Guitar Hero: Metallica
19:19 Uhr - Was Rock Band der Konkurrenz in Sachen regelmäßiger DLCs voraus hat, macht Guitar Hero dafür auf dem Gebiet der Spezialausgaben wieder wett. Nachdem das ordentliche aber nicht sonderlich spektakuläre Aerosmith-Paket von EA/MTV mit einem mageren standalone AC/DC-Album sowie der Ankündigung eines Beatles-Games gekontert wurde, schenkt ActiBlizz uns nun endlich die schon lange Zeit erwartete Metallica-Edition. Die legendäre Band rund um Gitarrist James Hetfield und Schlagzeuger Lars Ulrich kriegt ihr eigenes „Guitar Hero“-Game und wir versprechen euch an dieser Stelle, dass der Kauf nicht nur für Fans der Cover-Truppe lohnt.
Gitarrenhelden treffen Metalgötter
Schon vor Bekanntgabe des Games war die Union zwischen Activision Blizzard und der 1981 gegründeten Band demonstrativ besiegelt worden, denn das gefeierte Album Death Magnetic wurde pünktlich zum regulären Verkaufsstart komplett für Guitar Hero: III zum Download bereitgestellt. Zudem gab es vorher bereits die Tracks „Trapped Under Ice“ und „One“ als Einzelauftritte der Truppe in den lezten beiden Hauptspielen des Franchises. Neben der Tatsache, dass die Kinder Ulrichs und Hetfields begeisterte "Guitar Hero"-Spieler sind, wollten Metallica übrigens immer schon an einem eigenen Videospiel mitwirken. Bei Vivendi Universal war seinerzeit sogar mal ein Actionracer mit Metallica-Theme in Entwicklung, der jedoch schon vor der Activision-Fusion gecancelt wurde. Was auf Seiten von Neversoft besonders am Projekt gereizt haben soll, ist nicht nur die brutal starke Fanbase der aus dem Untergrund heraus zu wahren Ikonen gewordenen Kulttruppe. Metallicas Songs sollen sich, Fans werden jetzt nicht besonders überrascht sein, schlicht besser für Musikspiele dieser Art eignen als die der meisten anderen bekannten Bands. Wir können da nur zustimmen, denn tatsächlich bietet Guitar Hero: Metallica das wohl beste „Ich spiel's wirklich so, wie es sich anhört“-Gefühl seit dem zweiten Teil der Serie (damals noch von Harmonix). Schon durch ihren Klang alleine bauen die Songs ein 1A-Feeling für alle auch nur halbwegs Gitarren- bzw. Schlagzeug-interessierten Gamer auf und durch eine endlich mal wieder einigermaßen logisch gewählte Symbolverteilung auf dem Scrollbrett, vermag man deren Melodien geradezu durch seine Arme zu spüren. Klaro, in der höchsten Schwierigkeitsstufe ist mal wieder Körperverknotung im Rekordtempo angesagt und hier haben wir es dann auch wie üblich mit rein willkürlicher Tastenverteilung für typische Spielhallen-Japaner zu tun, aber das Spiel lässt einem ja zum Glück die Wahl, die Finger davon zu lassen. Die Wahl hat man bekanntlich auch bei den Instrumenten, denn inklusive Mikrofon werden alle Geräte er bisherigen Guitar Heros unterstützt. Man darf also auch wieder als ganze Band mit Sänger antreten (zu mehreren macht's wie immer am meisten Spaß), dabei sogar von Sidebar bis akzentuierten Noten oder auch Impro-Parts Gebrauch von allen Features machen, welche es zuletzt in World Tour zu sehen und spielen gab. Inklusive dem eher für Midi-Profis gedachten Tonstudio und einem ganz neuen Über-Expert-Schwierigkeitsgrad für wahre Hardcore-SM-Trommler (bedarf allerdings eines zweiten Pedals für den doppelten Bass).
Mindestumfang/Maximalspaß
Laut Neversoft legte Schlagzeuger Ulrich ihnen gleich zu Anfang der Entwicklung eine handgeschriebene Liste von 500 Titeln vor, die Metallica als Kompendium der 30 Jahre umspannenden Karriere und ihrer Inspirationsquellen unbedingt im Game haben wollten. Man kann sich vorstellen, was es für ein Akt war, Hetfield und ihm dieses Biest auszureden und sich gemeinsam auf eine realistischere Tracklist zu einigen. Die stellt zwar nun in der finalen Version des Spiels mit 28 Songs der Coverstars sowie 21 Werken bekannter Gast-Bands nicht unbedingt einen quantitativen Meilenstein der Musikspielegeschichte dar, angesichts ihrer qualitativen Güte (natürlich alles Mastertapes) kann einem das aber wirklich komplett egal sein. Lieber 49 Songs, die von vorne bis hinten saugeil sind und wie die Faust auf die Gitarre (bzw. das Drum-Pad) passen als doppelt so viele, von denen man die Hälfte irgendwie nur deswegen spielt, weil sie mit dabei waren. Ein wenig fragwürdig ist dabei an sich nur, dass man sich das bereits erwähnte „Death Magnetic“-Album nach wie vor separat herunterladen muss (wenn man das nicht ohnehin schon getan hat). Käufer des DLCs hätten sich vielleicht geärgert, wenn es anders wäre, aber alle anderen dürften sich trotzdem um ein paar im Prinzip spielbereit fertige Lieder betrogen fühlen, mit denen das Gesamtpaket zum Vollpreis ohne Probleme noch mal an Masse hätte hinzugewinnen können. Bevor wir euch hier das Aufgebot des Spiels listen, sei noch am Rande erwähnt, dass Guitar Hero: Metallica unkomfortabler Weise keine anderen DLCs als besagtes Album der Band unterstützt. Hier darf Guitar Hero sich langsam wirklich mal 'ne Scheibe von Rock Band abschneiden, dass es ja immerhin auch schafft, eine gemeinsame Bibliothek für alle Spiele des Franchises zu führen.
Metallica:
- All Nightmare Long
- Battery
- Creeping Death
- Disposable Heroes
- Dyers Eve
- Enter Sandman
- Fade To Black
- Fight Fire With Fire
- For Whom The Bell Tolls
- Frantic
- Fuel
- Hit The Lights
- King Nothing
- Master of Puppets
- Mercyful Fate (Medley)
- No Leaf Clover
- Nothing Else Matters
- One
- Orion
- Sad But True
- Seek And Destroy
- The Memory Remains
- The Shortest Straw
- The Thing That Should Not Be
- The Unforgiven
- Welcome Home (Sanitarium)
- Wherever I May Roam
- Whiplash
Andere Künstler:
- Alice In Chains - No Excuses
- Bob Seger - Turn The Page
- Corrosion of Conformity - Albatross
- Diamond Head - Am I Evil?
- Foo Fighters - Stacked Actors
- Judas Priest - Hell Bent For Leather
- Kyuss - Demon Cleaner
- Lynyrd Skynyrd - Tuesdays Gone
- Machine Head - Beautiful Mourning
- Mastodon - Blood And Thunder
- Mercyful Fate - Evil
- Michael Schenker Group - Armed and Ready
- Motorhead - Ace of Spades
- Queen - Stone Cold Crazy
- Samhain - Mother of Mercy
- Slayer - War Ensemble
- Social Distortion - Mommy's Little Monster
- Suicidal Tendencies - War Inside My Head
- System of a Down - Toxicity
- The Sword - Black River
- Thin Lizzy - The Boys Are Back in Town
In der Haut von Europäern
Der Karrieremodus von Guitar Hero: Metallica unterscheidet sich inszenierungstechnisch grundlegend von dem aus „Aerosmith“, denn hier folgt man keiner uninspirierten Pseudo-Dokumentation mehr. Weil Ulrich & Co. das Gefühl hatten, über ihre bisherige Geschichte sei schon viel zu oft erzählt worden, schlüpft man im Spiel in die Haut einer jungen europäischen Truppe, die Metallica hinterherreist, um ihren Traum zu erfüllen, ins Vorprogramm ihrer Helden zu kommen. Während man dieser - angeblich auf wahren Begebenheiten basierenden - Handlung folgt, besucht man zahlreiche reale Stages aus der Vergangenheit der eigentlichen Hauptdarsteller. Darunter das L.A. Forum und den Tushina Flughafen in Russland, wo Metallica einst mit AC/DC zusammen unter fliegenden Militärhelikoptern vor mehr als 50 000 Zuschauern spielten. Wer nun befürchtet, er dürfe erst ganz zum Schluss des Einzelspielermodus auf die Mannen um Mr. Hammett zurückgreifen, darf seine Metal-erprobte Blutpumpe wieder beruhigen. Den Ablauf der Kampagne hat Guitar Hero: Metallica dann doch wieder mit dem Aerosmith-Spiel gemein. Ihr tretet im Wechsel als besagte Anfängertruppe (wahlweise mit komplett selbst gestaltetem Frontmann samt Eigenbau-Gitarre und allen anderen Anpassungsoptionen aus World Tour) und original Metallica auf. Cool ist dabei, dass man viel flotter als jemals zuvor neue Songs freischaltet. Oft genügt es, zwei Lieder mit hohen Punktzahlen abzuschließen, um einen ganzen neuen Abschnitt der Tracklist hinzugefügt zu bekommen. Es reicht eigentlich sogar schon aus, etwa 40-50% der Lieder erfolgreich bestritten zu haben, um jeden Song im Spiel zu entsperren. Die oben beschriebene und im üblichen Zeichentrickstil präsentierte Geschichte dürfte dazu jedoch der letzte Motivator sein, den relativ belanglosen Klamauk hätte man sich auch ganz schenken können. Auch Guitar Hero: Metallica wird von nichts anderem als seinen Tracks getrieben, der Rest ist nettes Beiwerk.
Bühnenrodeo
Wer Metallica mal live erleben durfte, wird um den ganz eigenen Stil derer Shows wissen. Als Premiere für das „Guitar Hero“-Franchise treten die Stars des Spiels so z.B. bevorzugt inmitten eines rund um sie herum gekreisten Publikums auf. Dass sie sich auf dieser Art von Stage beim Performen zu allen möglichen Seiten bewegen und ständig die Blickrichtung wechseln, hat für den "Motion Capture"-Prozess sowie die Ingame-Inszenierung durch Neversoft viele Änderungen erforderlich gemacht. Zur Ästhetik Metallicas gehört dabei auch, dass die eigentlich in Guitar Hero standardmäßig vorhandenen Riesenkulissen und prall gefüllten Bühnenshows ausbleiben. Licht und Feuerwerkseffekte sind die einzig wahren visuellen Begleiter der Band, dafür geht Guitar Hero: Metallica damit auch deutlich verschwenderischer und ausdrucksstärker um, als gewohnt. Obwohl der typische Optikstil des Franchises mit leicht comichaften Zügen ansonsten auch im neusten Ableger wieder zum Einsatz kommt, wirken Figuren und Bühnen insgesamt einen Tick authentischer, als man es sonst von der Musikserie kennt. Das Ergebnis ist insgesamt nicht bloß ein ultimatives Fan-Erlebnis für Metallica-Anhänger, sondern auch die bis dato wohl beste On-Stage-Präsentation des Musikspielegenres. Ob es die Bewegungen der Akteure, die gleißenden Funkenfontainen oder die endlich mal richtig lebendig wirkenden, viel individueller als sonst gestalteten Zuschauer sind, man fühlt sich richtig wie mittendrin und live dabei. Und damit man von der eigentlichen Show auch mal was zu sehen bekommt, was im aktiven Spiel nicht zuletzt aufgrund der Notenbretter schwierig bis unmöglich ist, darf man sich die einzelnen Songs im Backstagebereich des Spielmenüs ohne eigenes Zutun vorführen lassen. Passend dazu blenden sich kleine Fensterchen mit Hintergrundinfos ein, womit das informative Zusatzmaterial selbstverständlich noch kein Ende nimmt. Von Fanvideos über Fotos, Songtexte, seltene Originalaufnahmen aus Konzerten bis,... so viel Extra-Kram auf einmal kriegt man sonst eigentlich nur auf separaten Vollpreis-DVDs geboten. Da verzeiht man auch gerne die nur selten HD-würdige Optik der Clips, welche aus den Archiven heraus aber auch nur in den seltensten Fällen anders hätten aufbereitet werden können. Enttäuschend ist in dieser Sektion von Guitar Hero: Metallica eigentlich nur, dass die historischen Materialien offenbar alles daran setzen, Ex-Mitglieder der Truppe aus der Geschichte auszublenden. Im restlichen Spiel ist das aber ohnehin genau so der Fall, was Fans gewiss etwas übel aufstoßen wird. Dass der virtuelle Shop des Games versöhnlicher Weise mit digitalen Merchandise-Klamotten und verschiedensten Metallica-Gitarren für eure Spielfiguren lockt, brauchen wir an dieser Stelle abschließend wohl gar nicht mehr zu erwähnen.
Pro und Contra
- + Awesome Tracklist
- + Metallica... awesome...
- + Awesome Bühnenshows
- + Awesome Instrumentenfeeling
- + Awesome Bonusmaterial
- + Alle Features aus World Tour... simply awesome!
- + Mehrspielermodus wie immer awesome
- - Quantitativ nicht ganz Vollpreisspiel-Niveau
- - ... ist Gift für Metallica-Hasser
- - Karriere-Story gewohnt belanlos
- - DLC-Support nur für Death Magnetic
- - Höchste Schwierigkeitsstufen zu willkürlich
Wunderbar, Metallica!
Ich darf mich zwar nicht als Hardcore-Fan bezeichnen, fand Metallica aber schon immer verdammt cool. Doch selbst wenn dies nicht so wäre, würde ich ihr Guitar Hero garantiert lieben. Eine dermaßen geile Tracklist (damit sind auch die meisten Gast-Bands gemeint), die mit so viel Feeling ins wie dafür geschaffene Spielprinzip eingebunden wurde, sucht im Musikspielegenre einfach ihresgleichen. Natürlich hätte man das fix und fertig bereitstehende Death Magnetic gerne noch mit ins Paket stecken können und jeder Fan kann gewiss eine kleine Liste an Titeln aufstellen, welche ihm persönlich definitiv noch fehlen, aber ich bin auch so hochzufrieden mit dem Angebot. Da darf das Spiel bei DER gebotenen Qualität dann auch gerne etwas schmaler im Umfang ausfallen. Dass weniger oft mehr sein kann, zeigen auch die Bühnenshows. Freakiger Pappfiguren-Overkill und dergleichen mussten elementarem Feuerwerk, vor allem aber sehr viel authentischer wirkenden Musikern weichen. Das steigert die Atmosphäre gleich noch viel mehr und sorgt in Kombination mit der gar nicht oft genug erwähnbaren Songaufstellung für fantastische Spielspaßsynergien. Wirklich,... vom Gänsehaut-Intro an bis zum konstant immer knackiger werdenden Finale des Spiels, hat mich das `Guiter Hero`-Fieber nach leicht routiniertem Abkühlen dank Metallica wieder voll gepackt. So muss ein Musikspiel basierend auf einer Band aussehen, dann dürfen von mir aus auch noch so viele Spin-Offs dieser Art kommen, bis der Publisher Geldspeicher zu platzen drohen. Bin nun jedenfalls sehr gespannt, ob Van Halen und The Beatles das überhaupt noch toppen können.
Gitarrenpack & Extra-Pedal
Der neue Super-Expert-Modus erfordert ein zweites Pedal am Drum Kit, welches für etwa 10€ nachgekauft werden kann. Eine Investition, die angesichts des fast schon wahnsinnigen Schwierigkeitsgrades dieser Spielstufe wohl nur für die wenigsten "Guitar Hero"-Gamer lohnend sein wird. Das außerdem angebotene "Guitar Bundle" (ca. 100 €) liefert neben dem Hauptspiel einen Gitarrencontroller im Metallica-Design samt Umhängeschlaufe. Die Axt ist von den Features und der Funktionsweise her identischt mit der jüngsten "World Tour"-Version des Franchises und selbstverständlich wie immer mit allen alten Versionen der Serie kompatibel. Wer noch genügend Plastikinstrumente im Schrank stehen hat und auf das Spezialdesign verzichten kann, verpasst ansonsten also nicht wirklich etwas, wenn er es beim Kauf der reinen Software belässt. Wer dagegen "World Tour" ausgelassen hat und nun gerne alle Spielfunktionen (wie z.B. die Sidebar) nutzen möchte oder einfach noch eine Gitarre braucht, macht mit dem Angebot sicherlich nichts verkehrt.
Bewertung
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Kommentare (12)
genetrik
Freu mich schon... warte noch bis die Uni Prüfungen vorbei sind und dann wirds gekauft!!!!
100 mal mehr wert als Guitar Hero Aerosmith... DAS war den VP nicht wert!
mikekool
geiles Spiel und toller test. Hab gesehen das es bei Media Markt ein Bundel gibt mit Spiel, Gitarre, offizielles Death-Magnetic-T-Shirt und dem Black Album (normale CD) für 99€. Ich denk mal da macht man nix falsch.
Butcher78
blub.me
(ansonsten gefallen mir die nicht-Metallica-Titel fast besser.... Mastodon...Hell ya!!!)
Timbosteron
http://www.metal-hammer.de/Metallica_James_Hetfield_stolz_Folter_Guantanamo.html
Viel Spaß beim Schauen. Ist aufschlussreich. :)
Stigma242
Lateralis84
Ertronic
also die reife der letzten beiden Alben und da schliesse ich "ST.Anger" bewusst mit ein, zeigt, das diese Band Geniestatus gepachtet hat, wenn du das nicht hörst, dann kann ich nur sagen armer Tropf (;-)
Habe sie mir gerade 2x Live angeschaut und wie da die Mischung alt/neu aufgeht beweist meine obige Aussage!
Lateralis84
bleeding me / outlaw torn / fixxxer sind z.B. einige meiner Metallica-All-Time-Favs
IM Carlos
Ansonsten ist GH nach wie vor nur ein müder Abklatsch von echten E-Gitarren. Die gibt als günstiges und trotzdem vollkommen ausreichendes Einsteigerset (inkl. Verstärker) auch schon ab 99 EUR. Dafür ist die Träckliste, die man dann "nachspielen" kann um einiges höher, genau so wie dei Lernkurve um einiges steiler ist ... ;-)