Kingdom under Fire: Heroes

16.01.2007 12:01
Kingdom under Fire: Heroes


In Zeiten, in denen spürbare Innovationen in Videospielen eher Mangelware sind, erfreut es immer wieder aufs Neue, wenn bis dato eher unbekannte Entwicklerteams mit einem ungewöhnlichen Konzept hervorstechen können. Dieses Kunststück gelang vergangenes Jahr Phantagram mit ihrer Fantasy-Epos Kingdom under Fire: The Crusaders. Anstatt einfach ein klassisches Hack`n`Slay-Abenteuer oder einen Strategie-Titel rund um ihre Tolkien-inspirierte Geschichte zu spinnen, kombinierten die koreanischen Entwickler einfach beide Genres zu einem überraschend frischen, wie spaßigen Spielerlebnis. Nach nur einem knappen Jahr legt Phantagram nun nach und liefert mit Heroes mehr von der aus dem Vorgänger bekannten Kost ab.

Die dunkle Bedrohung

Storytechnisch folgt man dabei der momentan grassierenden Prequel-Welle und verfrachtet die Hintergrundgeschichte von Heroes kurzerhand fünf Jahre vor die Geschehnisse von Crusaders. Somit können auch Spieler, die den Vorgänger nicht gespielt haben, mühelos der Handlung folgen, während Besitzer von Crusaders endlich erfahren, wie es zu den Geschehnissen des Vorgängers gekommen ist. Die intrigenreiche Geschichte wird dabei in bester Blizzard-Manier aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt. Das Spiel ist in siebenen Kampagnen eingeteilt, die miteinander verwoben. Leider setzt die Präsentation immer noch auf Standbilder und unspektakuläre Ingame-Zwischensequenzen, so dass sich das Spiel hier deutlich unter Wert verkauft. Dafür trägt zumindest die gute, deutsche Sprachausgabe für ein deutliches Atmosphäre-Plus bei.

Mit jeder neuen Kampagne wechselt jedoch nicht nur der erzählerische Blickwinkel, dank stetig neuer Helden, die ihr steuern könnt, variiert zudem auch das Gameplay. Zumindest was den Action-Part anbelangt. Jede Schlacht beginnt noch immer damit, dass ihr eurer Truppe über ein einfach zu bedienendes Kartenmenü Marschbefehle gebt. Sobald euer Trupp auf den Feind stößt, wechselt das Spiel automatisch auf den Helden eurer Streitmacht, den ihr fortan direkt steuern könnt. Das Gameplay erinnert hier nicht von ungefähr an Koeis Dynasty Warriors. Mittels Knopfdruck schlagt ihr euch durch deutlich unterlegene Gegnerhorden und löscht mit euren Kombos gleich Dutzende Gegner gleichzeitig aus. Durch die Nähe am Geschehen entsteht hier echtes Herr der Ringe-Feeling. Leider sorgt die Nähe jedoch auch häufig für Übersichtsprobleme, die sich nur durch stetiges Rauszoomen beheben lassen. Unverständlich ist hierbei, wieso Heroes die Kameraeinstellung des Spielers nicht speichert und ihr so häufig nachjustieren müsst. Steht ihr deswegen einer Übermacht entgegen, dürft ihr zumindest auf allerlei Spezialattacken für einen Befreiungsschlag zurückgreifen, die jedoch zunächst Fähigkeitenpunkte voraussetzen.

Hannibal war ein Dunkelelf

Selbige winken für taktische kluge Entscheidungen im Strategie-Part. Drückt ihr nämlich während einer Schlacht die rechte Maustaste, könnt ihr jedem eurer Trupps selbst im heftigsten Kampfgetümmel neue Befehle erteilen. Die hohe taktische Tiefe von Kingdom under Fire macht hierbei den enormen Reiz der Serie aus. Wer sinnlos seine Truppe vorschickt, verliert selbst mit den besten Reflexen im Action-Part die Schlacht. Vielmehr gilt es, das „Stein, Schere, Papier“-Prinzip des Titels zu berücksichtigen. Wer so beispielsweise seine berittenen Einheiten durch gegnerische Schwertkämpfer reiten lässt, vernichtet selbst große Feindansammlungen mühelos. Dieselben Einheiten werden jedoch fast sofort von Lanzenträgern aufgespießt, die wiederum keine Chance im Nahkampf gegen schwertschwingende Widersacher hätten. Zudem solltet ihr noch Elemente wie den Stand der Sonne, den Untergrund oder Höhenunterschiede beachten. Leider ingt euch das Spiel alle diese Elemente mehr schlecht als recht näher, so dass Anfänger schnell überfordert sind. Dies gilt erst recht, da der Schwierigkeit während der knapp fünfzig Missionen schnell ansteigt und gegen Ende kaum mehr Spielraum für taktische Fehlentscheidungen lässt.

Entspannter geht es da schon zwischen den einzelnen Missionen zu, wo ihr in Ruhe eure Truppen zusammenstellen dürft und diese ausrüsten könnt. Ähnlich eines Rollenspiels winken für geschlagene Schlachten Erfahrungspunkte und Gold. Während ihr die bare Münze in Geschäften gegen neue Rüstungen und bessere Waffen eintauscht, lassen sich mit den Erfahrungspunkten die Einheiten aufwerten. Für eure Helden winken so neue Angriffe und Zaubersprüche, während sich die Einheiten selber lassen. Wer will, macht beispielsweise aus einfachen Bogenschützen, berittene Einheiten oder wertet sie gleich zu mächtigen Elementartruppen auf.

Nie wieder allein

Bis ihr jedoch eigene Eisjungfrauen in den euren Reihen habt, dürften viele Stunden vergehen. Überhaupt ist Heroes ein echtes Schwergewicht, was die Spieldauer anbelangt. Knapp 40 Stunden beschäftigen allein die Einzelspielerkampagnen. Wer danach immer noch nicht vom Spielprinzip hat, kann nun zudem auch eigene Missionen über einen rudimentären Missionseditor erstellen. Einfach auswählen mit welchem Trupp ihr, beziehungsweise der Gegner antritt, sich für eine Karte entscheiden und schon kann es losgehen. Diese Missionen beschränken sich zwar immer darauf, alle Einheiten des Feindes zu vernichten, dennoch taugt der Modus alle Mal für ein verregnetes Wochenende oder um schnell eine neue Taktik auszuprobieren.

Deutlich abwechslungsreicher spielen sich da schon die Mehrspielergefechte. Im Gegensatz zum Vorgänger können nun bis zu sechs Spieler gleichzeitig an einer Schlacht teilnehmen und auch der Netzcode ist nun deutlich stabiler. Geblieben ist jedoch die Tatsache, dass ihr auch online in Rollenspielmanier aufsteigt und nach und nach eure Einheiten aufwerten dürft. Zum Trainieren stehen euch dabei drei unterschiedliche Modi zur Verfügung. Neben den üblichen Strategie-Geplänkeln könnt ihr euch so auch nur mit den Heldencharakteren in einem reinen Action-Match die Rübe einschlagen oder über den Zuschauer-Modus passiv die Schlachten anderer Mitspieler bestaunen. Gerade der letzte Modus kommt Anfängern dabei gelegen, da sie hier in Ruhe zuschauen können, wie erfahrene Spieler ihre Einheiten führen, und sich so den einen oder anderen Kniff abschauen können.

Optional kann man hier natürlich dann auch nur die hübsch inszenierten Massengefechte mit teils 5000 Einheiten pro Schlacht bestaunen. Optisch ist Heroes nämlich erneut hervorragenden gelungenen. Gerade die Hauptfiguren und großen Belagerungseinheiten sind extrem detailliert modelliert und vortrefflich animiert worden. Die Bilderwiederholungsrate bleibt dabei selbst beim größten Getümmel flüssig. Einzig die Sichtweite fällt erneut relativ knapp aus und wird durch einen dichten Nebel begrenzt. Akustisch gibt es ebenfalls wenig zu meckern. Die Sprachausgabe ist wie schon erwähnt gelungenen und auch die Soundeffekte sind überaus passend. Einzig die Hard Rock-Musik dürfte anfangs leicht gewöhnungsbedürftig sein.

„Bitte einmal mehr vom Gleichen!"

(Meinung » Sven Mittag)

Ihrem „Alles wird besser“-Kredo wird Phantagram mit Heroes leider nicht gerecht. Die gelungene Mischung aus Action und Strategie gewürzt mit einigen Rollenspielelementen überzeugt zwar genauso wie noch vor einem Jahr, die Verbesserungen halten sich jedoch stark in Grenzen. Der Schwierigkeitsgrad ist so noch immer zu hoch für Gelegenheitsstrategen und auch die überarbeitete Kamera besteht den Praxistest nur mit Mühe, da man sie stetig nachjustieren darf.

Einzig der neue Skirmish-Modus, sowie die endlich auchbare Online-Komponente sorgen unterm Strich für ein etwas besseres Spielerlebnis. Wer nach der wahrlich epischen Einzelspieler-Kampagne immer noch nicht genug vom Spielprinzip hat, kann nun theoretisch ewig neue Schlachten entwerfen und dank rundem Online-Erlebnis muss man auch nicht immer nur allein in den Kampf ziehen. Schön ist hierbei vor allem der Zuschauer-Modus, der Anfängern wirklich die Chance gibt, sich Strategien bei erfahrenen Spielern abzuschauen.

Unterm Strich bietet Kingdom under Fire: Heroes somit also gewohnt, hochwertige Action-Strategie-Kost, ohne jedoch noch wie sein Vorgänger neue Akzente zu setzen. Wer schon mit Crusaders seinen Spaß hatte und endlich mal mit mehr als nur einem Widersacher online spielen will, kann unbeschwert zugreifen.

Bewertung

Kingdom under Fire: Heroesxbox

0/10

Alexander Laschewski-Voigt

Der gelernte Industriekaufmann probierte sich im BWL-Studium aus, um dieses dann allerdings zugunsten einer Xbox-Website namens AreaXbox vorzeitig zu beenden. Seitdem steht er als Chefredakteur auf der Kommandobrücke der MS AreaGames. Der bekennende US-Serienfan legt am liebsten Renn- oder Rollenspiele in seine Xbox 360. Zu den Alltime-Hits seiner mit dem C64 begonnenen Spieleleidenschaft gehören Deus Ex, System Shock 2 und die Wing Commander-Reihe.