Leisure Suit Larry: Box Office Bust
16:55 Uhr - Still und heimlich schlich sich in der vergangenen Woche mit „Box Office Bust“ ein neuer Teil des Leisure Suit Larry Franchise in die Händler-Regale. Zum Preis von 30€ warten zahlreiche Minispiele und anzügliche Dialoge auf den Xbox 360 oder PC-Besitzer. Doch lohnt sich der Ausflug mit Larry Loveage in die schillernde Welt des Films oder wartet hier schon der nächste programmierter Flop auf euch?
Das die Zeiten der guten alten Larry-Adventures zu Ende sind, ist sicherlich bereits seit Magna Cum Laude keine neue Erkenntnis. Die Point & Click Adventure-Schiene wurde nach dem 7. Teil „Yacht nach Liebe“ endgültig verlassen, und auch deren geistiger Schöpfer Al Lowe wurde kurzerhand von Bord geschmissen. Stattdessen bastelte man mit Magna Cum Laude eine Sammlung simpelster Geschicklichkeitsspiele, verlieh der ganzen Sache in Deutschland eine gewisse Originalität durch die Stimmte von Oliver Pocher und bot die ein oder andere witzige Sexszene in 3D-Comicgrafik. So richtig erfolgreich schien jedoch auch dieses Unternehmen nicht gewesen zu sein, denn ein potentieller Nachfolger des Spiels wurde wie Sauerbier durch verschiedene Publisher-Hände gereicht. Das Spiel wurde von Vivendi Universal angekündigt, die dann aber nach der Fusion mit Activision die Arbeiten an der Spielentwicklung einstellten und schlussendlich Codemasters zum Zuge kam. Auch bei Codemasters schien mal allerdings nicht sehr begeistert von dem Spiel zu sein. Zum einen gab es so gut wie keine Pressearbeit zum Titel, und zum anderen wollte man sich auf die Mühe einer deutschen Sprachausgabe wohl auch gar nicht erst einlassen. Die Anleitung des Spiels ist ein sechs-seitiger Witz (der allerdings in mehreren Sprachen erzählt wird) und selbst bei der Produktbeschreibung bei Onlinehändlern wie Amazon verweist man lieber auf die alten Teile der Reihe. Mit diesen Vorzeichen versehen, konnte es ja nur besser werden.
Lieber Blowjob als Minijob
In Box Office Box schlüpft der Spieler erneut in die Rolle des Larry Loveage, der nun im Filmstudio seines Onkels Larry Laffer zahlreichen Minijobs nachgeht. Dabei könnt ihr in Sandbox-Manie frei auf dem Studiogelände herumlaufen und so zu euren Missionen gelangen. Wahlweise könnt ihr auch mit kleinen Golfcaddies durch die Gegend düsen, die sich ungefähr so leicht steuern lassen wie ein Flummi aus Stahlbeton. Zum Glück ist das Studiogelände recht klein geraten, denn die Orientierung ist oftmals ein Graus. Eure Missionsziele werden nämlich nur auf der Minikarte angezeigt, auf der großen Karte hingegen könnt ihr euch zwar einen guten Überblick beschaffen, bekommt dort allerdings nicht euer Ziel eingezeichnet. Super gemacht, Team 17. Nachdem ihr in den langweiligen ersten Missionen vor allem Botengänge unter Zeitdruck erledigt, geht es nach gefühlten 5 Stunden endlich auf die Filmsets, wo Geschicklichkeitsspiele auf euch warten, die immer an einen bestimmten Film angelehnt sind. So bilden Parodien von Titanic, Michael Jacksons Thriller oder Nightmare on Elm Street die Kulisse für eure Missionen. In zahlreichen Aufgaben müsst ihr kleine Jump`n`Run Einlagen bewältigen, die sich dank der schwammigen Steuerung und einer total bescheuerten Wandsprung-Technik nur mit viel Frustresistenz lösen lassen. Auch die Kamera nervt, wo sie nur kann. Während man sie auf dem Studiogelände meist frei drehen kann, ist sie in allen Innenräumen fest fixiert. Das Erforschen von Innenräumen wird so zu einer nervigen Angelegenheit. Und warum macht man all die Minispiele? Um von einer zwanghaft witzigen Zwischensequenz zur nächsten zu kommen. Nur allzu schnell fängt man allerdings fängt an, diese via Knopfdruck zu überspringen, um nicht den hundertsten Masturbations-Kalauer anhören zu müssen. Richtige Schmuddelatmosphäre will ohnehin nicht aufkommen, von den freizügigen 3D-Modellen aus Magna Cum Laude hat man sich leider wieder entfernt, um in Amerika auch ein M-Rating zu erhalten.
Technisch und künstlerisches Desaster
Die guten Nachrichten zuerst: Das Spiel lässt sich starten und ist in den Testsessions nicht abgestürzt. Jetzt zu den weniger guten Nachrichten. Obwohl das Spiel auf der Unreal-Engine basiert, ist der technische Zustand als desolat zu bezeichnen. Das Texturen mal spät nachgeladen werden oder Gebäude ins Bild ploppen, darüber sieht man ja schon aus Gewohnheit bei Spielen, die auf Epics Engine basieren, hinweg. Das ein Spiel mit einfacher Comicgrafik allerdings stark teart (kostet V-Sync neuerdings extra?) und dann noch zu ruckeln anfängt ist weniger erfreulich. Die schlimmste Arbeit haben allerdings die Art-Designer geleistet: Alle Spielfiguren von Box Office Bust sind schlichtweg extrem hässlich. Das ist jetzt nicht subjektiv gemeint. Sie wirken wie eine Mischung aus der Mörderpuppe Chucky und den Knetfiguren aus Michael Jacksons Filme „Moonwalker“. Wenn man dann noch in den Zwischensequenzen die gruseligen Zähne der Figuren sieht, kann man mit diesen Charaktermodellen garantiert Kleinkinder vor Angst zum Weinen bringen. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn nicht ein Reiz des Spiels darin liegen sollte, weibliche Sexbomben ansehnlich darzustellen. Die Figuren von Magna Cum Laude sind im Vergleich dazu eine reine Wohltat und erfreuen das kindliche Gemüt im Manne. Die an sich gute englische Sprachausgabe kann da leider auch nicht vom Grauen auf dem Bildschirm ablenken.
Pro und Contra
- + Kostet nur 30€...
- + Zwei, bis drei gute Gags...
- + Umfangreicher als Magna Cum Laude...
- - ...und damit 29,99 € zuviel
- - ...auf 10 Stunden Spielzeit
- - ...aber wer will das schon spielen.
- - Technisch und visuell gruselig
- - AreaGames Regeln Nr. 2 wird misachtet. IN EINEM LARRY-SPIEL!
Box Office Flop
Wären die Jungs von Team17 doch bei ihren Würmern geblieben: Den eine derart spaßbefreite technische Gruselvorstellung hat unser Held der Jugend, Larry Laffer, nun wirklich nicht verdient. Auch zum moderaten Preis von 30€ will einfach an keiner Stelle Spielspaß aufkommen. Dazu sind die Minispiele einfach zu langweilig, in den meisten Fällen noch dazu schlecht zu steuern und die Spielfiguren schlichtweg ein Alptraum in 3D. Selbst Gamerscore-Jäger auf der Xbox 360 kann dieser Masochisten-Trip nicht empfohlen werden. Serienvater Al Lowe, den man nach „Yacht nach Liebe“ das Sorgerecht für die Leisure Suit Larry Reihe entzogen hatte, schreibt auf seiner Website zum Titel Box Office Bust: „Es kann kaum schlimmer sein, als Magna Cum Laude.“ Selten wird Al in seinem Leben so falsch gelegen haben. Playstation 3 Besitzer haben übrigens Glück im Unglück. Für sie erscheint das Spiel erst am 14.05.2009. Bis dahin dürfte der Titel schon wieder aus dem Gedächtnis gelöscht sein.
Bewertung
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Kommentare (11) « 1 2 »
jemus
astmonster
30.03.2009 17:24 - Warum gebt ihr dann noch ne 3/10? Ein spiel, dass KEINEN spaß macht sollte 0 punkte kriegen.KEKSi360
30.03.2009 17:32 - wo wir wieder beim EA puntke system wären.von mir auch 0 punkte.
wenn ein spiel so grottig ist, dann hat es auch keinen punkt verdient.
nicht mal mitleid.
astmonster
30.03.2009 17:34 - Und im übrigen, sollte man schon allein 0 Punkte vergeben weil das Spiel nich von Al Lowe ist... denn nur ein Larry von Al himself hätte mehr verdient.Johnson
30.03.2009 18:33 - http://www.areagames.de/images/games/b/BoxOfficeBust/screen3_large.jpgHätte man mir diesen Screen gezeigt, ohne zu verraten welches Spiel das ist, wäre ich glatt interessiert gewesen...
























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