Gericht entscheidet: Ist Epic für "Too Human"-Enttäuschung verantwortlich?
Too Humans Weg in die Händlerregale war nicht nur eine lange Reise über mehrere Plattformen hinweg, das letztlich exklusiv für die Xbox 360 erschienene Action-Rollenspiel wechselte während seiner wahren Entwicklungs-Odyssee auch zwischendurch ein paar mal komplett seine Grafik-Engine. Eine Art Intermezzo mit Epics erster Version der Unreal Engine 3 hatte einen Rechtsstreit zur Folge, der bis heute erbittert anhält.
Die Story bisher laut Wikipedia:
2005 gaben Silicon Knights und Epic Games bekannt, dass die Entwickler rund um Denis Dyack bei künftigen Projekten der aktuellen Konsolengeneration ausschließlich auf die damals noch nicht fertige Unreal Engine 3 setzen würden. Vertraglich war dabei festgelegt, dass die fertiggestellte Engine innerhalb von maximal sechs Monaten nach Erhalt der "Xbox 360 Entwicklerkits" verfügbar sein sollte.
Im Mai 2006 kam es dann auf der E³ zu den berüchtigten Gameplaydemonstrationen, welche den Ruf des - aufgrund seiner exorbitant langen Entwicklungszeit ohnehin schon belächelten - Too Human endgültig in den Dreck ziehen sollten. Lead Designer Dyack machte alleine die technischen Probleme der unfertigen Unreal Engine 3 für die schlechte Figur seines Spiels bei den Präsentationen verantwortlich und entschied, dass Silicon Knights die weiteren Arbeiten am Spiel nur fortsetzen könnten, wenn sie Epics Grafikmotor auf eigene Faust komplett umschreiben würden. Aus dieser Ambition heraus entstand die "Silicon Knights Engine", welche nur noch rudimentäre Grundstrukturen der Unreal Engine 3 vorweisen sollte. Eine komplett eigene Engine durften die Entwickler aus vertraglichen Gründen nicht verwenden, andererseits behielten sie so allerdings die kompletten Rechte an den eigens durchgeführten Modifikationen des in seiner Originalform damals so fehlerhaften Technik-Untersatzes.
Da letzterer in der von Epic ausgelieferten Form kaum kommerziell nutzbar gewesen sein soll, verklagten Silicon Knights die Truppe von CliffyB und Mark Rein trotzdem noch auf Schadensersatz wegen Vertragsbruchs. Da Silicon Knights für die stark veränderte Unreal Engine 3 zudem kein Geld mehr an Epic überweisen wollte, folgte selbstverständlich auch gleich eine Gegenklage. Das Verfahren dauert seit 2007 bis heute an.
Die neusten Entwicklungen:
Laut Kotaku hat das zuständige Gericht nun die von Silicon Knights hervorgebrachten Anschuldigungen bekräftigt, laut denen Epic die Entwicklung der an seine Lizenz-Abnehmer ausgelieferten Unreal Engine 3 im entsprechenden Zeitraum zugunsten von Gears of War vernachlässigt hat. Wie es heißt, gebe es tatsächlich glaubhafte Beweise dafür, dass Epics primärer Fokus zu dieser Zeit auf der pünktlichen Auslieferung von Gears of War lag, während der Support für Drittnutzer wie Silicon Knight aufs Mindeste beschränkt wurde und es kaum Hilfestellung gab, wie mit der Engine und ihren Kinderkrankheiten umzugehen sei. Man habe Silicon Knights glauben lassen, die Unreal Engine würde parallel zu Gears of War von einem vollwertigen Team weiterentwickelt, was ganz offensichtlich nicht der Fall war. Epic selbst habe dies indirekt mit Aussagen bestätigt, laut denen beide Projekte als Teil eines "synergetischen Modelles" entstanden sein sollen.
Aus internenem "E-Mail"-Verkehr bei Epic Games wird passend dazu zitiert:
- "Gears [of War] hat vorang. Habt ihr also irgendeine Aufgabe für Gears zu erledigen, lasst die Sachen aus dem Hauptbereich erst mal liegen und bringt die Gears-Sache zuende."
- "Momentan heißt es hier einfach nur: 'Trägt das dazu bei, Gears schneller in die Läden zu kriegen? Wenn nicht, weg damit.'"
Silicon Knights fordern als Schadensersatz nun, nachdem bereits zwei verschiedene Richter unabhängig voneinander die Relevanz der Anschuldigungen gegen Epic bestätigt haben, eine Beteiligung an den durch Gears of War verdienten Einnahmen. Immerhin, so der Vorwurf in seiner Reinform, hätten Epic den ersten Teil der Serie teilweise mit dem Geld finanziert, welches Silicon Knights und andere Dritthersteller für den später nie erbrachten Support bei der Nutzung der damals unfertigen Unreal Engine 3 bezahlt hätten.
(To be continued...)
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Kommentare (15)
AceMcTomb
Richtig. Hätte Silicon Knights das abgeliefert, was sie vorher in Ankündigungstrailer gezeigt hätten, wäre das Spiel auch deutlich besser verkauft worden. Ich hatte damals als ich den Trailer sah mich sehr auf das Spiel gefreut, bis mir dann die Demo zeigte, welchen Rotz sie da abgeliefert haben. Sehr sehr schade.
Fenix Fontaine
Wenn du das schon verkorkst findest, dann blick bloß nicht auf die Handyhersteller Welt. Dort gibt es keinen der nicht jemand anderes wegen irgendwelchen hirnrissigen Patentverletzung verklagt...
Fenix Fontaine
Danke für den Tipp, werde mich mal in die Richtung schlau machen, vielleicht hilft mir das, die Videospiel-Branche wieder in einem besseren Licht zu sehen. :-)
MtD
Die ganzen Patentstreitigkeiten in der Handy- und Softwarebranche nehmen jedoch tatsächlich ziemlich bizarre Züge an.
Orphus
AceMcTomb
jo hab mich auch total drauf gefreut, aber das Endprodukt hat mich nicht begeistern können.
Zocker 3000