Fire Emblem: Shadow Dragon
19:18 Uhr - Seit nunmehr 19 Jahren befriedigt Intelligent Systems mit Fire Emblem die unerbitterlichsten Hardcorezocker unter den Nintendo-Besitzern. Kurz nach der Volljährigkeit erhält das bockschwere SRPG mit einem Remake des ersten Teils einen Ableger auf dem Nintendo DS. Zum Glück mit allen Errungenschaften, welche die Serie über all die Jahre groß gemacht haben.
Man kennt es ja: Gerade, wenn es am schönsten ist, kommt irgendein Bösewicht unter irgendeinem Stein hervorgekrochen und raubt einem das Liebste im Leben. Oder er versucht, die Welt in ewige Dunkelheit zu stürzen. Ganz fiese Zeitgenossen machen sogar beides – und genau hier beginnt Shadow Dragon. Ellis, die Schwester des Prinzen Marth von Altea wird vom garstigen König Gharnef entführt, als seine finsteren Heerscharen ins Königliche Schloss einfallen. Zu allem Überfluss ist König Cornelius, der Vater der Gören, beim Versuch, die Welt vor der Tyrannei zu retten, ums Leben gekommen. Es ist also an der Zeit, zum Mann zu werden, das göttliche Schwert Falchion an sich zu reißen und dem Bösen zu zeigen, wo der Hammer hängt. Früher war alles besser, wie man so schön sagt. Nun, zum Glück lernt der Mensch aus seinen Fehlern, und so wurden dem DS-Remake all jene Goodies spendiert, die sich im Laufe der Serien-Evolution als mehr oder weniger brauchbar erwiesen haben. Das wären zum Beispiel so sinnvolle Dinge wie das Waffendreieck, was den Vorteil der Waffengattungen untereinander repräsentiert, das Waffensystem sowie die Verwaltung der gefundenen und gekauften Gegenstände. Und so unnützes Zeug wie Klassenwechsel (wer wollte nicht schon immer aus einem General einen Zauberer machen?) oder gar der größte Frevel in der Geschichte von Fire Emblem: der wählbare Schwierigkeitsgrad.
Zugegeben, letzteres dürfte gerade Neueinsteigern entgegenkommen. Im Gegensatz zu anderen Strategiespielen konnte man bei Fire Emblem nie im napoleonischen Größenwahn die ganze Welt auf einmal herausfordern. Getötete Einheiten sind im wahrsten Sinne des Wortes weg vom Fenster – sie werden nicht durch andere Einheiten ersetzt, und nicht selten wird die Gruppe durch den Verlust nachhaltig geschwächt. Eine der größten Herausforderungen war es also schon immer, alle Kämpfer gleichmäßig aufzuleveln, um im finalen Kampf auf eine möglichst große Anzahl von hervorragend ausgebildeten Kampfmaschinen zurückgreifen zu können. Hin und wieder kann man mit einzelnen Angehörigen der eigenen Armee Kämpfer der gegnerischen Streitmacht auf seine Seite ziehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man zufällig die Schwester des Bösewichts auf der richtigen Seite der Macht oder nur den größeren Geldbeutel anzubieten hat; Mittel und Wege, die eigene Armee mit vielen neuen Rekruten zu versehen, gibt es immer. Da jede Einheit eine eigene Geschichte besitzt und viele untereinander interagieren können, was im besten Fall dazu führt, dass sie, im Kampf nebeneinander aufgestellt, zu wahren Berserkern mutieren, fängt man an, eine Bindung zu seinem Trupp zu entwickeln. Jeder einzelne wächst dem Anführer im Spieler ans Herz und man beginnt, seine persönlichen Lieblinge durch geschickte Schachzüge auf dem Schlachtfeld noch mächtiger zu machen. „Shadow Dragon“ besitzt in dieser Hinsicht allerdings eine eingebaute Spielspaßbremse; und wer sich den Hass auf die Entwickler aufsparen möchte, sollte den Rest des Absatzes einfach überspringen. Möchte man alle Einheiten zu Gesicht bekommen, muss man eigene Kämpfer opfern. So was macht man einfach nicht, es handelt sich schließlich nicht um austauschbare Söldner. Solche Sperenzchen sollten sie sich in Zukunft besser sparen, der Wiederspielwert lässt sich sicherlich auch mit anderen Mitteln steigern.
Den Rest kennt man aus den Vorgängern schon zu Genüge, denn das zu Grunde liegende Spielprinzip hat sich in all den Jahren nicht verändert. Die Spielkarte ist in einzelne Felder unterteilt, auf der man in rundenbasierten Kämpfen seine Einheiten in die Schlacht schickt. Mit jeder Aktion erhält die Spielfigur Erfahrung, die alle 100 Punkte in einen automatischen Levelaufstieg investiert werden. Sind die Waffen vollständig abgenutzt, muss man sich neue besorgen, um nicht nutzlos in der Gegend herumzustehen. Die technische Umsetzung ist eigentlich nicht weiter zu bemängeln. Die Grafik ist zweckmäßig, wenn auch nicht sonderlich hübsch. Gerade die Figuren in den Kampfanimationen fallen etwas ab und erinnern zu stark an die gute alte GBA-Zeit. Die Geschichte wird, wie die Dialoge, in Textboxen vorangetrieben. Sprachausgabe gab es in den bisherigen Teilen auch nur in den Zwischensequenzen zu bewundern – nur leider hat die DS-Version keine zu bieten. Sehr schade, denn die Filmchen waren in den Ablegern auf der Wii und dem Gamecube hervorragend gelungen, und auf dem DS haben andere Entwickler bereits bewiesen, dass tolle Renderfilmchen möglich sind. Die musikalische Untermalung ist stimmig und die gelegentlich eingestreuten Effekte stets passend. Was will man mehr erwarten? Richtig: einen Mehrspielermodus. Auch wenn ich selbst der Meinung bin, dass Fire Emblem das klassische Einzelspielerabenteuer überhaupt ist, der Mehrspielermodus ist durchaus als gelungen zu bezeichnen. Zwei Spieler, Armee gegen Armee. Aug’ um Aug’, Zahn um Zahn. Und wenn man besonders großzügig ist, wie es sich für das ehrenwerte Oberhaupt einer Armee nun einmal gehört, kann man eine Einheit in einem vorgegebenen Rahmen auch an andere Spieler verleihen. Sehr nobel.
„Fire Emblem: Shadow Dragon“ ist das, was man von einem Fire Emblem erwartet. Eine wie üblich ebenso epische wie klischeebeladene Geschichte, die auch vor etwas Politik nicht zurückschreckt. Das ganze wird mit viel Taktik, sympathischen Protagonisten und dem gewissen Etwas verziert – fertig ist der Insider-Verkaufsschlager. Treuen Begleitern mag die Tatsache, ein Remake zu spielen übel aufstoßen. Noch schlimmer finde ich jedoch, dass man das Gefühl hat, es müsste eigentlich deutlich mehr gehen. Die Möglichkeiten des DS werden nicht annähernd ausgereizt, mir fehlt noch immer ein ausgefeilteres Magie-System und linear war das Spiel auch vor bald 20 Jahren schon; da nutzt es nichts, dass man einen mögliche Weggefährten verpassen könnte, weil man den richtigen Gegenpart gerade nicht auf dem Schlachtfeld stehen hat. Dennoch, als nach erstaunlich kurzer Zeit der erste Ärger verflogen ist, kann ich mich wieder nicht aus Altea losreißen. Irgendwann, in ferner Zukunft, wird es vielleicht mal an der Zeit sein, richtige Neuerungen mit ins Spiel zu bringen. Bis dahin ist und bleibt Fire Emblem der unangefochtene Liebling des Genres. Und überhaupt gilt: Echte Veteranen lassen sich auch vom Kulturschock des wählbaren Schwierigkeitsgrads nicht abschrecken.
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Kommentare (3)
nordstern
Egal Spiel wurde gestern verschickt :)
Wolverine
Robert Buch