James Bond - Ein Quantum Trost
Donnerstag, 06. November 2008
12:04 Uhr - Pünktlich zum Start des neuen James Bond Films bekommt man von Activision ein Doppelpack angeboten. Das Spiel zu „Ein Quantum Trost“ bietet nicht nur den aktuellen Streifen als reinrassigen Ego-Shooter sondern hangelt sich auch durch die Höhepunkte von Casino Royale. Müssen Bondfans also zugreifen?
Auch Bond weiß: Jeder Gang macht schlank
Ein Quantum Trost bietet reinrassige Egoshooter-Action: Der Spieler schlüpft in die Agentenhaut von Daniel Craig und ballert sich durch knapp 15 Level, die an Schauplätzen der beiden jüngsten Filme angelehnt sind. Nur angelehnt? Ja, denn meistens dienen die zugegebenermaßen nur als exotische Kulissen für schiessbudenartige Schusswechsel, die ein Actiongehalt vorgaukeln, den es in den Film garnicht gibt. Da der aktuelle Streifen allerdings stark auf mobile Action setzt, kommt ein Egoshooter natürlich an seine Grenzen. Während Bond im Kinofilm sowohl ein Auto, ein Motorad, ein Schiff und ein klappriges Flugzeug im Einsatz zerlegt, sind im Spiel diese Szenen höchstens in den Zwischensequenzen zu bewundern. So verwundert es nicht, dass die Entwickler zur Sicherheit noch Casino Royale mit eingebaut haben, damit dem Spiel die Substanz nicht zu schnell ausgeht. Denn die ist ohnehin etwas dünn. Zum Durchspielen sollte man nicht mehr als 4-5 Stunden benötigen, einen Wiederspielreiz sollen im Spiel versteckte Sonderitems wie Handies vermitteln, was allerdings nur bedingt motiviert und vermutlich nur Gamerscore-Huren wirklich ködern kann. Witzigerweise spielt man auch knapp zwei Drittel des Spiels die Szenen aus Casino Royale nach, und das obwohl das Spiel den Titel „Ein Quantum Trost“ trägt.
Bond verlässt sich nicht auf Technik. Das Spiel auch nicht.
Obwohl das Spiel auf der Engine von Call of Duty 4 basiert, schafft es nie, die Qualitäten dieses Titels zu erreichen. Da wären zum einen die Zwischensequenzen, die in Sachen Optik nur gepflegten PS2-Charme versprühen. Da wären zum anderen die verschiedenen Schauplätze, die von nett detailliert bis hin zu 08/15 Shooterkost reichen. Schon besser ist da James Bond persönlich geworden: Dank der bewährten Covermechanik kann man auch des öfteren einen Blick auf den überzeugenden virtuellen Daniel Craig werfen. Denn so ziemlich jeder Gegenstand des Spiels bietet eine Deckungsmöglichkeit für den Agenten, ein Spielprinzip das mit Gears of War, Rainbow Six und Dark Sector beinahe zum Standard von Actionspielen geworden. Kaum verwunderlich, dass das eigentliche Spielprinzip daher auch in fast jedem der 15 Level gleich ist. In Deckung – Schießen. Alle Gegner tot. In die nächste Deckung. Schiessen. Dass ihr es mit den immer gleichen Gegnern zu tun hat, ist da nicht wirklich hilfreich. Im Laufe der 15 Abschnitte ballert der Spieler auf knapp 1000 unter bezahlte Hilfslakaien, die wohl beim Aufstehen nur die Wahl zwischen 3 verschiedenen Outfits haben. Die einzige Flucht aus diesem Spielprinzip ist die kurze Parcour-Szene aus Casino Royale, bei der ihr mal für 5 Minuten nicht ballert, sondern nur dem Bombenleger hinterher rennt. Da man bei der Schießerei schon so auf Nummer Sicher geht, verwundert es nicht, dass auch die Geißel des modernen Spieldesigns wieder an Bord ist: Nahkämpfe sind nur mit Quicktime-Events zu meistern, wobei hier allerdings nur ein Knopf gedrückt werden muss. Die Belohnung ist eine unspektakuläre Niederschlaganimation, die man bei Jason Bourne weitaus besser gesehen hat.
Verlangen sie von mir dass ich rede?
Zu den Highlights gehören klar die Synchronsprecher, die alle aus dem Film übernommen wurden. Schade nur, dass die in den Briefings deutlich zu leise abgemischt sind, was dazu führt, dass man für die Missionsbeschreibung die Lautstärke anhebt, um dann fast einen Herzinfarkt zu bekommen, wenn eine Mission einsetzt und einen den Ohrschmalz aus den Gehörgängen pustet. Die Briefings sind im schlichten Stils der neuen MI-6 Computer-Oberfläche gehalten, die im Film dank Minority Report Bedienung ja noch recht schick daher kommt, im Spiel dann aber etwas trocken die Missionen miteinander verbindet. Genauso trocken präsentiert sich leider auch der Multiplayer-Bereich, der die bekannte Standardkost von Deathmatch- und Sondermodi wie „Der Mann mit dem goldenen Colt“ bietet. Hier sollte man sich nichts vormachen: Der Markt der Multiplayershooter ist durch dermaßen starke und gute Konkurrenz geprägt, dass sich hier niemand länger als eine Stunde aufhalten wird.
Ich gebe zu, als Bond-Fan wurde ich diese Woche doppelt enttäuscht. Da wäre zum einen der aktuelle Kinofilm, der in meinen Augen so ziemlich alles falsch macht, was Casino Royal richtig gemacht hat. Dies kann ich natürlich nicht dem Spiel anhängen, dass allerdings auch nur das Siegel „Dienst nach Vorschrift“ verdient. Der Verzicht auf Fahrmissionen lässt das Spiel zu einer reinen Ego-Shooter Schiessbude verkommen, ohne dabei auch nur in die Nähe der intensiven Gefechte eines Call of Duty zu gelangen. Nimmt man dann noch die etwas spröde Präsentation zwischen den Missionen, den mauen Mehrspielerpart und die kurze Gesamtspielzeit von 4-5 Stunden dazu, so gibt „Ein Quantum Trost“ leider wenig Anlass, die Investition von 60 € zu wagen.
Bewertung
James Bond 007: Quantum of Solace xbox360
0/10
Kommentare (20)
salasar
chiefrebelangel
Mortician
ODSG
JoCuS
Aresius
Und das Golden Eye von Rare wird wohl unerreicht bleiben :( Schade - das Ding war damals echt spitze!
Werner Stelzenpop
Slipknot666
hoiji
Warum soll eigentlich der Film schlecht sein, der Pressespiegel ist durchweg positv !
Macht doch mal ein Review zum Film. Ich glaub