Im Test: PlayStation All-Stars Battle Royale

Dienstag, 18. Dezember 2012 Johannes Krohn 
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Nach fast 20 Jahren Playstation-Geschichte ist es nun auch für die traditionellen Sony-Helden an der Zeit, die Hierarchie festzulegen. In bester „Super Smash Bros.“-Manier versammeln sich Kratos, Jak, Daxter, PaRappa the Rapper, Nathan Drake und Konsorten zur großen Keilerei. Solltet Ihr teilnehmen?

Nach „Sonic & All-Stars Racing Transformed“ ist „Playstation All-Stars Battle Royale“ gleich das zweite Spiel in kurzer Zeit, mit einem äußerst sperrig-uncoolen Titel. Was haben sich die Macher nur dabei gedacht? Glücklicherweise ist es auch die zweite positive Überraschung. Denn der im Folgenden nur noch „Battle Royale“ genannte „Smash Bros.“-Klon ist wider Erwarten tatsächlich recht unterhaltsam geworden. Im Vergleich zu Sega's „Mario Kart“-Konkurrenten erhält er in dieser Hinsicht plus/minus einen Punkt. Es gibt einen drauf, weil die Überraschung noch größer ist. Denn im Gegensatz zum Sonic-Rennspiel, welches immerhin schon einen guten Vorgänger hervorgebracht hat, hab' ich in „Battle Royale“ nur einen lieblos zusammengeschusterten und letztlich in jeder Hinsicht unterlegenen Schwanzvergleich mit dem Nintendo-Pendant gesehen. Ein Punkt geht aber flöten, weil das Gekloppe dann leider doch nicht die allumfassende Großartigkeit des 9/10-Hits erreicht und erwartungsgemäß auch nicht die des viel näherliegenden „Super Smash Bros. Brawl“.

Bei einer solchen Fan-Service-Bombe steht und fällt ein großer Teil vor allem mit dem, nun ja, Fan-Service. Und dieser beginnt bei den Charakteren. Hier liegt auch gleich das erste Problem von „Battle Royale“. Ja, Sony hat in den ganzen Jahren ebenfalls eine erstaunliche Mannschaft exklusiver Helden aufgebaut, die sogar Sega das Wasser reichen kann und für die Microsoft noch ein Ende ackern muss, wenn sie denn kein „Halo & Gears of War All-Stars“ rausbringen wollen. Bei näherer Betrachtung erweisen sich einige Kandidaten jedoch als recht ungünstig. Für ein Beat'em up, welches im Allgemeinen handlungsarm daherkommt, braucht es visuell einprägsame Typen. Und so sehr ich die „Uncharted“-Serie liebe. Rein optisch ist Nate eine hochgradig austauschbare Videospielfigur, nur noch unterboten von „inFamous“-(Anti-)Held Cole.

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Andere Kämpfer wie Helghast-Colonel Radec, Sweet Tooth aus „Twisted Metal“ oder ein Big Daddy profitieren hingegen von ihrer optischen Erscheinung. Allerdings sind sie schwer in Einklang zu bringen mit Cartoon-Charakteren wie Ratchet und Clank, dem Sackboy oder Parappa the Rapper. Das liegt vielleicht daran, dass man teilweise noch nicht das Gefühl hat, sie würden ein Vermächtnis traditioneller Marken repräsentieren. Einige Franchises scheinen nur bestimmten Konsolen-Generationen zugehörig und seitdem nicht mehr gepflegt worden zu sein. Jak und Daxter hat außerhalb von Gastauftritten schon lange keiner mehr gesehen. Ratchet und Clank werden gerade mit erstaunlicher Hartnäckigkeit zerstört. „Uncharted“ und „inFamous“ gibt es erst seit dieser Generation. Darüber hinaus scheint die Auswahl von Willkür bestimmt zu sein. Ein halbvergessener Flop wie „Heavenly Sword“ ist wohl kaum repräsentativ für die Playstation-Geschichte, ein doppelter Cole reichlich überflüssig und der Name Emmet Graves wird wohl kaum jemandem etwas sagen. Dagegen fehlen aber Ikonen aus der Playstation-Historie bzw. Franchises, die man wohl stark mit der Sony-Konsole verbindet. Kein „Crash Bandicoot“? „Spyro“ fehlt auch. Lara Croft gehört sicher dazu. Und was ist überhaupt mit „Final Fantasy“, „Onimusha“ oder „Resident Evil“? Die Helden aus „ICO“ und „Shadow of the Colossus“ hätten ebenfalls gepasst. Mehrere Figuren aus einem Titel zu nehmen, wäre auch ein geschickter Zug gewesen.

Doch halt. Ich merke es gerade schon wieder, der Absatz wird zu lang und der Tonfall zu böse. Das ist alles Kritik auf relativ hohem Niveau und vor allem nur ein ausführliches Zeugnis für das verschenkte Potential des Spiels. Alles in allem ist die Auswahl der 20 Recken für einen Playstation-Fan schon erfreulich. Vor allem, weil es die Entwickler verstanden haben, den Figuren charakteristische Animationen zu verpassen. Ratchet packt fette Kanonen aus, Sackboy wählt aus dem typischen Menüs, bevor er einen Special-Move startet und Kratos wirbelt seine Chaosklingen praktisch genauso wie in den „God of War“-Teilen.

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Üppigster Fan-Service-Lieferant und absolutes Highlight des Spiels sind jedoch die Stages. Die greifen einerseits noch weitere typische Playstation-Marken wie „Loco Roco“ und „Patapon“ auf und sind ansonsten klug designte, mit zahlreichen Fallen, Überraschungen und Marken-typischen Elementen gespickte Spielwiesen der Zerstörung. So beginnt Ihr einen Kampf im Dojo von „PaRappa the Rapper“, der plötzlich auseinanderfällt, worauf ein gewaltiger „Killzone“-Walker ins Bild stapft und Euch mit Raketen auf's Korn nimmt. Im „Loco Roco“-Level steigt der Wasserspiegel und nimmt Euch den Boden unter den Füßen, bevor der Hintergrund aufreißt und „Metal Gear“ hineinlugt. Auch bei den Melodien und sogar den deutschen Synchronsprechern hat man weitestgehend auf Authentizität geachtet. Da kommt Freude auf.

Leider werden die Spielmodi diesen Vorlagen nicht gerecht. Statt unbeschwert in der Geschichte zu wühlen und auf den Party-Faktor zu setzen, gibt’s irritierenderweise Prügelspiel-Standardkost. Im Arcade-Modus erlebt jeder Held seine individuelle, durchweg hanebüchene Geschichte, billigst erzählt in unhübschen Standbildern. Der Endboss ist übrigens Polygon Man. Klingt blöd, ist aber eine völlig geniale Idee, wenn man weiß, dass Polygon Man noch vor dem Launch der ersten Playstation als offizielles Maskottchen für das neue System in Nordamerika auserkoren wurde. Bis Ken Kutaragi es zu Gesicht bekam. Danach ward Polygon Man nie wieder gesehen. Eine verschmähte Kreation aus der echten PS-Geschichte als finaler Gegner im Schaulaufen erfolgreicher Franchises? Beste Idee aller Zeiten! Macht Euch übrigens nicht selbst fertig und erhebt mich nicht zu Eurem neuen Gott. Ich musste das auch nachlesen.

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Ansonsten dürft Ihr Euch allgemeinen und charakterspezifischen Herausforderungen stellen, was wohl nur ernsthafte Beat'em up-Spieler interessieren dürfte oder gerade die eben nicht. Zum Üben steht Euch das Training bereit, welches aber keine Move-Listen oder Taktik-Tipps parat hält. Das war's. Dafür spielt Ihr in jedem Modus neue Intros, Outros, Kostüme, Verhöhnungen und Sieges-Melodien für Euren Lieblingshaudegen sowie haufenweise Symbole und Titel für die Online-Profilkarte frei. Die Belohnungen erscheinen recht regelmäßig. Fein fein.

Am Ende läuft ohnehin wieder alles auf den Mehrspieler-Modus hinaus. Umso erfreulicher, dass das Kampfsystem erst einmal sehr intuitiv und flott daherkommt. Mit einer Sprungtaste und drei Schlagknöpfen vollführt Ihr in Verbindung mit den Richtungseingaben zahlreiche Angriffsvarianten. „Battle Royale“ setzt dabei jedoch auf flüssig aneinandergereihte Kombos, die sich wie in einem Hack'n Slay anfühlen. Konter, Ausweichbewegungen und Launcher vertiefen die Mechanik. Eingefleischte Schwertschwinger wie Kratos, Nariko oder Dante fühlen sich da gleich wie zu hause und liefern dabei auch viel schneller befriedigende Ergebnisse. Das dürfte ungeübte Party-Zocker, die vielleicht mit Spike oder der fetten Prinzessin antreten wollen und dann solchen Klingentänzern gegenüberstehen leicht frustrieren.

Doch bei „Battle Royale“ kommt es eh nicht darauf an, wer am schnellsten die Energieleiste des Gegners in den Boden knüppelt. Stattdessen ladet Ihr durch Treffer Euren AP-Balken auf, der sich in drei Stufen füllt. Je höher der Zähler, desto verheerenden Euer daraus resultierender Super-Move, mit dem Ihr Eure Gegner vom Schirm fegt. Das gilt dann als Kill. Am Ende wird die Bilanz aus Kills und Toden verglichen und der Gewinner ermittelt. Das ist anfangs schwierig zu durchschauen. Da hilft es schon gar nicht, dass der aktuelle Stand von Kills, Toden und verbleibender Zeit während der Matches nicht angezeigt wird. Das Prinzip erst Energie aufzuladen, den Einsatz der Super-Moves zu überlegen und dann gezielt zuzuschlagen ist cool und gerade taktisch genug, um zu unterhalten, aber nicht zu überfordern. Den Rest erledigen Extra-Waffen und die Stages selbst. Die Combo-Lastigkeit des Kampfsystems und die mangelnde Transparenz sind jedoch noch nicht optimal.

Fazit

„Playstation All-Stars Battle Royale“ macht schon Laune. Dafür sorgen vor allem die gut getroffenen Playstation-Ikonen und die spektakulären Arenen. Allerdings ist das Paket in Sachen Spielmodi und Fan-Service nur spärlich bestückt und die Kämpferauswahl nicht so homogen wie beim Nintendo-Vorbild. Zudem erscheint mir das Kampfsystem etwas zu undurchschaubar und aufgrund seiner kombinationsintensiven Ausrichtung nicht ganz geeignet für ein unbeschwertes Party-Spiel, welches es ja immer noch sein soll. Bei der Präsentation war Schmalhans Küchenmeister. Da erwarte ich von Sony sogar mehr Pomp als vom Mario-Konzern. Dennoch, mit bis zu vier Spielern kann man mit der infernalischen Prügelorgie spaßige Stunden verbringen. Zwar ist in allen Bereichen noch viel Luft nach oben. Doch man bedenke, dass auch das erste „Smash Bros.“ kein Meisterwerk war. Mangels Alternativen eine Empfehlung für Playstation-Fans.

Bewertung

PlayStation All-Stars Battle RoyaleVita

7/10

Bewertung

PlayStation All-Stars Battle Royaleps3

7/10
 

Kommentare (1)

 Kommentar-Tippse 500 Kommentarklicker 50 Liebling der Massen 500 Kommentar-Tippse 50 Liebling der Massen 50
18.12.2012 16:20 -

Das Spiel ist seit fast einem Monat draussen. Aber besser spät als nie. "Wenns klappt."

Hab es mir günstig auf amazon gekauft. Alleine ist bei Battle Royale relativ schnell die Luft raus. Aber im MP macht es echt viel Spaß.

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