God of War 3
12:07 Uhr - Mhm, wer testet eigentlich God of War 3 für AreaGames? Alex, die alte Gamerscore-Hure, die auf der PS3 nur Blurays guckt und Heay Rain spielt? Daniel, der immer noch die God of War Collection von Alex ausgeliehen hat und nicht zurück gibt? Johannes, der es unbedingt haben wollte und extra nochmal Teil 1 und 2 durchgespielt hat? Oder dieser verrückte Fränkel, der aussieht wie Kratos. Moment mal. Er schminkt sich sogar so! Harald, es ist dein Test!
Wer schildern möchte, warum ein Videospiel begeistert, muss dessen Essenz ermitteln und in Worte fassen, sein Wesen offen legen. Manchmal genügen dafür twitteresk knappe 140 Zeichen:
Monumental, kolossal, brachial, brutal – es braucht Wörter voll Kraft, um God of War III zu beschreiben. Hier wird Kampf zur Kunstform! 9/10
Eigentlich wäre mit diesem Kurztest alles gesagt, ihr könntet losziehen, euer Geld bei Sony abgeben und glücklich werden. Allerdings erhielte der Verfasser dieser Zeilen dann wohl kein sonderlich üppiges Honorar, und für den bekanntermaßen stets soziopathisch veranlagten Killerspielespieler bliebe, mal ehrlich, letztlich doch manch Frage offen. Besonders entscheidend: Gibt es blanke Frauenbrüste in God of War III, und wie sind diese proportioniert? Und der zweitwichtigste Aspekt: Warum genau kettet es euch förmlich an die PlayStation 3, obwohl es dem superlinearen Titel an frischen spielerischen Elementen mangelt? Nun, zum einen fesselt er, weil Größe eben doch zählt. Diese Erkenntnis trifft euch bereits am Anfang wie Kratos' Faust aufs Auge. Das Ende der Hack'n'Slay-Trilogie schließt direkt an den Vorgänger an und startet sofort voll durch.
Vor uns wächst ein Berg in den mit Wolken verhangenen, grauen Himmel. Der ehrfurchtgebietende Klotz aus zerklüftetem, scharfen Gestein strahlt unermessliche Macht aus. Kein Wunder: Was sich vor uns erhebt, ist der Olymp, die Wohnstätte der griechischen Götter um den allmächtigen Zeus. Aus der Ferne scheint es, als wolle eine Gruppe von armseligen Bergsteigerlein den majestätischen Fels erklimmen. Nähert sich die Kamera, entpuppen sich die Winzlinge aber als Giganten, jeder so unfassbar groß wie ein Hochhaus.
Wir erkennen den vulkanisch rot glühenden Perses, eine aus Magma bestehende Sagengestalt. Ferner Kronos, den König aller Titanen. Auch Gaia, die Verkörperung der Urmutter, ein gewaltiges, menschenähnlich modelliertes Landmassiv, strebt gen Gipfel. Die Kamera zoomt weiter, bis sich ein einzelner Bildpunkt auf der personifizierten Erde langsam von einer mutmaßlichen Fliege zu unserem Alter Ego mit dem Namen Kratos formt. Okay, wir haben die Botschaft verstanden: God of War III möchte nicht zeigen, was Größe ist. Es will mehr, es will Größe neu definieren. Kreaturen, die so gewaltig sind, dass sie als Level dienen – das gab es in dieser Ausprägung noch nie.
„Meine Rache endet jetzt!“, tönt Kratos mit gewohnt tiefem Bass. Der nur aus Muskelsträngen, Sehnen und Narben zu bestehen scheinende aschfahle Schlächter mit der blutroten Kriegsbemalung hat sich an die Seite der Titanen gestellt, um Zeus zu töten. Wie ein Tänzer tobt der Racheengel in den folgenden zehn bis zwölf Stunden durch Horden bizarrer Kreaturen, während ein Orchester mit Pauken und Trompeten den Rhythmus des Todes spielt. Indes klirren die an Ketten hängenden Klingen eures Kriegsgottes oder dringen eklig schmatzend in das Fleisch seiner Feinde ein. Es regnet virtuellen Lebenssaft, die dargestellte Gewalt kennt kaum Grenzen.
Niedergestreckten Zentauren öffnet der immer wieder infernalisch brüllende Kratos die Bauchdecke, sodass die Eingeweide herausbaumeln. Zerrt er am Auge eines Zyklopen, versucht der Sehnerv kurzzeitig und erfolglos Widerstand zu leisten. Der Spruch „Mach dir keine Sorgen, er wird dir schon nicht den Kopf abreißen!“ klingt auf den spartanischen Heerführer gemünzt ohnehin wie der beste Witz gleich nach „Die Onlinepflicht der neuen Ubisoft-Titel bringt Spielern nur Vorteile!“ God of War III ist derart auf Härte gebürstet, dass selbst Skelette bluten. Man darf das Gezeigte fraglos für geschmacklos halten, sollte aber nie vergessen: Dieses Spiel ist kein Kindergeburtstag mit Würstchenschnappen und Topfklopfen, sondern ausschließlich für Erwachsene gedacht. Was stets hervorragend rüberkommt, ist die unbändige Kraft von Kratos, die ein Gefühl von Macht vermittelt.
Es sind beileibe nicht nur die dramatische Inszenierung und die Brutalität, die God of War III zu einer Ausnahmeerscheinung machen. Das zu behaupten, würde ihm nicht gerecht. Immer wieder peitscht uns der Drang voran, den nächsten der vielen fantastischen Zwischen- und Levelbosse zu treffen. Das bekannte Szenario hält nicht nur eine entsprechende Vielfalt solcher Krieger und Monster bereit, sondern liefert gleichzeitig einen grandiosen Rahmen für eine fantasievolle Hintergrundgeschichte. Wer die Büchse der Pandora nicht gerade für ein weibliches Geschlechtsteil hält oder sich beim Wort „griechisch“ nicht sofort ängstlich mit dem Hintern an die Wand presst, sollte zumindest ansatzweise etwas mit der Mythologie des Mittelmeerstaates anfangen können. Das rückt ihn nahe ans Geschehen, beschert ihm eine stimmungsvolle Atmosphäre. Es liegt uns fern, allzu viele inhaltliche Details des Abenteuers preiszugeben und euch damit den Spaß zu verderben. Ein paar vorsichtige Anmerkungen sind aber notwendig, um zu vermitteln, was God of War III ausmacht.
Das Duell mit dem Titanen Kronos (unfreundlicher O-Ton: „Du bist eine Laus und musst zerquetscht werden!“) stellt etwa ein Ereignis dar, an das ihr euch vielleicht noch in 20 Jahren gern und mit einem wohligen Schaudern erinnert. Ihr werdet euren Kindern davon erzählen, während diese angesichts der dann veralteten Grafik müde lächeln. Für die Gegenwart reicht das Wort „eindrucksvoll“ kaum aus, will man die aus Einsen und Nullen geschaffene David-gegen-Supergoliath-Metapher in Buchstaben fassen, ein virtuelles Gefecht, das schon mal 30 Minuten dauern kann und Kamerafahrten wie aus der Achterbahn zur Schau stellt. Dagegen verblasst sogar der Finalkampf – bedauerlicherweise, möchte man sagen.
Als Entschädigung warten zuvor immer wieder Ah- und Oh-Schlüsselmomente. Kratos stellt sich unter anderem dem hünenhaften Herkules, dropkickt Höllenhunde durch Dimensionstore (kein Witz!) und liefert sich ein Wettrennen mit dem wieselflinken Götterboten Hermes. Außerdem begegnet ihr Charakteren wie dem Erfinder Daidalos, rückt der sprichwörtlich schönen Aphrodite (sehr nah) auf den Pelz und erlebt Hera, die Schwester des Zeus. Die ist nebenbei erwähnt wegen ihres Faibles für gewisse Alkoholika ständig blauer als jede Aral-Tankstelle, was nicht einer gewissen Komik entbehrt.
An der bewährten Spielmechanik hat sich im Vergleich zum ebenso erstklassigen Vorgänger kaum etwas geändert. Bei seiner schnetzelnden Capoeira, deren Eleganz selbst eine zu ihren besten Zeiten superscharfe Magdalena Brzeska vor Neid hätte erblassen lassen, greift Kratos auf diverse Waffen zurück, um das lästige Geschmeiß fachgerecht zu Frikassee in roter Soße zu verarbeiten – all das erinnert unweigerlich auch an den monumentalen Film „300“. Ab und zu zwischen den Argumentverstärkern zu wechseln, ist in God of War III in mehrfacher Hinsicht sinnvoll und von den Entwicklern ausdrücklich forciert. Einerseits reagieren bestimmte böse Wichte auf gewisses Werkzeug besonders allergisch. Zum anderen sind Zauber und Spezialeigenschaften jeweils an eine Waffe oder einen Ausrüstungsgegenstand gebunden.
Die für den Nahkampf bestens geeigneten Nemeischen Löwen, ein Paar Panzerhandschuhe, verursachen beispielsweise den meisten Schaden und lösen auf Wunsch ein Beben aus. Nutzt ihr hingegen auf mittleren Distanzen die schnelle Nemesis-Peitsche, dürft ihr das elende Gewürm auch mit Elektroschocks rösten. Der Bogen des Apollon eignet sich besonders, um fliegende Angreifer zu attackieren. Außerdem lassen sich mit seinen Brandpfeilen manche Rankengewächse wegbrutzeln und so versperrte Wege freilegen. Ein weiterer Ausdruck für den Hang der Entwickler zur Morbidität ist die Tatsache, dass Kratos den Kopf einer Leiche mit sich herumschleppt. Das stolze Haupt von Sonnengott Helios (Ex-Gott wäre wohl treffender) leuchtet aus dem Mund, fungiert als Taschenlampe, blendet Gegner und enthüllt Geheimnisse – unsichtbare Truhen etwa.
Immer wenn man fürchtet, das Repertoire an Unterhaltsamkeit habe sich erschöpft, hält einen God of War III mit netten Kleinigkeiten bei der Stange, die stets gerade rechtzeitig kommen. Es motiviert sehr, Erfahrungspunkte zu sammeln, um so die Ausrüstung zu verbessern. Denn das bringt nicht nur höhere Kampfwerte, sondern schaltet auch neue spektakuläre Angriffsmanöver frei – Specialmoves, wie es neudeutsch so schön heißt. Ebenfalls sehenswert sind die Zack-drauf-und-Schluss-Hiebe, auf gut Denglisch: die Finishing Moves. Als adrenalinfördernd entpuppen sich halsbrecherische Flugeinlagen. Unter anderem schießt Kratos dank seiner Schwingen des Ikarus einen riesigen Turm hinauf und muss dabei Hindernissen ausweichen. Das hat auch ein bisschen was von der Jagd des Rasenden Falken durch die engen Korridore des Todessterns.
Sogenannte Quick Time Events, obligatorische Reaktionstests, sind wie die beinahe penetrant strikte Linearität des Spiels an sich Geschmackssache. Auf welche Weise sie die Macher integriert haben, verdient jedoch garantiert Lob: Die Tasten, die es möglichst schnell zu drücken gilt, um zum Beispiel eins der Fantasy-Ungetüme endgültig aus den Socken zu kloppen, werden am äußersten Rand eingeblendet. Sie gehen nicht im Schlachtengedöns unter, man erkennt sie prima aus den Augenwinkeln und kann gleichzeitig auf das Geschehen im Zentrum fokussiert.
Die Rätsel in God of War III sind zum größten Teil originell genug, um nicht aufgesetzt zu wirken, aber auch für Denkbremsen wie den Verfasser dieses Tests lösbar. Ein gutes Beispiel ist das Labyrinth des Daidalos, wobei einem bei dessen abenteuerlichen Konstruktion der Kinostreifen „Cube“ in den Sinn kommt. Hier bewegen wir uns unter anderem durch riesige rotierende Würfel. Um einen Ausgang zu finden, betätigt ihr Hebel, springt, rennt, klettert und hangelt im Rahmen eines eng gesteckten Zeitlimits zum nächsten Schalter und hoffentlich ins Freie. Weil man die Würfel drehen kann und muss, ist ein gewisses Maß an räumlicher Vorstellungskraft nötig, um zu entrinnen.
Um nun nicht das ganze Internet tsunamimäßig mit Text zu fluten, die anderen Kollegen von Areagames brauchen schließlich auch noch ein bisschen Platz, kommen wir nun zum Ende. Dieses soll die eingangs erwähnten wichtigsten Fragen befriedigen: Ja, es gibt blanke Frauenbrüste im Spiel, sogar mehrere. Sie sind ausnehmend wohlgeformt. Und ja, der Autor dieser Rezension gleitet nur deshalb ständig in die billig pubertäre Sexschiene ab, weil er gerade chronisch untervögelt ist.
Wir wünschten, Harald hätte das Outfit extra für den Test angelegt. Dabei ist das leider seine normale Ausgehkleidung. Nur das Brotmesser lässt er meistens lieber zu Hause.
Pro und Contra
- + Pompöse Inszenierung, atemberaubende Kamerafahrten
- + Mix aus Kampf, Geschicklichkeit, Rätsel
- + Große, riesige und gigantische Levelbosse
- + Zwei Titanen dienen als Levels
- + omplexes, aber nicht kompliziertes Kampfsystem
- + Bis zu fünfstufig verbesserbare Waffen und Ausrüstungsgegenstände
- + Jede Waffe hat eine Daseinsberechtigung
- + Einige Kreaturen als Reitgelegenheit nutzbar
- + Tolle Grafik mit nur wenigen Detailschwächen
- + Zusätzlicher Spielmodus/vierter Schwierigkeitsgrad freispielbar
- + Englische Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln möglich
- + Blanke (wohlgeformte!) Brüste
- - Einige (wenige) Abschnitte mit Frustpotenzial (Trial & Error, Kameraprobleme, usw.)
- - Endkampf nicht der spielerische Höhepunkt
- - Gegnertypen/Levelabschnitte wiederholen sich
- - Unsichtbare Wände lassen Schlauchlevelgefühl aufkommen
- - Manchmal Einbrüche bei Bildwiederholrate
Genialer Größenwahn
Er ist ein Mann wie ein Berg. Muskulös, aber gleichzeitig charismatisch. Wird trotz seines martialischen Äußeren von Frauen begehrt. Weil er zielstrebig ist. Erfolgreich. Ein Gott. Welcher Mann wäre nicht gern wie er? Doch lasst uns nicht von mir, sondern über eine sympathische Art des Größenwahns sprechen, und zwar über die der God-of-War-Entwickler: Was die Sony Studios Santa Monica hier an fetten Levelbossen auffahren, treibt selbst die Macher von Shadow of the Collossus in die mit einem Föhn bestückte Badewanne.
Seinen Reiz zieht Kratos vermeintlich letztes Abenteuer aber ebenso aus der Spielmechanik, weil es Kämpfe, Geschicklichkeitseinlagen und Rätsel perfekt verwebt. Und ja, auch aus der Gewalt! God of War III ist nun mal ein Hack and Slay und nichts für Bei-Titanic-Rotz-und-Wasser-Heuler. Wirklich gestört haben mich nur Passagen, die kurzzeitig Frust generierten. Wenn ich mal wieder in einen Abgrund stürzte, Abschnitte nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“ mehrfach absolvieren musste oder mir bei einem Rätsel wünschte, man möge mich etwas mehr an die Hand nehmen.
God of War III präsentiert sich als Spiel, dessen durchgestylte Schönheit sich vielleicht erst beim zweiten Durchspielen komplett entfaltet. In Runde 1 lenkt die genial-brachiale Action nicht selten von der Polygon gewordenen Ästhetik ab – was bitte nicht als Kritikpunkt zu verstehen ist. Viel Schadenfreude hat mir die Möglichkeit beschert, einige Kreaturen als Reitgelegenheit missbrauchen zu dürfen. Mit einem Zyklopen durch die Massen zu pflügen, lässt mein kleines schwarzes Herz vor Freude Rumba tanzen.
Bewertung
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Kommentare (48)
methi
Natürlich auf englische Sprachausgabe umgestellt bin ich mehr als Überzeugt!!!
einfach nur GEIL
EIN PFLICHTKAUF!!
MaxSchmerz
Super geschrieben!
Ich glaube, der Test sagt alles! Ein Muss für PS3 User :)
bleach
Ansonsten hört sich das sehr erwartungegemäß an - bestärkt mich in diesem Fall aber durchaus in meiner Vorfreude auf das Spiel.
Whoopie
jurista
jobforacowboy
genau das, was man von gow erwartet!
wenn ich mir kratos so anschaue und dann harald in seiner "ausgehkleidung" vergleiche, wirkt das für mich, als würde man rod jeremy neben den sachsen paule stellen ;)
Jace
jobforacowboy
meinte ron jeremy
big sepp
Harald Fränkel
http://hijinksensue.com/wp-content/uploads/2007/08/2007-08-31-kratos-josh.jpg