16.01.2007 11:58
King Kong
Peter Jackson steht für Qualität. Das betrifft nicht nur seine Filme, sondern komischerweise auch die Umsetzung des Filmstoffes in digitale Welten. Während die Redaktion immer noch auf eine Videospielumsetzung von Meet the Feebles wartet, konnte uns die Versoftung des Herr der Ringe Stoffes in den letzten Jahren immer überzeugen. Um den hohen Qualitätsstandard halten zu können, bündelte Ubisoft alle Kräfte. Nach dem wunderbaren Action-Adventure Beyond Good & Evil wurde Michel Ancel damit beauftragt in Zusammenarbeit mit Peter Jackson die Abenteuer des riesigen Gorillas Kong ins rechte Licht zu rücken.
Eigentlicher Hauptcharakter des Spiels ist allerdings der Drehbuchautor Jack Driscoll, der sich zusammen mit dem leicht verschrobenen Filmemacher Carl Denham und der lieeizenden Schauspielerin Ann Darrow auf die Suche nach der geheimnisumwobenen Totenkopfinsel macht, auf der Denham seinen nächsten Abenteuerfilm drehen möchte. Wie es sich für eine unbekannte Insel gehört, lauern dort jede Menge Gefahren mit denen die Crew auch direkt Bekanntschaft macht, nachdem ihre Landungsboote während eines schlimmen Sturm kenterten.
Aus der Egoperspektive wird der Spieler auch sogleich von einer hungrigen Horde Rieseninsekten angegriffen, die hier scheinbar Frischfleisch wittert. Da eure Waffen während der missglückten Landung dem Meer zum Opfer fielen, erwehrt ihr euch zunächst mit primitiven Speeren oder Knochen, die ihr den garstigen Kreaturen in den Leib rammt. Aber keine Sorge, im weiteren Verlauf des Spiels müsst ihr nicht auf rohen Schießpulvereinsatz verzichten; neben der klassischen Pistole und einer Schrottflinte, findet ihr immer wieder mal ein Scharfschützengewehr oder eine Maschinenpistole, mit denen ihr euch auch vor größeren Gegnern nicht zu verstecken aucht.
Die Hauptwaffe bleibt allerdings der gute, spitze Speer, da der Munitionsvorrat nur sehr begrenzt ist und man zudem grundsätzlich nur eine Waffe mit sich tragen kann. Wer also schon kleine fledermausähnliche Wesen mit Blei voll pumpt, schaut später dumm aus der Wäsche und gibt Fersengeld, wenn ein riesiger T-Rex oder schlaue Raptoren durch das Unterholz huschen. Daher ist Köpfchen gefragt, um Kämpfen aus dem Weg zu gehen. Ein Mittel gegen lästige Feinde ist beispielsweise Feuer, mit dem sich die Widersacher vertreiben lassen. Ganz gemeine Jäger zünden das trockene Buschwerk erst dann an, wenn der Gegner genau mittendrin steht. Panisches Aufheulen ist die letzte Aktion die der Spieler dann vom verennenden Gegenüber mitbekommt.
Wer mag darf die gefräßigen Viecher auch von eurem Pfad weglocken oder ablenken. Dafür spießt ihr Getier der Umgebung auf euren hölzernen Pflock und werft ihn dann den hungrigen Kreaturen vor die Füße, die sich natürlich mit sabbernden Kiefer direkt darauf stürzen. Abgesehen von diesen netten Zwischeneinlagen raucht des Spielers Kopf allerdings nur selten. Mit Ausnahme von einigen Schalterrätseln beschränken sich die Abenteuer von Jack Driscoll darauf, die recht kurzgehaltenen Level zu durchlaufen. Die Abschnitte sind dabei sehr linear ausgefallen, die Pfade die euer Abenteurertrupp wählen kann sind schmal.
Was aber nicht negativ ausgelegt werden sollte, denn die Stärke von King Kong liegt ganz eindeutig in der durch viele Scripts und Ereignisse weitergesponnene Story, die in weiträumigen Abschnitten lange nicht so gut funktioniert hätte. Das Spiel bietet dem Spieler zahlreiche tolle Momente, an die man sich nach dem Spielen noch lange erinnert. Wenn man das erste mal auf Kong trifft, dem T-Rex begegnet oder sich in einer engen Höhlenspalte vor klugen Raptoren versteckt, sind das Augenblicke im Leben eines Videospielers die man nicht so schnell vergisst.
Was natürlich auch an der erstklassigen Präsentation liegt. Denn technisch kann man dem Spiel kaum Vorwürfe machen. Zwar wirken einige Texturen nicht sonderlich spektakulär und gerade der Boden wirkt doch arg matschig, dafür punktet der Titel in allen anderen Aspekten. Die Dschungelwelt wirkt mit seinem hohem Detailgrad einfach unglaublich lebendig und echt, dank der gut eingestreuten Effekte, fühlt man sich wie mittendrin im Geschehen. Es sind die kleinen Momente, die dieses Spiel hervorheben, wie etwa die Nebelschwaden auf dem undurchdringlich scheinenden Sumpf, oder das einsetzende Gewitter, wenn ihr euch abgekämpft durch das Dickicht schleicht. Zudem wirken viele Kameraeinstellungen wie von Peter Jackson höchstpersönlich ausgewählt, so cineastisch kommt der Titel häufig rüber.
Auch die vielen Zwischensequenzen (anfangs noch aus Filmschnipseln bestehend, später nur noch in Spielgrafik) fördern das Erlebnis ungemein. Ebenso wie die wunderbare Surrounduntermalung die den Spieler immer tiefer in das Abenteuer zu ziehen scheint. Wenn Kong zum ersten Mal tobend üllt, und eine Herde Saurier sich mit dumpfen Klängen schon aus der Ferne ankündigt, weiß der Spieler mal wieder warum er seine Konsole nur noch via 5.1 System betreibt. Die dramatische Hintergrundmusik reiht sich in dieses Loblied auf den Sound im üigen ebenso ein, wie die gute deutsche Sprachausgabe die mit den original Filmstimmen daherkommt. Einziger Wermutstropfen ist die fehlende Lippensynchronität
Während Kong also durch das Unterholz trampelt und mit seinem Lärm die Nachbarn des Redakteurs weckt, sei noch anzumerken, das auch der verlauste Affe seine Auftritte im Spiel hat. Und natürlich nicht nur in Form von irgendwelchen Zwischensequenzen sondern in spielbaren Mission, in denen der Spieler den Spieß endlich umdreht. Während ihr vor wenigen Minuten noch vor jedem Untier fliehen musstet, wirken die meisten Gegner nun wie Spielzeug mit dem der große Affe herumtollt. Ehemals garstige Flugwesen, werden nun wie Fliegen zerquetscht und selbst der riesige T-Rex wirkt auf einmal gar nicht mehr so furchteinflößend, und muss vermutlich erstmals selber schlucken als wir ihm an den Hals springen.
Die Abschnitte des Kong sind kleine Prügel- und Geschicklichkeitseinlagen, in denen ihr mit dem Affen von Baum zu Baum springt, an Wänden entlang klettert, und mit euren mächtigen Pranken alles zu Kleinholz kloppt. Natürlich bedachten die Entwickler dabei die Größe und das Gewicht unseres Lieblingsaffen, so dass sich die Abschnitte mit dem König der Insel recht träge spielen. Was zum Teil auch an der Bildrate liegt, die hier leider häufiger in die Knie geht. So kommen Schläge schon mal zu spät, und der ein oder andere Sprung kommt nicht ganz so genau wie geplant.
Dank der relativ kleinen Levelabschnitte und großzügig verteilter Rücksetzpunkte, ist King Kong im üigen kein übermäßig schweres Spiel, abgesehen von einigen Trial & Error-Passagen in denen ihr euch erst eine Taktik zurechtlegt, gibt es kaum Stellen die euch länger fordern werden. Der Titel spielt sich flüssig und locker, und unterstreicht damit im Grunde nur seinen filmischen Charakter. Nach gut acht Stunden ist dann auch alles vorbei, wer mag darf einzelne Abschnitte noch einmal anwählen und weitere Boni freischalten. Im Grunde werden die meisten Spieler aber wohl ins nächste Kino rennen, und sich den Film geben wollen, denn darauf macht der Titel während des Zockens am meisten Lust.
Auf einen Multiplayermodus wurde leider verzichtet, was durchaus schade ist, da gerade ein Kooperationsmodus bei diesem Spiel sicherlich Sinn ergeben und Spaß gemacht hätte. So müsst ihr euch auf die CPU-Mitstreiter verlassen, die ihre Sache im üigen sehr gut erledigen und sich ganz genau so verhalten wie man es sich vorstellt. Mal gehen sie in Deckung, mal bekämpfen sie an eurer Seite mutig eine Horde Feinde, und unterstützen euch so gut es geht.
Was das Duo Ancel/Jackson hier abliefert ist an Atmosphäre und Ambiente nur schwer zu übertreffen. Dank einer hervorragenden Inszenierung macht die Videospielumsetzung des Films einfach Spaß bis zum Ende; Langeweile kommt dank der abwechslungsreich gestalteten Level kaum auf. Nörgler werden sich vermutlich an dem fehlenden Freiraum und an der nicht sonderlich hohen Rätseldichte stören, alle anderen erfreuen sich an klasse Ego-Action mit vielen Highlights an die man sich auch in ein paar Jahren noch gerne zurückerinnert.
Doch nicht nur Technik und Sound wissen zu begeistern, auch das Spielerische kommt nicht zu kurz. Mal lenkt ihr eure Widersacher geschickt ab, mal rettet ihr eure Mitstreiter aus einer enzligen Situation und gelegentlich schlüpft ihr in die Rolle des Kong, und nehmt Rache für all die Schreckensmomente in den vorherigen Stages. Durch geschickt verteilte Munitionsvorräte, haben Dschungelrambos im üigen keine Chance, geschicktes Taktieren ist angesagt im Kampf gegen Rieseninsekten, Flugmonster und Saurier.
Abzüge in der B-Note gibt es für die nicht immer ganz konstante Bildrate, die recht kurze Spieldauer, die träge Kong-Steuerung und das Fehlen des von mir schmerzlich vermissten Kooperationsmodus, ansonsten ist King Kong, das Spiel zum Film ein echtes Highlight das man sich nicht entgehen lassen sollte, dafür bietet der Titel einfach zu viele „Ich kann nicht glauben was hier gerade abgeht"- Momente.