Final Fantasy XIII
13:04 Uhr - Fast genau vier Jahre haben Final Fantasy Fans auf einen neuen Teil der legendären Rollenspielsaga gewartet, der aus wirtschaftlichen Gründen auf Xbox 360 und PS3 simultan erscheint, was gerade im Feld der Xbox 360 Spieler für sehr viel Vorfreude gesorgt hat. Aber schafft Square/Enix mit Teil 13 auch die benötigte Frischzellenkur für das leicht angestaubte System der japanischen Rollenspiele oder entpuppt sich der Neuzugang etwa als Unglückszahl?
„Gut Ding will Weile haben“, so könnte das Motto von Square Enix bei der Entwicklung der dreizehnten Episode ihrer langlebigen Final Fantasy-Reihe gelautet haben. Knapp fünf Jahre Entwicklungszeit investierte der Traditionshersteller. Eigentlich als Playstation 2-Titel geplant, macht sich Final Fantasy XIII nun auf, die Rollenspielherzen der PS3- und Xbox 360-Besitzer zu erobern. Nach den umstrittenen Änderungen am Kampfsystem des zwölften Serienteils können Final Fantasy-Veteranen aufatmen. FF XIII besinnt sich auf alte Tugenden, ohne dabei aber ganz auf die Neuerungen der letzten Episode zu verzichten. Nebenbei stellt der neueste Final Fantasy-Ableger den Auftakt zur sogenannten Fabula Nova Crystallis dar. Dabei handelt es sich um eine fiktive Mythologie auf die die nachfolgenden FF XIII-Teile namens versus XIII und Agito aufbauen werden. Doch nun zur alles entscheidenden Frage: Kann Final Fantasy XIII den hohen Erwartungen gerecht werden?
Zwei Welten, sechs Kämpfer und ein Schicksal
In Final Fantasy XIII existieren zwei Welten: Pulse und Cocoon und wie es sich für ein J-RPG gehört, herrschte vor Jahrhunderten ein erbitterter Krieg zwischen beiden Parteien. Gerade noch mit einem blauen Auge davon gekommen, schottete sich Cocoon nach der Schlacht komplett von seinem Nachbarn Pulse ab und lebt seitdem in Angst vor weiteren Angriffen. Da aber die Außenhülle des Planeten erheblichen Schaden genommen hat, verwendeten sie, schlau, wie die Cocooner sind, die Überreste der Invasoren in Form von Kriegsschiffen zur Ausbesserung der vorhandenen Schäden. Unter den Materialien befanden sich aber auch einige der sogenannte fal’Cie, mystische Wesen halb Gott, halb Maschine, die für mächtig Aufregung in der Gesellschaft von Cocoon sorgen. Kommt man diesen Kreaturen nämlich zu nahe, brandmarken sie einen mit einem Tattoo und der Träger des neu gewonnenen Körperschmucks steht aber sofort im Dienst des fal’Cie. Der L’Cie, so der Name der Gebrandmarkten, muss nun eine ihm unbekannte Bestimmung erfüllen. Schafft er dies, kommt ihm die Ehre des ewigen Lebens zu Teil, in dem er zu einem leblosen Kristall wird. Versagt er, mutiert er zu einem willenlosen Zombie. So oder so stehen die Überlebenschancen also eher schlecht für die L’Cie. Wie es der Zufall nun will, kommen natürlich auch die sechs Helden Lightning, Sazh, Snow, Hope, Vanille und Fang in Kontakt mit einem fal’Cie und werden seit dieser Begegnung gnadenlos von den Soldaten Cocoons gejagt. Die sehen es nämlich gar nicht gerne wenn man zu einem L’Cie wird, steht doch angeblich das Wohl von Cocoon auf dem Spiel. Das große Abenteuer startet mit einer Hommage an die Zugeinfahrt von Cloud in Final Fantasy VII. Die Soldatin Lightning und der Pilot Sazh, der immer von einem kleinen Chocobo begleitet wird, befinden sich an Bord eines Zugs, dessen Ziel die Unterwelt Pulse ist. Warum die Beiden in dem Zugabteil sind, wird natürlich nicht verraten, doch an ihrem Bestimmungsort angekommen, nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Eine Hetzjagd der Superlative
In den ersten zwei Dritteln der knapp 50 Stunden langen Geschichte hetzt euch Square Enix ohne Pause durch grafisch atemberaubende Landschaften, wie einen sonnendurchfluteten Wald, einen düsteren Canyon oder einer hoch technisierten Militärbasis. Dabei fällt dem geneigten RPG-Fan auf, dass irgendwie etwas fehlt. Weder Dörfer noch Einkaufsläden noch NPCs, die zum munteren Plausch einladen, sind vorhanden. Euren Itemvorrat sowie Waffen und Accessoires kauft ihr an den häufig vorkommenden Speicherpunkten und für ausgiebiges Sightseeing und Plaudern bleibt sowie keine Zeit. Wenn man als Staatsfeind Nummer 1 gilt, sollte man Menschenmassen eher meiden. Doch keine Sorge, wer jetzt an ein sehr lineares Vergnügen denkt, kann aufatmen. Final Fantasy XIII umfasst insgesamt 13 Kapitel, wobei zehn strikt linear verlaufen und drei offen angelegt sind. So könnt ihr später im Spiel euren Entdeckerdrang freien Lauf lassen und Missionen annehmen, um eure Charakterwerte zu verbessern. Apropos Charakterwerte: Erfahrungspunkte gibt es in FF XIII nicht. Stattdessen sammelt ihr sogenannte Kristallpunkte, mit denen ihr im Kristarium neue Eigenschaften, wie mehr Angriffs- oder Magiepunkte sowie weitere magische Attacken freischalten könnt. Ähnlich einem Brettspiel aufgebaut, zieht ihr, je mehr Kristallpunkte ihr habt, von Kristall zu Kristall um eure Truppe zu verbessern. Kenner der Serie werden unweigerlich an das Sphärobrett aus Final Fantasy X denken müssen.
Back to the Roots – das ATB-System
Traditionalisten werden sich auf die Rückkehr des Active Time Battle-Systems freuen. Die Echtzeitkämpfe von Final Fantasy XII gehören der Vergangenheit an. So schaltet das Spiel bei jeder feindlichen Begegnung in eine separate Arena um. Dabei könnt ihr wie in alten Zeiten zwischen verschiedenen Befehlen wählen und die herrlich designten Monster, die übrigens jederzeit sichtbar durch die Landschaft wuseln, ordentlich verprügeln. Aktiv steuert ihr aber immer nur ein Mitglied eurer Drei-Mann-Party. Anhand eines Zeitbalkens, der mehrere Segmente umfasst, timt ihr eure Angriffe. Während leichtere Attacken nur einen Balken verbrauchen, benötigen mächtige Zauber zwei oder mehr Zeitbalken. Danach wartet ihr eine kurze Zeit, bis sich die Anzeige wieder auflädt. Währenddessen könnt ihr aber schon die nächsten Attacken auswählen. Durch diesen Kniff spielt sich das Kampfsystem von Final Fantasy XIII sehr flott. Für Standardgegner braucht ihr nicht mal 20 Sekunden. Außerdem treibt ihr durch schnelle Angriffe den Serienbalken eures Gegners in die Höhe. Ist der voll, wechselt euer Widersacher in den Shock-Modus und ihr verursacht mehr Schaden. Um den Begegnungen mehr Tiefgang zu verleihen, implementierte Square Enix das Paradigmensystem. Dabei teilt ihr euren Partymitgliedern verschiedene Rollen zu. Brecher und Verheerer sorgen für mehr Schaden, während Heiler und Verteidiger sich um die Defensive kümmern. Zu guter Letzt gibt es noch Manipulatoren und Augmentoren, die mit unterstützender Magie eurer Truppe unter die Arme greifen. Das Besondere dabei ist, das ihr während den Auseinandersetzungen jederzeit zwischen verschiedenen Kombinationen dieser Rollen wählen könnt. Der Schlüssel zum Erfolg ist also ein ausgewogenes Verhältnis von Offensiven und Defensiven Rollenzuteilungen.
Grafik wie von einem anderen Stern
Ohne übertreiben zu wollen, gehört Final Fantasy XIII zweifelslos zu den grafisch schönsten Spielen der aktuellen Konsolengeneration. Allein schon die gerenderten Zwischensequenzen suchen Square Enix-typisch ihres Gleichen. Doch auch der Rest der grafischen Umsetzung begeistert. Vor allem die Charaktermodelle sehen, bis auf einige Kanten bei ganz nahen Aufnahmen, genial aus. Achtet mal auf das fein modellierte Haar von Lightning, Snow und Co. Auch die Szenarien strotzen nur so vor Details. Bei manchen Abschnitten könnt ihr bis zum Horizont blicken und die Illusion einer gigantischen Fantasy-Welt ist perfekt. Man merkt Final Fantasy XIII an, dass die Entwickler viel Herzblut in ihr Projekt gesteckt haben. Bei der musikalischen Untermalung macht sich die Abwesenheit von Nobuo Uematsu aber leider bemerkbar. So fehlt zum Beispiel am Ende eines Kampfes der berühmte Jingle. Trotzdem spiegeln die mal poppigen, mal rockigen oder sehr melancholischen Musikstücke die jeweilige Stimmung des Geschehens sehr gut wider. Einzig Leona Lewis könnte manchen Fans gegen den Strich gehen. Vor allem wem man ihr Lied mit dem sehr atmosphärischen japanischen original Soundtrack vergleicht. Man kann halt nicht alles haben.
Pro und Contra
- + Fantastische Grafik
- + Flotte Kämpfe
- + Mitreißende Geschichte
- + Paradigmenwechsel bringt Taktik in die Kämpfe
- + Unglaubliche Haaranimationen
- + Chocobos sind dabei
- + Anspielungen auf ältere Episoden
- + Kaum Ladezeiten
- + Viel Hintergrundmaterial zu Personen, Lokalitäten und der Geschichte
- - Linearer Part zu lang
- - Keine Dörfer oder Städte
- - Charakterentwicklung sehr eingeschränkt
- - Man findet kaum Geld
- - Items, Waffen und Accessoires zu teuer
- - Einkaufen an Speicherpunkten wirkt fehl am Platz
- - Kaum Wiederspielwert
- - Englische Synchronisation nicht durchgehend gelungen
Mission gelungen!
Mit Final Fantasy XIII liefert Square Enix eine moderne Interpretation des klassischen J-RPGs ab und stellt somit die Weichen für die Zukunft des Genres. Die Story ist mitreißend, die Grafik genial und das Kampfsystem zeigt, dass rundenbasierte Kämpfe auch heute noch eine Daseinsberechtigung haben. Zwar mögen sich einige von euch an der extrem linearen Erzählstruktur stören, doch glaubt mir, gerade gegen Ende hin, habt ihr genügend Freiraum die Welt von Final Fantasy XIII zu erkunden. Nebenbei werden Fans der langlebigen Serie das ein oder andere Mal an frühere Final Fantasy-Titel denken müssen. Man könnte den dreizehnten Teil fast als kleine Hommage ansehen. So erinnert die Zugeinfahrt zu Beginn des Abenteuers an Final Fantasy VII, die Möglichkeit an bestimmten Stellen zu springen, lässt Final Fantasy X-2 Anhänger aufhorchen, Lightning könnte sich ihre Waffe glatt von Squall aus Final Fantasy VIII ausgeliehen haben und beim Kampfsystem und dem Kristarium stand eindeutig Final Fantasy X Pate.
Wie bei allen Spielen muss sich aber auch Final Fantasy XIII ein bisschen Kritik gefallen lassen. Vor allem das Fehlen der Dörfer und Städte stößt mir als Rollenspiel-Fan sauer auf. Wie gerne hätte ich einige Siedlungen erkundet, mit Passanten geplaudert und meine schwer verdienten Gils in Geschäften ausgegeben. Auch die Continue-Funktion, die es euch ermöglicht, jeden verlorenen Kampf zu wiederholen, nimmt ein wenig die Spannung aus den manchmal sehr fordernden Fights. Gerade die Endbosse stellen euch teilweise auf eine harte Geduldsprobe. Nichtsdestotrotz ist Final Fantasy XIII ein Fest für Rollenspiel-Fans und für alle die es noch werden wollen.
Episches Abenteuer zum Nachschlagen: Der offizielle Spieleberater
Pünktlich zum Release von Final Fantasy XIII veröffentlicht Piggyback wieder einmal das passende Nachschlagewerk. Der offizielle Spieleberater kommt in zwei Ausführungen daher: die normale Ausgabe kostet 19,99€, während für die Collector’s Edition 25,99€ verlangt werden. Letztere kommt mit einem Hardcover, edlem Papier (150 g/m²) und 16 zusätzlichen Seiten. Wie schon die vorigen Ableger der Rollenspiel-Serie bewiesen haben, eignet sich ein Durchspielen mit dem Berater ganz besonders: kein Item wird verpasst, für knackige Bosskämpfe hat das Buch jederzeit die passende Taktik bereit und detaillierte Karten schaffen jederzeit den perfekten Überblick. Auch, wenn Letztere dank der linearen Natur von Final Fantasy XIII nicht mehr ganz so viel Relevanz besitzen. Dafür sind die Jungs und Mädels von Piggyback jetzt bestens gerüstet, falls einmal die Gestaltung von U-Bahn-Plänen auf dem Tagesplan steht… Trotzdem: beide Ausgaben sind ihr Geld wert und versorgen Anfänger und Perfektionisten gleichermaßen mit wichtigen Informationen. Aufgrund der hervorragenden Abbildungen und Artworks taugt der Spieleberater ebenso zur Nostalgiefahrt in drei bis vier Jahren.
Inhalt & Features beider Editionen
- Alle Geheimnisse enthüllt: Jede Nebenaufgabe, jede Mission, jedes Minispiel, jeder Bonus sowie sämtliche Trophäen & Erfolge werden vorgestellt und erläutert.
- Optimaler Lösungsweg: Mit detaillierten Karten und fein abgestimmten Hinweisen beschreibt das Lösungsweg-Kapitel den idealen Weg durch die Handlung des Spiels und sämtliche optionalen Nebenaufgaben.
- Strategie-&-Analyse-Kapitel: Durchleuchtet fortgeschrittene Kampftaktiken, Techniken und versteckte Systeme für bestmögliche Ränge und Belohnungen. Kristarium, Esper, Paradigmen und Rollen, Charakterentwicklung, Nexus-Fertigkeiten – hier gibt es alles!
- Umfassende Inventar- und Gegner-Kapitel: Ausführliche Listen, Tabellen und Schaubilder mit allen wichtigen Statuswerten jedes Gegenstands und Gegners (inklusive verborgener Attribute).
- Ein echtes Piggyback-Buch: Mit allen bewährten Merkmalen wie detaillierten Levelkarten, hochauflösenden Screenshots und zahllosen exklusiven Artworks.
- Absolut spoilerfrei: Kein Story-Detail wird zu früh verraten.
Funktionalität & Verarbeitung
- Detaillierte 3D-Karten erleichtern die Orientierung und das Finden aller Gegenstände
- Soforthilfe durch einzigartiges Registersystem und umfangreichen Index
- Besonders edel gestalteter Hardcover-Einband mit vierfarbigem Logodruck auf Silberfolie und kratzfester Mattfolienkaschierung (Collector’s Edition)
- Bogenoffset-Druck auf sehr hochwertigem 150-g/m²-Papier (Collector’s Edition)
- Fadenheftung (Collector’s Edition)
- Hochwertiger Umschlag mit kratzfester Mattfolienkaschierung und Spotlackierung (Standardedition)
Eckdaten (Standardedition)
- Umfang: 260 Seiten
- Preis: 19,99 Euro
- ISBN: 978-1-906064-62-4
- VÖ: 9. März 2010
Eckdaten (Collector’s Edition)
- Umfang: 276 Seiten
- Preis: 25,99 Euro
- ISBN: 978-1-906064-57-0
- VÖ: März 2010
Bewertung
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Kommentare (82)
Necrovoid
crazy_jb
Alexander Laschewski-Voigt
Jace
Hatte echt darauf gehofft dass der Hype auf Areagames nicht so durchschlägt.
FFXIII ist sicher ein gutes Spiel, aber nie und nimmer ne 9 von 10.
Das fühlt sich an als ob es diese Wertung mit Schleifchen überreicht kriegt, während andere Titel sie sich hart erarbeiten mussten.
In meinen Augen sind solche Wertungen ein falsches Signal an die Entwickler.
Ragism
toul81
IM Carlos
Außerdem finde ich sehr löblich, dass ihr auf die Spieleberater eingeht. Ich weiß noch, dass mich die CE von FF12 auf Grund der Qualität sowas von den Socken gehauen hat, dass ich hier sicher wieder zur CE greifen werde.
Zum Spiel: Auch wenn es sicher nicht an 10, oder gar 7 ran kommen wird, wird es sicher noch immer ein Final Fantasy sein. Was für mcih aus macht: taktische Kämpfe, epische Story, zeitgemäße Präsentation. Und das wird auch 13 erreichen. Wenn ich Zeit finde, werd ich mir das Spiel sicher zu Gemüte führen. Bis dahin darf der Preis ruhig fallen. ;-)
MachDichNass
Schade.......l.
Leoneo
Ist ja nicht so mein Genre, aber viel Spaß allen FFXIII Zockern.
toul81