Mittwoch, 31. Oktober 2007
Kanonenfutter
Die Geschichte ist schnell umrissen: Roget, Mitglied der Armee von Pedda, wird mit seinen Mannen auf eine Aufklärungsmission nach Ferolia entsandt. Wie es sich für eine herzliche Begrüßung gehört, werden die „Aggressoren“ von den dort lebenden Tiermenschen prompt vom Himmel geballert – und schon findet man sich in einem handfesten Skandal aus fein gesponnenen Intrigen wieder. Das peddanische Prachtweib Baxilios, ihres Zeichens General der königlichen Armee, hat sich des friedfertigen Kanzlers „entledigt“ und greift nun ganz im Stile der ewigen Bösewichter nach der Weltherrschaft. Das kann unser Held mit dem frankophil angehauchten Namen natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Ab diesem Zeitpunkt greift der Spieler ins Geschehen ein und beginnt, sich mit dem Spiel vertraut zu machen. Man erfährt, wie man seine Basis ausbaut, Einheiten produziert und Rohstoffe sammelt – eben wie im „richtigen“ Leben eines Echtzeitstrategen. Damit man die grausige Vergangenheit nicht vollends ausblendet, haben die Entwickler noch ein rudimentäres Rollenspielelement an Bord geschmuggelt. So darf man seine Helden mit diversen Goodies ausstatten, die man durch zielloses Erkunden der Karten mit etwas Glück gesammelt hat.
Rules of Engagement
Obwohl man sich schnell damit anfreunden sollte, hardwarebedingt einige Abstriche in Kauf nehmen zu müssen, präsentiert sich
Heroes Of Mana erstaunlich umfangreich und liebevoll designt. Als Basis dient das Flugzeug der Truppe. In dem Flugzeug befinden sich verschiedene „Slots“, in denen man Faiken für die verschiedenen Einheiten bzw. Heilstationen errichten kann. Gebaut wird mit Mana-Steinen – und somit wäre der Kreislauf wieder geschlossen. Besonders gelungen ist der Einfall, das Flugzeug, und somit die komplette Basis samt Einheitenproduktion, verlegen zu können. Zum einen kann man verschiedene Ankerpunkte auf der Karte anfliegen und dort die Einheiten „anlanden“ oder schneller Rohstoffe sammeln, zum anderen kann man an jeden beliebigen Punkt der Karte fliegen und so dem Beschuss der feindlichen Einheiten aus dem Weg gehen. Letzteres ist zwingend notwendig, da alle Missionen die selben Grundvoraussetzungen haben: beißt Roget ins Gras oder wird das Flugzeug zerstört, ist die Mission gescheitert.
Die Karten der Schlachtfelder sind in 90-Grad – Schritten drehbar und detailliert ausgeschmückt. Dabei haben sich die Entwickler nicht nur auf öde Steppen beschränkt, man findet auch Hügellandschaften mit zerklüfteten Tälern oder gar Festungen, die es zu verteidigen gilt. Leider kann man die Umgebung nicht wirklich zu seinem Vorteil nutzen, da die Einheiten streng nach dem Stein – Schere – Papier – Prinzip agieren. Wenn man also mit einem Einheitstyp einen anderen angreift, der nach dem besagten Schema dem eigenen überlegen ist, nutzt auch eine zahlenmäßige Überlegenheit nicht mehr viel; das Gemetzel wird grauenvoll sein. Wo wir grad bei den Einheiten sind… Davon gibt es fünf Arten: Fliegende, Geschoss-Einheiten (auch liebevoll Ballermänner genannt), Bodentruppen, schwere Einheiten und Helden. Von jedem Typus stehen verschiedene Spezies zu Auswahl, die im Laufe des Spieles freigegeben werden, wobei die einfache Regel greift: Je mehr Wumms, desto teurer sind die Pixelkrieger in der Anschaffung. Und hier liegt die Tücke im wahrsten Sinne des Wortes im Detail. Der Spieler darf maximal 25 Einheiten ins Getümmel schicken – quietschegelbe Rohstoff-Häschen inklusive. Wenn man sich nun verkalkuliert und seine hart ersammelten Mana-Äpfel für Geschosseinheiten opfert, da die erste Feindwelle aus fliegenden Einheiten besteht, die zweite jedoch aus Bodeneinheiten, dann zweifelt man schon das ein oder andere mal an diesem System. Erschwerend kommt hinzu, dass man zwar stets genug Steine im Lager hat, die Obst-Ausbeute dafür ziemlich mager ausfällt. Legt man dann noch Wert auf gute Bewertung der Kampagne, bleibt einem nichts anderes üig, als die Mission zähneknirschend noch einmal neu zu starten.
Wenn der Nebel des Krieges sich lichtet…
Leider wurde mit aller Gewalt versucht, das typische Mana-Feeling aufkommen zu lassen; anders lässt es sich nicht erklären, dass man Steine von zuckersüßen gelben Hoppel-Häschen aus steinbeissergesichtigen Geröllhaufen abholen lässt, oder bis unter die Zähne bewaffnete Spezialeinheiten wie die dicke Version von Sonic dem rasenden Igel anmuten. Eingefleischte Anhänger der Serie wird das nicht stören – im Gegenteil: es erinnert an „alte Zeiten“ und man trifft viele bekannte Spezies wieder. Irgendwie will sich der bunte Anime-Stil jedoch nicht so recht in meine Vorstellung der Hintergrundgeschichte einfügen. Dennoch muss man neidlos anerkennen, dass alles unglaublich gut aussieht. Angefangen beim Anime-Intro über die Zwischensequenzen bis hin zu den Wildblumen auf den Schlachtfeldern. Was da teilweise auf die beiden Bildschirme gezaubert wurde, hat mich immer wieder befriedigt grinsen lassen: die Kiste kann es eben doch. Akustisch gibt es nicht viel zu bemängeln, sieht man von den etwas blechern klingenden Lautsprechern des DS Lite ab. Die Musik passt sich der Geschichte an und die Effekte… Nun ja, was das Fantasy-Setting eben so hergibt.
Dreihundert Meter gradaus, dann links halten
Genug um den heißen Brei herumschwadroniert – kommen wir zum Kern der Sache: wie spielt sich
Heroes Of Mana? Um gleich vorweg mit dem schmerzlichsten zu beginnen: man kann zwar dank einer Art Hotkey-Systems Einheiten des selben Typs schnell von einem Ort zum anderen dirigieren, so bald man aber zum Beispiel in Versuchung kommt, seine schweren Einheiten von fliegenden schützen zu lassen, wird die Sache kompliziert. Um mehrere Einheiten verschiedener Typen auszuwählen, muss man zunächst auf einen Button drücken. Das Spiel wird nun für kurze Zeit pausiert und man hat die Möglichkeit, mit dem Stylus die gewünschten Einheiten „einzukreisen“. Wie man sich vorstellen kann, stößt der DoubleScreen dabei relativ schnell an seine Grenzen: er ist schlicht und ergreifend zu klein. Schnell und sauber exakt die Truppe zusammenzustellen, die man sich vorstellt, grenzt beinahe an ein Wunder. Alternativ könnte man vorher alle gewünschten Einheiten einzeln zu einem Sammelpunkt schicken, um sie dort zu gruppieren. So viel Zeit hat man jedoch meist gar nicht zur Verfügung, und so kann es je nach eingestellter Spielgeschwindigkeit (als Ersatz für die Schwierigkeitsgrade) durchaus in Stress ausarten, wenn man darauf bedacht ist, keine unnötigen Verluste in Kauf zu nehmen. Ein weiteres Manko ist die fehlende Möglichkeit, diese Gruppen zu speichern. Da die Knöpfe A, B und Y nicht genutzt werden, wäre es denkbar gewesen, diese Buttons mit den einzelnen Gruppen zu belegen. Die Chance wurde leichtfertig vergeben. Dafür wurde das Spiel mit der fragwürdigen Option, jedes stolze Mitglied der abtrünnigen Peddas mittels eigenem Symbol direkt anzuwählen, ausgestattet. Das Symbol-Wirrwarr bei voller Armeestärke von 25 Mann zu beschreiben und dessen Sinn zu erklären fällt, vorsichtig ausgedrückt, schwer.
Pflege Freundschaften!
Oder stelle sie auf die Probe – je nach dem. Im Multiplayer hat man die Möglichkeit, gegen einen realen Freund und eine handvoll Geister anzutreten. Einer übernimmt dabei die Rolle Rogets, der andere schlägt sich auf die Seite Peddas, der Rest ist… Strategiespiel mit Gegnern, die doch meist etwas schlauer agieren als die Künstliche Intelligenz, was soll man schon großartig darüber erzählen? Denn wenn es etwas gibt, über das es sich zu erzählen lohnt, dann ist es der Online-Modus. Zwar kann man seine Heroes nicht online gegen menschliche Gegner antreten lassen, dafür hat man ein System ähnlich dem der Transformers. Auf dem Server werden täglich neue Missionen ausgeschrieben, für deren Erfüllung man Punkte bekommt. Ab acht Uhr jeden Morgen kann man sich diese Aufträge abholen und lokal Punkte sammeln. Vor Mitternacht auf den Server zurückgespielt, werden die Punkte ausgewertet – und man findet sich in der Weltrangliste wieder, wo es, je nach Platzierung, Punkte gibt, mit denen man diverse Goodies im Spiel freischalten kann. Des weiteren gibt es – natürlich – das obligatorische freie Spiel, in dem man seine Armee auf einer Karte seiner Wahl dem Gegner entgegenwerfen kann. Sowohl für den Multiplayer als auch für das freie Spiel ist das eigene Savegame von Bedeutung. Je nach dem, wie weit man in der Story vorangeschritten ist, erhält man neue Karten und Einheiten.
So sprach’s Napoleon. Zugegeben: schlecht ist „Heroes“ nicht. Im Gegenteil, es ist sogar gut geworden. Richtig gut. Und wäre ich nicht absolut tödlich gelangweilt gewesen von unglaublich trägen Dialogen – oder hätte sich das Setting besser in die eigentlich doch ziemlich interessante Geschichte eingefügt – tja, dann hätte ich den Heroes eine Wertung jenseits der 80 geben müssen. So jedoch bin ich nur angetan. Zum einen bietet das Spiel nicht genug, um – ich bin mal so überheblich – RTS-Veteranen wie mich so richtig zu fordern, zum anderen zeigt es doch deutlich die Grenzen dessen auf, was man am DS machen sollte. Klar, Anno 1701 hat funktioniert und war verdammt nahe an der Perfektion. Dort war man aber auch nicht gezwungen, Einheiten zu gruppieren und Gegnerscharen mit der jeweils richtigen Einheit ins Jenseits zu befördern. Schade, dass das Spiel irgendwie einen faden Beigeschmack hinterlässt, wo die Mana-Helden doch beinahe alles richtig machen. Nichts desto trotz blicke ich optimistisch in die Zukunft. Wenn die Geschichte passt, die Figuren glaubwürdig sind und die Spielmechanik ein wenig verfeinert wird, dann kann man mit Fug und Recht behaupten, die Echtzeitstrategie wäre auf dem DS angekommen. Bis dahin freue ich mich auf Fire Emblem, Advance Wars 2 und Panzer Tactics – im Genre der Rundenstrategie ist nicht nur die Auswahl enorm.
"Krieg ensteht aus Täuschung" - das sind die ersten Worte in MW3. Ist es Weisheit, Weitsicht oder Zufall das die gesamte Gaming-Welt sich auf MW ...