Mafia

16.01.2007 13:26
Mafia


Als Einleitung für das Mafia Review müsste man eigentlich eine Filmografie der wichtigsten Mafia-Streifen Hollywoods anfügen. Schließlich bedient sich Illusion Softworks Titel so ziemlich allen gängigen Vorurteilen um die Familie, die sich in den letzten Jahrzehnten dank Filmen wie der "Der Pate"-Trilogie aufgebaut haben. Der Spieler schlüpft dabei in die Rolle des jungen Taxifahrers Tommy Angelo, der eigentlich nur durch einen dummen Zufall Mitglied des Mafiaclans von Don Salieri wird, und sich nach und nach immer weiter nach oben arbeitet.

Vom Mann fürs Grobe zum respektierten Killer

Die Story wird dabei von schön inszenierten Zwischensequenzen in Spielgrafik vorangetrieben. Anders als beim großen Konkurrenten Grand Theft Auto 3/Vice City welcher durch Handlungsfreiraum glänzt, folgt der Spieler in Mafia dabei einer strafen Geschichte, die eine Mission nach der anderen anführt. Erledigt ihr zu Anfang noch billige Botengänge und die Drecksarbeit für den Paten, erschließen sich euch nach und nach abwechslungsreiche Aufträge, die von Auftragsmorden über Rennfahrten bis hin zu Schutzgelderpressungen geht. Ab und zu beschützt ihr auch eine Person vor Angriffen anderen Banden.

Die meiste Zeit des Spiels veringt ihr dabei in diversen, schmucken 30 Jahre Schlitten, mit dem ihr von einem Punkt zum nächsten fahrt. Um euch in der großen Stadt zurechtzufinden, nutzt ihr eine Karte und den Kompass, der euch die Fahrtrichtung zum nächsten Ziel anzeigt. Ab und zu muss das nächste Missionsziel auch innerhalb eines Zeitlimits erreicht werden. Dabei sollte man darauf achten, nicht gegen die Verkehrsregeln zu verstoßen, sonst klebt einem die Polizei am Auspuff. Schon eine kurze Geschwindigkeitsübertretung oder das Überfahren einer roten Ampel, kann dazu führen, von der grünen Minna verfolgt zu werden. Dann bietet sich dem Familienmitglied nur noch zwei Möglichkeiten. Entweder ihr emst und bezahlt ein saftiges Bußgeld, oder aber ihr drückt aufs Gas und macht euch aus dem Staub, in der Hoffnung das die Polente die Suche irgendwann einstellt.

Letzteres ist im Spielverlauf gar nicht so einfach, befindet sich doch nahezu an jeder Straßenecke ein Polizist, so dass ein Entkommen fast unmöglich erscheint. Nur wer häufig das Fluchtauto wechselt , und auch einen längeren Fußmarsch durch den städtischen Park nicht scheut, kann die Polizei mit viel Glück abhängen. Solltet ihr, wiedererwartend eurer Gangsterehre, doch ohne Verletzung der Verkehrsregeln zum Zielort gelangen, erledigt ihr die eigentliche Mission meistens auf zwei Beinen.

Grobmotoriker

So erkundet ihr mit einem Baseballschläger in der Hand, und einem Schießprügel unter dem Anzug versteckt, die Hinterhöfe und Spelunken der Stadt, besucht einen Edelpuff oder leistet euch wilde Verfolgungsjagden auf den Dächern der Stadt. Während die Steuerung der Fahrzeuge noch in Ordnung geht, entwickeln sich die Märsche zu Fuß schnell zu einer Quälerei. Vor allen Dingen heiße Schussgewechte mit verfeindeten Banden, entwickeln sich dank einer nur schlecht an Konsolenpad angepassten Steuerung zu echten Frustmomenten. Das Zielen mit den Analogsticks fällt dank fehlendem Autoaiming schwer. Zwar könnt ihr mittels der schwarzen Taste, den nächsten Gegner kurz anvisieren, sobald sich dieser aber bewegt, verliert ihr den Spieler aus dem Zielfeld. Ein fester Visierpunkt oder ein großzügigeres automatischen Anvisieren wie man es in vielen Konsolenshootern vorfindet, hätte hier Wunder bewirkt.

Auch das Nutzen von Nahkampfwaffen oder der Fäuste fällt dank unüberlegter Tastenbelegung schwer. Diese wurde wie das Schießen auf den rechten Shoulderbutton gelegt. Alles halb so wild, wäre da nicht die Möglichkeit Angelos die Stärke seiner Angriffe mittels eines Balkens zu variieren, das heißt lasst ihr den Knopf längere Zeit gedrückt, lädt sich ein Balken auf. Ist dieser voll, schlägt der Charakter härter zu. Dank des langen Schaltweges der Schulterknöpfe kann es nun aber passieren das ihr in einer Massenschlägerei eigentlich mehrmals hintereinander kurz den Knopf betätigt, die CPU dieses Manöver allerdings für eine Aufladeaufforderung hält. Statt eurem Gegenüber nun mit einer schönen Faustkombination das Gesicht zu demolieren, müsst ihr selber Schläge einstecken, da ihr euch ja auf einen harten Schlag vorbereitet.

Nebel des Grauens

Steuerungstechnisch wurde Mafia also nur unzureichend auf die Xbox konvertiert, aber wie siehts technisch aus? Schließlich sollte man von einer aktuellen Konsole durchaus erwarten einen zwei Jahre alten PC-Titel anständig auf den Bildschirm präsentieren zu können. Aber weit gefehlt. Mafia glänzt auf der Xbox mit einem miesem Polygoncount, eckigen, undetaillierten Charakteren und Fahrzeugen, teilweise haarsträubenden Texturen, fehlendem Anti-Aliasing und damit verbundener übler Treppchenbildung, starken Flimmern, fürchterlichen Pop-Ups hinter jeder Straßenecke und einer dichten Nebelsuppe. Zu allem Unheil ruckelt das ganze auch noch stark. Zudem gibt es bei jeder Brückenüberfahrt in ein neues Stadtviertel einen Ladebildschirm zu sehen, was in Missionen in denen ihr öfter die Viertel wechselt schnell nervt. Schon erstaunlich wie Illusion Softworks es geschafft hat, das Potential der Xbox so wenig auszunutzen. Zumindest akustisch konnte das Entwicklerteam nicht viel falsch machen. Wie auf dem PC glänzt Mafia auch auf der Microsoft´schen Konsole mit schönen jazzigen 30er Jahre Klängen, einer wunderbaren Sprachausgabe und einer ordentlichen Dolby Digital 5.1 Abmischung, die besonders beim Straßenverkehr und den häufigen Schusswechseln zum tragen kommt.

„Mafia rockt ... auf dem PC“

(Meinung » Mario Schonhoff)

Oje... War Mafia auf dem PC noch ein grandioses Spiel, das für viele zurecht den Titel „Bestes PC-Spiel 2002“ trug, ist die Xbox Umsetzung einfach nur noch jämmerlich. Mir war gar nicht bewusst, dass es möglich ist, ein so gutes Spiel dermaßen zu versaubeuteln, wie es die Jungs von Illusion Softworks bei diesem Titel geschafft haben.

Technisch wurde der Titel dermaßen schlecht umgesetzt, das es den Entwicklern einfach nur peinlich sein müsste. Ist das Spiel auf dem PC auch heute noch ein nett anzuschauendes Gangsterepos, verkommt es auf der Xbox leider zu einem ruckelnden, flimmernden, treppchenbildenden Etwas mit miesen Texturen und eckigen Polygonmodellen. Dazu kommen riesige Pop-Ups (teilweise ploppen ganze Straßenzüge und Stadtgebiete plötzlich ins Bild) und riesige Nebelwände machen sich vor euren Augen eit obwohl es in den 30er Jahren sicherlich noch keine Smogprobleme in den Großstädten dieser Welt gab.

Auch spielerisch nervt der Titel mit einer schlechten Umsetzung aufs Konsolenjoypad, bei dem sich die Programmiertruppe scheinbar keine Gedanken über die Bedürfnisse eines Konsolenzockers gemacht hat. So verkommen die vielen Actioneinlagen dank hakeliger Steuerung zu Frustmomenten, die einfach nicht hätten sein müssen. Trotz allem erhält Mafia immer noch eine Wertung die über dem Durchschnitt liegt, denn die Atmosphäre und das Mafiafeeling welches dieses Spiel ohne Zweifel bietet, kann selbst dieser schlechte Port nicht zerstören.

Bewertung

Mafiaxbox

0/10

Alexander Laschewski-Voigt

Der gelernte Industriekaufmann probierte sich im BWL-Studium aus, um dieses dann allerdings zugunsten einer Xbox-Website namens AreaXbox vorzeitig zu beenden. Seitdem steht er als Chefredakteur auf der Kommandobrücke der MS AreaGames. Der bekennende US-Serienfan legt am liebsten Renn- oder Rollenspiele in seine Xbox 360. Zu den Alltime-Hits seiner mit dem C64 begonnenen Spieleleidenschaft gehören Deus Ex, System Shock 2 und die Wing Commander-Reihe.