G-Force: Agenten mit Biss
14:12 Uhr - Mit OBEN erstrahlte zuletzt ein äußerst gelungener Animationsfilm auf den Kinoleinwänden, begleitet wurde das Werk jedoch von einem ungleich inspirationslosen und technisch veralteten Videospiel. Jetzt drehen die Disney-Studios den Spieß um: G-Force: Agenten mit Biss behandelt die Abenteuer einer streng geheimen US-Eliteeinheit - bestehend aus Meerschweinchen. Was auf Zelluloid nur mittelprächtig funktioniert, stellt sich als durchaus brauchbares Zockerfutter heraus.
Dass Forschung mit Stammzellen, Erbanlagen und anderem biologischen Gedöns durchaus mehr hervorbringen kann als Analogkäse und Vaterschaftstest im Rahmen von Talkshows wollte uns bereits Jurassic Park vorgaukeln. Jetzt legt Disney mit dem Agententrio Darwin, Blaster und Juarez - allesamt Meerschweinchen und unterstützt von einer Fliege und einem Maulwurf - nach. Jene Truppe kann dank hoch entwickelter Gadgets nicht nur sprechen und mit Ethan Hunt konkurrieren, sondern auch die Welt vor ihrem Untergang retten. Die Bedrohung geht von der Firma Saberling und ihrem machthungrigen Inhaber aus. Durch heimlich verbaute Chips in Elektrogeräten, die per Satellit aktiviert werden, mutieren selbige in angriffslustige Technikmonster. Was soll ich sagen? Die Dinosaurier von Steven Spielberg waren cooler.
Auf vier Pfoten durch drei Umgebungen
Glücklicherweise spielt die Geschichte in G-Force eine sehr untergeordnete Rolle, wird nur selten aufgegriffen und selbst dann in kürzester Kürze durchgekaut. Außerdem setzt sie erst zur Hälfte des Films an. Um zu verstehen, von welcher tödlichen Müllpresse der Maulwurf Speckles via Funkverkehr plappert, wird Vorwissen verlangt. Macht aber nix, schließlich richtet sich das Game so oder so an Fans bzw. allgemein jüngere Zielgruppen. Nichtsdestotrotz solltet ihr in diesem Fall nicht von der durchschnittlichen Lizenzgurke ausgehen, denn die Disney Interactive Studios sind ihren Mitbewerben in vielen Punkten so einiges voraus. Zuerst sei hier, da völlig offensichtlich, die Grafik genannt. Obwohl ihr die meiste Zeit durch Büroräume, Laboratorien und Fabriken schlendert, die von Natur aus ziemlich steril daherkommen, so sind immerhin nahezu alle Texturen angenehm scharf, die Framerate stets butterweich und die Gesichtsanimationen der behaarten Minischweine durchaus filmreif. Die Synchronisation der Miniaturagenten hinkt dem nur leicht hinterher und besticht auf weiten Strecken durch stimmige und professionell vertonte Textstellen. Lediglich die menschlichen Statisten wirken entweder arg wortkarg oder, wenn sie dann mal ein paar Sätze in die Runde werfen, eher gelangweilt. Apropos Langeweile, zu lange am Stück sollte man G-Force nicht zocken, denn dann fällt das repetitive Gameplay besonders ins Auge. Die meiste Zeit verbringt ihr nämlich damit, allerlei wild gewordene Haushaltsgeräte auf den Schrottplatz zu befördern. Wenigstens stehen dabei verschiedenste Waffen zur Verfügung, etwa eine Plasma-Peitsche oder ebenso energiegeladene Feuerwaffen. Sämtliche Kampfgeräte lassen sich nach dem erfolgreichen Auffinden von silbernen Disketten in puncto Feuerkraft, Munitionskapazität, etc. aufrüsten. Zumindest dann, wenn ihr im Vorfeld genügend Credits aus den überall verstreuten Kisten und Behältern ergattert habt. Besonders kostspielige Investitionen stehen nach dem Einlösen goldener Datenträger an, denn diese schalten gänzlich neue Ausrüstungsgegenstände frei.
3D zum Kotzen - Billig-Pappbrille macht‘s möglich!
Bei einem Titel wie G-Force liegt bekanntlich immer die Vermutung nahe, dass es sich um Fast-Food-Ware für einen Nachmittag handelt. Weit gefehlt! Der animalische Spionagetrip ist mit sieben bis acht Stunden Spielzeit geradezu tierisch lang, auf höheren Schwierigkeitsstufen dürfen sogar nochmal ein oder zwei Stündchen draufgepackt werden. Dann hält jedoch auch der Frust schnell Einzug, an einigen Stellen verzweifeln selbst erprobte Padakrobaten angesichts hoch frequentierter Gegnerscharen. Zum Glück bilden wirklich knifflige Stellen, die gerne auch ein zweites Mal angegangen werden wollen, eher die Ausnahme. Einige Widersacher erfordern zwar eine bestimmte Angriffstaktik, farblich markierte Stellen verdeutlichen aber meist die verwundbare Stellen, ansonsten gibt der Metroid-eske Scanner den erfolgbringenden Tipp. Abseits des Kampfalltages, der zum Teil frappierend an die „Ratchet & Clank“-Serie erinnert (was an dieser Stelle kein Vorwurf sein soll), warten vor allem simple Schalterrätsel auf euch. Müsst ihr anfangs nur euer Jetpack benutzen, um überhaupt den richtigen Schalter zu erreichen, so kommt im späteren Verlauf immer öfter die nützliche Fliege Mooch zum Einsatz. Das Insekt lässt sich genauso eingängig kontrollieren wie seine „riesigen“ Freunde und quetscht sich mithilfe einer Zeitlupen-Sicht sogar durch ansonsten tödliche Ventilatoren. So erreicht ihr ansonsten unpassierbare Barrieren und öffnet Türen von der anderen Seite. Ansonsten sorgen eher selten eingestreute Level, in denen ihr mit einem Hamsterrad durch die Gegend braust und Laserbarrieren ausweicht, für die (dringend!) nötige Abwechslung. Da der Kinostreifen vielerorts in 3D ausgestrahlt wird, liegt auch dem Videospiel eine solche Brille bei. Naja, zumindest so eine, die man bereits vor zehn Jahren der Fernsehzeitung entnahm, um sich eine Tierdokumentation anzusehen. Durch die veraltete Grün-Rot-Technik wirkt das Bild nicht nur deutlich unschärfer und kontrastarmer, nach kurzer Zeit sei auch ein Kotzeimer neben der heimischen Couch empfohlen. Soll heißen: Finger weg vom Marketing-Gag!
Pro und Contra
- + Gelungene Präsentation
- + Für Lizenzgame lange Spieldauer
- + Upgrade-System für Ausrüstung
- + kein Insektenfangen mit Russel aus OBEN
- - teils lahme Synchronsprecher
- - Story lückenhaft erzählt
- - Gameplay und Level schnell repetitiv
- - z.T. unzählige Gegnerscharen frustrieren
Meerschweinchen = weniger Lizenzschrott
G-Force hat so seine Schwächen: sich ständig wiederholende Innenareale, teils zu hohe Gegneraufkommen und eine lausige Story. Trotz alledem hebt sich das Lizenzspiel qualitativ von seiner Vorlage ab und bietet für das geforderte Geld immerhin eine Spielzeit, die sich fast schon im zweistelligen Bereich ansiedelt. Den typischen AreaGames-Hardcorezocker überkommt zwar schnell gähnende Langeweile, doch die jüngere Zielgruppe hat mit den genannten Kritikpunkten wohl eher weniger Probleme. Zusätzliche motivieren die gelungene Präsentation und das Upgrade-System für Waffen und Rüstung zum Weiterzocken. Außerdem mag ich G-Force schon alleine dafür, dass ich endlich folgendes in ein Test-Fazit schreiben darf: Spart euch die Kohle für Kinokarte und Popcorn, denn das Lizenzspiel bietet einfach mehr Gegenwert. Selbst, wenn dann die Story komplett flöten geht. Anders hat es Herr Bruckheimer aber auch nicht verdient.
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Kommentare (13)
Tony Soprano
CeeKay
Saibot
....wer zur Hölle will ein Spiel mit Agenten-Meerschweinchen spielen?! o.O
Eisenfaust
Robert Buch
Cuberde
Warum wird dir dann nicht auch mal das testen von Titeln wie Batman AA oder Riddick gegönnt? *g*
Dinobot
*handhebt*
Ich liebe Meeris über Alles, habe selber 2 :-)
Robert Buch
rorschach
Robert Buch