Im Test: Disney Micky Epic - Die Macht der 2
Verbesserungen und Vergrößerungen in allen Bereichen, so funktioniert theoretisch ein Großteil der heutigen Fortsetzungen. Doch wenn ein Mann mit der Spielehistorie eines Warren Spector solche Aussagen, für die Fortsetzung von Micky Epic, trifft, neigt man dazu ihm zu glauben. Ob sich "Die Macht der 2" in Disneyherzen hüpfen kann, oder am Ende nur Mausekacke dabei herauskommt, erfahrt ihr im Test.
Um eines vorweg zu sagen: Ich habe Micky Epic nicht gespielt. Versteht das nicht falsch, ich liebe die gute alte Maus, sie war quasi meine Kindheit. Aber wie bei so vielem wächst man früher oder später auch aus Entenhausen heraus und lässt die einstigen Weggefährten hinter sich. Jedoch schläft auch in mir noch das sechsjährige Balg von damals und springt und lacht und freut sich darüber Micky nun endlich auch, dank Non-Exklusivität des neuen Teils, durchs Wasteland hüpfen zu sehen. Das Wasteland, ein Ort, geschaffen vom Zauberer Yen Sid (manch einer kennt ihn vielleicht noch aus Fantasia), für Dinge, die vergessen wurden. Um genauer zu sein, nicht Dinge, sondern all die Disney Toon Charaktere, welche es in ihrer Karriere nicht zum Kinderzimmerruhm eines Donald Ducks geschafft haben. Alleine diese Prämisse des Spiels klingt bereits fantastisch genug um mein Comicherz höher schlagen zu lassen - selbst wenn die ursprüngliche Intention der Entwickler, ein düsteres Disneyland zu erschaffen, etwas verloren ging. Als Kopf hinter dieser Idee zeichnet sich, wie für den ersten Teil, Warren Spector aus, der dank seiner Werke wie Deus Ex und System Shock, eigentlich keinerlei Vorstellung mehr benötigt. Seine Vision ist es, die Wasteland zum Leben erweckt. Und wie sie es tut. An jeder noch so kleinen Ecke des Spiels finden sich Details, welche nur ein Team mit viel Liebe für die Disneywelt schaffen konnte. So sind einzelne Levelabschnitte teilweise derart vollgestopft mit verrückten Einfällen und gelungener Comickulisse, dass es der Spieler erst beim dritten oder vierten Vorbeilaufen wirklich wahrnimmt. Schade hierbei ist nur, dass der klare Comicstil zwar wunderbar dem Disneyuniversum nachempfunden wurde, jedoch als unumgängliches Beiwerk zum Look auch etwas Detailarmut innerhalb der Objekte mit sich zieht. Alles halb so wild, denn durch das allgemein gelungene Design, welches nicht nur an die älteren Comics angelehnt ist, sondern Teile seiner Kulisse auch aus alten original Blaupausen von unbekannten Disney-Land-Attraktionen zieht, wirkt das Spiel wie aus einem Guss. Optisch durchschnitt, designtechnisch Top. Zumindest was die Oberfläche angeht.
Gelangt man jedoch erst einmal unterhalb den Disney-Zuckerguss, so bleibt von der anfänglichen Euphorie vergangener Kindertage nicht viel übrig. Und dabei fängt die Geschichte so schön märchenhaft an: Um einen Bösewicht, der droht ganz Wasteland zu zerstören, aufzuhalten, muss sich Micky mit seinem ehemaligen Vorgänger, Oswald dem lustige Hasen zusammentun, um die Katastrophe zu verhindern. Nur einer, der verrückte Professor, welcher im ersten Teil noch als Bösewicht galt, kehrt angeblich geläutert zurück, um den beiden Helden singend den Weg zu weisen. Hier wird Micky Epic 2 wieder ganz Disney. Im Gegensatz zum Vorgänger setzt das Spiel neben grandios gelungenen Synchronstimmen mitunter auch auf ebenso hervorstechende Gesangseinlagen. Von vielen Stellen hört man, dass das Spiel hierbei nahezu zu einem Musical entwickelt wurde, aber dem ist nicht so. So gut und stimmig die Gesangeinlagen auch sind, gibt es hauptsächlich nur einen Charakter, der singt, den verrückten Professor. Hierbei handelt es sich aber eher um einen Running Gag, denn um einen richtigen Bestandteil des Spiels. Nichtsdestotrotz trumpfen seine musikalischen Einlagen auf, ebenso wie der orchestrale Soundtrack, und man freut sich auf das bevorstehende Abenteuer. Also Pinsel eingepackt und losgehüpft? Eher nicht. Der Pinsel ist zwar noch dabei, und wie gewohnt, malt man mit blauer Farbe an vorgegebenen Stellen Objekte in die Landschaft, mit Grüner radiert man diese weg, doch das Loshüpfen gestaltet sich nicht derart leicht. Dabei sollte sich doch so viel ändern.
Wurde der Jump and Run-Spaß im ersten Teil noch durch Kameraprobleme außer Gefecht gesetzt, verspricht Warren Spector Besserung. Wenn die Kamera mir jedoch nur selten den richtigen Winkel anzeigt, und bei eigenem Nachjustieren wilder durch die Gegend hüpft als die Maus, fragt man sich, inwiefern daran gearbeitet wurde. Außerdem übernahm das Entwicklerstudio eine Eigenart aus der Wii-Ära, deren Sinn man auf Xbox360 und PS3 erst noch zu klären hat. Dass man das Bild während der Sprungeinlagen regelmäßig nachjustieren muss, ist ja verkraftbar. Weshalb mir das Fadenkreuz jedoch einen gewissen Radius einräumt, bevor die Kamera überhaupt erst bewegt wird, erschließt sich mir nicht. Gerade das, und die etwas ungenaue Steuerung im Allgemeinen, sorgen dafür, dass das Springen mitunter zur Geduldsprobe wird.
Ähnlich diskutabel wie die Steuerung, erscheint einem KI-Kollege Oswald. Gewöhnt man sich irgendwann daran, dass der Hase immer etwas länger herum hoppelt, um euch die nötige Unterstützung zu geben, hat seine KI mitunter einfach nur Totalausfälle. Einen Großteil der Zeit funktioniert das glückliche Häschen ganz okay. Kleine Aussetzer, ein paar Mal hängen bleiben - das kann passieren. Wenn sich der Partner jedoch schlichtweg weigert, eine Koop-Aktion auszuführen oder bei Bosskämpfen einfach nicht seinen Teil beizutragen weiß, damit diese, doch recht langwierigen Abschnitte, ihr Ende finden, sucht man schon die ersten Rezepte für Hasenragout heraus.
Nun nennt sich das Spiel im Untertitel nicht umsonst "Die Macht der 2". Hat man einen Spieler zur Hand (eben nur zur Hand, Onlinespieler bekommen kein Stück vom Käse) lässt sich das Abenteuer im Splitscreen bestreiten. Glaubt man der Packung, ist das Spiel auch genau darauf ausgelegt. Glaubt man dem Koop-Spiel, ist das Ganze nur ein hübsches Verkaufsargument. Übernimmt der 2 Spieler erst einmal die Kontrolle über Oswald, wird schnell klar: Spielen soll hier nur einer. Zwar gibt es diverse Aufgaben, die sich nur zu zweit lösen lassen, diese lassen sich jedoch grundlegend in folgende Kategorien einteilen: Schalterrätsel und Sprungeinlagen. Klingt nicht weiter schlimm für ein Spiel des Genres, ein wenig, bis viel mehr Abwechslung hätte es jedoch schon sein dürfen. Das eigentliche Problem, unter dem der Koop-Modus jedoch leidet, ist die Degradierung des zweiten Spielers zum Helferlein. Läuft Spieler eins mit Micky, dank des Pinsels, noch recht machtvoll durchs Wasteland wird dem Langohr lediglich eine Fernbedienung in die Hand gedrückt, mit der man Stromstöße verteilen kann. Problematisch wird die Sache dadurch, das diese Stromstöße Gegner nur betäuben. Um Sie zu besiegen, wird Micky durchgehend gebraucht, damit Sie mit blauer Farbe zu Freunden verwandelt und mit grüner Farbe aus der Welt zu radiert werden. Oswald, bzw. dem zweiten Spieler, stehen hier keinerlei Möglichkeiten zur Verfügung die Gegner endgültig loszuwerden. Außerdem erhält man im Laufe des Abenteuers noch diverse Spezialfähigkeiten, diese stehen jedoch hauptsächlich Micky zu. Oswalds Fähigkeiten können nur über diverse, in der Welt verteilte Kostüme verändert werden. So springt ihr als Micky unter anderem im Steamboat-Willie-Outfit umher, Oswald trägt ein Tron-Kostüm, um fester zuzuschlagen. Aber auch an anderer Stelle wird klar, dass der Koop-Partner nur schmuckes Beiwerk ist. So sind die Levels zu gefühlten 80% auf die Fähigkeiten des Zauberpinsels ausgelegt oder Interaktionen mit NPCs, wie Einkaufen oder Levels zu starten, können nur durch Micky ausgeführt werden. Oswald erhält von den Bewohnern Wastelands meist nur eine liebe Begrüßung.
Eine Funktion die jedoch nicht einmal Micky beigebracht wurde, ist nach dem Weg zu fragen. Findet man innerhalb der Welt noch zahlreiche, jedoch eintönige Nebenaufgaben, vermisst man für gewöhnlich ständig eine Mini-Map die einen zu eben diesen führt. Gerade, wenn man auf der Suche nach dem zweiten Spieler ist um eine Koop-Aktion auszuführen, wünschte man sich Micky würde eine Farbspur hinter sich herziehen. Ein Blick auf die allgemeine ,aber umständliche und unübersichtliche Karte hilft zwar hin und wieder, doch auch hier steht nur Micky die Möglichkeit zu diese aufzurufen.Sollte man die Neben-bzw. Hauptaufgaben einmal angenommen haben, stellt man sich außerdem oftmals die Frage, was und wie etwas nun getan werden muss. Dieser Punkt spricht jedoch nicht für anspruchsvolle Rätsel, sondern für schlechtes Missionsdesign. Die Aufgaben werden häufig zu diffus formuliert, sodass man diese oft nur zufällig löst. Eine kleine Hilfestellung, im Sinne von Pfeilen oder Ahnlichem, würde so einiges an Zeit und Nerven ersparen.
Micky Epic 2: Die Macht der Zwei ist nicht das, was es hätte sein können. Zwar bezaubert das Spiel optisch sowie musikalisch auf typisch gelungenem Disneyniveau, jedoch enttäuscht das Spiel darunter. Zu viele Patzer in der Spielmechanik, sowie ein sehr unausgewogener Koop-Modus, der den zweiten Spieler nicht fair genug behandelt, lassen das Spiel sowohl unfertig als auch undurchdacht wirken.
Da bleibt die Frage, wen Warren Spector mit seinem Spiel abholen will? Erwachsene werden aufgrund der genannten Mängel schnell die Mausefallen auslegen, potenzielle Streitigkeiten unter Kindern sind aufgrund der Balance-Probleme im Mehrspielermodus schon vorprogrammiert. Das Kind in mir hat sich auf das Spiel gefreut, wirklich. Umso enttäuschender wirkt das Ergebnis, dass zwar mit viel Liebe zum Detail aufwartet, das große Ganze jedoch in einen Topf voller Verdünner geworfen hat.
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Kommentare (3)
IceOnly2
"sucht man schon die ersten Rezepte für Hasenragout heraus."
Einfach nur herrlich. Gut geschriebener Test. Echt Schade, wie bei mir hat sich das Kind in mir schon irgendwie drauf gehofft mal zu diesem Spiel zu greifen. Aber jetzt werd ich höchstens mal die Demo anspielen und das wars dann auch.
Bramahummel
Hab mich echt auf das Spiel gefreut als es hies es käme auch für 360. Schade dass es nix geworden ist. Teil eins hab ich noch meinem Neffen für die Wii gekauft. Mit Teil 2 hatte ich die Hoffnung dass ich es mit ihm gemeinsam durchzocken könnte. Aber da dieser hässliche Hase anscheinend wirklich zu nix taugt, das Vorspiel-Video und der Test Bände sprechen, werden wir wohl das nächste mal wenn er zu Besuch ist lieber wieder ne Runde Rayman zocken. Da weis man wenigstens was man hat ;)
Matt1980
Also ich hab mich ebenfalls gefreut als ich hörte, dass solch ein Spiel auf die 360 kommt. Solche Jump`n`Runs sucht man ja fast vergebens auf der Konsole.
Als ich dann aber die Demo vor 2 Tagen ausprobiert hab, war ich schnell ernüchtert.
Wie es schon geschrieben wurde: Der Disney-Charme ist vorhanden und hat mir auch mal gefallen neben all dem Action-Gedöns der letzten Zeit, aber irgendwie hab ich dann vom spielerischen her schnell die Lust verloren.
Da ich Rayman nicht mag, muss ich wohl weiter auf ein gutes J&R warten...