Ghost Recon Advanced Warfighter 2
12.03.2007 11:53
Ghost Recon Advanced Warfighter – oder kurz G.R.A.W. - war so
ziemlich der erste Pflichtkauf für Microsofts noch neue Xbox 360.
Die grandiose Optik, das durchdachte Gameplay und die gelungene
Mehrspieler-Anbindung begeisterten nicht nur uns, sondern auch
unzählige Xbox 360-Besitzer. Da versteht es sich von selbst, dass
über kurz oder lang eine Fortsetzung kommen muss. Im Falle von
G.R.A.W. ist es jedoch mehr kurz, als lang. Knapp 12 Monate nach
dem Erscheinen des Erstlings präsentiert Ubisoft schon den
Nachfolger und verspricht alles noch einmal eine Spur besser
gemacht zu haben.
Wie es sich dabei für eine echte Fortsetzung gehört, knüpft die Handlung auch gleich an die Geschehnisse aus dem Vorgänger an. 24 Stunden sind vergangen, seitdem Elite-Soldat Scott Michell mit seiner Ghost-Einheiten den amerikanischen Präsidenten im Mexiko des Jahres 2013 gerettet und die Welt vor einem Nuklearschlag gerettet hat. Doch schon steht die nächste Bedrohung an. Noch immer tobt Bürgerkrieg im Nachbarland der Vereinigten Staaten und war schon die Bedrohung durch handelsübliche US-Atombomben schlimm genug, scheinen die Fieslinge in der Fortsetzung keine Skrupel mehr zu kennen und auf drittklassige, schmutzige Atombomben zurückzugreifen. Wirklich furchtbar! Entsprechend werden die Ghosts ein weiteres Mal nach Mexiko geschickt und dürfen nun rund um die Stadt Juarez nach dem Rechten sehen. Im Gegensatz zum Vorgänger beschränken sich die Kämpfe nicht nur auf urbane Dritte Welt-Szenarien, im Laufe der leider etwas knappen Kampagne verschlägt es euch wieder zurück in die Staaten, wo ihr zwischen McDonalds und der nächsten Ford-Werkstatt um euch ballern dürft.
Die Handlung selbst gibt sich dabei Clancy-typisch patriotisch und quält denkende Videospieler mit aufgesetzten Dialogen und langweiligen Charakteren. Entsprechend ist auch nur bedingt Vorwissen aus dem Vorgänger nötigt, um der eher simplen Geschichte zu folgen. Immerhin die Präsentation hat jedoch im Vergleich zum Vorgänger ordentlich zugelegt. Die Ingame-Zwischensequenzen begeistern durch gelungenes Skripting und filmreif in Szene gesetzten Sequenzen. Überall explodiert was, Fahrzeuge fahren von einem Eck des Bildschirms zum Nächsten und kleine Details erfreuen das Auge.
Abwechslung bis zur letzten Minute
Doch nicht nur die Zwischensequenzen sind immer wieder für eine Überraschung gut. Auch während der Missionen zeigt Ubisoft, wie man selbst bekannte Missionsabläufe richtig inszeniert. Während der stets wechselnden Aufgaben müsst ihr euch immer auf Überraschungen einstellen. Da geratet ihr bei einer Rettungsaktion eines Black Hawk-Piloten in einen Hinterhalt oder müsst überraschend eine Brücke sprengen, bevor die feindlichen Milizen Nachschub in euer Gebiet schaffen können. Der Höhepunkt des Spiels dürfte jedoch sicherlich die Verteidigung einer Fahrzeugkarawane sein. Die hier inszenierte Schlacht hätte selbst Hollywood kaum besser hinbekommen. Schade ist eigentlich nur, dass euer Abenteuer schon nach gut zehn Stunden vorbei ist. Dafür besitzt das Spiel, von dem etwas drögen Tutorial einmal abgesehen, jedoch kaum Längen.
Zumindest Neueinsteigern kommt die überlange Einführung jedoch gelegen. Denn auch wenn sich G.R.A.W. 2 deutlich actionlastiger spielen lässt als sein Vorgänger, so handelt es sich bei dem Spiel noch immer um einen ziemlich anspruchsvollen Taktikshooter, was man vor allem bei der Steuerung merkt. Noch immer steuert einzig Captain Mitchell direkt. Je nach Mission stehen euch jedoch bis zu zwei Teams, sowie einige Fahrzeuge zur Verfügung, denen ihr fleißig Befehle geben könnt. Dies geschieht einmal mehr über das überarbeitete CrossCom-Interface. Am linken, oberen Bildschirmrand ist ein kleiner Bildschirm eingeblendet, der die jeweils angewählte Einheit anzeigt. Mittels digitalem Steuerkreuz könnt ihr nun zwischen den Einheiten hin- und herschalten und einfache Befehle wie „attackieren“ oder „folgen“ verteilen. Zudem lassen sich den Einheiten via Schultertasten Verhaltensweisen von „aggressiv“ bis „schleichen“ zuweisen. Den Rest übernimmt dann ie KI, was in der Regel recht gut funktioniert. Stellt ihr euer Team beispielsweise an eine Wand, so verstecken sich eure KI-Kollegen selbstständige hinter der Mauer und auch ohne Befehle verteidigen sich die KI-Soldaten in den Meisten der Fälle.
Neu im Gegensatz zum Vorgänger ist die Option, nun jederzeit direkt in die Sicht eines anderen Gefährten oder eines Fahrzeugs zu wechseln. Hierdurch habt ihr deutlich mehr Übersicht im Gefecht. Über den Sichtkegel eures Kollegen lassen sich zudem weitere Befehle geben, so dass ihr theoretisch jede Mission meistern könnt, ohne euch selbst von der Stelle zu bewegen. Ein weiterer willkommener Zusatz ist das Mule-Fahrzeug, das euch in Missionen mit neuer Ausrüstung versorgt und eine hervorragende Deckung abgibt. Natürlich hat auch die Cypher-Aufklärungsdrohne wieder ihren Weg ins Spiel gefunden. Dank Vollbildsicht und direkter Steuerung macht das fliegende Auge nun deutlich mehr Sinn und dürfte deutlich häufiger genutzt werden, um beispielsweise neue Gebiete sicher zu erkunden und Feinde für die nahenden Gefechte zu markieren. Denn als Soldat der Zukunft verfügt ihr über allerlei Hightech-Spielereien, die euch das Leben in Gefechten leichter machen. Feinde werden so von einem roten Rahmen markiert und lassen sich selbst hinter schützenden Mauern verfolgen und eingeblendete Markierungen verhindern, dass ihr auf den meist ziemlich linearen Levelabschnitten die Orientierung verliert.
Apropos Deckung: Da sich das Spiel als Simulation versteht und die Gegner-KI euch gerade in größeren Gruppen mächtig unter Druck setzen kann, gilt es fleißig von Selbiger Geauch zu machen. Dies geschieht einfach, indem ihr euch einer Wand oder Mauer nähert. Sobald ihr an ihr dran seid, schaltet das Spiel automatisch in den Deckungsmodus, aus dem ihr wahlweise blind feuern dürft oder auf Kosten eurer Sicherheit kurz heraushechtet, um gezielte Schüsse abzufeuern. Sicher und achialisch geht es schließlich in den häufigen Helikoptermissionen zu. Hier dürft ihr am Abzug eines Helikopterbordgeschützes feindliche Soldaten aus der Luft aufs Korn nehmen und der gesammelten Anspannung der Fuss-Missionen freien Lauf lassen.
Feuerwerk aus Kugeln und Explosionen
Dabei punktet gerade die Flugabschnitte mit einer wirklich beeindruckenden Weitsicht. Während ihr über die Häuserdächer von Juarez schwebt, lässt G.R.A.W. 2 kräftig die Grafikmuskeln spielen und begeistert mit unzähligen Details. Im Vergleich zum Vorgänger konnte das Spiel noch einmal ordentlich zulegen. Angefangen mit wirklich überwältigenden Lichteffekten, über atmosphärische Wetter-Effekte, bis hin zum schon fast fotorealistischen Rauch, der langsam vom Wind verteilt wird – optisch gehört G.R.A.W. 2 zur Elite der bisher erschienen XBox 360-Titeln. Einzig die teils mauen Mauertexturen, sowie sehr seltenes Tearing lässt sich beim genaueren Betrachten anmäkeln.
Soundtechnisch sorgen dagegen teils rockige, teils sphärische Klänge für die nötige Atmosphäre. Und auch an direktionalen Effekten wird nicht gegeizt, sofern eine entsprechende Anlage vorhanden ist. Besonders Lob verdienen dabei die Sprachsamples eure Teamkollegen. Diese sind nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern passen hervorragenden zur jeweiligen Spielsituation. Verstecken sich beispielsweise Feinde hinter einem roten Wagen und werden von einem Teamkollegen entdeckt, so kommt nicht ein einfaches „Feinde!“, sondern ein zur Szene passendes „Hinter dem roten Wagen! Zwei feindliche Schützen!“. Soviel Gewahrtheit der Umgebung ist man von KI-Mitstreitern normal nicht gewohnt.
Nach der Kampagne ist vor der Kampagne!
Dies stimmt dann auch schon einmal auf den wirklich gigantischen Mehrspieler-Part von G.R.A.W. 2 ein. Was Ubisoft hier abgeliefert hat, sucht rein vom Umfang her seinesgleichen. Mehr als 20 Waffen zur Auswahl, unzählige optische Details, mit denen ihr eure Spielfigur ausstaffieren könnt, dutzende Modi und eine ganze Scharr optionaler Einstellmöglichkeiten dürften das Spiel schnell zum Star von Xbox Live katapultieren. Hier können dann bis zu 16 Spieler auf wirklich abwechslungsreichen Karten ihr Können beweisen. Wer über keinen Online-Anschluss verfügt, kann immerhin noch mit bis zur 3 weiteren Mitstreiternvia Splitscreen ins Gefecht ziehen. Hier hat man dann jedoch mit einigen Grafikeinschränkungen zu leben, was gerade deshalb schade ist, da G.R.A.W. 2 im Gegensatz zu seinem Vorgänger auch in den Mehrspieler-Gefechten die gleiche Grafikpracht bietet wie in der Einzelspieler-Kampagne.
Der für viele vermutlich interessanteste Mehrspieler-Modus stellt dabei die Mehrspieler-Kampagne dar. Zwar kann man das Abenteuer von Mitchell nur allein angehen, dafür bietet das Spiel noch eine gesonderte Kampagne in Panama, bei der bis zu sechzehn Spieler kooperativ in die Schlacht ziehen können. Mit sechs Missionen ist dieser Auftrag zwar schnell erledigt, dafür bietet auch die Mehrspieler-Kampagne spannende, da dynamische Missionsziele. Daneben gibt es natürlich auch klassische Modi wie Deathmatch, Team Deathmatch und einen Team-Modus, der nicht von ungefähr an Counterstrike erinnert. Wer mit den vorgefertigten Modi nicht zufrieden ist, kann auf den bestehenden Karten fleißig selbst Siegesbedingungen, Waffenlimitierungen und Szenarioeinstellungen selbst bestimmen.
Ich gebe es offen zu: Als das Muster von G.R.A.W. 2 knapp zwölf Monate nach Erscheinen des Vorgängers auf meinem Schreibtisch landete, was mein erster Gedanke „Abzocke“. Innerhalb einer so kurzen Zeit lässt sich immerhin nur eine bessere Mission-Disc zusammenschustern und wohl kaum der Nachfolger zu einem der beliebtesten Xbox 360-Titel bis dato. Doch wie sehr habe ich mich geirrt! G.R.A.W. 2 bietet all die Stärken seines gelungenen Vorgängers und legt vor allem im Mehrspieler-Modus ordentlich zu. Was hier an Modi und Karten geboten wird, sucht plattformübergreifend seinesgleichen.
Hinzu kommen die nochmals verbesserte Grafik, sowie die endlich mal spannende Präsentation. Richtig mitfiebern kann ich bei der Geschichte zwar immer noch nicht, dafür sehen die Zwischensequenzen endlich mal cool aus. Einzig der Umfang der Einzelspieler-Kampagne gibt Grund zu meckern. Wer nur alleine G.R.A.W. spielen will, ist in knapp zehn Stunden durch. Danach wird es langweilig. Alle anderen erfreuen sich dagegen an dem grandiosen Mehrspieler-Modus. Von daher: Wir sehen uns in Live!
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