Kiss & Kill
Bekannte und gerade bei der weiblichen Zielgruppe recht beliebte Hauptdarsteller wie Ashton Kutcher und Katherine Heigl sollten gemischt mit etwas Action, ein wenig Liebe und ganz viel "Schatz-Ich-Bin-Übrigens-Spezialagent"-Humor dafür sorgen, dass der Film Killers in den USA die Kinokassen klingeln lässt. Tat er aber nicht so richtig und auch bei den Kritikern fiel er gnadenlos durch. Jetzt mogelt er sich mit neuem Titel "Kiss & Kill" in die deutscheln Lichtspielhäuser, um bei unserer Redaktion ebenfalls gnadenlos durchzufallen.
Worum geht's?
Spencer Aims (Kutcher) ist nicht nur gut trainiert, charmant und mit einem lächeln ausgestattet, mit dem er selbst Frauen wie Demi Moore in die Kiste kriegen könnte. Nein, er ist auch noch Auftragskiller. Und rein zufällig trifft er gerade an dem Tag die Liebe seines Lebens (Heigl), an dem er seinen etatmäßig letzten Auftrag ausführt, um sich gemütlich zur Ruhe zu setzen. Jen Kornfeldt heißt die Auserwählte und nach einer heiteren Kennenlern-Nacht mit ihr, einem kleinen Kennenlern-Schnaps mit ihrer Mutter und einem kleinen Kennenlern-Tontaubenschießen mit ihrem Vater hat er sie natürlich gleich geheiratet, um ganz fix über seinem alten Leben den Deckel zuzuschrauben und in eine typisch amerikanische Kleinstadt zu ziehen. Drei Jahre geht das gut, bis er - wie zu erwarten - von seiner Vergangenheit eingeholt wird, über die seine Gemahlin überhaupt nicht bescheid weiß. Schnell liegen die Nerven der beiden blank und es folgt ein hitziger, actionreicher Trip durch die ganze Ortschaft. Ja, weiter kommen sie tatsächlich nicht.
Wie viel wird gekissed?
Ob ihr nun knisternde Erotik oder herzerwärmende Romantik sucht, beides hat Kiss & Kill nicht zu bieten. Sicherlich gibt es im Film den ein oder anderen Kuss zu sehen, aber wem das schon als alleinige Zutat für einen gelungenen Liebesfilm genügt, der gibt sich bei Actionfilmen wohl auch mit Kämpfen in Dialogform zufrieden. Kiss & Kill lässt seine beiden Hauptdarsteller zu Beginn auf Anhieb zum perfekten Paar zusammenfinden, was schon an und für sich wenig unterhaltsam und erst recht nicht einfühlsam mitempfindbar ist, ignoriert dabei aber auch gleich die Tatsache, dass zwischen den Darstellern im ganzen Film die berühmte Chemie nicht stimmt. Ashton Kutcher und Katherine Heigl sind viel zu sehr damit beschäftigt, nicht zu albern zu wirken, während sie selber schon beim Dreh bemerkt zu haben schienen, wie uninspiriert, eindimensional und unlustig ihre Texte sind. Dabei war offenbar nicht mehr daran zu denken, sich am Set vor der Kamera so weit aufeinander einzulassen, dass wenigstens die Blicke zwischen ihnen nicht allzu hölzern und nach Schema-F gespielt wirken. Mal ganz davon abgesehen, dass Kutcher als gestandener, eiskalter Profi-Agent ungefähr so überzeugend ist wie es Daniel Pook wäre, wenn er Ashton Kutcher spielen müsste.
Wie viel wird gekilled?
Dem Beziehungspart der beiden wird es allerdings auch richtig schwer gemacht, da Kiss & Kill tatsächlich zu großen Teilen versucht, ein Actionfilm zu sein. Es werden viele Menschen erschossen, teils sogar zerquetscht und brutal aufgespießt. Der ein oder andere "True Lies"-Fan wird sich beim Lesen dieser Zeilen vielleicht freuen, da sie ja durchaus vermuten lassen, der Zwangs-Kinogang mit Freunden oder dem jeweiligen Partner würde sich doch noch lohnen. Leider viel zu früh gefreut, denn was man an Ballereien, Verfolgungsjagden und Nahkämpfen vorgesetzt bekommt, macht den Eindruck, als habe der Regisseur von Natürlich Blond unbedingt mal wissen wollen, wie es sich anfühlt, ein paar Actionszenen zu drehen. Verdammt, der Vergleich ist gut! Denn es sieht im Film echt haargenau so aus, als wären die Actionszenen vom Regisseur von Natürlich Blond gedreht worden. Und Leute, jetzt kommt der Knaller: Kiss & Kill wurde in der Tat vom Regisseur von Natürlich Blond, dem vorherigen Heigl-Flop Die nackte Wahrheit sowie der "Jennifer Lopez/Jane Fonda"-Komödie Das Schwiegermonster gedreht. Robert Luketic hat damit auf beeindruckende Weise unter Beweis gestellt, wie man den extrem künstlich wirkenden Look seiner Comedy-Filme auf unspektakuläre Standardactionszenen übertragen kann. Gleichzeitig hat er damit aber auch bewiesen, dass er so etwas in Zukunft lieber sein lassen sollte.
Gibt's wenigstens leckere Aussichten?
Hatten wir schon erwähnt, dass ihr euch in Kiss & Kill mit ein paar weniger überzeugend gespielten Küssen begnügen müsst? Außer natürlich, ihr könnt Ashton Kutchers nacktem Oberkörper etwas abgewinnen. Den gibt's im Gegensatz zu Katherine Heigls Glocken nämlich geradezu inflationär zu sehen. Ebenso zum Weggucken ist die ganze Ästhetik der Cinematografie von Kiss & Kill, die mit ihrer verkünstelten Farbgebung, den viel zu häufig unfokussierten Szenenhintergründen und einer allgegenwärtigen Überbeleuchtung oft den falschen Eindruck vermittelt, die Darsteller würden bloß vor Greenscreens stehen. Insgesamt ist so ein höchst billig wirkender Gesamtlook entstanden, der nicht nur die bereits erwähnten Actionszenenversuche ganz und gar nicht nach den kolportierten $75 Millionen Budget, sondern eher nach verunglücktem Werbespotdreh aussehen lassen. Man meint sich zu erinnern, dass Mit-Produzent Ashton Kutcher mal über Kiss & Kill zum Besten gegeben hätte, man wolle da einen "$100 Millionen"-Streifen für $70 Millionen drehen. Na hoffentlich ist der Plan nicht daran gescheitert, dass 50 Millionen für die Darsteller draufgingen. Die hätten es für ihre Leistungen nämlich - vielleicht mit Ausnahme von Tom Selleck und Katherine O'Hara in ihren relativ kleinen, aber charismatisch gespielten Rollen - nicht verdient.
EIN Witz war gut!
Jens Mutter kippt sich im Film bei jeder Gelegenheit ganz beiläufig dermaßen viel Alkohol in den Rachen, das ihr selbst unsere Redaktion im Kino nur Beifall klatschen konnte. Vor allem, da sie das auf eine so trockene und unbeschwerte Art tut, wie sich das manch ein Alkoholiker gewiss im echten Leben von sich selber wünschen würde. Und das ist - eventuell mit Ausnahme eines herrlich übereifrigen Verkäufers, der in einer Supermarktszene sein volles Dienstleistungsprogramm durchzieht und dabei nicht ahnt, in welcher Gefahr er steckt - im Grunde auch der einzige richtige Gag, der uns zum Lachen bringen konnte. Beziehungsweise "zum Lachen bringen konnte, ohne den tragischen Unterton, dass man eigentlich nur darüber gelacht hat, wie abgegriffen oder doof der Witz war". Und dazu muss man zu allem Überfluss auch noch bemerken, dass selbst dieses wiederkehrende Humor-Highlight nicht unbedingt ein Meisterwerk der noch nie dagewesenen Sorte darstellt.
Unser Fazit
Daniel: Ich wünschte, der Name wäre Programm gewesen. Ein langer Kuss von Katherine Heigl und dann ein sauberer Kopfschuss für mich, bevor der Film überhaupt begonnen hat. Ja, das hätte mir einen ziemlich langweiligen Abend und vor allem einen sehr plump und billig wirkenden Film erspart. Warum werde ich das Gefühl nicht los, der Film wurde nur mit dem Gedanken im Kopf konzipiert, dazu passend ein Plakat basteln zu können, welches alle möglichen Frauen und Freundinnen ins Kino lockt, die dann ihre willenlosen Göttergatten mitschleppen...? Mein Beileid an alle Opfer dieser grausamen Falle!
Alex: Wer kennt nicht die hübschen Trailer mit der Aussage „Kino. Dafür werden Filme gemacht“ Nun, für Filme wie Kiss und Kill wurde jedenfalls kein Lichtspielhaus gebaut. Das ganze könnte auch als „Der große Sat 1 Sonntagsfilm“ laufen und würde selbst da von der unkritischsten Fernsehzeitung noch den Daumen nach unten kriegen. Ja, Katherine Heigl und Ashton „ich mag heiße, mindestens 20 Jahre ältere Frauen“ Kutcher sind hübsch anzusehen und gerade die alkoholabhängige Mutter verursacht auch den ein oder anderen Schmunzler. Trotz allem fehlt es aber an jeder Ecke an Substanz und Budget. Das zwei Wochen vorher Tom Cruise und Cameron Diaz mit ähnlicher simpler Story aber weitaus größerem Budget und mehr Star-Power auch schon gefloppt sind, sollte auch Kiss & Kill seinen finanzielle Todeskuss geben. Leider nicht unverdient. Lieber mit der Freundin ein zweites Mal Inception gucken, als einmal Kiss & Kill. Als Entschädigung könnt ihr ja ein paar Folgen Grey`s Anatomy mit ihr gucken.
Der Trailer
Drei Filme, die es besser machen!
True Lies (1994)
Arnold als James Bond. Regie von James Cameron. Geschätztes Budget 200 Millionen Dollar. Muss man noch mehr sagen? Vermutlich nicht. Aber wer dieses Action-Meisterwerk noch nicht gesehen hat, sollte hier nicht weiterlesen, sondern sich sofort zur nächsten Videothek begeben. Er verpasst sonst einen perfekten Mix aus Action und Unterhaltung
Epischer Moment: Die Folterszene. Wer ist schon verrückt genug und will Arnie ernsthaft foltern? „Sehen sie die Handschellen?“....
Mr. & Mrs. Smith (2005)
Kutcher und Heigl? Wie wäre es mit dem Startschuss des Traumpaare Brangelina? In der etwas modern abgewandelten Version des Rosenkrieges stellt das Ehepaar Smith fest, dass beide im geheimen Agenten sind, aber für verfeindete Organisationen arbeiten. Nach einigen harten Kämpfen zwischen beiden, die vor allem verheirate Paare immer mit einer gewissen Genugtuung betrachten können, vereinigt sich das schlagkräftige Paar um sich den anstürmenden Agenten ihrer beider Arbeitgeber zu erwehren. Vermutlich gab es noch kein Action-Paar, dass mehr Sex-Appeal auf die Leinwand brachte, als das Duo Pitt/Jolie. Gerne auch als Partnerschafts-Therapie zu betrachten.
Epischer Moment: Brad Pitt gibt vor, angeschossen zu sein, um seine Frau aus der Deckung zu locken und ebenfalls das Feuer zu eröffnen. Klingt nur brutal für Menschen, die NICHT verheiratet sind.
The Long Kiss Godnight / Tödliche Weihnachten (1996)
Immer wieder gerne gesehener Geheimtip der AreaGames Redaktion. Renny Harlin drehte mit seiner damaligen Ehefrau Geena Davis einen Actionfilm, der locker mit Stirb Langsam 2 und co mithalten konnte, vom Publikum aber leider gemieden wurde. Dabei ist der Film mit der Konstellation aus Geena Davis, als Top-Spionin, die nach einem Unfall ihr Gedächtnis verliert und Samuel L. Jackson als versoffenen Privatdetektiv ein kleines Juwel des Action-Kinos. Nicht zuletzt die tollen Dialoge aus der Feder von Shane Black („Es mag Gründe geben, dich nicht umzubringen, aber das Nobelpreis-Komitee wird dich sicher nicht vermissen“) machen den Film zu einem unterhaltsamen Action-Ritt, den sich kein Genrefan entgehen lassen sollte.
Epischer Moment: Samuel Jackson weist die Bösewichte darauf hin, dass ihr Plan gescheitert ist: „Morgen wird es hier von FBI-Agenten nur so wimmeln“ Lakonische Antwort: „Morgen sind wir längst weg“. Jackson: „Ja, aber ein paar der Jungs konnten nicht schlafen und wollten schon früher loslegen“...
Frau Heigl
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Kommentare (28)
HCrider
Alexander Laschewski-Voigt
Turkishflavor
Outlaw.ger
Spawn
Eine gewisse Analogie zu etwas anderem..?:p
Der Film sah bisher schon unglaublich uninteressant und da ihr es auch bestätigt warte ich darauf bis er mal im Fernsehen läuft. Hoffentlich läuft an dem Tag nichts anderes.
Eure Alternativen sind zwar allesamt toll und ich habe auch jeden der Filme bereits gesehen, nur tödliche Weihnachten fällt aus dem Raster (Pärchen). Oder habe ich den Film falsch in Erinnerung?
Friedenspanzer
KEKSi360
sturmflamme
Und dass dieser Streifen hier abstinken wird, ist doch klar. Und dann noch kurz nach dem Start von "Knight & Day".
Daniel Pook
blueeye
Das ist der Regisseur von dem Film Natürlich Blond. Von dem Film Tatsächlich Blond habe ich nocht nichts gehört.