Klonoa
Hüpfspieldurst noch nicht gestillt? Ein alter Bekannter macht sich auf, in dieser trockenen Zeit allen jung gebliebenen Fans des klassischen Videospiel-Genres den Alltag zu verschönern. Klonoa bietet schnörkellose Plattform-Springereien in märchenhaftem Ambiente.
Da kommt man schon ins Grübeln. In diesem Monat landen gleich zwei namhafte Jump’n runs auf der Familienkonsole Nr. 1 und haben so viele Gemeinsamkeiten, dass man kaum noch von Zufall sprechen möchte. Beide sind puristische Vertreter ihrer Zunft, die keinen Action-Adventure-typischen Rätselballast geladen haben, sondern ganz auf Geschicklichkeit setzen. Beide bieten eine schnieke 3D-Optik, aber klassisches 2D-Gameplay. Beide sind Neuauflagen älterer Titel vergangener Konsolengenerationen. Beide verlangen nicht das ihr den Gegnern auf den Kopf springt. Beide kosten günstige 30 europäische Taler. Und beide sind mit einer Spielzeit von vier bis fünf Stunden einfach verdammt kurz. Vielleicht ein wohlwollender Plan der Hersteller, die sich zusammengetan haben und sich sagten: Hm, na gut wir haben hier zwei relativ ähnliche und echt kurze Spiele, deren Produktion uns jetzt nicht so viel gekostet hat. Lasst sie uns doch einfach zum (beinahe) halben Preis in die Läden stellen, dann können sich die Spieler einfach beide Titel kaufen und haben damit die gleiche Menge an Jump’n run-Spaß, wie bei einem normal langen Spiel, zum Preis eines richtig teuren Programms. Wie, glaubt ihr nicht? Naja, is’ ja auch egal unter welchen Vorraussetzungen es zu dem aktuell vorliegenden Fall gekommen ist. Die einzig wichtige Frage ist: Ist Klonoa sein Geld wert?
Ein starker Wurfarm für ein Halleluja
Nachdem Donkey Kong Jungle Beat, trotz seines Alters von fast fünf Jahren, vor einigen Tagen bei AreaGames immer noch eine starke 8 von 10-Wertung einheimsen konnte, erwartet uns mit Klonoa das Remake eines Playstation-Klassikers, der schon satte zwölf Lenze zählt. Dabei hat Namco Bandai Klonoa – Door to Phantomile, den ersten Teil, der zuletzt in zwei Game Boy Advance-Episoden fortgesetzten Reihe, um das langohrige Katzen-Hasen-Dings mit den übergroßen Turnschuhen, wirklich eins zu eins umgesetzt und die Wii-Version mit bildhübscher Grafik und einer infantilen Synchronisation versehen. Ansonsten bleibt alles beim Alten. Der Schurke Ghadius und sein linkischer Gehilfe Joker haben die mythische Sängerin Lephise entführt und suchen nun nach dem Mondanhänger, um damit das Reich Phantomile zu erobern, zu unterjochen, zu zerstören, in eine Schnapsbar umzubauen oder was weiß ich. Irgendetwas böses auf jeden Fall. Ich hab’ ehrlich gesagt zwischendurch nicht immer richtig aufgepasst, da die banale Story jeden über zwölf in leicht schläfrige Stimmung versetzt, pauschalisier ich jetzt einfach mal so daher. Und damit haben wir ja genau das Ziel-Klientel, welches die PSX-Version damals verpasst haben dürfte. Um dem Unheil Herr zu werden, steuert ihr Klonoa also in der Seitenansicht durch die verhältnismäßig langen Level, springt herum, sammelt Kristalle ein, befreit verschollene Bewohner, findet Schlüssel und öffnet Türen. Das Spiel bietet euch die Möglichkeit zwischen sämtlichen Wii-kompatiblen Controllern zu wählen, also auch Classic- und Game Cube-Pad. Alle funktionieren bestens, denn die Bedienung ist wahrlich kinderleicht. Klonoa kann springen und durch gedrückt halten der Sprungtaste noch einen Moment in der Luft zappeln, um so weiter entfernte Ebenen zu erreichen, ähnlich Yoshi in Yoshi’s Island – Super Mario World 2. Mit seinem Kristallring ist er in der Lage Gegner zu fangen, festzuhalten und sie auf andere Widersacher zu schleudern (Kirby lässt grüßen!) oder auch in den Vorder- oder Hintergrund zu werfen, um so etwa Extras freizulegen oder Schalter zu betätigen. Außerdem kann er mit einem Feind im Schlepptau einen Doppelsprung ausführen, indem er den kleinen Teufel in der Luft gen Boden schmeißt. Viele der Geschicklichkeitseinlagen basieren auf den letztgenannten Fähigkeiten und geben Klonoa auch heute noch eine individuelle und frische Note. Im Vergleich zu Donkey Kong Jungle Beat ist das Leveldesign etwas weniger linear, wenngleich es auch hier immer nur einen Weg zum Ausgang gibt. Hier wie dort müsst ihr aber hin und wieder ein wenig Köpfchen an den Tag legen, um jeden Winkel zu erkunden und alle Geheimnisse zu offenbaren. Leider ist der Schwierigkeitsgrad insgesamt sehr niedrig angesetzt, was dem geringen Umfang natürlich wenig förderlich ist. Wer wirklich alles finden will, wird aber auch bei Klonoa vor höhere Herausforderungen gestellt.
Wie im Märchen
Seine kindgerechte Geschichte erzählt das Spiel in unspektakulären Ingame-Zwischensequenzen, deren Schnitttempo einen Bourne-geschädigten Actionfilmjunkie wie mich schon auf eine harte Geduldsprobe stellen kann. Die immerhin deutschsprachige Vertonung mit halbwegs geläufigen Sprechern, vor allem aus Die Simpsons, ist darüber hinaus sehr flach und selbst in dramatischen Momenten unaufgeregt. Wahrscheinlich wollte man die kleinsten nicht überfordern. Die dürften auch von der kunterbunten Gestaltung der Phantasiewelt begeistert sein. Doch unabhängig davon, ob euch von einem derartigen Farb- und Niedlichkeits-Overkill nun die Augen bluten, ist die visuelle Umsetzung wirklich sehr gelungen. Zwar gibt es keine übermäßig detaillierten Texturen oder viele beeindruckende Lichteffekte zu sehen, doch die Optik ist herrlich knackig und klar und die Ausgestaltung bringt die märchenhafte Atmosphäre perfekt rüber. Man hat sich, den Hardware-Vorraussetzungen entsprechend, klugerweise dafür entschieden einen ansprechenden Stil zu verbildlichen, anstatt vergeblich mit Technik-Spielereien zu protzen. Zwar zeigen zum Beispiel Super Mario Galaxy oder auch das ansonsten blöde Sonic und der Schwarze Ritter das auch auf diesem Weg noch mehr rauszuholen wäre, doch Klonoa bietet trotzdem teilweise geradezu pittoreske Kulissen und läuft jederzeit in geschmeidigen 60 Bildern pro Sekunde über den Schirm. Die Musik plätschert derweil im Hintergrund und fügt sich damit ins eher unspektakuläre Geschehen, ebenso wie die Soundeffekte, die genau nach dem klingen, was man von so einem Titel erwartet.
Pro und Contra
- + schöne Grafik
- + eingängige Zwei-Tasten-Steuerung
- + gut ausgenutzte Wurf-Fähigkeit
- + gelungene Atmosphäre
- - zu kurz
- - zu leicht
- - ausdruckslose Synchro
- - seichte Handlung
Charmanter Jump’n run-Happen
Ihr habt es sicher schon beim Lesen bemerkt: Klonoa (Ich kann mir nicht helfen. Der Name klingt einfach nach Hygiene-Artikel.) richtet sich ganz klar vor allem an Einsteiger und ein jüngeres Publikum und hat dafür mit der Wii wohl die ideale Plattform gefunden. Supersimple Steuerung, farbenfrohe Bilderbuchoptik und der chillige Schwierigkeitsgrad fordern sicher nicht den Videospielveteranen in euch. Aber manchmal braucht eben genau der eine Pause und lässt dem inneren Kind seine gedankenlose Freude an einfachen und süßen Dingen. Ich fand es mal wieder sehr entspannt mich ohne große Anstrengung und ständigem Verzweifeln an knüppelharten Endgegnern durch ein Spiel bewegen zu können. Denn trotz des geringen Anspruches, schafft es Klonoa durch sein gewitztes, wenn auch recht konventionelles Leveldesign und seine traumhafte Spielbarkeit in jeder Minute gut zu unterhalten. Die lahmarschigen Cutscenes zerren allerdings an den Nerven und für eine höhere Wertung fehlt es dann doch an Tiefgang. Für ein paar unbeschwerte Hüpf-Partien zwischendurch eignet sich das Spiel jedoch hervorragend. Oder eben als ideales Geschenk für kleine Steppkes.
Bewertung
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Kommentare (6)
genetrik
methi
paulfect
methi
da habs ich sogar n paar mal gezoggt
war schon lustig, aber konnte nie mit mario und co. mithalten
z101
steffen6i
Klonoa rockt, selbst auf der Wii.