16.01.2007 11:35
Furious Karting
Das Gokart wurde bereits im Jahr 1951 auf einem amerikanischen Luftwaffenstützpunkt erfunden. Ein paar Rohre, Räder sowie der Motor eines Rasenmähers achten die dort stationierten Bodentruppen auf eine ungewöhnliche Idee und so entstand der erste Prototyp dieser kleinen Rennmaschinen. Die Nachricht über diese spaßige Erfindung eitete sich rasant aus und schon kurze Zeit später gab es bereits die ersten Wettbewerbe in dieser Motorenklasse.
Auch die Videospielanche kam nicht um die kleinen motorisierten Seifenkisten herum. So können arcadelastige Kart-Rennspiele größtenteils auf eine stolze Geschichte zurückblicken. Beispielsweise hatte das SNES seinen wirklichen Durchuch dem Genreprimus Super Mario Kart zu verdanken und auch die PC-Jünger setzten Funracern wie Whacky Wheels oder Skunny Kart meist die Spaßfaktorkrone auf. Nun erhält auch die Xbox mit Furious Karting von Infogrames das erste exklusive Kart-Rennspiel, dessen Funfaktor jedoch leider nicht ganz mit den großen Vorgängern auf den anderen Systemen zu vergleichen ist.
Furious Karting teilt sich insgesamt in vier unterschiedliche Spielmodi auf. Wer ohne erst viele Einstellungen vornehmen zu müssen einfach in seine Rennmaschine einsteigen und auf’s Gas treten will, der könnte am besten mit der Option Quick-Race glücklich werden. Hierbei muss man lediglich die Strecke und ein dafür geeignetes Fahrzeug auswählen und ab geht die Post.
Das Herzstück des Spiels ist allerdings der Szenario-Modus. Zunächst muss dort der Spieler einen Charakter auswählen, welcher entweder dem „TNT“- oder dem „Yellow Sharks“-Clan angehört. Die einzelnen Fahrer unterscheiden sich jeweils in den Skill-Punkten „Fun“, „Speed“ und „Karma“. Danach darf man sich seine eigene Titelmusik auswählen, welche jedes Mal beim Anführen des Fahrerfeldes abgespielt wird. Schließlich gelangt man zur Auswahl des Schwierigkeitsgrades, welcher sich in "Normal" und "Schwer" gliedert. Hat man endlich alle Einstellungen abgeschlossen, kann man mit dem eigentlichen Spiel beginnen. Nach einem kurzen Testrennen geht es weiter mit einem kleinen Training sowie den relativ einfachen Wettbewerben.
Insgesamt durchläuft die Karriere des angehenden Schumis vier Spielstufen: Anfänger, Amateur, Profi und SuperKart. Logischerweise beginnt der Spieler mit einem einfachen Fahrzeug in der untersten Kategorie. Natürlich stehen später, sofern man sich in den Augen der Clan-Mitglieder als guter Fahrer bewährt hat, noch wesentlich leistungsstärkere Rennmaschinen zur Auswahl - wenn man bis dahin nicht schon hypnotisiert von den vielen Neonfarben in der Ecke liegt – doch dazu später mehr. Der Charakter des eigenen Fahrers entwickelt sich üigens im Verlauf des Szenarios je nach Erfolg und Verhalten des Spielers auf der Rennstrecke weiter. Wer sich in Sachen Storytelling jedoch eine spannende und komplexe Handlung erhofft, wird leider durch grafisch unterdurchschnitlliche und inhaltlich meist lächerliche Zwischensequenzen, deren Länge im Durchschnitt 30 Sekunden beträgt, schnell ernüchtert. Zusammenfassend betrachtet, wirkt der Storymodus nie wirklich motivierend. Zwar hätte man schon gerne alle Fahrer mit einer vollen Skillzahl für die Mehrspielerduelle, aber da das Spiel grafisch ohnehin sehr unspektakulär wirkt, kann man auf dieses Feature durchaus verzichten und sich mit der Auswahl von allen Strecken und eben nur einem guten Fahrer durchaus zufrieden geben.
Kommen wir nun zu einem etwas besser gelungen Teil des Spiels, dem Multiplayer-Modus. Wer im Einzelspiel bereits Durchhaltevermögen bewiesen und damit genug Fahrer, Fahrzeuge und Strecken freigeschaltet hat, der kann mit seinen Freunden (oder Rivalen) in den actiongeladenen Rennen durchaus einigen Spaß finden. Falls man gerade einmal nicht vier Kumpels gleichzeitig für das Spiel begeistern kann, werden die üigen Spielpositionen durch CPU-Gegner ersetzt. Die Intelligenz der computergesteuerten Opposition lässt jedoch schwer zu wünschen üig. Der Gegner passt sich leider dem Fahrverhalten des Spielers nicht richtig an, sondern bleibt stur auf seiner "Ideal-Linie". Kollisionen und Dreher sind daher in vielen Situationen unvermeidbar. Auch scheinen die feindlichen Fahrer gelegte Fallen auf der Strecke geradewegs zu suchen, um sich darin die Chancen auf den Sieg stehlen zu lassen! Leert man beispielsweise Öl auf eine abgelegene Stelle der Strecke, so weichen die Verfolger teilweise von der Ideal-Linie ab, um diese Falle unbedingt noch zu erwischen.
Leider ist auch die Auswahl an Spielmodi im Multiplayer-Modus etwas zu klein ausgefallen. Es gibt lediglich den „Classic“- und den „Jam Battle“-Mode, wobei der letztgenannte kein besonders gutes Rezept für Freude am Fahren darstellt. Hierbei darf bzw. muss man den anderen Mitspielern den eigenen musikalischen Geschmack aufzwingen. Es geht darum einen CD-Player zu finden, der irgendwo auf der Fahrbahn liegt und diesen so lange zu behalten, bis das erforderlich Zeitlimit abgelaufen ist. Doch das ständige Jagen der feindlichen Fahrer und ein ewiges Wenden und Drehen der eigenen Rennmaschine geht einem schon sehr bald auf den Geist und motiviert nur wenig dazu, dieses Spielchen noch einmal zu wiederholen.
Im Classic-Modus ist es dem Fahrer erlaubt das zu tun, wofür Gokart-Games eigentlich da sind, nämlich richtige Rennen zu fahren. Dort gelten üigens die selben Regeln wie im Szenario-Modus. Leider muss die Übersichtlichkeit sehr stark unter der Bildschirmteilung leiden: Waren die Sichtverhältnisse bereits bei voller Bildschirmgröße nicht die besten, so wird man bei einem Viertel von diesem wohl doch um einiges näher an die Mattscheibe rücken müssen um noch einzelne Teile der Rennstrecke erkennen zu können. Oft wird man auch durch die vielen neonfarbenen Lampen und Lichter am Streckenrand geblendet, was zur Folge hat, dass man das ein oder andere mal die nahende Kurve extrem verpasst. Daran können auch die Richtungspfeile, welche dem Fahrer schier unsichtbare Kurven aufzeigen sollen, nichts ändern. Zusammenfassend ist zu sagen, dass der Mehrspieler-Modus definitiv der Höhepunkt in „Furious Karting“ ist, dieser sich aber mit dem Spielspaß von anderen FunRacern keinesfalls messen kann.
Im Zeitrennen geht es wie üblich darum, die Streckenbestzeit zu schlagen. Man tritt also gegen einen Phantomfahrer an, der den Rekord auf der jeweiligen Rennpiste verkörpert. Jede Strecke besitzt somit auch eine Referenzzeit. Wird diese unterboten, hat man einen weiteren Bonus freigeschaltet. Jedoch ist dieser Spielmode im Großen und Ganzen lediglich für Leute ansprechend, die es begrüßen, eine Ewigkeit alleine in einem großen Kreis ihre Runden zu drehen. Aber im Ernst - Arcade-Racer sind für lange Jagden auf Bestzeiten einfach nicht geeignet.
Das Handling des Fahrzeugs wurde in Infogrames Rennspiel durchaus gut umgesetzt. Das Kart lässt sich solide steuern und auch der Körper des Insassen lässt sich mit Hilfe des rechten Ministicks bewegen, was einem in extrem steilen Kurven und zum Beschleunigen auf langen Geraden einen großen Zeitgewinn einingt. Auf den verschiedenen Controller-Buttons kann man sich sowohl mit Schlägen und Spezialattacken gegen den Feind zur Wehr setzten, als auch sich bei den Teamkollegen nach ungewolltem „Friendly Fire“ entschuldigen. Die wichtigsten Aktionen, nämlich das Beschleunigen und das Bremsen tätigt man genremäßig mit den Schultertasten. Außerdem kann man zwischen zwei Kameraperspektiven wechseln (von denen jedoch keine eine echte Übersicht über die Strecke verschaffen kann) und bei drohender Gefahr von hinten auch hin und wieder einen Blick in den Rückspiegel werfen.
Insgesamt gibt es im Spiel 20 Strecken, welche auf fünf verschiedenen Szenarien (Vorstadt, Einkaufszentrum, Atari Town, Flugplatz, Eiswelt) basieren. Hier kann man den Entwicklern zugute halten, dass die Rennpisten sehr abwechslungsreich gestaltet wurden, obwohl viele Strecken in mehrfacher Ausführung auf einem Schauplatz errichtet wurden. Jedoch muss Furious Karting auch beim Design der Rennbahnen ein paar Federn lassen. Teilweise sind die Strecken mit Lichtern, Objekten und Menschen viel zu vollgestopft, was sowohl die Framerate in den Keller sinken lässt, als auch eine für den Spieler unübersichtliche Situation schafft. Auch hätten die Entwickler statt dem nervigen Einkaufszentrum, in dem man an so ziemlich jeder Ecke hängen bleibt, zur Abwechslung eine normale GoKart-Bahn ins Spiel einbauen können. Diese sucht man in diesem "Funracer" nämlich vergeblich. Den Entwicklern sind außerdem ohne Ausnahme alle Strecken viel zu kurz geraten. Dies bekommt man spätestens dann zu spüren, wenn man sich in der zehnten Runde einer 40 Sekunden-Strecke befindet und man sich zu fragen beginnt, wann das Rennen endlich vorbei ist. Vorsicht hierbei vor dem Sekundenschlaf, der den Spieler bei einer derartigen Langeweile überfallen könnte. Teilweise läuft man auch Gefahr durch die vielen Neonfarben hypnotisiert zu werden. Epileptiker sollten auf alle Fälle die Finger von Furious Karting lassen, da sich diese mit großer Sicherheit einen Anfall sondergleichen einfangen würden.
Das eigentliche Ziel eines Rennens ist nicht nur dieses als Erster zu beenden, sondern auch mitten im Renngeschehen einige Stunts hinzulegen. Doch durch Wagnisse wie auf zwei Rädern zu fahren oder endlose Saltos auszuführen, vergeigt man lediglich die meisten Rennen. Oft wird man in falscher Fahrtrichtung wieder auf die Strecke gesetzt, was sich natürlich erst dann bemerkbar macht, wenn es eine Runde später zum Frontalaufprall mit den anderen Fahrern kommt, da es die Entwickler wohl nicht für nötig gehalten haben eine Anzeige für "Falsche Richtung" ins Spiel einzubinden. Eine wirkliche Innovation ist auch im Waffenarsenal des Spiels nicht zu erkennen. Mittel, mit denen man sich Gegner fern halten könnte sind beispielsweise Öl oder Kleber auf der Strecke, sowie das Einnebeln der Feinde oder die Verwendung des Turboantriebs – alles Waffen, die auch schon in anderen Kart-Rennspielen zum Vorschein kamen. Lediglich das Huhn, welches man den Herausforderern zur Irritation auf eine der Stangen im Kart setzten kann, dürfte dem ein oder anderen Rennfahrer unter uns ein Schmunzeln aufs Gesicht zaubern.
Im Spiel ist auch ein typischer Effekt zu erkennen, der sich bei nahezu allen FunRacern bemerkbar macht: Landet man aus irgendeinem Grund am Ende des Feldes, so warten die gegnerischen Fahrer genüßlich, bis man wieder den Anschluss an die Spitze gefunden hat. Führt man das Feld jedoch an, wird man von der Konkurrenz derart unter Druck gesetzt, dass man sich selbst mit Turboantrieb oder geheimer Abkürzung keinen Vorsprung verschaffen kann. Diese individuelle Geschwindigkeitsveränderung der CPU-Gegner kann sich auf der einen Seite motivierend auf den Spielverlauf auswirken - doch irgendwie kommt man sich natürlich auch veralbert vor...
Nach jedem Rennen könnte man selbiges noch einmal im Replay genießen, wo man wiederum aus einer unglaublichen Anzahl von zwei Kamerperspektiven (TV, Ingame) die passende auswählen kann. Wozu aucht man da noch „PayTV“? Aber Spaß beiseite: wer schaut sich schon die Aufzeichnung eines Rennens an, in dem man zuvor eine viertel Stunde meist lustlos im Kreis gefahren ist.
Wie bereits zuvor erwähnt ist Furious Karting leider in Sachen Grafik keine Offenbarung geglückt. Die unglaublich schwammige und kantige Grafik hat nicht einmal unteres PS2-Niveau, Texturen sind in den Zwischensequenzen sozusagen nicht vorhanden und auch der Versuch einen anständigen Lensflare-Effekt ins Spiel einzuingen ist gnadenlos gescheitert, da dieser mehr dem Weltuntergang, statt einer natürlichen Sonneneinstrahlung gleicht. Lediglich die netten Asphalttexturen und gelegentliche Spiegeleffekte auf Eis- oder Glasboden können wieder ein paar Blümchen auf dem verletzten Gamer-Herz erblühen lassen. Wie die Entwickler es geschafft haben Furious Karting trotz einer derart schlechten Grafik stocken zu lassen, wird wohl auch immer ihr Geheimnis bewahren. Der Versuch ein adäquates Schadensmodell zu erstellen ist den Machern des Spiels jedoch positiv anzurechnen. Zwar kann man sein Gefährt nicht ganz zu Schrott fahren, ein bisschen Plastik von der Verkleidung des Karts bleibt bei einem Aufprall in die Leiplanke aber ab und an doch mal auf der Strecke liegen.
Xboxler, die im Spiel lediglich Wert auf einen guten Sound legen, können auf jeden Fall zu Infogrames Kartspiel greifen. Wie fast jeder halbwegs gute Titel verfügt auch Furious Karting über einen DD 5.1-Support. Die Kartmotoren hören sich allesamt sehr realistisch an und auch die musikalische Untermalung während eines Rennens kann sich wirklich sehen bzw hören lassen. Der Spieler hat außerdem die Möglichkeit seine eigenen Musikstücke von der Festplatte ins Rennen einzubinden. Falls man keinen passenden Soundtrack bereit hat, bietet das Spiel eine Menge gespeicherte Songs, die perfekt zum Renngeschehen passen. Auch wurden die Zwischensequenzen, die Menüsprache und die Kommentare der Fahrer im Rennen komplett ins Deutsche übersetzt, was den Verlauf der Story im Szenario-Modus für die Ohren durchaus erträglicher werden lässt. Die im Rennen auftretenden Samples, wie z.B. die Schreie der Fahrer, das Gackern der Hühner und das Surren der Motoren, sind den Entwicklern gut gelungen. Zwar hören sich die wohligen Klänge beim Steuern des Menüs mehr nach einem Galaxy-Kampf aus einem StarWars-Film an, trotzdem kann Furious Karting zumindest soundtechnisch mit dem heutigen Videospiel-Standard mithalten.
„To finish first, you have to finish first!“
(Eigene Meinung » Michael Ackermann)
Schade: Furious Karting konnte mich lediglich im Mehrspieler-Modus für eine kurze Zeit begeistern. Doch sobald die menschlichen Mitstreiter fehlen, eitet sich leider sehr schnell große Ernüchterung aus. Die Grafik vermag vielleicht noch dem einen oder anderen Spieler an einigen Stellen ein verzerrtes Lächeln aufs Gesicht zaubern, aber die Zwischensequenzen sind beispielsweise derart schlecht animiert, dass man in den Verdacht gerät einen kurzen Zeitsprung ins Jahr 1996, der Epoche der frühen N64-Grafik unternommen zu haben. Teilweise hatte ich das ungute Gefühl, als hätten die Entwickler einfach keine Lust mehr gehabt, das Spiel fertig zu stellen. Das angebliche Highlight des Titels, der Szenario-Modus, wirkt dummerweise durch die langweiligen und viel zu kurzen Filmsequenzen keinesfalls überzeugend. Daher wird man wohl kaum motiviert, sich immer wieder den Herausforderern auf zu kurz geratenen Rennstrecken zu stellen.
Als großer Fan des FunRacer-Genres, welches bislang eine fast komplett weiße Weste aufweisen konnte, war ich letztendlich von Furious Karting ziemlich enttäuscht. Auch die vielen verschieden Strecken und einige witzige Waffen konnten an meiner Meinung nichts mehr ändern. Aufgrund der nicht vorhanden Kart-Alternativen auf der Xbox, könnte trotzdem der eine oder andere Gokart-Fan bei diesem Spiel zuschlagen. Wer allerdings das wirkliche Feeling von PS und Benzingeruch erleben will, der haut seine 50 € lieber auf einer richtigen Kartbahn auf den Kopf.