Heroes over Europe
12:01 Uhr - Schlechtes Timing oder gut abgesprochen? Während es in den letzten Monaten für Fans von Dogfights in luftigen Höhen so gut wie überhaupt kein Material gab, erscheinen in relativ kurzen Abständen die beiden Luftkampfsimulationen „Heroes over Europe“ und „Il 2 Sturmovik: Birds of Prey“. Während Letzteres sich eher an die Simulationsfreaks richtet und in den nächsten Tagen getestet wird, spricht der Ubisoft-Titel eher die Arcader unter den Piloten an. Wir verraten euch in unserem Test, ob es sich lohnt den Steuerknüppel in die Hand zu nehmen, oder lieber gleich den Fallschirm zu benutzen.
Simula ... was?
Am besten lässt sich Heroes over Europe als Ego-Shooter in der Luft bezeichnen, denn die Entwickler von Transmission Games fokussieren sämtliches Geschehen auf rasante Manöver, die einzig das Ziel haben, den Gegner in das Fadenkreuz zu bringen, um ihn genüsslich in ein brennendes Wrack zu verwandeln. Dabei wird man nicht mit Strömungsabrissen, Druckverhältnissen, Treibstoff- oder gar Munitionsanzeigen belästigt. Das Herumgeballere wird einzig durch das Überhitzen der Waffen limitiert. Das eigene Flugzeugmodell besitzt ebenfalls die Eigenschaft eines Ego-Shooter Helden, indem es seinen Zustand nach Treffern, nach einiger Zeit regeneriert. Einfach ein paar Sekunden nicht in das Flakfeuer halten und schon ist die Kiste wie neu. Und keine Angst, selbst wenn der Motor brennt und die Flügel durchlöchert sind, eure Hurricane, Spitfire oder Mustang besitzt noch dieselben Flugeigenschaften wie auf ihren Jungfernflug. Doch dem arcadigen System wird durch die Aces-Kills die Krone aufgesetzt. Habt ihr euer Opfer lange genug im Fadenkreuz und seid nahe genug, könnt ihr per Tastendruck die Sicht heranzoomen und die Zeit verlangsamen. In diesem Modus werden dann die Schwachstellen des gegnerischen Fluggeräts angezeigt, auf die es dann zu zielen gilt. Jetzt noch den Abzug drücken, und der Feind geht in einer netten Animation zu Boden – leider wiederholen sich diese Animationen zu schnell. Eigentlich fehlt nur noch ein Deckungsfeature (am besten in den Wolken) und ein Nahkampfangriff (am besten mit Kreissägen an den Flügelspitzen) und wir hätten das Gears of War der Lüfte. Doch ganz so unernst wie das Spiel das Gameplay nimmt, wird die Story in Heroes over Europe nicht behandelt. Immerhin spielt das Geschehen im (bitte nicht einschlafen) Zweiten Weltkrieg.
Drei gegen das Böse
In Heroes over Europe schlüpft man in die Haut dreier Piloten, die folgerichtig an drei unterschiedlichen Fronten kämpfen. Damit geht es vornehmlich in England und Deutschland zur Sache, aber auch in Frankreich und dem Pazifischen Ozean. Die Missionsstruktur ist recht klassisch: Meistens gilt es Geschwader oder Gebäude zu beschützen, dann muss man innerhalb eines Zeitlimits ein Geschwader oder Fesselballons abschießen oder V2-Raketen, die auf eine Kleinstadt zurasen vom Himmel holen. Ansonsten stehen noch Bomber-Missionen auf dem Schwarzen Brett und das Jagen von Schlachtkreuzern mithilfe vorsintflutlicher Doppeldecker, die mit Torpedos bewaffnet sind. Ihr merkt, die Entwickler haben sich um ein möglichst vielfältiges Angebot bemüht, um das letztendlich selbe Prinzip: „Ballere etwas ab“ aufzulockern. Die Abschnitte, in denen diese Mechanik nicht zum Zuge kommt, fallen in ihrer Qualität auch merklich ab. Sei es, wenn man im Tiefflug durch die Straßen von Berlin düst, um unter dem Flakfeuer zu bleiben, oder aber wenn man Batterien von Flaks ausweichen muss. Zum Glück sind das aber die einzigen Situationen, in denen man über das Design der Entwickler schimpfen kann. Und vielleicht noch über die vorletzte Mission „Das Auge des Sturms“. Wie ich diese Mission gehasst habe. Mit ein bisschen Geschick und der richtigen Maschine (schafft man neben der Hauptmission auch noch die Bonusziele winken besonders gute Modelle) lässt sich eigentlich jeder Auftrag gut lösen. Das Beschützen von Geschwadern ist immer fair geregelt, durch ständig gesetzte Checkpoints muss man keine haarigen Situationen wiederholen und auch die Kämpfe gegen die Asse (besonders starke Feinde, die sogar eine eigene Lebensanzeige besitzen und VERDAMMT gut fliegen können) sind nach einigen Versuchen gut zu bewältigen. Da stört es auch nicht, dass die eigenen Flügelmänner, denen man keine Befehle geben kann, so gut wie nutzlos sind und einzig dafür da sind, für spannenden Funkverkehr zu sorgen („Bin getroffen!“ „Hab ihn!“ „Ich geh runter ...“). Jetzt stellt euch aber vor, dass man zwei halbkaputte Bomber vor einem Geschwader beschützen muss, das aus der einen Richtung kommt während gleichzeitig ein Ass und zwei starke Flügelmänner aus der anderen kommen. So ein Ass zerlegt selbst das beste Flugzeug nach drei Sekunden Dauerfeuer. Versucht dabei mal zwei brennende Bomber zu beschützen. Ach ja, ein Zeitlimit (das leider nicht ersichtlich ist) gibt es auch noch. Wunderbare Zutaten für meine absolute Hassmission. Aber irgendwann habe ich auch sie geschafft – aber auch nur, weil ich Glück hatte, das Ass mit einem Ace-Shot relativ früh vom Himmel zu holen.
Schon vorbei!
Leider ist Heroes over Europe relativ kurz geworden. Man kommt gerade mal auf etwas über 15 Missionen. Die sind zwar wunderschön inszeniert und setzen den Spieler unter Dauerspannung, trotzdem denkt man am Ende: „Was, das war es schon“. Da bleibt höchstens noch die Motivation, den Titel im höchsten Schwierigkeitsgrad durchzuzocken. Und DER hat es wirklich in sich, denn eure Kiste regeneriert sich nicht mehr. Stellt euch also vor, dass ihr gegen härtere Flieger antretet, die mehr einstecken und austeilen können und IHR euch nicht mehr regenerieren könnt. Das klingt nicht nur unfair, ist es für meinen Geschmack auch. Wer die Spieldauer von Heroes over Europe nicht über einen hohen Schwierigkeitsgrad verlängern will, der kann sich gerne noch dem Multiplayer-Modus widmen. Mit bis zu 16 Spielern durch die Wolkendecken zu krachen und sich gegenseitig zu jagen, macht zwar Spaß, nutzt sich nach einer gewissen Zeit aber ab. Technisch betrachtet kann man Heroes over Europe durchaus als überdurchschnittlich betrachten. Die Flugzeugmodelle sind 1:1 umgesetzt worden und sicherlich das Schönste in Heroes. Das Schadensmodell zieht gegen den Konkurrenten „Il 2 Sturmovik: Birds of Prey“ klar den Kürzeren. Ersten, weil es nicht dynamisch ist, sondern nur in Stufen 1(alles o. k.) bis 4(die Kiste fliegt gleich auseinander) unterteilt sind, die grafisch immer gleich aufgemacht sind. Und zweitens, weil sich die Schäden nicht auf das Flugverhalten auswirken – weder bei euch, noch beim Gegner. Die Landschaftsdetails sehen aus der Höhe super aus, verlieren bei einem Tiefflug jedoch deutlich ihren Detailgrad. Aber hey, wir spielen ein Luftkampfspiel. Zwar jagt man ab und an auch Panzer, dennoch findet das meiste Geschehen einen Kilometer über dem Boden statt. Und hier sieht Heroes over Europe einfach toll aus. Selten habe ich so schöne Wolken, die so überzeugend volumetrisch sind, gesehen (höchstens in Crysis in der Introsequenz). Und wenn das Maschinengewehr spratzt und die gegnerischen Bomber sich unter grollendem Getöse in Wracks ohne Flugeigenschaften verwandeln, scheißt man sprichwörtlich auf irgendwelche Bodentexturen (obwohl sie in Il 2 Sturmovik: Birds of Prey einen Tick hübscher ausfallen) und erfreut sich der Zerstörungsorgie in luftiger Höhe.
Pro und Contra
- + Tolle Präsentation
- + Fette Dogfights
- + Ace-Kills sind cool
- + Multiplayer für 16 Spieler
- - Teilweise schwache Bodentexturen
- - Asse sind zu hart
- - Ass-Schwierigkeitsgrad ist unfair
- - Auge des Sturms-Mission
Kein Luftikus
Müsste ich zwischen Heroes over Europe und Il 2 Sturmovik: Birds of Prey entscheiden, würde ich klar die Helden über Europa wählen. Das liegt nicht etwa daran, weil Birds of Prey das schlechtere Spiel ist, sondern einfach schwerer zugänglich ist. In Heroes schnappt man sich einfach das Gamepad und fliegt so, wie man will. Dass die heftigen Manöver, die man hier teilweise vom Stapel lässt, in der Realität gar nicht möglich sind, interessiert mich erst dann, wenn ich versuche, sie bei der Konkurrenz zu wiederholen. So eine einfache Rolle oder gar ein Looping oder selbst das einfache Ausrichten des Fadenkreuzes, geschehen bei Il 2 Sturmovik: Birds of Prey viel träger – aber auch eben realistischer. Aber genug von der Konkurrenz: Heroes over Europe setzt auf kompromisslose Action vielfältige Aufträge und gelungene Präsentation. Da stört auch der Zweite Weltkrieg als Szenario nicht. Wem HAWX zu weichgespült und modern war und wer echte Motorenflugzeuge steuern und sich in heftigen Dogfights mit der KI messen will, statt aus 3 KM Entfernung eine Wärme suchende Rakete abzufeuern, der liegt mit Heroes over Europe genau richtig.
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Kommentare (11)
LookMyBullet
Da muss ich mal gucken..Weill keine Cockpitview^^
Alexander Kaphahn
Ultimate Scorpion
W3b3
viel zu schnell.
Da stört es auch nicht, dass die eigenen Flügelmänner, denen man keine Befehle geben kann, so gut wie nutzlos sind und einzig dafür da sind, für spannenden Funkverkehr zu sorgen („Bin getroffen!“ „Hab ihn!“ „Ich geh runter ...“)
Es stört und das sehr.
Die Flugzeugmodelle sind 1:1 umgesetzt worden und sicherlich das Schönste in Heroes.
Flugzeugmodelle + Wolken das wars.
Müsste ich zwischen Heroes over Europe und Il 2 Sturmovik: Birds of Prey entscheiden, würde ich klar die Helden über Europa wählen. Das liegt nicht etwa daran, weil Birds of Prey das schlechtere Spiel ist, sondern einfach schwerer zugänglich ist.
Definitiv nicht.
W3b3
Zum Spiel fasse ich mich kurz und vergleiche es einfach mal dreist mit sturmovic und damit es noch kürzer wird schreib ich einfach nur was hoe besser macht als sein Konkurrent (meiner Meinung nach):
-nichts.
Zugegeben ist wirklich etwas kurz geraten deswegen noch mal anders rum, was macht sturmovic besser als hoe (meiner Meinung nach):
-Sountrack viel atmosphärischer (passend zum geschichtlichen Hintergrund)
-Grafik (außer wie bei hoe Gebäude und Fahrzeuge etwas zu Detail arm jedoch um Welten besser)
-Steuerung („etwas“ träger als beim Konkurrenten jedoch viel präziser)
-Gameplay (fühlt sich einfach besser an, hier könnte ich Seiten weiße Beispiele nennen)
Natürlich sind alle punkte nur meine persönliche Meinung die sich selbstverständlich am besten jeder für sich selbst bildet.
Mit freundlichen Grüßen
W3B3
DonniDonner
steffen6i
Pousch
KING_BAZONG
paulfect