History: Burnout
15:28 Uhr - Eines der von Anfang an schönsten Geschenke für Rennspiel-Fans zieht ins Paradies ein. Bevor wir ihm dahin folgen, blicken wir nochmal zurück auf sechs Jahre nervenreißende Geschwindigkeit, freudentränentreibende Grafik und herzschlagstoppende Karambolagen mit Criterions berühmter Burnout-Serie - inklusive kommentiertem Video.
Burnout (Playstation 2, Game Cube, Xbox)
Doch heute ist natürlich klar, dass es anders lief. Denn schon Teil Numero eins konnte sich mit einigen, für die Serie heute so signifikanten Elementen von der Masse an Durchschnittsware abheben. So waren die Spieler auch schon hier durch waghalsiges Fahren im Gegenverkehr, haarscharfes Vorbeischrammeln an unbescholtenen Sonntagsfahrern oder geschmeidiges Sliden durch die lange Kurven in der Lage eine Boost-Anzeige aufzuladen, die bei entsprechender Entladung den Wagen auf „wahnsinnige“ Geschwindigkeit beschleunigte und das kontrollierte Manövrieren zum adrenalintreibenden Bonbon-Spiel werden ließ. Schaffte es der Spieler den Extra-Schub unfallfrei leer zu fahren, führte dies zum titelgebenden Burnout, wodurch die Boost-Anzeige sofort wieder zur Hälfte gefüllt war. Hat man während des Tiefflugs noch genügend der oben genannten Aktionen ausgeführt, konnte es sogar passieren, dass der Nitro-Antrieb sofort wieder komplett verfügbar war, sodass man theoretisch durchgehend mit gezündetem Turbo fahren konnte. Theoretisch, denn wie schon in der Need for Speed-Reihe machten einem natürlich das gegnerische Fahrerfeld, aber vor allem die restlichen Verkehrsteilnehmer regelmäßig einen Strich durch die Rechnung . Darin verbarg sich leider auch der wohl größte Kritikpunkt. Denn anders als in EAs Konkurrenz-Rennspiel, waren die Straßen in Burnout wesentlich dichter bevölkert und das Spiel obendrein um einiges schneller. Nahezu unvermeidliche Vollkontakte alle paar hundert Meter waren an der Tagesordnung und ließen den Frustrationslevel einiger Spieler schneller ansteigen, als der Blutzucker-Pegel nach einem Besuch bei einer einschlägigen Fast Food-Kette und emsten den Spielfluss teils erheblich. Doch seit jeher gehören spektakuläre Unfälle zu Burnout, wie Zombies zu Resident Evil. Und so war die Not hier auch eine Tugend, denn schon Teil eins inszenierte sämtliche Karambolagen überaus effektreich aus unterschiedlichen Kamera-Perspektiven, mit jeder Menge umherfliegenden Blech- und Glasteilen, sodass jeder ungewollte Ausflug in eine Wand oder ein anderes Auto auch zu einem echten Wow-Moment wurde.Die ansonsten hervorragende Spielbarkeit und die flüssige und todschicke Landschaftsgrafik sorgten dafür, dass das Spiel, trotz geringem Umfangs und keinerlei neuer Ideen, genügend Fans fand, um den Umsetzungen für die kurz darauf erschienenen Systeme der Mitbewerber Nintendo und Microsoft und der circa ein Jahr später folgenden Fortsetzung den Weg zu ebnen.
Burnout 2 – Point of Impact (Playstation 2, GameCube, Xbox)
Und Schrott wurde bei Burnout 2 jede Menge faiziert. Neben der gewohnten Kost in veredelter Form, packten die Entwickler auch zwei neue Spielmodi auf die Scheibe. Der eine ein Verschnitt des Verfolgungs-Modus aus Need for Speed – Hot Pursuit (Dessen zweiter Teil üigens im selben Monat in Deutschland an den Start ging und somit in direkter Konkurrenz zum Criterion-Raser stand.), in dem ihr entweder in einem Polizei-Wagen flüchtige Verecher durch massives Rammen stoppen oder in einem Boliden eurer Wahl vor selbiger fliehen musstet. Der andere eine „Crash for Cash“ genannte, originelle und überaus vergnügliche Zerstörungsorgie, bei der ihr nach einer kurzen Anfahrtsstrecke auf einer dicht befahrenen Stelle (meistens eine Kreuzung) versucht habt möglichst viele andere Fahrer in eine Massenkarambolage zu verwickeln, um so den größtmöglichen Versicherungsschaden zu verursachen. Dieses süchtig-machende Spielprinzip war von da an nicht mehr aus der Reihe wegzudenken und wurde in den Nachfolgern konsequent ausgebaut.Ein halbes Jahr später erschienen dann noch die Versionen für Xbox und GameCube, die grafisch sogar nochmal ein wenig verfeinert und um 15 weitere Crash-Zonen ergänzt wurden. Des Weiteren konnte man auf Microsofts leistungsstarkem System unter anderem Echtzeit-Dolby-Digital-Sound lauschen, dank Festplatte eigene Musik einbinden und auch den Zwei-Spieler-Modus in schnellen 60 Bildern pro Sekunde genießen.
Burnout 3 Takedown (Playstation 2, Xbox)
Hersteller Acclaim war zu diesem Zeitpunkt schon Pleite und so wurden Takedown und alle nachfolgenden Teile nun von Branchen-Gigant Electronics Arts hergestellt. Und wie bei einem Film, der sich unter der Produktion eines größeren Studios bessere Kulissen, Effekte und sonstiges leisten kann, schien man auch Burnout 3 den Reichtum seines neuen Publishers anzusehen. Als der erste Screenshot des Spiels veröffentlicht wurde, konnte man eigentlich gar nicht glauben das eine derartige Grafikpracht auf den aktuellen Konsolen überhaupt möglich sein soll. Im fertigen Spiel wurde dieser Eindruck nur noch verstärkt. Besonders auf der schwächeren Playstation 2 stellte die geniale Optik einen ähnlichen Quantensprung dar, wie Donkey Kong Country seinerzeit auf dem Super NES. Criterion hatte den Detailgrad dermaßen nach oben geschraubt und mit illanten Verwisch-, Explosions- und Partikeleffekten versetzt, dass Burnout 2 dagegen nahezu trist aussah und das Team von da an endgültig den Ruf virtuoser Grafik-Künstler genoss.Neben dem „Bigger is better“-Prinzip, welches abermals für gesteigerten Umfang und erstmals für lizensierten Soundtrack von diversen Rock- und Punk-Bands sorgte, haben die Entwickler auch einige mehr oder weniger gravierende Änderungen in der Spielmechanik vorgenommen. So wählte man die einzelnen Events und Disziplinen jetzt relativ frei auf einer Weltkarte aus. Der Actionanteil der Raserei wurde dabei deutlich erhöht: Nitro-Boost konnte jetzt statt durch waghalsige Fahrmanöver (Was auch möglich war.), viel schneller dadurch aufgeladen, dass man die KI-Gegner in den Gegenverkehr oder die nächste Streckenbegrenzung geleitete. Die daraus folgenden, „Takedowns“ genannten Blechverknotungen, wurden kurz in atemberaubenden Slow-Motion-Kamerafahrten eingefangen, bevor es mit dem Rennen weiterging und sind seitdem fester Bestandteil der Raserei. Widerfuhr dem Spieler selbst dieses Schicksal, konnte man per Knopfdruck in eine Zeitlupe schalten und seinen Wagen noch eingeschränkt dirigieren, um so andere Fahrer mit ins Elend zu reißen. Noch drastischer ging es im Crash for Cash-Modus zur Sache: Auf der Strecke einzusammelnde Bonus-Symbole potenzierten den Gewinn und nach vollzogenem Straßen-Armageddon, durfte man noch eine Bombe zünden, die allem den Rest gab, was die Frechheit besaß nicht mit dem Dach auf dem Asphalt zu liegen.Burnout 3 Takedown bot erstmals einen Online-Modus und stellte durch seine Mischung aus unglaublicher Präsentation und gnadenlosem Bombast endgültig die Action-Rennspiel-Referenz dar. Obgleich der ein oder andere Fan der älteren Teile, durch die konsequente Ausrichtung auf gesteigerte Schrottproduktion, verschreckt wurde.
Burnout Revenge (Playstation 2, Xbox, Xbox 360)
Ansonsten bot Burnout Revenge weniger neues, als etwa noch der Vorgänger, im Vergleich zu Teil zwei. Hier wurde nochmal an allem etwas poliert, neue Strecken und Fahrzeuge drauf, noch mehr verbogenes Blech und splitterndes Glas – fertig war der Hit. Ein halbes Jahr später erschien eine Version für die Xbox 360, welche neben verbesserter (HD-)Grafik, zusätzliche Crash-Kreuzungen, einen coolen Replay-Modus und ein schadenfreudeförderndes Rache-Feature für den Online-Mehrspieler-Modus bot, in dem man sich nun mit anderen Fahrern zusammen auf einen unbeliebten Raser-Kollegen stürzen konnte.
Burnout Legends (Playstation Portable, Nintendo DS)
Auf der PSP war Legends ein würdiger Vertreter der Serie, der von der hervorragenden technischen Umsetzung, über den großen Umfang bis hin zur tadellosen Spielbarkeit alles enthielt was die „großen“ Versionen groß gemacht hat. In der ein halbes Jahr später erschienenen DS-Fassung ist davon leider nicht mehr viel üig geblieben. Diese präsentierte sich als unfertiges, schlecht zu steuerndes Geht-so-Rennspiel und stellt definitiv das schwarze Schaf in der Reihe dar, das keiner wollte und wollen sollte.
Burnout Dominator (Playstation 2, PSP)
Burnout Paradise (Playstation 3, Xbox 360)
Ob das Spiel letztendlich doch ein Paradies für rücksichtslose Raser wird oder bei der Reihe langsam der Nitro raus ist, werden wir wohl frühestens am 24. Januar erfahren. Einen Ehrenplatz in der ewigen Rennspiel-Hall-of-Fame hat sich Burnout aber dennoch längst gesichert.
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