Frontlines: Fuel of War
16:36 Uhr - Die Ölindustrie ist in der Öffentlichkeit nicht erst seit Syriana und Postal als eine der Ursachen weltweiten Elends ausgemacht worden. Frontlines: Fuel of War präsentiert uns nun eine nahe Zukunft, in welcher gar der dritte Weltkrieg um das schwarze Gold entfacht ist. Wir haben uns für euch direkt an die ständig wandernde Front begeben, um zu klären ob der Battlefield Konkurrent mit dem storyreichen Einzelspielermodus und Onlineschlachten für bis zu 50 Spieler über Xbox LIVE, dem explosiven Hintergrund vor dem er stattfindet auch spielspaßtechnisch gerecht wird.
"They had it comin'! They had it comin'! They had it comin' all along..."
Wenn das Intro von Frontlines eine klare Aussage trifft dann, dass wirklich jeder Mensch auf der Welt den Untergang unserer größtenteils friedlich zivilisierten Welt hat vorhersehen können. Eine gelungene Artworkkollage zeigt von George W. Bush bis Wladimir Putin die wichtigen Politiker unserer Gegenwart in fiktiven Zeitungsberichten, samt ahnungsvoller Überschriften. Dazu erklärt ein junger Journalist der uns im Spielverlauf der Kampagne an der Front begleiten wird, wie die Hauptenergiereserven der Erde erst schleichend, dann deutlich merkbar immer weniger wurden. Und wie die Weltbevölkerung mehr und mehr darunter zu leiden hatte, bis das ultimative Chaos, der globale Krieg ums Öl, komplett zum Ausuch kam.Es ist schon beeindruckend, wie die Kaos Studios ihre Hintergrundstory mit so einfachen Mitteln, derart ausdrucksstark umsetzen konnten. Neben den zwar gemalten aber dennoch auf eine authentische Art bedrückenden Bildern, sorgen besonders der hervorragende Sprecher sowie das punktuell, aber dann auch wirkungsvoll einsetzende Musiktheme des Spiels für wahre Gänsehautatmosphäre gleich zu Beginn. Der emotionale Einstieg ist also geglückt.Emotionales Jojo
Der Übergang ins Ingamegeschehen dann allerdings etwas weniger. Was nämlich folgt ist eine in Spielgrafik gerenderte Zwischensequenz, welche die übliche ulkige Soldatentruppe mit immer kecken Sprüchen auf den Lippen in einem Hubschrauber zeigt. Mit dabei unser Erzähler, der tapfere Journalist. Aus dem besonderen Endzeitfeeling wird man so praktisch augenblicklich durch standardmäßige “cooler Squad Trupp“ Atmosphäre herausgerissen. Die ganze Kampagne über sorgen die weiterführenden Hintergründe einer Mission anhand der Präsentation mit Erzähler aus dem Off, im Wechsel mit dem lockeren Stil aus dem Spielgeschehen samt der kleinen Zwischenfilmchen, eher für ein Wechselbad zwischen packender Weltuntergangsatmosphäre und generischem Ballergame. Das tatsächliche Spiel wird der Schwermütigkeit und Tiefe der sehr schön ausgearbeiteten Handlungsidee demnach überhaupt nicht gerecht, wodurch der Gesamteindruck der Storypräsentation im wahrsten Sinne des Wortes zerrissen ausfällt.Call of Duty: Just For Fun Edition
Frontlines: Fuel of War ist im Herzen ein Mehrspielertitel, da wollen wir uns hier auch gar keine Illusionen machen. Und dafür macht es Solo in seinen fünf bis sechs Stunden Spielzeit, auch angemessen Laune. Rein vom Konzept her ähnelt die Kampagne des Spiels nicht zuletzt auch aufgrund des Erholungssystems statt richtiger Lebensenergie, stark den Call of Duty Games. Zwar ohne Dauernervenkitzel, gewaltige Scriptsequenzen, und überhaupt die ganze Kinoatmosphäre, dafür aber mit mehr Bewegungsfreiheit, weniger knackigem Schwierigkeitsgrad und... verdammt noch mal weniger knackigem Schwierigkeitsgrad. Das mag zwar alles dann auch weniger ins Geschehen reinziehen, dafür spielt sich Frontlines aber auch deutlich locker leichter als Activisions Kriegsspiel. Auf allen Anforderungsstufen herrscht reines Just For Fun Feeling, ohne zu viel Anspruch aber auch ohne Langeweile vor. Auch wenn ein Primus Call of Duty 4 da also insgesamt das weit bessere Spielerlebnis bietet, ist Frontlines in jeder Hinsicht die leichter verdauliche Alternative für Tage, an denen man mal ganz unbeschwert abschalten und nur ein wenig relaxed auf Kriegsschlachtfeldern rumballern möchte. Was dieses Urteil bekräftigt, ist der wohl am deutlichsten Merkbare Unterschied zwischen beiden Spielen: Die Gegner respawnen nur sporadisch an bestimmten Stellen, an den meisten Orten reicht es die ansässigen Feinde einmal abzuballern und das Gebiet ist gesichert. Zudem gibt es sehr viel häufiger Speicherpunkte, an denen man sich, genügend Leben vorausgesetzt, im Falle des Ablebens wieder einsetzen lassen kann.
“Den letzten Tropfen Öl, wird ein Panzer verbrennen.“
Klasse Rollen zum Klassenbasteln
Die verschiedenen Stufen der Rollen spielt man sich Schritt für Schritt frei, indem man als entsprechender Spezialist in den Kampf zieht und dabei erfolgreich ist. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um ein ausführliches Erfahrungspunktesystem, wie in Call of Duty 4, den neueren Battlefields oder Rainbow Six Vegas. In jedem Spiel muss man sich die Extras wieder neu freispielen, einzig in die nächsten Runden des laufenden Matches darf man sie mitnehmen. So haben ohnehin geübtere Langzeitspieler keine Ausstattungsvorteile und man wird in jeder Schlacht aufs Neue für gute Leistungen belohnt. Ein auf längere Sicht motivierendes Rangsystem mit erspielbaren Goodies, wäre trotzdem der Dauermotivation nicht abträglich gewesen.
Casual Worldwar
Dies verhindert Fuel of War wohlmöglich den großen Einzug mit Tröten und Fanfaren in die Progamerwelt, garantiert dafür allerdings um so mehr Fun für die eite Masse. Sinnbildlich dafür ist vor allem, dass man selbst mit Snipergewehren nie das Gefühl der ultimativen Präzision hat. Was in anderen Spielen eher nervt, wurde hier dem Gesamtkonzept entsprechend stimmig umgesetzt und siehe da, es funktioniert. Man schießt erfolgreich locker und ungezwungen aus der hand, statt sich in pixelgenaues Cursormanövrieren reinzusteigern, kann trotzdem aber immer eine nachvollziehbare ballistische Bahn seiner Geschosse beobachten. Nicht das erste Beispiel dafür, dass Frontlines spielerisch der schwierige Spagat zwischen simplen Fun und trotzdem alles andere als undurchdachtem Spielgerüst gelungen ist.
Vorbildliche Server, bis zuletzt wackelige Spielfindung
In welchen Bereichen trotzdem noch zu wenig geboten wird: Zwar deutet das Matchmakingmenü für die Zukunft eine größere Spielmodi Auswahl an, momentan ist dort allerdings wirklich nicht mehr als weiter unten beschriebener Frontenkampfmodus zu finden. Weiter nervt es ungemein, dass die Server nicht über Maprotationen verfügen. Möchte man also nicht ewig weiter die gleiche Karte spielen, ist man angehalten im schlimmsten Fall immer wieder mit seiner ganzen Spielgruppe den Server zu verlassen und woanders zu joinen. Da es im Spiel an sich keine festen Gruppen wie in Halo 3 gibt, heißt dies praktisch erneut ein funktionierendes Spiel mit genug Platz zu finden und irgendwie wieder alle zusammenzutrommeln. Daneben hätte sich sicher auch niemand über die ein oder andere Map mehr gefreut. Der Umfang zum Release von Frontlines ist mit acht Karten nämlich eher auf Niveau einer guten Multiplayerbeilage, denn eines auf Mehrspieler fokussierten Titels.
Im Krieg gibt es keine Grenzen, es gibt Richtlinien
Dafür sind die gebotenen Maps aber auch allesamt toll designed und trotz ihrer Größe stets vielfältig aufgebaut. Es gibt immer offenere Gebiete wo Sniper dominieren, deckungsreiche Areale für Nahkämpfer (meist an den zu besetzenden Zielpunkten) und kleine Verstecke für hinterhältige Drohnenlenker. Selbst auf der offensichtlich für den regen Einsatz von Fluggeräten geschaffenen Karte Solarfarm, ist es keine Schande als Infanterist zu kämpfen. Besonders nicht, wenn man eines der vielen Luftabwehrgeschütze in die Finger bekommt...Das namensgebende Prinzip der Frontlinien, steht natürlich auch im Mehrspielerpart im Mittelpunkt. Zwar ist stets die ganze Karte von Anfang an frei begehbar, doch lässt sich das Territorium des eigenen Teams nur dann vergrößern, wenn man die Ziele entlang der Trennlinie zwischen beiden Fraktionen einnimmt. Erst dann kann man auch die Eroberungspunkte weiter hinten im Land in Angriff nehmen. Treffen zwei ausgeglichene Mannschaften aufeinander, entennt ein packender Kampf um die Vorherrschaft auf der Map, welcher sich anhand der farbigen Gebietsmarkierungen auf der Minikarte herrlich mitverfolgen lassen. Wenn sich die Grenze zwischen den spielerisch identischen Western Coalition und Red Star Alliance immer wieder hin und her verschieben und man erbittert versucht mit seinen Kollegen die Front nicht nur zu halten, sondern gleichzeitig auch weiter auszubauen, weiß das an sich simple Spielsystem durchaus zu fesseln. Mit Recht kann man insgesamt in spielerischer Hinsicht sagen, dass bisher kein Konsolengame so nahe und gut ans typische Battlefield Feeling herankam. Das bedeutet allerdings auch, dass Frontlines in keiner Hinsicht besonders neuartig oder nur annährend revolutionär ist. Letztendlich spielt sich selbst der schick aufgemachte Frontenmodus nicht viel anders, als das übliche Territorien oder Fahnenspiel aus anderen Titeln.Privatsphäre im Kampfgetümmel und ein wenig Prestige
Die Klangkulisse von Frontlines trägt on- wie offline merkbar zum tollen Mittendringefühl der Massenschlachten bei, auch wenn man sich genau genommen mal außerhalb befindet. Tobt das eigentliche Geplänkel weiter weg (was mit Effekten wie lichtblitzartigen Explosionen am Himmel auch optisch authentisch rüberkommt), klingen die Kampfgeräusche mit entsprechender Dämpfung und leichtem Hall, manchmal schon beängstigend realistisch. Und wenn dann aus einer nahegelegenen Häuserruine heraus, unerwartet eine Rakete mit ihrem Zischen die trügerische lokale Ruhe durchicht, kann man nicht anders als kurz zusammenzuzucken. Die ausnahmsweise mal wirklich hervorragenden Synchronsprecher des Einzelspielermodes, sind ohnehin in der heutigen Zeit ein ultimativer Indikator für tolle Soundarbeit. Außerdem begeistert sind wir von der Tatsache, dass die Musik des Spiels keinen omnipräsenten Status inne hat. Wenn sie dann aber mal einsetzt, erzielt sie besonders in Erscheinung des an The Prestige erinnernden Hauptthemas, durchaus eine emotionale Wirkung. Sei es nun als Kampfantrieb, oder melancholischer Stimmungsmacher.
Unreal for real?
Noch gar nicht Erwähnung gefunden und darum hier jetzt nachgeschoben: Schon Monate vor Battlefield: Bad Company und Rainbow Six Vegas 2, glänzt Frontlines mit einem ausgeprägten Schadensmodell der Schlachtfelder. On- wie Offline lassen sich fast alle kleinen Deckungen bis hin zu Mauerteilen, in Stücke schießen. Vereinzelt ist es gar möglich ganze Hütten oder Burgtürme zum Einsturz zu ingen. Von Red Faction Ausmaßen darf zwar hierbei noch lange nicht gesprochen werden, die Spielerei wirkt sich aber in manchen Situationen schon ein wenig aufs Gameplay aus und ist definitiv was feines zum Angucken.
Was mir an Frontlines online besonders gefällt, ist die bewusste Abkehr von Skillgamertum und Taktikzwang. Man bekommt Action und Spannung im typischen Battlefieldstyle, ohne dass Gamepad und Couch dahinter verleugnet werden. Zwar ingt das naturgemäß einen Mangel an kompetitivem Bewusstsein und damit vielleicht auch an Langzeitmotivation mit sich, mit kürzeren Pausen dazwischen denke ich aber, dass Frontlines zumindest in meiner Konsole immer mal wieder für einen lockeren Massenschlachtabend samt Fahrzeugen sorgen wird. Schön auch, dass der Singleplayer nicht bloß als unmotiviert aneinandergereihtes Kartenabklappern mit Bots daherkommt, sondern eine atmosphärische Story sowie nettes Missionen mit viel Freiheit zu bieten hat. Hier setzt man sich gerne mal hin und hat ein paar Stündchen seichte Unterhaltung mit viel Action, bevor es dann endlich oder wieder ins LIVE Getümmel geht. Auch wenn's natürlich kein Kaufgrund für Single only Gamer ist, man bekommt mit Frontlines schon mehr als nur einen guten Multiplayerpart.Dem allerdings fehlt es, gerade wegen der Priorität die er bei Frontlines: Fuel of War inne hat, in vielen Punkten an Umfang. Nur ein Spielmodus, da mag er noch so gut sein, ist zu wenig. Acht Maps, die mögen noch so fein designed sein, sind zu wenig. Keine Rang- oder sonstigen Belohnungssysteme, ist sogar weniger als zu wenig. Die ganze Ausstattung des Mehrspielerteils genügt ob des blanken Spielspaßes für ein empfehlenswertes Onlinevergnügen, nicht aber für ein hervorragendes oder gar pflichtkaufartiges. Gerade - und das ist der springende Punkt - wenn man bedenkt wie viel und qualitativ hochwertiges Material die in dem Zusammenhang wie immer als Vergleich heranzuziehenden Mitkonkurrenten Call of Duty 4 und Halo 3 in der Hinsicht zu bieten haben.P.S.: Ich bedanke mich noch mal herzlich bei unserem Leser Marmion, dafür dass er mich an die Hand genommen und durchs Spiel geführt hat. Unvergessen bleibt unser legendärer Hubschrauberamoklauf... wir sehen uns online!
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