Im Test: Call of Duty: Black Ops 2
Ein Jahr ist wieder um und das heißt, es gibt es ein neues Call of Duty. Entwickler Treyarch ist 2012 wieder an der Reihe und gibt uns Couchsoldaten den zweiten Teil ihrer Black Ops-Reihe. Ob Call of Duty: Black Ops 2 endlich das Call of Duty ist, dass in allen Bereichen wieder überzeugen kann, klären wir in unserem Test.
Die Geschichte von Black Ops 2 handelt vom Angriff des Bösewichts Raul Menendez auf die freie, kapitalistische Welt. Nach außen hin gibt er sich als Messias einer 99%/Occupy-Bewegung, doch er ist der wahnsinnige Terroristenanführer mit einem ausgeklügelten Masterplan. Und ihr müsst ihn als Übersoldat David Mason – der Sohn von Alex Mason aus Black Ops 1 – im Jahr 2025 gewaltsam stoppen. Da ihr Menendez immer nur hinterherrennt, muss euch der alte Kamerad eures Vaters, Sergeant Frank Woods, erzählen, was damals im Jahr 1986 wirklich passiert ist und wie es dazu kommen konnte, dass Menendez nun eine Bedrohung für alles und jeden ist. In diesen Rückblenden spielt ihr dann wieder Alex Mason. Neben Woods trefft ihr dort auch auf ein weiteres bekanntes Gesicht, den CIA-Agenten Jason Hudson. Während der Kampagne springt das Black Ops 2 immer wieder zwischen diesen zwei Zeitebenen hin und her. Ein absolutes Novum, für Modern-Mility-Shooter, ist dabei, dass Geschichte keineswegs linear abläuft. An mehreren Stellen müsst ihr im Spiel Entscheidungen treffen, die den weiteren Verlauf bestimmen. Töte ich X oder Y? Rette ich jene Person oder überlasse ich sie ihrem Schicksal? Auch gefundene oder nicht gefundene Informationen verändern die Zwischensequenzen. Nach rund sieben Stunden ( +-1 Stunde, je nach Können und Schwierigkeitsgrad) bekommt ihr dann eine von insgesamt sechs „verschiedenen“ Endsequenzen zu Gesicht.
Allerdings können die Vergangenheitsmissionen nicht sehr überzeugen, sie sind relativ stumpfe „run’n’gun“-Missionen, bei denen man auch die serientypischen WoW-Momente etwas vermisst. Von einem Call of Duty ist man krassere „Bay-Szenen“ gewohnt. Im Gedächtnis ist dabei vor allem die Afghanistan-Mission geblieben – allerdings nur wegen dem Rambo-artigen Pferderitt gegen eine anrückenden russische Armee mit ihren Panzern und Hind-Helikoptern. Wobei der Nicaragua-Einsatz mit der wechselnden Perspektive noch positiv hervorzuheben ist. Die späteren Zukunfts/Gegenwarts-Missionen sind im Vergleich etwas unterhaltsamer und bieten auch mehr Schauwerte, wie zum Beispiel der Einsatz im Luxusresort Collossus mit dem Spinnenroboter Ziggy. Auch die Abhörmission im Regen empfand ich als willkommene Abwechslung, auch wenn sie natürlich in einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd mit feindlichen Drohnen, Helikoptern und Jeeps endete. Als Scharfschütze müsste ihr ebenfalls eine ruhige Hand beweisen und etwas Extremsport mit Fallschirm und Wingsuit gibt es auch.
Vielfältige Missionsziele braucht man nicht erwarten, es gibt immer nur eins und das ist auf dem Weg nach Punkt B alles über den Haufen schießen. Auch das schlauchartige Leveldesign ist zurück, doch diese Schläuche sind zumindest an einigen wenigen Stellen etwas breiter geworden, sodass der Weg zum Ziel nicht nur geradewegs durch die Mitte führt. Im späteren Verlauf werden euch die optionalen Strikeforce-Missionen angeboten. Eine Art Tower-Defense mit beweglichen Einheiten. In der Taktiksicht schwebt ihr weit oben über der Karte und könnt vier KI-Einheiten Befehle (Ziel angreifen, zu Position bewegen und halten) erteilen. Und an den diesen Missionen zeigt sich recht deutlich, dass die KI immer noch ein Witz ist. In der Kampagne können die Script-Ereignisse über die mangelnde KI noch einigermaßen hinwegtäuschen, in den Strikeforce-Missionen gibt es die nicht. Und wenn man die Aufgabe innerhalb des Zeitlimits erreichen will, kommt man nicht drum herum, sich per Knopfdruck in eine seiner Einheiten zu beamen und selbst zu kämpfen. Generell empfinde ich Black Ops 2 als bisher leichtestes Call of Duty. Es gibt keine unendlichen Gegnerwellen und auf den höheren Schwierigkeitsgraden wird der Feind nur durch die Masse an geworfenen Granaten und RPGs gefährlich.
Da es sich um ein Treyarch-Call-of-Duty handelt, gibt es ein Wiedersehen mit dem Zombie-Modus, zu Deutsch Überlebenskampf, und somit die einzige Möglichkeit im Koop zu spielen. Auf den Spec-Ops-Modus der Modern Warfare-Reihe von Infinity Ward muss man verzichten. Klassisch können wieder bis zu vier Spieler ein kleines Areal gegen heranschlurfende Untote verteidigen. Oder man begibt sich auf eine Reise im Tranzit-Modus. Dort fährt euch ein schräger Roboter von Schauplatz zu Schauplatz und es wird eine Art Minikampagne daraus. Spannung und Frustation liegen hierbei nah beiander, denn der Bus kann euch auch im unpassendsten Moment vor der Nase wegfahren oder brennende Sprinterzombies sorgen dafür, dass ihr auch im Bus nicht verschnaufen könnt. Neu ist auch die Möglichkeit gegen ein anderes Viererteam im Zombiemodus anzutreten. Gewonnen hat das Team, dessen Mitglied als letztes noch am Leben ist. Die Teams können nur die Untoten töten, Spieler aus dem gegnerischen Team nicht. Allerdings kann man die Konkurrenz sabotieren. Ein Angriff mit dem Messer betäubt einen feindlichen Spieler kurz oder man blockiert mit zwei Teammitgliedern einen Fluchtweg und hofft einfach, dass die Zombies den Rest machen. Auch wenn die Entwickler den Zombiemodus so präsent im Menü hervorheben und solch ein Horde-Gameplay im Koop auch unterhaltsam ist, es ist eher eine nette Ergänzung zum jetzigen Zeitpunkt.
Kommen wir zu dem Part von Call of Duty: Black Ops 2, der der Serie zig Millionen Spieler und umfangreiche DLC-Verkäufe beschert, dem Multiplayer. Hier hat Treyarch vieles umgebaut. Doch keine Sorge, am schnellen, harten Geballer auf kleinen, verwinkelten Karten hat sich nichts geändert. Viel mehr sorgen das neue Pick10-Prinzip und das Score-Streak-System nur für mehr Individualismus beim Loadout. Bei Pick10 gibt es 10 Itemslots, die man nach Belieben mit Ausrüstung füllen oder leerlassen kann. Dank der Wildcards für die Perks, kann man die bekannten Loadout-Regeln etwas verbiegen und bis zu zwei Perks aus einem der drei Perk-Tiers nutzen, dafür muss man sich nur entscheiden auf welche andere Ausrüstung (Pistole, Granaten etc) man verzichtet. Um die Streakbelohnungen wie Drohnen, Nachschubkisten, Automatikgeschütze oder Bombenangriffe zu nutzen, muss nicht mehr nur Kill an Kill aneinandergereiht werden, auch Teamaktionen wie das Einsammeln der Flagge oder das erobern von Punkten auf der Karte treiben den Freischaltzähler in die Höhe.
Auch im eSport-Bereich will Black Ops 2 gut dastehen und bietet mit League-Play eine eigene Anlaufstelle für Profizocker. Dort erwarten die Teilnehmer besondere Ligen, Ladders und ein skillbasiertes Matchmaking-System. Und auch für die Moderatoren solcher Clan-Matches gibt es zahlreiche neue Werkzeuge. CoDcasting beinhaltet eine Streaminglösung auf zahlreiche Endgeräte, der Moderator kann zahlreiche Infos zu den Spielern, dem Spielstand und dem –Verlauf einblenden. Viele Mehrspielermodi wurden aus den vorigen Teilen übernommen, so dass man auf nichts verzichten muss, auch wenn bisher noch nicht alle Modi als Hardcore-Variante verfügbar sind. Es gibt das sehr spaßige Gun-Game in den Party-Playlisten, was CS-Spieler schon ewig kennen und welches BF3-Spieler auch mit dem Close-Quarters-DLC sehr zu schätzen gelernt haben. Wirklich neu, also in Call of Duty, sind die Modi Multiteam und Hardpoint. In Multiteam kämpfen, wie die Bezeichnung schon verrät, mehrere Teams auf einer Karte gegeneinander, maximal 6 Team mit je 3 Spielern. Hardpoint ist die mobile Variante von King of the Hill, die sehr viel Dynamik in die eh schon schnellen Matches bringt. Mehr über die Modi und Änderungen findet ihr in unserem Hands-On zum Multiplayer. Der Multiplayer von Call of Duty: Black Ops 2 ist wie immer verdammt schnell und verlangt gute Reflexe am Controller. Man muss sich diesem knallharten Wettkampf stellen wollen, und wer das tut, wird mit einem absolut erstklassigen Infanterie-Shooter belohnt.
Die Technik. Beim mittlerweile neunten Call of Duty setzen die Entwickler auf ihre extrem-mutierte Form der idTech 3-Engine. In der Version für Black Ops 2 versprachen sie wieder eine optische Weiterverbesserung, ohne dass sie gegen das 60FPS-Gebot verstoßen müssten. Ja, Call of Duty: Black Ops 2 sieht auf Konsole (auf der Xbox 360 sogar etwas schärfer als auf PS3) immer noch gut aus. Dieser „crispy“-Look kann aber über gewisse Altersschwächen nicht hinwegtäuschen. In Gebäuden oder in der Flugzeugträgermission gegen Ende des Spiels kommt der Engine das Artdesign dieser Level zu Hilfe und die Entwickler scheinen auch mehr Zeit fürs Polishing der letzten Missionen bekommen zu haben. In den anfänglichen Vergangheitsmissionen, in denen viel mehr Details und vor allem Vegetation vorkommen, leidet die grafische Qualität, pixelig und verwaschen sind da die Stichworte. Auch der Zombiemodus ist keine Augenweide. Der elektronisch, düster angehauchte Soundtrack aus den Feder von Trent Reznor und Jack Wall sowie auch die Abmischung sind wirklich gelungen. Löblich ist auch, dass für Hörgeschädigte auch eine Abmischung vorhanden ist, welche die Sprachausgabe hervorhebt. Die Synchronisation. Greift zur englischen Version. Die deutsche Lokalisation passt soweit, wenn man nur die Hauptcharaktere betrachtet. Bei den Nebenfiguren haben sich die Sprecher eher wenig Mühe gegeben. Während EA bei Battlefield 3 und MoH: Warfighter auch auf Konsolen auf Serverbrowser setzt, bleibt man bei Black Ops 2 beim altbekannten Matchmaking. Es wurde jedoch insoweit angepasst, dass es Spieler anhand ihrer Verbindungsqualität in ein Multiplayer-Match packt und nicht stumpf nach Region. Auch in den Stunden nach Release waren Lags kein Thema.
Call of Duty ist das einzige Spiel, das Call of Duty sein darf. Und genau das liefert dieses Jahr Treyarch auch wieder ab. Wir bekommen hauptsächlich wieder einen exzellenten Multiplayer-Infanterie-Shooter mit flüssigen 60FPS auf Konsole. Das Pick10-System und die eSport-Features werden sicherlich dankend angenommen. Doch diese Änderungen sorgen jetzt nicht für ein absolut neues Erlebnis, aber zusammen mit 14 Mehrspielerkarten für jede Menge Shooterspaß in den nächsten Monaten.Treyarch betreibt hier in meinen Augen sehr gute Modellpflege. Mutiger waren sie in Bezug auf die Kampagne und da jeder sie anders erlebt, andere Entscheidungen trifft und andere Endsequenzen serviert bekommt, wird man die Kampagne auch vielleicht mehrmals spielen. Überraschend viel Mühe hat sich Team bei der Charakterisierung von Menendez und auch den anderen Charakteren geben, etwas, was ich nicht unbedingt bei einem Call of Duty erwartet hätte. Black Ops 2 hat zwar nicht die krassen, kieferherunterklappenden Wow-Momente wie Modern Warfare 3, bietet aber eine interessante B-Movie-Story, aus deren guten Ansätzen (seltene Erden, 99%-Bewegung, Cyberwar) man aber noch viel mehr hätte machen können. Auch schmälern die schlechte KI und das schlauchartige Leveldesign den Spielspaß etwas. Der Zombie-Modus und dessen neuen Spielmodi sind eine sehr nette Zugabe, aber es fehlt ihm etwas an Umfang. Und so blöd das auch klingt, langfristig muss da in Sachen DLC noch nachgeliefert werden und wahrscheinlich passiert auch genau das.
Es ist daher wie in den letzten Jahren, der qualitativ beste Part von Call of Duty ist der Multiplayer, auch wenn man diesmal die Kampagne von Black Ops 2 nicht gänzlich unter den Tisch fallen lassen sollte.
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Kommentare (25)
Fagballs
Mich würde maximal der Single Player mal interessieren und dafür ist mir das Spiel zu teuer. Generell werden die CoDs ja auch mit der Zeit einfach nicht billiger (Die Tage gab es eine Anzeige mit Blops2 und MW3 zum gleichen Preis), also bleibe ich beim nicht spielen :D
Fans der Serie werden sicher ihren Spaß im MP haben und für neue Verkaufsrekorde sorgen.
kleinerhansel
...und täglich grüßt das Murmeltier...
hDy
@ fagballs
activision kann es sich halt leisten die spiele auch nach langer zeit im preis nicht zu senken. hat mich selber immer genervt das die preise bei ihren spielen nur selten oder nie fallen. ist halt "leider" kein thq wo die spiele schon wenige wochen nach release zu schleuderpreisen verramscht werden.
Justin Zane
Wer nur Singleplayer mal durchzocken will dem emfehl ich den Gang zur Videothek ;)
CoupeFX2
Danke für den Test. 8 Punkte halte ich zwar, aus Sicht von jemandem der viel Wert auf den Singleplayerpart legt, immer noch für etwas hoch jedoch durchaus noch begründbar.
Auch seid ihr im Text ja auf die ganz klar erkennbaren Schwächen bei Engine und Missionsdesign eingegangen.
Bei der Story bin ich allerdings nicht ganz eurer Meinung . Selbige fand ich diesmal wirklich unterirdisch (was aber sicher Geschmackssache ist).
Danke für den Test.
Der alte Sack
Der Test ist soweit ich das beurteilen kann OK (Kam gestern nur dazu 2h MP zu spielen), das einzige was mich stört bzw. was ich gestern anders erlebt habe ist die Lag Geschichte.
Ich hatte gestern von kompletten Freezes (ca. 1-2sec.),Rucklern und Gegner die ums verrecken nicht fallen alles dabei. Aber es waren auch ein paar Runden dabei die so liefen wie man es sich wünscht.
Also eigentlich alles beim alten.
Fagballs
@Justin Zane:
Ist die PC Version nicht an ein Schlüssel gebunden?
Justin Zane
Oh kein Ahnung, zock nix am PC :) Sorry
AdlerMannheim
Dummerweise funktioniert die englische Version nicht mit Zusatzinhalten. DlCs kann man also vergessen.
Ich finde die Synchro in Ordnung, zumal die Dialoge sowieso nicht filmreif sind.
Black Ops 2 ist vom Gewaltgrad der Kampagne her ziemlich heftig. Einige mögen das vieleicht abstossend finden.
Trotzdem geht auf dem Bildschirm wieder mit 60 fps die Post ab. So mag ich das.
hDy
@ Fagballs
die PC version ist an steam gebunden.