Killzone 2
15:07 Uhr - Es gibt Spiele, die geistern schon so lange durch das Videospiel-Reich, dass man es mit einer Mischung aus Erleichterung und Skepsis aufnimmt, wenn die schmucklose Testversion plötzlich auf dem Schreibtisch liegt. Nun kann sich Killzone 2 nicht mehr länger hinter der riesigen Wand aus Erwartungen und (zum Teil selbst entfachtem) Hype verstecken. Die folgenden acht Stunden vor der Konsole werden verraten, ob sich auf diesem kleinen runden Datenträger die Zukunft der Ego-Shooter befindet.
Wer's braucht: Die Story
Im Intro werden wir Zeuge einer flammenden Propaganda-Rede des Helghast-Imperators Visari, der sein Volk auf die kommende Schlacht gegen die Invasionsstreitkraft einstimmt. Diese Invasoren sind wir, genauer gesagt Sergeant „Sev“ Sevchenko und seine Alpha-Einheit, die hier den intergalaktischen „Krieg gegen den Terror“ vor die Haustür des Feindes verlagern. Wird Visari ausgeschaltet, so die Logik des ISA-Oberkommandos, wird das den Kampf gegen die bereits angeschlagenen Helghast beenden und gleichzeitig verhindern, dass sich unerotische Gasmasken-Outfits als Modetrend durchsetzen. Die Story wird während des Spiels leider nur sehr rudimentär erzählt. Die Hintergründe des Krieges oder zumindest ein schlüssiger roter Faden gehen im Kriegsgetümmel schnell verloren. Aber mal ehrlich: Wer Killzone 2 wegen der Story spielt, liest den Playboy auch wegen der Interviews. An einem Punkt im Spiel drückt es unser bereits aus Teil 1 bekannter Sidekick Rico vollkommen richtig aus: „Schieß einfach auf alles, das sich bewegt!“
Space-Nazis must die
Wie bereits in unserem Preview erwähnt, hat man bei Killzone 2 wirklich das Gefühl, in der schweren, unbequemen Rüstung eines Marines zu stecken. Alle Aktionen wirken eine Spur behäbiger, dafür aber auch wuchtiger als in vergleichbaren Ego-Shootern. Auch das Zielen fühlt sich anfangs etwas schwerfällig an. Die Durchschlagskraft der Waffen und die Brutalität des Krieges kann man im Körper von Sev geradezu am eigenen Leib spüren. Um hingegen möglichst wenige feindliche Kugeln zu spüren, geht der Soldat auf Knopfdruck hinter Objekten in Deckung und kann nun gezielt dahinter auftauchen und eine Salve feuern oder blind aus schützender Position schießen. Ein Taktik-Shooter ist Killzone 2 dadurch aber nicht geworden. Im Gegenteil: Meist führt eher eine offensivere Vorgehensweise zum Erfolg, denn die Helghast verstehen sich gut darin, sich zu verschanzen und stecken zudem eine Menge Treffer ein. Die geheimnisvollen Weltraum-Nazis gehören für mich zu den fiesesten und ikonografischsten Gegnern der FPS-Historie. Mit ihren rot glühenden Augen und einer spürbaren Verachtung für alles Gute und Schöne lassen sie das Blut in den Adern gefrieren. Durch ihre Aggressivität und Robustheit wird jedes Shoot Out zum zelebrierten Todesballet, wobei eure Waffen die Rolle des Taktstocks übernehmen. Die künstliche Intelligenz macht dabei einen guten Eindruck. Die Helghast versuchen geschickt aus der Schussbahn zu entkommen, umkreisen euch und feuern auch gerne präzise aus der Deckung. Von dem angepriesenen dynamischen Zusammenspiel der einzelnen Gegnerklassen war im Endeffekt aber nicht viel zu sehen.Für ein wenig Abwechslung sorgen kurze Passagen, in denen ihr Geschütze übernehmt oder einen Panzer kontrolliert. Viele Rücksetzpunkte halten den Ärger nach einem vorzeitigen Frühableben in Grenzen. An manchem Stellen übertrieb es Guerilla aber mit der Masse an nachrückenden Helghast. In solchen Situationen hilft oft nur Ballern und Beten.
Hurra, es ist Krieg!
Schaut man im Lexikon unter „audiovisueller Wucht“ nach, findet sich dort sehr wahrscheinlich ein Bild von Killzone 2. Die packende Schlachtenatmosphäre lässt den Bildschirm erzittern und spült, die passende Anlage vorausgesetzt, eure Ohren (und die eurer Nachbarn) ordentlich durch. Links explodiert eine Granate, in der Mitte rattert das Maschinengewehr und von rechts brüllt ein grimmiger Helghast irgendwelche Verwünschungen. In seinen besten Momenten ist das Spiel wie digitales Adrenalin, das euch konstant nach vorne puscht. Richtig große WTF-Momente, an die man sich auch in ein paar Jahren noch erinnert, sind bei Killzone 2 hingegen rar gesät. Es ist mehr das Gesamterlebnis, der ständige Wunsch, noch mehr hässlichen Helghast in den Hintern zu treten, der es hier schwer macht, das Pad ruhen zu lassen. Eine nicht geringe Rolle spielt dabei auch die Grafik, über die alleine schon so viel geschrieben wurde, dass es ganze Folianten füllen könnte. In der Tat sieht Killzone 2 fantastisch aus. Plastische Lichteffekte, zerstörbare Umgebungen und üppige Explosionen beeindrucken selbst abgebrühte Grafik-Fetischisten. Zudem läuft das Ganze herrlich flüssig. Das Einzige, was hier ins Stocken gerät, ist euer Atem, wenn ein Rudel Rotaugen durch Staub und Rauch auf euch zurennt. Vor allem diese Partikeleffekte sind es, die oft ein echtes Gefühl von Beklemmung und Panik entstehen lassen, wenn sie die Sicht rauben und Blindfeuer verlangen. Für eingeschränkte Sicht sorgen leider auch die oft dunkel gehaltenen Szenarien, die – sei es bewusst oder unbewusst – oft die Sicht auf kolossale Polygon-Bauten oder die nähere Umgebung verwehren. Später weicht das düstere Stadt-Szenario zum Glück noch abwechslungsreicheren Ortschaften, aber man muss den Look von Killzone 2 schon mögen, um hier die neue optische Referenz zu sehen. Guerilla Games haben die PS3 vielleicht nicht ans Limit gebracht, aber sie haben es trotzdem geschafft, ein großes Ausrufezeichen zu setzen.
Im Körper des Feindes
Nach dem Beenden der Singleplayer-Kampagne ist die Schlacht noch nicht vorbei. Nun warten noch die Multiplayer-Maps auf ihren Blutzoll. Auf acht Karten geht es hier zur Sache, wobei man nun auch in die schwarzen Rüstungen der Helghast schlüpfen kann. Für viele sicherlich eine verlockende Gelegenheit. Im Sektor der PS3-exklusiven Shooter hat Killzone 2 mit Resistance 2 eine ernstzunehmende Konkurrenz, die mit bis zu 60 Spielern und einem ausgefeilten Klassensystem protzt. Zumindest Letzteres findet sich auch in dem Guerilla-Titel. Zudem erballert ihr euch in den Online-Gefechten Orden, mit denen ihr im Ranking aufsteigt und neue Ausrüstung freischaltet. Auch das Gründen eines eignen Clans (mit dem dann um begehrte Clan-Punkte gespielt werden darf) ist erst nach ein paar Schritten auf der Karriere-Leiter möglich.Wirklich neue Spielmodi sucht ihr hingegen vergebens. Die bekannten Varianten wurden lediglich adaptiert. Dennoch dürfte der Online-Modus viele Freunde finden, denen eine authentische Kriegsatmosphäre wichtiger ist als eine möglichst hohe Teilnehmerzahl.
Killzone 2 macht ernst: Dreckiger und intensiver ist man noch nie in einen virtuellen Krieg gezogen. Die dichte Inszenierung saugte mich förmlich ein und spuckte mich erst nach acht schweißtreibenden Stunden wieder aus. Die audiovisuelle Präsentation leistet ebenfalls ihren Beitrag, um den Shooter von Guerilla Games zu einem echten Erlebnis zu machen, das sich kein PS3-Besitzer entgehen lassen sollte. Nun hatte Killzone 2 aber von Anfang an mit dem Stigma zu kämpfen, dass eben dies das Mindeste war, was von dem Spiel erwartet wurde. Und für (noch) mehr reicht es dann auch nicht. Dafür fehlen der Helghast-Ballerei einfach die wirklich herausragenden Momente und abwechslungsreichere Szenarien. Hier haben meiner Meinung nach Insomniacs Resistance 2 und Infinity Wards Call of Duty 4 die Nase leicht vorn und teilen sich daher mit dem humor- und kompromisslosen Killzone 2 die Genre-Krone auf der PS3.
Bewertung
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Kommentare (46)
kingmo
salasar
Immo, schöner test. Hab auch nix anderes erwarten. Resistence 2 war deutlich besser als der erste Teil. Allerdings auch nicht gut genug das ich das Game behalten hätte (habs wieder verkauft). Klingt jetzt ein bischen großspurig, aber die Killzone Demo hat mir schon fast besser gefallen als das ganze Resistence game :-)
bnaked
Ragism
Das soll nicht böse klingen, ich habe bisher nur für mich persönlich überzeugendere Tests gelesen. Eventuell werde ich mich der 9/10 und dem restlichen Text ja noch anschließen können...
TMoP
Würde ich sehr gerne mal spielen das Game!
The Darkside
Atlantas Finest
nea
Das Problem was ich nur sehe, wenn ich es jetzt nachträglich in Gedanken habe ist es auch "nur" ein Shooter gewesen (mit höllisch schönem Design natürlich). Gleiches gilt für mich auch für Gears of War. Ich habe GoW 1 und 2 fast am Stück durchgespielt, so gefesselt hatte es mich... aber dann... naja, wars das halt. GoW lebt von seinem Multiplayer, ganz klar (auch wenn ich ihn nicht mag) und ich denke genau davon wird das Schicksal von KZ2 auch abhängen, wie der Multiplayer überleben wird. Wenn gut, dann wird es ein Spiel das sich über eine ganze Zeitspanne verkaufen kann (wie ein LBP), wenn nicht, dann ist es ein phänomenaler Blockbuster, mehr aber leider nicht.
sponk
bnaked
Oh man, wenn man dein post liest wird man zu Hulk..
Über 100 bisherige Reviews sind also Hype Reviews, nur weil alle 9/10 oder mehr vergeben haben und nicht genug auf den Wiederspielwert eingegangen sind? Was ist das denn? Geh weg! Les das "Edge" review und geh weg und lass dich weiterhin beeinflussen von deinen komischen reviews..