Große Haie - kleine Fische
16.01.2007 16:09
Inzwischen gehört es fast schon zum guten Ton, zu einem Kinofilm
auch ein entsprechendes Computer- oder Videospiel auf den Markt zu
bringen. Das dachte sich auch DreamWorks respektive Activision -
und so halten wir nun das entsprechende Spielependant von Große
Haie - kleine Fische in den Händen. Wie es leider so oft der Fall
bei diesen Spieleumsetzungen ist, wird auch Große Haie - kleine
Fische sicherlich nicht in die Annalen der Videospiele-Geschichte
eingehen. Doch alles der Reihe nach.
Das Spiel zum Film
Das Spiel hält sich natürlich von der Geschichte her sehr eng an den Film. So schlüpft man in die Rolle des Tunichtguts Oscar, dessen Fischleben eher in ungeordneten Bahnen verläuft. Sein Job bei der Walwaschanlage ingt nicht das nötige Kleingeld und der Schuldenberg bei seinem Boss Sykes wächst und wächst stetig. Gepaart mit dem Talent, immer zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, ingt ihn sein Streben nach Ruhm und Reichtum von einem Schlamassel ins nächste. Der Leser mag es schon ahnen: es liegt nun an ihm, Oscars Leben auf Vordermann zu ingen und ihm in Riff City zu Geld und Ansehen zu verhelfen.
Dabei stellt es sich als großer Vorteil heraus, wenn man sich vor dem Kauf des Spieles einmal den unterhaltsamen Kinofilm zu Gemüte führt; denn ohne das Vorwissen um die eigentliche Geschichte wirken die aneinandergehängten Kapitel im Spiel so ungeordnet wie eine Portion Fischnuggets bei Nordsee.
Abwechslungsreiche Missionen
Die insgesamt 25 Kapitel sind dafür erfreulich abwechslungsreich geraten und fordern den Spieler bei insgesamt vier wesentlichen unterschiedlichen Aufgabentypen heraus. Beim "Kampf", in dem man sich gleich im ersten Kapitel beweisen darf, muss sich Oscar im Duell mit jeweils einem seiner größten Feinde, den Haien, messen. Diese Kämpfe stellen mehr oder weniger Verfolgungsjagden dar, in denen man im richtigen Moment den Bissattacken des Haies ausweichen muss und ihm im Gegenzug dafür eine vor den Latz knallen kann. Kurz bevor der Hai zuschnappt, signalisiert ein Pfeil die Richtung, in die man mit dem linken Analogstick ausweichen muss, um dem Angriff zu entkommen - seine eigenen Angriffe kann man anschließend mit Y, B oder X starten.
Beim Aufgabentyp "Rennen" hat man sich an die Schwanzfloße eines Taxifisches geheftet und lenkt diesen nun durch die engen Häuserschluchten der Unterwasserstadt und Oscars Heimat Riff City. Das gestaltet sich manchmal etwas schwieriger als zunächst gedacht. Denn in den Schluchten tobt das Leben: überall auf der Strecke sind andere Fische oder Gegenstände im Weg, denen man natürlich ausweichen sollte. Gefahren wird dabei gegen die Uhr bzw. einen Konkurrenten. In der ersten Renn-Mission muss man beispielsweise rechtzeitig vor seinem Chef Sykes die Walwäsche erreichen, bevor dieser bemerkt, dass Oscar mal wieder seine Arbeit verpennt hat. Um wichtige Sekunden herauszuschlagen, empfiehlt es sich, eine der zahlreichen Abkürzungen durch die Häuserschluchten oder einen Jet warmen Wassers zu erwischen, der die eigene Fahrt kurzzeitig beschleunigt.
Die größte Bewegungs-Freiheit hat man in den "Abenteuer"-Missionen. So muss man sich beispielsweise gegen die Uhr in einer bestimmten Zeit durch die Walwäsche zu seinem Arbeitsplatz schleichen und sich dabei mittels simplem Druck auf A rechtzeitig vor anderen Fischen verstecken, die auf der Suche nach dem Zuspätkommer Oscar sind. Dabei darf man sich auch zwei- oder dreimal ohne größere Konsequenzen sehen lassen, so dass diese Missionen zu den leichtesten im Spiel gehören und echte Profis kaum fordern können. In anderen Leveln schwimmt man (beispielsweise auch auf der Suche nach kleinen Schmierfischen, die Wände der Stadt mit "Oscar Sucks Pod Scum"-Graffittis verzieren) durch die verwinkelten Straßen Riff Citys. Dort gilt es dann, im Stile Super Marios Perlen zu sammeln und dabei möglichst Kugelfischen, Krabben und anderen Bösewichtern auszuweichen, die die Lebensenergie unserer angehenden Fischberühmtheit nach unten korrigieren. Die Lebensenergie stellt allerdings das geringste Problem dar - sollte es nämlich hier einmal knapp werden, klopft man einfach an der nächstbesten der zu Hauf vorhandenen Türen an und lässt sich leckere Unterwassergerichte a là Tintenfischsalat und Krabbencocktails kredenzen, die die Energie wieder auffüllen.
Schwing' die Hüfte
Im letzten Spieltyp "Tanzen" werden die Nerven des Spielers schließlich am meisten gefordert. Dabei muss man zu MC Hammers "Can't Touch This" oder einer Neuauflage des Soul-Klassikers "Carwash" Oscars Tanzschritte lenken, in dem man am Bildschirm auftauchende Richtungspfeile entsprechend auf dem Digitalkreuz umsetzt (siehe nebenstehenden Screenshot). Wer über eine Tanzmatte verfügt, kann schonmal Platz im Wohnzimmer machen und sich auf schweißtreibende Tanzeinlagen freuen. Die Freude wird allerdings mit Sicherheit schnell wieder verfliegen. Denn die Tanzeinlagen sind schwer und nervig. Die zu drückenden Tasten korrespondieren so gut wie gar nicht zur Musik, was somit eigentlich auch den Einsatz der Tanzmatte überflüssig macht. Gleich zu Beginn muss man sich mächtig konzentrieren; einmal zu oft geblinzelt und schon hat man die erforderliche Anzahl an korrekten Tastendrücken nicht erfüllt und darf die Übung ein zweites oder drittes Mal wiederholen.
Mit all diesen vorhandenen Spielarten ist aber dennoch zumindest genügend Abwechslung geboten. Zusätzlich motivieren die Bonus- und Eliteziele zu erneutem Durchspielen. Um diese Ziele zu erreichen, muss man die zu Beginn einer Mission bekanntgegebenen Aufgaben erfüllen und Levels zum Beispiel in Rekordzeit oder möglichst unverletzt hinter sich ingen. Belohnt wird man dann mit Erfahrungspunkten, die den Rang von der "Null" über "Möchtegern-Star" bis hin zum obersten Rang "Oscar" treiben. Ausserdem kann man mit den so erworbenen Punkten weitere Extras in Form von Zeichnungen und anderen Leckerlis erkaufen.
Tolle Synchronisation und Film-Soundtrack
Optisch betrachtet glänzt Große Haie - kleine Fische mit schönen Animationen und den überaus witzig gestalteten Charakteren. Die Hintergründe können mit den Figuren leider nicht ganz mithalten, hier und da fällt vor allem die Texturunschärfe ins Auge. Alles in allem guter Durchschnitt, aber für einen Multiplattformtitel erwartungsgemäß auch nicht mehr.
Wirklich klasse ist allerdings die Unterstützung fürs Ohr. Zwar hat man auf eine Dolby Surround-Kulisse verzichtet, doch die einwandfreie deutsche Synchronisation und der Original Soundtrack des Filmes können dafür entschädigen. Die Synchronstimmen entsprechen größtenteils denen des Filmes, so dass man sich u.a. auf Jan Odle freuen darf, seines Zeichens deutsche Synchronstimme von Will Smith (der auch im Original die Stimme Oscars übernimmt). Ebenso hochqualitativ sind auch alle anderen Charaktere synchronisiert, so dass man schnell merkt, wie wichtig die richtige Auswahl an Synchronsprechern für ein Videospiel eigentlich ist, denn sie werten das Spiel ungemein auf. Mit den Songs des Filmes hat Große Haie - kleine Fische zudem einen erstklassigen groovenden Soundtrack im Gepäck, den man während den einzelnen Missionen gerne lauter dreht.
Im Grunde genommen eignet sich der Film ja für ein kurzweiliges Videospiel. Die witzigen Charaktere zusammen mit den deutschen Synchronstimmen sorgen auch für eine gewisse Prise Salz, aber es ist einfach nicht genug. Sicher, die Musik ist klasse, die Aufgaben eigentlich abwechslungsreich und mit den Bonus- und Elitemissionen genug Wiederspielwert vorhanden.
Aber genau da liegt das Dilemma: Die verschiedenen Kapitel unterschieden sich in ihrem Schwierigkeitsgrad zu sehr voneinander. Die Schleichmissionen kann man mühelos im Schlaf erledigen, die Tanzeinlagen hingegen erfordern höchste Konzentration und Geduld. Unverständlich, wenn man sich überlegt, dass das Spiel eigentlich eher auf eine jüngere Zielgruppe zugeschnitten ist.
Ist der Drang nach Perfektion nicht besonders ausgeprägt und kann man auf die zusätzlichen Bonuspunkte bei Bonus- und Elite-Missionen verzichten, sollte man mit dem Gedanken spielen, sich das Spiel besser für ein kurzweiliges Wochenende in der Videothek auszuleihen. Und am besten gleich den Film mitnehmen, sobald er in die Läden kommt.
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