Homefront
„Home is where the war is“ lautet die Schlagzeile des neuen „Modern Warfare“-Klons... ich meine eigenständigen Kriegs-Shooters der „Kaos Studios“ („Frontlines: Fuel of War“). Der streitbare Slogan soll verdeutlichen, was in den vielen Kriegsverseuchten Gebieten unserer Welt schon Alltag ist. Nämlich das die Schlachten nicht mehr in weit entfernten Ländern und vom Militär geschlagen werden, sondern diesmal in der Heimat stolzer Amerikaner und von ganz normalen Amerikanern.
Denn wenn auch wenn alles verloren scheint und selbst das geliebte Militär vor einer Übermacht zerrieben wird, gibt es immer noch aufrechte US-Bürger, die ohne zu zögern ihr Maschinengewehr aus dem Nachttisch holen und gegen den Feind ziehen. Und dieser Feind hat Schlitzaugen und ist obendrein noch Kommunist. So einem wollt ihr euch doch nicht ergeben, oder?
Home is where the Holzhammer is
Ja ja, Ego-Shooter mit Kriegsthematik haben es nicht leicht. Ständig wirft man ihnen Pietätlosigkeit, Kriegsverherrlichung oder auf bloßen Schockeffekt abzielende Darstellung von Grausamkeiten vor, vielleicht sogar Rassismus, wenn es um die Wahl der Feindbilder geht. Da ist ein fiktiver Konflikt immer günstiger, wenngleich die Kritik wohl nicht ganz ausgemerzt wird, sofern ein realer Anspruch bleibt. „Homefront“ versucht genau das und schickt euch nicht in den Irak, nach Afghanistan oder in der Zeit zurück, sondern zeichnet das Szenario einer vermutlich durchaus möglichen, wenn auch nicht wahrscheinlichen Zukunft des Jahres 2027. Nordkorea hat unter Führung Kim Jong-uns, nach dem Tod seines Vaters Kim Jong-il zuerst die Wiedervereinigung mit seinem südlichen Bruder zur Großen Koreanischen Republik vorgenommen und dann gewaltsam Japan annektiert. Währenddessen bricht in den USA unter dem Druck massiv steigender Ölpreise von 20 Dollar pro Liter die Wirtschaft zusammen. Die GKR nutzt die Gunst der Stunde, um mit einem EMP-Satelliten die gesamte Energieversorgung Amerikas vorübergehend lahm zu legen und fällt anschließend über Hawaii an der Westküste ins Land ein. Das US-Militär ist der „Roten Flut“ nicht gewachsen und zerstreut sich. Amerika ist in koreanischer Hand. Berichtet wird euch dieser Hintergrund im aufwendigen und ultraschnell geschnittenen Intro, welches so aussieht als würde MTV eine Geschichtssendung machen und in über die Levels verteilten Texten, die ein ausführliches Bild der vergangenen Geschehnisse vermitteln, welche zum jetzigen Zustand geführt haben. Dabei wird deutlich das die Macher sich prinzipiell eine Menge Mühe bei der Ausarbeitung des Szenarios gegeben haben. Ob die Entscheidung, diese Artikel als teils schwer zu findende Extras einzubauen, in Anbetracht der ansonsten ultraoffensiven Inszenierung und des hohen Tempos des Spiels so clever war, lässt sich allerdings bezweifeln. Die eigentlich Handlung ist nämlich in etwa so subtil wie eine zehn Megatonnen-Bombe.
Ihr schlüpft in die Rolle von Robert Jacobs, einem unbedarften, aber patriotischen (die fette US-Flagge in seiner Ranzbude verrät es) Piloten, der sich mehr oder weniger freiwillig dem zivilen Widerstand gegen die koreanische Besatzung anschließt. Dieser will einige Tanklaster stehlen und sie aus der kleinen Stadt Montrose, in Colorado nach San Francisco überführen, um damit dort das Militär bei einem Großangriff zu unterstützen. Ja, „Homefront“ erzählt tatsächlich eine Geschichte. Und auch wenn im Teaser-Text ein Fünkchen Sarkasmus versteckt war, die Idee normale Bürger zu spielen, die sich zu einer Rebellen-Gruppierung formieren und mit allem was sie haben von ihren Häusern aus gegen die Unterdrücker kämpfen, ist in Videospielen nicht nur neu, sondern birgt auch enorm viel Potential. In der Praxis zeigt sich allerdings kein nennenswerter Unterschied zur üblichen Genre-Kost mehr, außer das ihr auf Hinterhöfen und auf abseitigen Wegen durch kleinere Gebäuden unterwegs seid, statt auf gewaltigen Schlachtfeldern. Zum Bombast-Finale stimmt allerdings auch die Aussage nicht mehr. Eure zivilen Begleiter sind stets bis an die Zähne bewaffnet und perfekt ausgebildet. Ebenso wie die Spielfigur, die ohne jedes Training Schusswaffen, Sprengstoff und Messer händeln kann. Obendrein bleibt dieser die ganze Zeit stumm und damit absolut profillos. Ich werde das wohl nie verstehen können. Leichtere Identifikation und blablabla
... Alles Schwachsinn! Bei „GTA“, „God of War“ oder was weiß ich sagt doch auch keiner „Och, dass der jetzt spricht, finde ich aber scheiße. Der hat ja eine eigene Persönlichkeit. So kann ich mich überhaupt nicht mit ihm identifizieren.“. Ach, und bevor mir wieder Fanboy-Geplapper vorgeworfen wird. Ja, ich finde das auch bei „Zelda“ bekloppt. Immerhin bekommt man mit Jacobs keine ausschweifenden Heldenmomente. Er ist immer ein gleichwertiges Mitglied des Teams. Das besteht aus den üblichen Stereotypen, wie einem knochenharten Anführerarschloch, das ausrastet, wenn es der Massengräber gewahr wird, aber sich nicht weiter drum schert, wenn bei einer Missglückten Aktion viele Kameraden fallen. Dann haben wir noch das heiße Chick, das auch im Krieg bauchfrei in den Kampf zieht und heulen darf, wenn Freunde sterben, sowie den Amerikaner asiatischer Abstammung, der fürs Hacken zuständig ist und dafür die, von der Besatzung gebeultelte Bevölkerung durch sein bloßes Antlitz zu provozieren. Gemeinsam erledigt ihr Gegner in Dutzendschaften. Schließlich darf man dem Spieler auf keinen Fall das Gefühl geben er wäre nicht übermächtig und würde nicht jedes Problem mit einer Knarre lösen können. „Homefront“ versucht stattdessen die Schrecken des Krieges auf andere Weise erfahrbar zu machen, nämlich indem es sie euch mit einer Haubitze in die Fresse schießt. Bestes Beispiel ist die voyeuristische Sightseeing-Busfahrt der Grausamkeiten, gleich zu Beginn des Spiels. Hier dürft ihr auf einer kurzen Straße beobachten wie Unschuldige wie Vieh zusammengetrieben, erdrosselt oder erschossen werden. Erschütternster Moment ist sicher die Exekution eines Elternpaares vor den Augen ihres kleinen Kindes, das danach wie am Spieß schreit. Zum Ausgleich werdet ihr später Zeuge wie degeneriertes Hinterwäldlerpack koreanische Soldaten zutode spielt. „Wir töten nicht zum Spaß.“ lautet der entsetzte Kommentar eurer Superkillerbegleiterin. Doch, genau das mach' ich hier, denn „Homefront“ will mir den Spaß daran auch gar nicht nehmen. Klar lösen solche Szenen Emotionen aus. Aber das tut ein Tritt in die Eier ja auch. Trotzdem würde wohl niemand in die Verlegenheit kommen zu behaupten der Verursacher wäre aufgrund dessen ein guter Geschichtenerzähler. Gleich darauf regiert nämlich wieder die „Rambo“-Action, die euer Team mit denkwürdigen Sätzen wie „Ich bin zu alt für diese Scheiße.“, „Verdammte Scheiße.“ oder „Macht sie fertig.“ unterlegen. Wie gesagt, dass Grundkonzept der Handlung ist reizvoll, zumal der Plot euch nahtlos und halbwegs nachvollziehbar durch das Spiel führt. Einige Logikfehler, wie der Reinfall auf offensichtliche Verräter oder die Behauptung euer Zutun würde eine derart starke Wende zu Folge haben, sind da gerade noch zu schlucken. Die reißerische und oftmals dümliche Umsetzung zeigt jedoch wenig Feingefühl und macht den Guerillakampf zumindest inhaltlich weitestgehend zu einem echten Ärgernis, das sich den Vorwurf vordergründiger Schockeffekte, der oben erwähnt wurde,leider gefallen lassen muss. Dass die Aktionen des Widerstandes teils dramatische Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung haben, die der Rache der Koreaner ausgeliefert ist, wird zwar immer wieder angerissen, aber nie verarbeitet, sondern stets abgetan. Sonst könnte man als Spieler ja noch in die Verlegenheit kommen seine Handlungen zu hinterfragen.
Lest auf Seite 2 des Tests, warum Homefront nur knapp den Call of Duty Zug verpasst.
Weitere News
Datenblatt - Spieletest - Trailer - Bilder - News ...
Bitte logge Dich ein, um Kommentare zu verfassen.
Coming Soon
Galerien
Homefront
Artworks der Viralkampagne von HomefrontHomefront
Produktbild der Deutschland-exklusiven Voice of Freedom EditionHomefront
Cover des Romans zum ShooterHomefront
Screenshots aus den erstürmten USADie Neuesten User-Tests
Kid Icarus: Uprising 3DS
Zur E3 2006 kündigte Nintendo mit einem kleinen Trailer einen neuen ''Smash Bros.'' Teil an. Die ganze Community war sehr erfreut und doch wunder...
Kid Icarus: Uprising 3DS
Pit ist wieder da. Beachtliche 21 Jahre liegt der letzte Auftritt des geflügelten Heldes zurück. Nun erwartet uns ein Reboot von \\\"Kid Ica...
























Kommentare (52)
Claudandus
Gibt es zwischen den ganzen Versionen Unterschiede, in Sachen Steuerung oder Grafik?
Schade das schon wieder der Singleplayer zu kurz kommt, ich zock im Multiplayer höchstens im Coop und da versagt Homefront leider doch zu sehr als das ich für 50€ zuschlagen würde.
Zumal das Thema Movieshoter eh langsam etwas überkaut wurde.
Mal abwarten, für 10-15€ wandert es auch in meine 360.
Neilz
BoomBap
Michael Moore
metropolisstreetracer
- Solo-Kampagne viel zu kurz und ideenlos
Danke für die Warnung!
Hätte es gestern um ein Haar zum Vollpreis gekauft. Und genau die 2 Kritikpunkte haben mich vor einer Enttäuschung bewahrt.
So wirds mal ausgeborgt, die Kampagne an einem Wochenende durchgezockt und gut ist's :-)
methi
ich find das GAME nach dem Testen Genial und freu mich total auf mein Exemplar!...
Bisher der erste Test den ich nicht wirklich nachvollziehen kann, aber ja...Ich werd mein Spaß haben :D
marmion
Steffen261279
agaso
marmion