Genma Onimusha

19.01.2007 10:25
Genma Onimusha


Wenn Prinzessinnen in Videospielen von bösen Dämonen entführt werden, ist der Spieler meist nicht weit entfernt. Diesmal stellt er sich als Samurai Samanosuke den Horden der Unterwelt und muss sich im feudalen Japan des Jahres 1560 gegen den gefallen Warlord Nobunaga zur Wehr setzen. Wie es sich für ein gutes Action-Adventure gehört, wird die spannende, wenngleich auch recht klischeebehaftete Geschichte in enorm stimmungsvollen Zwischensequenzen vorangetrieben. Schon im Intro zeigen die Mannen von Capcom Renderkunst, wie man sie im Idealfall noch von den Werken Squares erwartet. In Kombination mit dem herausragenden Soundtrack entsteht so schon zu Beginn Kinoatmosphäre pur.

Beginnt schließlich das Spiel muss man jedoch etwas zurückstecken. Beeindruckte nämlich das Intro noch durch seine große Dynamik und vielen Kameraschwenks, verkommt das eigentliche Spielgeschehen leider etwas zu Dia-Show, was jedoch ausnahmsweise nicht an der Bildwiederholungsrate liegt. Ähnlich dem in Japan erschienen Remake von Resident Evil für GameCube bedient sich auch Genma Onimusha Warlords bei der Darstellung der Spielhintergründe vorberechneter Kulissen. Innerhalb dieser Standbilder bewegen sich die Protagonisten zwar als sehr detaillierte Polygonmodelle und auch einige grafische Extras wie voluminöser Nebel und interaktive Elemente sorgen für Leben in den Bildern, aber ein Hauptproblem dieser Technik bei auch bei Genma Onimusha bestehen.

Durch die Limitierung des Spielgeschehens auf eine bestimmten Abschnitt des Szenarios kommt es immer wieder vor, dass der Spieler entweder von den Gegner im Spiel verdeckt wird oder aber diese nicht sieht, da sie ihn von außerhalb des Bildschirmbereichs traktieren. Angesichts der enormen Zahl der Gegner, deren man sich während seines Abenteuers erwehren muss, und dem gesteigerten Schwierigkeitsgrad des Titels im Vergleich zu seiner Playstation2- Adaption mag dies für den ein oder anderen Frustmoment beim Spieler sorgen.

Glücklicherweise halten sich solche Tiefs bei Capcoms neustem Metzelabenteuer jedoch in Grenzen und der Spaß beim Monsterschlachten überwiegt fast durchgehends. Ähnlich der schon oben erwähnten Resident Evil-Reihe geht es auch bei Genma Onimusha vornehmlich, um das Beseitigen von allerlei widerspenstigen Feinden und dem Lösen einfacherer Schiebe- und Schlüsselrätsel. Während man jedoch bei Resident Evil auf diverse Schusswaffen zurückgreifen konnte, stellt sich ein Samurai lieber mit Schlitzwaffen seinen Gegnern. Wem das umfangreiche Schlag- und Hiebarsenal nicht ausreicht, kann zudem nach und nach auf allerlei magische Attacken zurückgreifen, welche jedoch am magischen Reservoir von Samanosuke zerren.

Um dieses wieder aufzufüllen, gilt es die Seelen von verstorbenen Gegnern aufzusammeln, bevor euch ihre Kollegen zuvor kommen. Je nach Farbe der Seelenorbs könnt ihr so eure Lebensenergie auf Vordermann ingen, die besagte Magieleiste auffüllen oder aber mit Hilfe von roten Orbs im RPG-Stil eure Fertigkeiten aufwerten. Neu bei der Xbox-Fassung von Onimusha sind die grünen Orbs. Habt ihr es geschafft, fünf solcher Orbs durch den einfachen Druck einer Taste einzuverleiben, schlitzt es sich gar doppelt so schön, da man kurzzeitig den Attacken aller Gegner trotzen kann. Nicht ganz so rosig sieht die Situation jedoch aus, wenn die Gegner sich der grünen Orbs bemächtigt haben und nun gestählt gegen euch vorgehen.

Überhaupt werden Spieler der Playstation2-Version schnell den deutlich angestiegenen Schwierigkeitsgrad bemerken. Zog die Playstation2-Fassung noch einen großen Teil ihrer Faszination aus der Tatsache, dass man gemütlich durch unterschiedliche Gegnerhorden seinen Weg bannen konnte, ohne auch nur die Spur von Voraussicht an den Tag zu legen, benötigt es nun deutlich mehr Taktik und Fingerspitzengefühl bis man den Endspann zu Gesicht bekommt.

Doch auch der erhöhte Schwierigkeitsgrad und die hinzugekommen Gegner und Gebiete bei der Xbox-Variante ändern nichts an der Tatsache, dass Genma Onimusha ein recht kurzes Vergnügen ist. Je nach spielerischer Leistung vergehen gerade einmal vier bis acht Stunden bis man das erste Mal die Credits zum ersten Mal zu Gesicht bekommt. Danach locken zwar noch versteckte Goodies zum erneuten Durchstreifen des feudalen Japans, richtig neues gibt es jedoch nicht zu entdecken.

Nicht ganz so altmodisch wie das Szenario gibt sich schließlich die PAL-Anpassung des Capcom-Streifens. Stellte dieses Thema beim japanischen Traditionshaus schon immer einen kritischen Punkt, kann man bei Genma Onimusha zumindest von einer akzeptablen Konvertierung reden. Die Sprachausgabe des Titels ertönt zwar standardmäßig immer noch in Englisch und auch die verhassten Geschwindigkeitseinbussen bei der europäischen Fassung sind zu bemerken, dafür sind von den übertriebenen eiten, schwarzen Balken des PAL-Playstation2-Fassung diesmal nichts zu sehen.

"A Clone of my Own"

(Meinung » Sven Mittag)

Wieso ist es so schnell vorbei? Wer auch nur ansatzweise etwas mit der Mischung aus Hack`n`Slay und toll präsentiertem Fernostmärchen anfangen kann, dürfte bei Capcoms Erstlingswerk für die Xbox frohlocken. Die Grafik besteht zwar wie vor aus Renderkulissen in denen sich nur Polygonakteure tummeln, jedoch ist die Symbiose dank kaum vorhandener Ladezeiten zwischen den Bildwechseln noch gelungener als auf der Urfassung auf der Playstation2.

Die kleineren Kosmetiküberarbeitungen, welche Capcom der Xbox-Fassung spendiert hat, werten das Spielerlebnis zwar insgesamt auf, ein komplett neues Spiel dürfen die Besitzer der Playstation2-Fassung nicht erwarten.

Ärgerlich ist hier aber, dass man den Hauptkritikpunkt bei der Genma-Fassung von Onimusha Warlords immer noch nicht beseitigt hat. Das Spiel ist einfach zu kurz. Wenn erfahrene Spieler schon nach knapp 4 Stunden den Abspann zu Gesicht bekommen, stimmt etwas nicht. Hier wird definitiv zu wenig für das Geld geboten. Selbst die Tatsache, dass man den Titel mehrmals Durchspielen kann, um so versteckte Extras freizuschalten, tröstet da nur wenig. Wer jedoch mit diesem Missstand leben kann, erhält ein "rundes" und vor allem intensives Spielerlebnis, welches zumindest kurzzeitig die Qualität eines echten Topptitels vermittelt.

Bewertung

Genma Onimushaxbox

0/10

Alexander Laschewski-Voigt

Der gelernte Industriekaufmann probierte sich im BWL-Studium aus, um dieses dann allerdings zugunsten einer Xbox-Website namens AreaXbox vorzeitig zu beenden. Seitdem steht er als Chefredakteur auf der Kommandobrücke der MS AreaGames. Der bekennende US-Serienfan legt am liebsten Renn- oder Rollenspiele in seine Xbox 360. Zu den Alltime-Hits seiner mit dem C64 begonnenen Spieleleidenschaft gehören Deus Ex, System Shock 2 und die Wing Commander-Reihe.