19.01.2007 10:25
International Superstar Soccer 2
So langsam kommt die Fußball-Lawine auch auf der Xbox ins Rollen. Neben dem äußerst guten FIFA Fußballweltmeisterschaft 2002 aus dem Hause EA Sports, schickt auch Konami seine Kicker auf den Microsoft-Rasen. International Superstar Soccer 2, kurz ISS2 genannt, baut laut Hersteller konsequent auf den Vorgängern auf. Für Kenner dürfte klar sein, was das in der Praxis bedeutet. Ein leicht zugängliches Gameplay mit realistischen Spielzügen und äußerst motivierendem Spielablauf. Die größte Frage, die sich stellt, ist sicherlich wie der Titel sich grafisch schlagen wird, denn schließlich erwartet man auf der Xbox etwas Besonderes.
Man darf zwar was Besonderes erwarten, ob man es aber auch bekommt, ist eine andere Sache. Auch bei ISS2 trifft diese Weisheit zu. Leider kann das Spiel grafisch nicht unbedingt Bäume ausreißen und bleibt ehrlich gesagt weit hinter unseren Erwartungen zurück. Nicht, dass die Bolzerei hässlich ausgefallen wäre, aber von EA Sports-Spielen ist so eine Optik sicherlich immer noch Lichtjahre entfernt. Da ingt auch ein stylish designtes Intro nicht viel. Denn was zählt is auf'm Platz, auch grafisch. Immerhin kann man verlauten lassen, dass die Xbox-Version grafisch etwas besser als die PS2-Variante geworden ist. Auf der PlayStation 2 sieht der Rasen aus wie eine grüne Spinatsuppe mit gelben Punkten, auf der Xbox hingegen sieht die Geschichte schon einen erheblichen Schritt realistischer aus. Vor allem wenn man eine näher am Rasen positionierte Perspektive wählt, fällt die eigentliche detailierte Rasentextur erst richtig auf. Im Gegensatz zur besagten PS2-Version gibt es auf der Xbox zum Glück kein Geflimmer. Bei den Spielermodellen hingegen gibt es keine großen Unterschiede. Diese sehen insgesamt etwas trist aus und haben interessanterweise alle einen japanischen Look. Schon beim Vorgänger ist mir diese Tatsache aufgefallen, umso ärgerlicher das es nicht beseitigt worden ist. EA Sports hat bereits gezeigt wie virtuelle Athleten auszuschauen haben. Erstaunlich war für mich hingegen die Darstellung des Publikums. Zwar sucht man ausmodellierte 3D-Modelle immer noch vergebens (dafür reicht wahrscheinlich nicht einmal die Power einer Xbox aus), aber ein reiner Pixelei ist zum Glück auch nicht vorzufinden.
Ansonsten gibt es technisch aber zum Glück kaum was zu meckern. Die Animationen sind allesamt gelungen, auch wenn so manche Bewegung noch etwas hölzern wirkt. Ein merkwürdiges Thema ist die Spielgeschwindigkeit. Die Spieler laufen zwar ziemlich schnell und auch das Tempo der Begegnung wirkt stets recht flott, dennoch ist es nicht so, als ob man wirklich schnell vor das Tor laufen könnte. Wie von ISS gewohnt, wirkt das Gameplay zwar etwas hektisch und schnell, dennoch erwarten euch keine langweiligen Alleingänge vor das gegnerische Tor. Jede Partie endet mit einem relativ realistischem Ergebnis, echte Torsalven wie in alten FIFA-Spielen bleiben trotz arcadelastigem Gameplay Gott sei Dank gänzlich aus.
Zum Realismus trägt auch der wirklich hervorragende Kommentator bei. Ich glaube es ist das erste Mal, dass man sagen kann, dass sich ein Sportspiel-Kommentator wirklich realistisch zum Geschehen auf dem Rasen äußert. Keine langweiligen Floskeln und auch kein gespieltes "Toooooooooor"-Geschrei sondern kommentieren at it's best. Klaus Gronewald ist in der Realität ein äußerst lockerer Typ und diesen Eindruck vermittelt er auch beim kommentieren jeder einzelnen Partie. Seine Sätze wirken passend, wirklich überzeugend und emotional angehaucht. Nun gut, auch seine Weisheiten wiederholen sich nach einiger Zeit, aber damit muss man halt leben. Dem Co-Kommentator hätte man sich aber besser gespart. Bernd "Blonder Engel" Schuster wirkt gelangweilt und relativ deplatziert. Immerhin hält er zum größten Teil still und überlässt seinem Kollegen Gronewald das Mikro.
Eine innovative Idee hat dann auch noch Platz gefunden. ISS2 dürfte das erste Spiel sein, bei dem der Stadionsprecher den Namen des Torschützen ausrufen lässt. Das Publikum gröhlt dann üigens wie in Echt den Namen mit. Leider ist die sonstige Soundkulisse etwas spartanisch ausgefallen. Bekannte Fanlieder sucht man vergebens, eigentlich wurden nur die oblikatorischen Oh's und Ah's bei vergebenen Chancen implementiert. Auch hier kann der EA Sports-Kick wesentlich mehr begeistern.
International Superstar Soccer 2 ist besonders für Einsteiger geeignet. Das Pad ist zwar komplett belegt, dennoch ist die Steuerung als intuitiv zu bezeichnen. Sie geht locker von der Hand und auch die Belegung der einzelnen Knöpfe wirkt logisch. Das oftmals als unhandlich bezeichnete Pad der Xbox macht bei ISS2 üigens keine Probleme, auch bei dem oftmals schnellen Reaktionsvermögen, dass man bei so mancher Situation aufingen muss, hat man stets die richtige Taste parat. Überhaupt wirkt der gesamte Spielverlauf ziemlich ausgereift. Schüsse kommen per Knopfdruck knackig aufs Tor oder werden, je nachdem wie lange ihr die entsprechende Taste drückt, lang gezogen. Es macht einfach jede Menge Spaß, nach einem schnellen Kurzpassspiel mit aller Kanone auf den Kasten zu ettern um sich dann über ein wunderschönes Tor zu freuen.
Als ebenfalls gelungen würde ich die Standartsituationen bezeichnen. Hier schießt man nicht einfach ohne Plan drauf oder sieht einen Genre-typischen Pfeil, sondern hat die Möglichkeit, ähnlich wie bei einem Golfspiel, das Leder exakt in die Ecke zu "zwiebeln". Neben der eventuellen Höhe, gibt man hier auch die Stärke des auszuführenden Freistoßes oder Eckball an. Ich persönlich hatte noch nie so viel Spaß daran, Standarts auszuführen und finde das gewählte System äußerst innovativ. Anfangs wirkt die Angelegenheit zwar etwas frustrierend, aber nach einer Menge Übung, kombiniert mit perfektem Timing wird wohl jeder mit der Zeit einen Freistoß verwandeln. Erfreulich ist auch die Tatsache, dass die Steuerung hingegen der PS2-Version noch etwas ausgereifter wirkt.
Nachdem wir die Stärken gegenüber der PlayStation 2-Variante ausführlich erläutert haben, gibt es nun auch einen kleinen Rüffel in Richtung Programmierer. So sind die Ladezeiten bei der Xbox, trotz Festplatte und besserer Hardware tatsächlich länger als auf der PS2. Ja, darf denn sowas wahr sein? Wenn ich 15 Sekunden warten muss, um mir meine Aufstellung zusammenstellen zu können, dann ist das schon sehr bitter und hinterlässt einen faden Beigeschmack. Da müssen die Jungs und Mädels von KCEO in Zukunft aber noch einige Überstunden schieben.
Was bleibt unterm Strich? Auf der Anzeigetafel steht ein Unentschieden zwischen FIFA WM 2002 und ISS2. Beide Spiele haben (ärgerliche) Schwächen, beide aber auch ihre Stärken. Der wahre Genrekönig kommt dann hoffentlich Ende des Jahres auf die Xbox. ISS2 ist zwar wirklich gut geworden, aber gegen ein Pro Evolution Soccer macht selbst das beste ISS oder FIFA keinen Stich. Für alle Fußball-Fans ist aber auch dieses Spiel hier eine lohnenswerte Anschaffung.
„Oh Baby, balla balla balla“
(Eigene Meinung » René Held)
Keine Frage, der erste Xbox-Kick der ISS-Reihe präsentiert sich wie eh und je. Simples und dennoch extrem motivierendes Gameplay, packende Spiele und eine relativ gute Gegner-KI. Grafisch hinkt der Titel, wie von ISS gewohnt, leider wieder einmal gegen den aktuellen EA Sports-Konkurrenten deutlich hinterher. Aber Grafik ist ja bekanntlich nicht alles und die Spiele können auch mit nicht ganz so überzeugender Optik trotzdem begeistern.
Leider hätte das Team von KCEO wesentlich mehr aus ihrem neuesten Titel machen können bzw. sogar müssen. Wieder einmal fehlen die Original-Spielernamen der südländischen Nationalmannschaften, wieder einmal bleibt die Präsentation spartanisch und auch die Tatsache der schwachen Soundkulisse ist bei einem ISS-Titel nichts wirklich neues. Hätte man all diese negativen Punkte verhindern können, hätte das Spiel sicherlich einige Käufer mehr gefunden. Traurig ist einfach nur, dass gewisse Dinge sich scheinbar nie ändern werden, egal wie lange die Serie noch fortgesetzt wird.
Trotzdem, ISS2 ist trotz aller negativen Aspekte ein Pflichtspiel für Fußball-begeisterte Videospieler. Gerade jetzt zur WM steigt das Interesse an König Fußball enorm an, da kommt eine Partie virtueller Rasenschach gerade recht. Nebenbei sollte üigens noch erwähnt werden, dass ISS2 spielerisch ungefähr genauso viel Spaß aufkommen lässt wie das neueste Produkt der EA Sports-Mannen. Jedoch kommt ISS2 ohne heftige Ruckler und Hänger im Ladescreen aus, von daher ist die Wertung etwas besser ausgefallen als beim direkten Konkurrenten.