Gears of War 2
Freitag, 07. November 2008
17:16 Uhr - Wenn ihr euch dieses Jahr nur genau ein Spiel kaufen könntet, dann würden wir euch zu Fallout 3 raten. Wenn ihr nur eine Wii besitzen solltet, holt euch auf alle Fälle Disaster! Wenn ihr unter 18 Jahren alt seid... ach verdammt, das hier ist wohl der sinnloseste Testbericht des Jahres. Wer Gears of War 1 mochte, wird Teil zwei mindestens ebenfalls mögen und wer auf Kettensägenbajonetts steht, der hat es sich schon vor Äonen von Jahren vorbestellt und spielt bis zur Ankunft des Postpäckchens mit seinem Plastiklancer. Dieser Artikel wird keinen Einfluss auf irgendjemanden haben, nicht zuletzt da Gears of War 2 der erwartete "badass" Actionkracher geworden ist. Wäre nett, wenn ihr trotzdem weiterlest... es würde mich einfach glücklich machen.
Ein halbes Jahr nach der Schlacht... tobt eine noch viel gewaltigere Schlacht
Sechs Monate nach dem etwas unbefriedigenden Zugfahrtfinale von Gears of War 1, ist das Kapitel Locust für die Menschheit noch lange nicht abgeschlossen. Wie es für Blockbuster Sequels fast schon Standard ist, kehren die bösen Monster nach dem ersten kleinen Rückschlag mit einer Armee zurück, die alles im ersten Teil erlebte mal locker erblassen lässt. Herrn Marcus Fenix zu resozialisieren (was angesichts einer kaum noch vorhandenen Zivilisation ein Leichtes war) entpuppte sich bis zum Ende von Gears of War 1 als bester Schachzug der Menschheit gegen die Locust und so soll er sich auch im zweiten Teil auszahlen. Als absoluter Oberchecker sammelt ihr im Laufe der ersten Spielhälfte alte Bekannte wie die kultige Oberkante "Cole Train", den treuen Koopcharakter Dom, sowie einen neuen Carmine zusammen und erlebt eine gewohnt dünne, testosterongeladene Actionstory. Der Versuch dem Ganzen mit emotionalen Anleihen menschliche Tiefe zu verleihen schlägt zwar "fail", aber wenn man einem Einradfahrer seine Stelzen zerbricht, kann er immer noch prima Einrad fahren. Soll heißen was Gears of War nie nennenswert gut gemacht hat, kann es sich jetzt auch nicht mehr kaputt machen. So freut man sich darüber, dass die animationsfilmwürdigen Cutscenes immer noch zu gut 80% aus markigen Sprüchen, stylischer Action sowie Blut bestehen und man dem Geschehen jetzt auf jeden Fall merkbar besser folgen kann.
Bigger, Better, ... BALLER, BALLER!
Auch beim Spieldesign schreitet Gears of War 2 auf bekannten, eingeschränkten Pfaden. Manchmal heißt es "links oder rechts", mehr haben wir im ersten Abenteuer auch nicht gebraucht. Vor allem sollte sich für einen Marcus Fenix eh nie die Frage nach dem Weg stellen, womit er sich beschäftigt ist Ballern, in Deckung gehen, Ballern, einem Locust den Kopf abtreten, Rollen, Ballern, Sägen, Ballern, Deckung, Rolle, Headshot,... BALLERN! Genau das macht auch im Sequel wieder so richtig Spaß und obwohl die simpel-genialen Grundmechaniken gleich geblieben sind, fühlt sich alles jetzt eine ganze Butterschicht weicher an. Man geht seltener in Deckung obwohl man es gar nicht wollte, die eigenen Projektile scheinen einen Tick schärfer und damit tödlicher ins Locustblut zu schneiden, Gimmicks wie verblutende Gegner als Schutzschilde bieten neue Möglichkeiten sich aus festgefahrenen Grabenkämpfen zu lösen. Wobei man stets gut voran kommt, die nicht immer ganz hellen Locust lassen trotz emsigem Deckungseinsatz wieder genügend Möglichkeit ihre Köpfchen aufs Korn zu nehmen. Was Gears of War 2 am meisten von seinem Vorgänger unterscheidet ist, dass es zwischen den einzelnen Geplänkeln nun viel mehr kleine Unterbrechungen gibt. Sei es durch Atmopassagen in denen man ungestört wandert, sich umguckt und mit Kollegen quatscht, oder fummelige Standgeschützeinlagen, meist gebunden an Fahrzeuge. Während letztere den Spielfluss eher stören und es so auch ein paar Nervmomente gibt, sind ebenso viele der grandios inszenierten Spezialeinlagen, wie diverse Reitszenen auf hier aus Spoilergründen nicht genannten Monstern, alleine schon optisch gesehen richtige Feinschmeckermomente für Actionfans.
Ich würde zwar nicht behaupten die Standardkämpfe an sich seien in Gears of War 2 epischer geworden, die ganze Reise ist es aber allemal. Ohne euch spoilern zu wollen, die Fahrt auf den großen Rigs welche man vorab schon komplett zu sehen bekam, ist vollkommen unspektakulär gegen so manch (vereinzelt extrem unappetitliche) Riesenlocation durch die man sich noch so zum Finale kämpft. Was den Spannungsbogen angeht, fühlt Gears of War 2 sich übrigens wie sein gespiegelter Vorgänger an. Dieses mal geht es etwas generisch und ja, durchaus enttäuschend los, spätestens ab der Mitte dreht das Geschehen mit Riesenmonstern und versinkenden Städten dann aber noch mal richtig auf Stufe "Awesome" hoch. In den vielen Momenten in denen Gears of War 2 aufs Ganze geht, sucht es dafür aber auch wirklich seinesgleichen.
Still Unreal
GoW 2 bleibt dem optischen Stil des Erstlings treu und nutzt grundsätzlich auch wieder die gleiche Grafikengine. Entsprechend könnte man auf den ersten Blick gerade zu Anfang des Spiels sagen, das Ganze käme eher wie ein ziemlich gutes Addon rüber. Auf den unmittelbaren zweiten Blick wird allerdings klar, wie stark Epic die Unreal Engine 3 optimiert und erweitert haben. Dabei reden wir nicht nur von den neuen Darstellungsmöglichkeiten ganzer Feindarmeen aller möglicher Größenordnungen, sondern z.B. auch von den feineren Licht- und Schatteneffekten. Die ganze Ausleuchtung hat offenbar eine gehörige Portion Grobheit verloren und zeichnet so ein deutlich natürlicheres, weicheres Bild von Umgebung und Charakteren auf den Bildschirm. Wäre man mit dem nötigen Talent gesegnet, würde man häufig am liebsten 'nen Pinsel herausholen und das Spektakel auf dem Screen als Gemälde festhalten. Damit man auch ja kein aufwendiges Script verpasst, weil man gerade mal wieder genau in die falsche Richtung schaut, gibt es per “Y“ abermals die zum Glück inzwischen auch von anderen Spielen übernommene Möglichkeit, das Blickfeld sofort auf das aktuelle Event zu fokussieren. Egal wie groß, spektakulär und belebt dieses dann ausfällt, die Framerate von Gears of War 2 bleibt ohne Wenn und Aber flüssig, die Technik wirkt allgemein bis in den letzten Winkel handpoliert. Genau so darf man sich wieder über blendenden Surround Sound freuen, inklusive sämtlicher akustischer Identifikationsmerkmale der Serie (z.B. dem Gong beim Erreichen von Speicherpunkten).
Highlight Horde
Ebenfalls nicht fehlen darf selbstverständlich der Mehrspielermodus, er profitiert auch am meisten von den wenigen wahren Neuerungen wie Buttonmashing bei den Kettensägenduellen oder oben schon mal erwähnten menschlichen Schutzschilden. Die frischen Features fügen euch mehr Handlungsspektrum und dem Gameplay damit mehr Variabilität hinzu, ohne das bekannte Spielerlebnis dabei zu sehr zu verfremden. Warzone, Annex, Execution und Assassination feiern als Spielmodi alle ihre Comebacks, aus der PC Version von Teil eins kommt King of the Hill hinzu. Die neuen Modi Submission, Guardian und Wingman alleine würden das Mehrspielerpaket schon zu einem irren "Mehrwertpaket" machen, nicht zuletzt da Gears of War 2 mit der riesigen Fanbase und seiner individuellen Art unter den vielen Shootern sehr großes Potenzial hat sich online lange am Leben zu halten. Am spaßigsten ist es aber nach wie vor die Kampagne über LIVE bzw. im Splitscreen mit einem Freund zu absolvieren, oder neuerdings mit bis zu vier weiteren Mitspielern im Horde Modus gegen eine Locustwelle nach der anderen anzutreten. Kooperatives Teamwork war selten in einem Shooter so von Erfolgserlebnissen geprägt, dazu noch so nervenzerfetzend spannend. Die bloße Kampagne mag je nach Spielermentalität zwischen sechs und acht Stunden Unterhaltung auf hohem Niveau veranschlagen, für Multiplayerfans jeder Gattung fängt der Spaß dann aber wahrlich gerade erst an. Zumal ganz odentlich agierende Bots auf den zehn Maps (plus kostenloses Kartenpaket das auf dem deutschen Marktplatz nicht verfügbar ist) auch offline für fröhliche Minirunden sorgen können.
So fantastisch Gears of War 2 auch aussieht, es haut einen trotz oft malerischer Szenerie grafisch natürlich nicht mehr so aus den Krokodillederstiefeln wie der Erstling. Anders als zu dessen Zeit, gibt es heute eben ein Far Cry 2 das in all seiner Weitläufigkeit auf der Xbox 360 nicht nur in Sachen Vegetation referenzwürdiger ist. Alienhöhlen mit faszinierenden Leuchtpflanzen bekomme ich in The Force Unleashed ebenfalls schick präsentiert, BioShock braucht sich vor Cliffys Schöpfung auch nicht wirklich zu verstecken. Selbst wenn Gears of War 2 allen oben genannten Titeln besonders in den späteren Kapiteln optisch überlegen ist, es ist nun mal nicht mehr das einzige Xbox 360 Spiel mit Hammergrafik. Klar, hat auch was mit Epics eifriger Unreal Engine Lizenzierung zu tun. Was Gears of War 2 allerdings allen genannten Kandidaten voraus hat, ist ein Gespür dafür seine Bombasttechnik als wesentlichen Teil des Gesamtproduktes zu präsentieren. Bei Gears wird man niemals sagen "Die Grafik war geil, ansonsten..." oder "Cooles Spiel wegen der Atmosphäre...wegen der einen Fähigkeit,...", sondern man sagt "BADASS" und meint damit jeden einzelnen Aspekt auf einmal im Einklang. Wie geil es präsentiert wird und wie geil es sich spielt, hängt so unweigerlich miteinander zusammen wie bei kaum einem anderen aktuellen Titel. Es ist erneut ein höchst maskuliner Actionfilm zum Mitspieln, der nie aus den Augen verliert ein waschechtes Spiel zu bleiben. Es mag keine Revolution sein, es mag im viel spektakulärer gewordenen Storymode nicht mehr die eher beklemmende Atmosphäre seines Vorgängers besitzen, aber es ist ein würdiger Nachfolger mit eigenen Stärken. Ein Actionpulverfass, dessen Lunte erst gemächlich vor sich hin brennt, das dann aber auch gar nicht mehr aufhören will zu explodieren.
17 brandheiße Bilder von Epics Action-Schlachplatte mehr...
Bewertung
Gears of War 2 xbox360
9/10
Kommentare (53)
June
Aber gutes Testbericht.
Nesaija
trotzdem geniales spiel ;) und denke ein must have für jeden action fan
leider wird es wohl nicht auf dem pc released wobei man natürlich auch sagen muss, so hieß es ja auch bei teil 1 ;)
Mr Happy
yelloosnow
=( =( =( !! !!! !!!!
zumindest hats daniel geschafft mich mit dem test-pic aufzuheitern. wenn mich mein mädchen mal mit sowas überraschen würde.. aiaiaiii^^
Dominic Santiago
farrellybrother
Definitiv das beste Game bis dato und zwar System übergreifend!
Cabal2k
Daniel Pook
9/10
Ein echter "Must-Have Titel", der es schafft sein Genre in höchster Qualität zu präsentieren. Dabei kommt es am ehesten darauf an bei Atmosphäre, Gameplay oder auch dem Mehrspielermodus wirklich hervorzuragen. Spitzengrafik alleine reicht hier nicht aus.
Daniel Pook
"Das perfekte Spiel? Wird es niemals geben, aber was unsere Höchstwertung bekommt gehört zum Besten das die Branche momentan zu bieten hat. DAZU [also zusätzlich dazu zum besten zu gehören, was die 9/10 ja schon ausdrückt!] ist diese Wertung eine Ehrung dafür, die Spielewelt in technischen und/oder spielerischen Bereichen vorwärts gebracht zu haben."
Reicht es denn nicht zu wissen, dass Gears 2 ein Pflichtkauf für alle Actionfans ist? Ob es jetzt 0,5 "Punkte" besser oder schlechter abschneidet, die 9/10 ist 'ne Auszeichnung die alles gesagt haben sollte. Irgendwelche Grenzen nach vorne pushed es aber nicht und das ist es was 10/10 bei uns in erster Linie bedeutet.
Werner Stelzenpop
Daniel, meine Junge, bist du krank? ;-)