Kampf der Titanen
12:27 Uhr - Och, immer auf die Lizenzspiele. Das ist nicht fair! Schnauze! Weil wir unser Hobby lieben, blicken wir stets optimistisch auf Umsetzung aktueller Kino-Blockbuster oder jedwede andere Marken-Versoftung. Wer erwartet schon gern ein schlechtes Spiel? Doch Kampf der Titanen ist mal wieder ein linientreues Retorten-Produkt geworden, wie es in der Bedienungsanleitung für die Gelddruckmachine steht. Na dann, Zeit den Göttern die Stirn zu bieten, in God of War 3. ... Ach so, Kampf der Titanen? Nun, das ist so ...
Weil die Götter sich nicht mehr um die Menschen kümmern und sie hungern und leiden lassen, hat Argos Herrscher Kepheus ihnen den Kampf angesagt. Da ihm dafür allerdings das nötige Talent fehlt Monster mit bloßen Händen in Stücke zu reißen, wie es unser verehrter Kratos perfektioniert hat, steht bald Hades vor der Tür und droht den Kraken (DEN KRAKEN!!!) freizulassen, sollte nicht Töchterchen Andromeda geopfert werden. Halbgott Perseus, Sohn des Zeus, aufgewachsen bei Fischersleut und eigentlich nur zufällig anwesend, sieht gar nicht ein, dass hier irgendwelche Schönheiten von irgendwelchen mythischen Missgeburten schnabbuliert werden und bietet seine übermenschlichen Schnetzelfähigkeiten an, um das vielarmige Monstrum aufzuhalten. Da seine Familie von Hades geerntet wurde, kann Perseus dabei gleich seine persönliche Vendetta abfeiern. Hades hat sogar die kleine Schwester gekillt. Der Typ hat es also echt verdient. So die Story des Spiels und vermutlich auch des Films, was ich leider nicht vergleichen kann. Satter Stoff für starke Heldengeschichten. Und eins ist klar: Auch wenn die Qualität des Streifens bezweifelt werden darf, seid ihr mit dem zweistündigen und vor allem günstigeren Kinobesuch deutlich besser beraten, als mit dem Kauf dieses langweiligen Dauergehackes. Von der Kraft und epischen Wucht mythologischer Tragödien ist hier keine Spur.
Messer, Axt, Bogen, Licht, sind für böse Monster nicht!
Erwartungsgemäß steuert ihr Perseus, dem jederzeit die Buddha-mäßige Besonnenheit aus dem Gesicht scheint, durch das gefährliche Unterfangen. Zumeist beginnt ihr in einer Art Basislager, welches im Verlauf der Handlung wechselt, etwa das anfängliche Fischerdorf oder ein Waffenkeller. Hier könnt ihr mit den NPCs reden und von bestimmten Personen Quests erhalten. Diese führen euch stets in die nähere Umgebung zum Monster-Auseinandernehmen. Mit wenig effektiven Komboangriffen mittels eures Schwertes malträtiert ihr Skelette, Sirenen, Riesenfrösche, Harpyen und was die griechische Mythologie sonst noch so hergibt. Die Scharmützel verfallen schnell in einen Wechsel aus Buttonmashing und Ausweichbewegungen. Eine Blockfunktion gibt es nicht. Halbwegs interessant und taktisch werden die Kämpfe lediglich durch den Zweitwaffenraub. Habt ihr einen Gegner lange genug bearbeitet, fängt er an orange zu leuchten und ihr könnt per Knopfdruck zum Zweitwaffenraub ansetzen, der euch (Wie sollte es auch anders sein?) mit einem Quicktime-Event konfrontiert, aber den Unhold spektakulär ins Jenseits befördert und euch in den Besitz seiner Waffe bringt. Davon könnt ihr vier verschiedene, zum Schnellabruf auf das Digi-Kreuz verteilen, zum Beispiel einen Bogen, ein zweites Schwert, eine große Axt oder Zaubersteine, die euch die Fähigkeit zum waffenlosen Kampf oder zur Selbstheilung bescheren. Jede der Sekundärwaffen verbraucht Energie, die ihr von getöteten Feinden erhaltet, ihnen aber auch, zwecks größerer Ausbeute direkt im Kampf absaugen könnt, was bei den unwilligen Unterweltgestalten aber meist in einem prekären Gegenangriff mündet. Da viele Gegner unterschiedlich auf anderes Handwerkszeug reagieren (Schilde-tragende Skelette lassen sich mit einem Hammer prima um ihr Schutzstück erleichtern. Fliegende Harpyen sind mit dem Bogen einfach besser zu erreichen.), ist stetiger Waffenwechsel unerlässlich. Mit, in Felsen, Kisten, Vasen oder Monstern gefundenen Gegenständen lassen sich die Mordinstrumente auch verbessern und um weitere Fähigkeiten erweitern. Dennoch werden die Gefechte schnell eintönig, da sie sich nicht sonderlich dynamisch und auch nicht immer absolut präzise spielen, sie oft einfach nicht enden wollen und obendrein so ziemlich das Einzige sind, was ihr im Spiel zu tun habt.
Zurück auf die Filmhochschule
Auch in allen anderen Bereichen gibt sich Kampf der Titanen moderat, wie es das Klischee wünscht. Am schlimmsten finde ich dabei inzwischen die extrem amateurhaft geschnittenen Gespräche und Zwischensequenzen, mit ihren emotionslos eingesprochenen Dialogen und ewigen Pausen zwischen zwei Sätzen und die ständigen Ladeblenden beim Gebietswechsel oder „unerwarteten“ Ereignissen. In Rollenspielen lasse ich mir das ja noch gefallen, da diese ohnehin im Allgemeinen ganzheitlich langsamer ablaufen. In Actionspielen zerrt das aber extrem an Tempo und Spielfluss und ist meiner Meinung nach inzwischen eine typische Lizenzspielkrankheit, die fast allein dafür sorgt, dass solche Spiele trocken, billig und rückschrittlich wirken. Der Knaller ist aber der Vorspann, der die Vorgeschichte erzählt und dabei doch allen Ernstes einen Filter im Stil abgenutzter Filmrollen über das Bild legt. Was, im Namen von Stanley Kubrick, Clint Eastwood und allen anderen Film-Göttern, hat denn bitte die Antike mit alten Filmen zu tun? Unfassbar! Hier stecken aufwendige Herzblutproduktionen nämlich viel mehr inszenatorischen Aufwand rein, der bei Lizenzversoftungen aber vermutlich zu viel Zeit und damit Geld kosten würde. Denn andere Aspekte des Spiels zeigen, dass man sich audiovisuell nicht mehr so viele Patzer erlauben kann oder will. Zwar wäre ich nicht so dreist Kampf der Titanen als grafisch schön zu bezeichnen. Mangelnde Kantenglättung, alberne Animationen – vor allem während der Gespräche (Erinnerungen an Gothic wurden wach.) – und die offensichtliche Faulheit der Künstler mal mehr als eine Textur zu malen, um damit einen Berg zu tapezieren verbannen Perseus' Odyssee in den Schatten der Genre-Konkurrenz. Die insgesamt aber optisch halbwegs vorlagentreue und vielfältige Umsetzung und einige nette Effekte wie das Feuer machen den Titel aber noch recht ansehnlich. Auch die Kampfgeräusche und besonders die Musik verführen nicht zu Hasstiraden. Einige Melodien hätten lediglich etwas mehr Variation vertragen können. Der orchestrale Bombast eines God of War wird aber natürlich auch hier nicht erreicht.
Pro und Contra
- + interessantes Zweitwaffenkonzept
- + viele Waffen mit deutlich unterschiedlichen Attributen
- + eigentlich gute Geschichte ...
- - Kämpfe arten schnell in Fließbandarbeit aus
- - Grafisch auf dem Stand von 2002
- - ... aber langatmig und altbacken inszeniert
- - kaum spielerische Abwechslung
Krampf mit Titanen
In den Fights von Kampf der Titanen spratzt es ganz annehmbar und die Gegner mit coolen Finishern oder Seelenraub in ihre Einzelteile zu zerlegen bzw. in Staub zu verwandeln, entbehrt nicht einer gewissen Befriedigung. Mit dem Zweitwaffendiebstahl und deren Einsatz bringt das Spiel sogar ein wenig Eigenständigkeit mit und kopiert nicht blindlinks die Genre-Elite. Auch die Geschichte ist prizipiell spannend. Griechen-Mythologie geht immer. Leider ist sie mal wieder völlig uninteressant auf das Medium Viedospiel übertragen, inklusive Logik-Fehlern und sinnloser Streckungen. Wieso muss ich denn bitte erst gefühlte einhundert Aufgaben für die Soldaten von Kepheus erledigen, um meine Stärke und Loyalität zu beweisen, obwohl ich vorher bereits im Alleingang Andromeda vor zwei Strahlen-schießenden, kickboxenden Steinkolossen beschützt habe und die Zeit zur Rettung der Stadt vor dem Kraken (DEM KRAKEN, VERDAMMT!) mehr als eilt? Wieso labert mich Perseus Mutter voll, sie könne seinen Vater nicht finden, obwohl der zehn Meter weiter direkt in ihrem Blickfeld steht? Anstatt endlich mal die Möglichkeiten zu nutzen, eine Film-Handlung weiter zu vertiefen, wird die Spielzeit mal wieder mit bedeutungslosen Missionen und endlosen Kämpfen künstlich gestreckt, ohne jegliche Form von Spannung zu erzeugen. Dann das nächste mal doch lieber kurz, gut und günstig.
Bewertung
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Kommentare (22)
toul81
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Jägerfisch
salasar
TheRealGOTT
PipBoy95
Saibot
GT-Fan
Müssen nicht siehe Batman AA.