Limbo
11:08 Uhr - Mit dem zauberhaften Schwarz-Weiß Abenteuer Limbo startet der Sommer of Arcade dieses Jahr eindeutig mit einem Knall. Auch wenn das Spiel dabei eher leise Töne anschlägt, muss es den Vergleich mit philosophisch angehauchten Knobel-Legenden wie Braid nicht scheuen und gehört damit schon jetzt zu den besten Download-Spielen des Jahres.
Minimalismus: Die Steuerung
Ein kleiner Junge. Ein dunkler Wald. Eine Story, die sich in einem Satz erklären lässt: Um herauszufinden, was mit seiner Schwester passiert ist, betritt ein Junge LIMBO. Brauchte Super Mario mehr Hintergrundstory? (Übrigens, die Prinzessin wurde entführt!) Instinktiv nimmt man als Spieler die Steuerung des kleinen Jungen auf und macht genau das, was einem seit Jahren eingetrichtert wurde: Man läuft nach rechts (Ein kurzer Abstecher nach links bringt übrigens die ersten 5 Gamerscore des Spiels). Die Steuerung des kleinen Jungen ist derart vereinfacht, das selbst ein Lichtschalter wie ein komplexes Meisterwerk erscheint. Es gibt eine Taste zum Springen und eine Taste um Objekte festzuhalten, bzw. sie zu bewegen. Keine Waffen, keine Items, keine Bildschirmanzeigen lenken von der Aufgabe ab, den Jungen in Sicherheit zu bringen. Denn Gefahren lauern bei Limbo überall: Gigantische Spinnen, Fallen oder eine kleine Gruppe böser Jungs, die aus der Herr der Fliegen Erzählung zu kommen scheinen, wollen Junior an den Kragen. Fast jede Bedrohung verläuft beim ersten Kontakt tödlich. Doch dank fairer Savepunkte wird man sofort wieder vor die letzte Todesursache gesetzt und kann dieser beim zweiten Durchgang hoffentlich mit Geschick und Grips entkommen. Die Rätsel sind dabei immer sehr logisch und basieren meist auf Interaktionen mit den Objekten der näheren Umgebung bzw. punktgenauen Sprüngen mit gut abgestimmten Timing. Die Spielwelt wirkt dank der nachvollziehbaren Physik stets plausibel und natürlich, die Rätseldichte erreicht (in meinem Fall: Zum Glück!) dabei allerdings nicht die Komplexität eines Braids mit seinen ganzen verwirrenden Zeitmanipulationen.
Maximal: Die Atmosphäre
Es mag auf den ersten Blick verwundern, aber LIMBO hat eine Altersfreigabe von „ab 18“ erhalten. Auf den zweiten Blick verwundert das dann nicht mehr: Nicht nur der düstere Schwarz-Weiß Stil, der auch aus dem Kopf von Tim Burton entsprungen sein könnte, auch die grundsätzliche Thematik eines kleinen schutzlosen Jungens, der ständig von seiner Umgebung bedroht wird, sind keine Umstände, die man jüngeren Spielern präsentieren möchte. Wie Braid entfaltet auch LIMBO seine ganze Faszination vor allem für Spieler, die das Erlebte auch gerne mal kurz reflektieren. Diese Spieler erfreuen sich dann auch an Details, wie den sehr sacht eingesetzten Rütteleffekten des Joypads, die ein sensitiven Hinweis auf die Zerbrechlichkeit des Jungen bieten. Und obwohl das Spiel mit seinen knapp 100 Megabyte Daten und knapp drei Stunden Spielzeit wahrlich kein Schwergewicht ist, gibt es nur wenige Spiele, bei denen man der eigenen Spielfigur derart die Rettung wünscht, wie im Fall von LIMBO.
Pro und Contra
- + Atmosphärisches Meisterwerk
- + Tolle, physikbasierte Rätsel
- + Geniales Art-Design
- + Starke Bindung zur Spielfigur
- - Mit drei Stunden Spielzeit etwas kurz
Stilles, kleines Meisterwerk
Normalerweise gehöre ich zu den Spielern, die sofort abschalten, sobald von den „künstlerischen Aspekten“ bei einem Spiel gesprochen wird. Ob Whispered World oder Machinarium, das Kunst-Etikett wirkte auf mich eher abschreckend: Ganz anders ist LIMBO. Sobald man die Steuerung des kleinen Jungen übernommen hat, entsteht eine Verbindung zur Spielfigur, die es nur selten in Spielen gibt. Auch Menschen, die zufällig beim LIMBO-Spielen vorbeischauen, bleiben meist stehen, fiebern mit und helfen bei den Rätseln. Nur wenigen Spielen gelingt es, eine derart starke Reduzierung der Grafik und Steuerungselemente durch tiefgängiges und trotzdem intuitives Gameplay zu kompensieren. Es bleibt zu hoffen, das der Preis von 1200 Micropoints, besser bekannt als der „Shadow-Komplex- Preis“, nicht zu viele Spieler davon abschreckt, in das phantastische LIMBO-Abenteuer einzutauchen. Es lohnt sich. Rettet den kleinen Jungen! Rettet die Welt.
Bewertung
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Kommentare (52)
mr. rogers
Jägerfisch
xXDonReneXx
BGKfromEden
Colton
samurai
Buschonaut
xXDonReneXx
Auch wenn die sagen wir mal großen Gefahren erst im weiteren Spielverlauf kommen ist das doch totaler Schmarrn!
Jack Scallion
Es ist düster, morbide, mysteriös und gleichzeitig betörend schön, atmosphärisch und einfach einmalig. Für mich ganz klar ein Meisterwerk. Manche nennen die Grafik minimalistisch, aber auf mich erzeugt sie eine viel größere Wirkung als die Optik bei vielen High-End Retail-Games. Nach Another World, Flasback und Heart of Darkness endlich mal wieder so ein Spiel. Es ist intelligent, abwechslungsreich und tötet dich mitunter im Sekundentakt.
1200 Points scheinen vielen Leuten zuviel zu sein, aber es war jeden einzelnen verdammten Point Wert. Für mich persönlich mein bisheriges Highlight des Jahres!
salasar