant, sondern um schnöde Politik. Den deutschen Bundestag sucht ihr allerdings vergeblich in Lande Ivalice – stattdessen geht es um den Kampf der Krone eines gefallenen Königs, um Intrigen, Machtspiele und um die Fehde zweier verfeindeter Clans. Mitten in den Wirren des Krieges übernehmt ihr die Rolle des jungen Ramza Beoulve, der zwar über einen wenig männlichen Namen verfügt, dafür aber umso besser mit dem Schwert umgehen kann, und somit zahlreiche Gefechte austragen muss.In der mitteralterlichen Welt von Ivalice laufen Kämpfe noch nach starren Regeln ab, die jeder Schlachtenteilnehmer zu befolgen weiß. Regel Nr. 1 lautet, das sämtliche Gefechte rundenbasiert auf einem schachettartigen Spielfeld ausgefochten werden, auf denen der Spieler seine Mannen taktisch klug einsetzt. Dazu stehen euch zahlreiche Befehle zur Verfügung; neben all den Schwertattacken, Ausweichangriffen, Zaubersprüchen und Spezialangriffen sollten auch die Umwelteinflüsse der Karten nicht vergessen werden. Steht ihr auf einer Anhöhe habt ihr gegenüber eurem Feind einen nicht zu unterschätzenden Vorteil – steht ihr dagegen knieftief in matschigen Sumpffeldern könnt ihr im Grunde gleich aufgeben.
Kämpfen wie ein Löwe
Das Kampfsystem des Löwenkriegs ist ungemein vielfältig und umfangreich und dem Spieler stehen viele taktische Möglichkeiten zur Verfügung, die viele andere Genrevertreter einfach alt aussehen lassen. Da wären natürlich zahlreiche Waffengattungen, Rüstungen und Items die den Spielverlauf entscheidend beeinflussen können, oder aber die Möglichkeit erst anzugreifen und sich dann noch aus dem Staub machen zu können. Über allem thront allerdings das mannigfaltige Jobsystem das den Spieler mit seiner Fülle an Möglichkeiten fast erschlägt. Stehen euch anfangs nur einige wenige Klassen wie Ritter, Schwarzmagier oder Nahkämpfer zur Verfügung erlangt ihr im Verlauf des Spiels viele weitere Ausrichtungen wie Beschwörer, Samurai oder Rechenkünstler. Jeder Job hat seine eigenen Vor- und Nachteile, lässt sich mit der Zeit beliebig mit neuen Fähigkeiten ausstatten und in seinen Grundeigenschaften verbessern. Da jedes Mitglied eurer Partie zwischen den Jobs hin- und herwechseln kann, lassen sich auch eigene Kreationen erstellen, beispielsweise ein guter Schwertkämpfer der trotzdem über Magiesprüche verfügt. Dem Spieler sind im Grunde keine Grenzen gesetzt.
Eben diese muss der geneigte Taktiker auch kräftig ausloten, denn der Schwierigkeitsgrad von Final Fantasy Tactics ist enorm hoch, den Game Over Bildschirm werden ungeübte Denker und Lenker ebenso oft sehen wie das Optionsmenü, in welches sich der Spieler nach jedem Kampf begeben sollte um neue Fertigkeiten und Stärken zu erlangen. Wer meint er könnte locker mal ein paar Gegner plätten ohne sich vorher eine genaue Taktik zurecht zu legen wird schnell eines besseren belehrt. Da der Titel leider nicht die Möglichkeit eines Restarts bietet, und erworbene Erfahrungspunkte nach einer verlorenen Schlacht nicht übernommen werden, kann der Titel schon sehr frusten. Zumal es schon in den Anfangsstunden des Spiels richtig zur Sache geht und ein geruhsamer Aufbau und eine spielerische Erklärung aller Klassen und sämtlicher Möglichkeiten fehlt. Immerhin wurde dem Spiel ein Tutorial spendiert, in dem ihr euch aber durch langweilige Textwüsten klicken müsst.
Nach einer gewonnen Schlacht findet ihr euch auf einer Oberkarte wieder auf der man nun unterschiedliche Ziele ansteuern kann. In nächstgelegenen Örtchen kauft ihr beim Händler neue Waffen und Items ein, hört euch in der Taverne nach Gerüchten um oder rekrutiert im Gildenhaus neue Kämpfer. Diese sollten dann bereits erledigte Wegpunkte nochmals ansteuern um in Trainingskämpfen genügend Erfahrung zu sammeln, die man dann in den Extra markierten Storyabschnitten bitter benötigt. Gehen Mitstreiter während einer Schlacht KO, solltet ihr zusehen diese möglichst schnell zu reanimieren. Schafft ihr es innerhalb von drei Runden nicht, sie wieder bei Bewusstsein zu halten, sterben sie und sind für immer im Datennirvana verschollen. Gegnerische Feinde hinterlassen stattdessen nach einiger Zeit Kisten mit Items oder Kristalle, an denen ihr eure Lebens- und Magiepunkte wieder vervollständigen könnt.
Augen wie ein Adler
Gespielt wird in der Vogelperspektive, was heutzutage zwar nicht mehr sonderlich schön ausschaut, dem Genre aber sehr zweckdienlich ist. Die isometrische Optik lässt sich aus mehreren Kamerawinkeln betrachten um immer den optimalen Überblick zu haben, der ein oder andere Fels oder Baum steht trotzdem zu oft im Weg. Ansonsten weiß das bunte Geschehen mit netten Charakterbildern und schönen Animationen zu gefallen, die Ladezeiten sind für ein PSP-Abenteuer angenehm flott. Die tolle Musik, die netten Effekte bei Zaubersprüchen und die pastellartigen Zwischensequenzen gefallen ebenfalls. Weniger schön ist das fehlen deutscher Bildschirmtexte, zumal die blumenreiche englische Übersetzung doch etwas bessere Kenntnisse des Inselslangs erfordert.
Wer das Spiel schon auf der PSOne sein eigen nennt, sollte eine Neuanschaffung genau abwägen. Neben neuen Zwischensequenzen, die den Handlungsplot geschickt fortführen, einigen neuen Charakterklassen und Gastauftritten bekannter Final Fantasy Recken halten sich die Neuerungen doch arg in Grenzen. Immerhin spendierte Square Enix dem Spiel einen netten Zweispielermodus in dem die Kontrahenten mit eigens erstellten Armeen gegeneinander antreten Im Grunde ist aber auch dieser nur schmückendes Beiwerk für den packenden Einzelspielerpart der jeden der sich einmal festgebissen hat nur schwer davon loskommen lässt.Meine Damen und Herren, darf ich vorstellen? Final Fantasy Tactics: The War of the Lions ist das beste Spiel für Sonys Handheldsystem. Und das gilt nicht nur für nerdige Taktikfreaks die schon morgens nach dem Aufstehen darüber nachdenken ob ihr Weißmagier nach dem letzten Kampf auch richtig aufgelevelt wurde, sondern eigentlich für jeden Zocker mit Anspruch auf ein tiefgründiges Spielerlebnis. Mit seinem fesselnden, tiefgründigen Spielsystem, seiner tollen Präsentation und der stimmigen Story sollte FFT jeden begeistern. Man darf sich nur nicht vom harten Schwierigkeitsgrad abschrecken lassen, dann spendiert euch Square Enix ein Fantasyepos, das seines gleichen sucht.Schade nur das man diesen Hammertitel auf einem Winzscreen vorgesetzt bekommt und dem lieblichen Klang des herausragenden Soundtracks durch blecherne Boxen geblasen wird. In diesem Fall wird die PSP dem Spiel einfach nicht gerecht, denn so einen Titel muss man auf einer großen Glotze genießen und nicht in einer U-Bahn, bei der trauige Gestalten nach einem Euro fragen, während man gerade selber Ivalices Thron besteigt.
Kommentare (1)
Milkman