Freaky Flyers

16.01.2007 11:53
Freaky Flyers


Seit seeligen 16-Bit Zeiten aucht jede Konsole, die etwas auf sich hält, einen spaßigen Funracer. Dieser zeichnet sich in der Regel durch Comicgrafik, den Einsatz von Extrawaffen und leicht zu verstehendes Gameplay aus. Das Super Nintendo hatte Super Mario Kart, die Streetracer machten das Mega Drive unsicher. Playstationspieler vergnügten sich mit Crash Team Racing, während N64-Besitzer in Mario Kart 64 erstmals zu viert hinter dem Steuer eines Go-Karts Platz nahmen. Beim Dreamcast´schen Wacky Racers wurde dann erstmals auf den Cel Shading Look gesetzt. Und auch auf der Xbox versuchte sich schon der ein oder andere Entwickler, mehr oder weniger erfolgreich, an einem solchen Rennspiel. Richtig überzeugen konnten diese Versuche nicht - mit Freaky Flyers möchte Midway nun endlich alles richtig machen.

Anders als beispielsweise Genrekönig Super Mario Kart, setzt Midway dabei nicht auf bekannte Gesichter der Videospielgeschichte, sondern auf ein völlig unbekanntes Teilnehmerfeld. Auch wurden die zierlichen Go-Karts gegen fliegende, bewaffnete Fluggeräte ausgetauscht. Das Charakterdesign ist dem Entwicklerteam dabei gut gelungen und fällt sehr skurril aus. Der Spieler hat die Wahl zwischen 34 verschiedenen Piloten, darunter ein verrückter Professor, ein deutsches Flugass, ein Mafiaboss, ein bekiffter Jamaikaner, ein Ölscheich oder eine mexikanische Schönheit. Auswirkung auf die Schnelligkeit oder Wendigkeit des fliegenden Vehikels hat die Wahl des Charakters jedoch nicht.

Einfluss hat diese lediglich auf den Storymodus des Spieles. Je nachdem, für welches Flugass man sich entscheidet (zu Anfang stehen nur fünf zur Auswahl), wird die Geschichte aus einer anderen Sicht in Form von netten Zwischensequenzen weitergesponnen. Die Erzählung führt den Spieler dabei rund um die Welt: Vom staubigen Orient, über die eisigen Berggipfel einer Yetiwelt bis in die engen Schluchten einer Großstadt verschlägt es die wilde Fliegertruppe. Auch der Besuch im Wilden Westen und in einem Indianerreservat steht auf dem Programm. So unterschiedlich wie das Terrain präsentiert sich auch das Streckendesign: Während des Rundfluges einer Welt verschlägt es den Spieler in abwechslungsreiche Teilabschnitte. So düst Ihr im Orientlevel durch einen Palast, um dann auf einen Flaschengeist zu treffen, um danach wildgewordenen Wächtern auf ihren fliegenden Teppichen auszuweichen. Zwischen einzelnen Rennen löst ihr auch immer wieder kleine Minispiele: So muss schon mal ein Fort vor angreifenden Mexikanern beschützt werdenm, oder aber das Flugass wird in das Innere einen Schimpansen befördert und versucht, durch die Blutbahn ins Freie zu gelangen.

Während der drei Runden andauernden Rennen kann man einige Aufträge erfüllen, Auswirkungen auf das Rennergebnis haben diese aber nicht. Die Aufgabenstellungen der einzelnen Level ähneln sich dabei sehr, so muss in der Regel immer eine bestimmte Anzahl an Gegenständen eingesammelt oder aber einige Feinde abgeschossen werden, dazu gesellen sich ein paar Suchspielchen. Wer nun mit Schaudern an Tony Hawk´sche Versteckarien denkt, der sei beruhigt: Hauptaugenmerk bleibt das eigentliche Rennen, die kleinen Nebenziele sind nur schmückendes Beiwerk und stören in der Regel nicht den Flugbetrieb - wer will, kann jedes Rennen auch ohne Erfüllen der Aufgaben gewinnen, großartiges Absuchen der Level ist nicht von Nöten. Mit jedem erfüllten Auftrag werden Beschleunigungsfelder freigeschaltet oder aber ihr erhaltet ein zusätzliches Waffenfeld.

Denn wie jeder gute Funracer bietet auch Freaky Flyers zahlreiche Extrawaffen und Goodies. Das Entwicklerteam scheint bei der Auswahl der Waffen an Ideenarmut gelitten zu haben, denn anstatt ein bischen frischen Wind ins angestaubte Genre zu ingen, setzte man auf altbekannte Extras wie zielsuchende Raketen, Schutzfelder, Beschleunigungshilfen oder Minen. Dazu verfügt jeder Charakter von Anfang an über ein Maschinengewehr, mit dem sich die Kontrahenten vom Himmel holen lassen. Um sich einen weiteren Vorteil vor den Rivalen zu verschaffen, sollte man die überall im Level verteilten Beschleunigungsringe nutzen.

Neben dem Storymodus gibt es nur noch zwei andere relevante Einzelspielmodi, die allerdings lieblos zusammengeschustert wurden, so lassen sich sowohl die schon freigeschalteten Strecken als auch die Minispiele einzeln anwählen und befliegen. Zusätzlich verfügt Freaky Flyers noch über einen Multiplayermodus, der die Fähigkeiten der Xbox nicht im geringsten ausnutzt. Das Spiel verfügt lediglich über einen uninspirierten Zweispieler-Splitscreenmodus, auf fetzige 4 Spieler Splitscreenaction muss unverständlicherweise verzichtet werden. Natürlich fehlen auch eine Xbox Live-Unterstützung, und auch die Möglichkeit des System-Links wird nicht genutzt. Schade um das verschenkte Potential, denn eigentlich kauft man sich solche Fun-Racer gerade wegen der spaßigen Multiplayerschlachten. Der Zweispielermodus präsentiert sich als eine Art Dogfight, in dem man den gegnerischen Spieler während eines Zeitlimits vom Himmel holt. Zwar gibt es einige extra designte Arenen, der Spielspaß allerdings sinkt schon nach kurzer Zeit in den Keller. Zu langweilig präsentiert sich der K(r)ampf in der Luft, als dass er auch langfristig motivieren könnte.

Scheinbar scheint es ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass Funracer technisch nur Mittelmaß bieten dürfen. Und so reiht sich auch Freaky Flyers in die Reihe technisch durchschnittlicher Titel ein. Zwar bietet das Spiel eine ordentliche Weitsicht und vielfältiges Leveldesign, nutzt ansonsten aber nicht im geringsten die Stärken der Xbox aus. Der Polygoncount ist mittelmäßig, der Detailgrad bescheiden, spektakuläre Effekte sind nicht vorhanden. Dazu geht die Framerate bei hohem Gegneraufkommen auch schon mal gerne in die Knie und fängt an zu ruckeln. Richtig gut ist die englische Sprachausgabe, die mit viel Wortwitz, Charme und reichlich Dialekt perfekt zu den Charakteren passt. Auch die Zwischensequenzen während des Adventuremodus sind erstklassig und sprühen nur so vor versteckten Gags und schwarzem Humor. Die Hintergrundmusik dudelt unauffällig vor sich hin, der DD 5.1 Sound wirkt kraftlos.

Die Gegner KI dürfte sich zwischen dem Level eines Vollkornotes und einer Walnuss ansiedeln. Die Rivalen fliegen schnurzgeradeaus auf der Ideallinie, verschaffen sich keinen Vorteil durch den Abschuss anderer Kontrahenten und lassen sich vom Spieler auch recht schnell vom Himmel holen. Dass der Titel trotzdem nichts für Anfänger ist, liegt vor allem am beinharten Schwierigkeitsgrad. Kennt man nicht alle Abkürzungen in einem Level, nutzt nicht sämtliche Beschleunigungsringe und hat auch noch entsprechend Glück bei den Extrawaffen, bleibt einem der Platz an der Sonne verwährt. Somit kommt schnell das Gefühl auf, dass nicht fliegerisches Können und Geschick nötig sind, um ein Platz auf dem Podium zu ergattern, sondern ausschließlich Glück und stumpfes Auswendiglernen.

„Eindeutig an der Zielgruppe vorbei programmiert“

(Eigene Meinung » Mario Schonhoff)

Ich frage mich immer noch, was die Entwickler dazu bewogen hat, einen Fun-Racer mit einem mickrigen Zweispielermodus auf den Markt zu ingen. Das Potential der Xbox mit Vierspieler-Splitscreen, System Link- und Xbox Live-Unterstützung wurde dabei total verschenkt, gerade Spiele dieses Genres leben doch von spaßigen Multiplayerduellen. Somit bleiben einem nur die bedingt spaßigen Dog-Fights gegen einen Freund - diesem geht aber schon nach kurzer Zeit die Puste aus.

Auch der Einzelspielermodus versinkt in der Mittelmäßigkeit. So gibt es zwar schön designte Strecken und reichlich Fahrer, aber was nützt es, wenn diese sich alle gleich steuern und der Faktor über Sieg oder Niederlage sowieso auf Glück beruht? Auch die kleinen Mini-Missionen während der Rennen wirken halbherzig umgesetzt, denn warum soll ich mir die Mühe machen, die Aufgaben zu erfüllen, wenn ich dadurch so oder so keinen Vorteil erziele? Und somit versinkt der Titel im Mittelmaß des Genres - richtig gut gelungen sind nur die witzigen Zwischensequenzen mit der erstklassigen, englischen Sprachausgabe.

Bewertung

Freaky Flyersxbox

0/10

Alexander Laschewski-Voigt

Der gelernte Industriekaufmann probierte sich im BWL-Studium aus, um dieses dann allerdings zugunsten einer Xbox-Website namens AreaXbox vorzeitig zu beenden. Seitdem steht er als Chefredakteur auf der Kommandobrücke der MS AreaGames. Der bekennende US-Serienfan legt am liebsten Renn- oder Rollenspiele in seine Xbox 360. Zu den Alltime-Hits seiner mit dem C64 begonnenen Spieleleidenschaft gehören Deus Ex, System Shock 2 und die Wing Commander-Reihe.