Magna Carta II
13:45 Uhr - Magna Carta gehörte seinerzeit zu jener Riege von Rollenspielen, die aufgrund der übermächtigen Konkurrenz der PlayStation 2 mehr oder weniger untergegangen sind. Das hing aber auch damit zusammen, dass der Titel schlicht und ergreifend niemanden so richtig begeistern konnte. Jetzt läutet Namco Bandai die zweite Runde ein – exklusiv auf der Xbox 360. Warum Microsoft sich das Bestechungsgeld hätte sparen können, erfahrt ihr in unserem Testbericht.
Sehen wir uns doch zunächst gemeinsam die Verpackung des Spiels an:
Alles klar, die Brüste sind da, das sollte reichen. 10/10. Auf Wiedersehen.
Aber nein, so oberflächlich sind AreaGames-Redakteure dann doch nicht. Okay, waren wir, doch dann lehrte uns X-Blades, dass aufreizende Frauen auf Spielecovern nicht einmal die halbe Miete sind. Magna Carta 2, erneut ein „Xbox 360“-exklusives, japanisches Rollenspiel, tanzt zwar nicht annähernd denselben Qualitätslimbo wie das Machwerk von Zuxxez, doch auch der „Namco Bandai“-Titel hat hier und da seine Schwächen.
Gedächtnisverlust? Ideenfrust?
Doch erst einmal etwas Erfreuliches: Wie sonst so oft dreht sich die Geschichte nicht um die bevorstehende Ausrottung des gesamten Universums, herbeigeführt durch einen übermächtigen Oberbösewicht, der nur von einer unscheinbaren Gruppe wackerer Helden aufgehalten werden kann. Stattdessen werdet ihr mit dem Schicksal von Lanzheim konfrontiert – einem Land, in dem politische Spannungen herrschen. Die Königsfamilie fiel einem hinterhältigen Putsch aus Reihen des eigenen Kabinetts zum Opfer, nur die Prinzessin Rzephilda (Spitzname Zephie) konnte sich nach kurzem Gefängnisaufenthalt retten und befindet sich deswegen in ständiger Gefahr. Denn ihre Gegner haben das Militär mobilisiert und schrecken nicht einmal davor zurück, ein ganzes Dorf in Schutt und Asche zu legen, nur um das tapfere Mädchen zurück in Gefangenschaft zu nehmen. Doch auch die rechtmäßige Thronerbin kann auf die Unterstützung treuer Gefolgsleute, vor allem in Kreisen des Adels, zählen, wodurch unweigerlich ein ganzer Bürgerkrieg ausbricht. Als Spieler übernimmt man anfangs die Kontrolle über Juto, der die Geschehnisse nur halbherzig verfolgt, da ihn ganz andere Sorgen plagen: unser Held hat – welch noch nie dagewesene Idee – sein Gedächtnis verloren! Seitdem begibt er sich ab und an auf die Suche nach der eigenen Vergangenheit, hauptsächlich folgt er aber dem Motto „nach dem Schlaf ist vor der Faulenzerei“. Auf jeden Fall eine willkommene Ausrede, um uns die komplette Geschichte von Anfang an aufzutischen, Kampftechniken beizubringen und grundlegende Spielelemente zu erklären. Das ist auch nötig, denn Magna Carta 2 macht einiges anders als die Konkurrenz!
Schon mal ‘nen Menschen überhitzen sehen?
Vor allen Dingen wäre da das Kampfsystem zu nennen, welches voll und ganz in Echtzeit abläuft. Ihr wechselt jederzeit mit dem linken Trigger zwischen Bewegungs- und Kampfmodus hin und her, um in der Umgebung stets sichtbare Feinde zu attackieren. Dann wird in der Regel via A-Taste auf die Feinde eingehämmert, wobei ihr Energie sammelt, mit der wiederrum Spezialattacken ausgeführt werden können. Dabei spielt es natürlich eine Rolle, mit welchen Charakter ihr gerade in die Schlacht zieht – eure Party besteht aus maximal drei Personen, weitere können auf die Reservebank geschickt und je nach Situation eingetauscht werden. Während Juto ein Allrounder mit vielfältigen Talenten ist und im Konter die Waffen seiner Gegenspieler in Einzelteile zerlegt, setzt die Prinzessin eher auf Magie, während ihr ruppiger Anhänger Argo, am ehesten als Riesentiger auf zwei Beinen zu beschreiben, auf leicht grobe Art und Weise seine Gegner vermöbelt. Wenn die Mitglieder eurer Gruppe nicht gerade als „Gäste“ deklariert sind und sich euch langfristig anschließen, können während des Kampfes auch Befehle gegeben werden. Darüber hinaus müsst ihr darauf achten, dass sich die einzelnen Kämpfer nicht unnötig überhitzen. Das passiert, wenn zu viele Attacken hintereinander abgefeuert werden. Ihr gelangt zwar zunächst in den so genannten „Overdrive“, der es erlaubt, noch mächtigere Combos und Angriffe einzusetzen, danach setzt jedoch der „Overheat“ ein und euer Recke ist für einen Moment aufgrund niedriger Ausdauer betäubt. Durch dieses Element wird den Gefechten durchaus die nötige Prise Taktik verliehen, stumpfes Button-Mashing erst einmal verhindert. Im späteren Spielverlauf ist es dann aber mögich, diese Mechanik auszuhebeln, wodurch auch lange am Stück mächtig ausgeteilt werden kann. Bedauerlicherweise fühlt sich die ansonsten durchdachte und präzise Steuerung gerade während der Kämpfe etwas zu träge an, hier geht viel Dynamik flöten. Nach und nach steigen die Partymitglieder im Level auf und erlernen neue Fertigkeiten bzw. verbessern vorhandene. Auch in puncto „Grinding“ hebt sich das Spiel von seinen Artverwandten ab und zwingt euch nicht zur stundenlangen Monstertötung, stattdessen werdet ihr je nach Bedarf mit reichlich Nebenquests versorgt, die nach Beendigung mit Erfahrungspunkten, Items und Geld (die Währung im Spiel heißt SID) entlohnt werden.
Dramatik zum Eindösen
Die schönsten Erinnerungen an epische Rollenspiele wie Final Fantasy bestehen oft aus cineastisch gerenderten Zwischensequenzen mit reichlich Action, Tragik oder gar Humor. Magna Carta 2 schafft solch bleibende Erinnerungen nicht, denn die meisten Gespräche zwischen den Charakteren laufen vor einem tristen Hintergrund ab, vor dem Ingame-Modelle miteinander sprechen. Sieht leider nicht nur unspektakulär aus, sondern hört sich in vielen Fällen auch so an, denn die Qualität der englischen Synchronstimmen schwankt von „ganz gut“ bis „emotions- und lustlos“. Smalltalk mit Dorfbewohnern und anderen Nebenfiguren wird ausschließlich per Textbox geführt, wobei im Falle eines Dialogs von Zeit zu Zeit nicht erkenntlich ist, wer gerade spricht, da es keine farblichen Unterschiede bei Hintergründen oder Schrift gibt. Immerhin ist die deutsche Lokalisation der geschriebenen Worte und Untertitel ordentlich. Wer sich in der großen, weiten und teilweise auch sehr linearen Welt von Magna Carta 2 verliert, dem hilft stets eine Karte bei der Suche nach Zielen, Questgebern und anderen wichtigen Orten. Während des Spiels wird eine verkleinerte Version dauerhaft eingeblendet, mit Druck auf die Back-Taste überblickt ihr die gesamte Umgebung. Schade: Hinein gezoomt werden kann hier nicht. Die Expedition der oft kargen und mit unscharfen Hintergründen versehenen Landschaft wird zusätzlich durch deplatziert wirkende Unschärfeeffekte und ständig auftretende, längere Nachladepausen gestört. Damit hinkt der Titel sogar einem Star Ocean: The Last Hope hinterher. Zumindest das Charakterdesign der Hauptakteure sowie die Hintergrundmusik können weitestgehend überzeugen.
Pro und Contra
- + Bürgerkriegsszenario unverbraucht
- + innovatives Kampfsystem, ...
- + Nebenquests statt stumpfes Kloppen
- + Boxart verspricht vieles
- - unspektakuläre Präsentation
- - ... das an einigen Schwächen leidet
- - Boxart verspricht zu viel
Das hätte sich Microsoft sparen können
Ob Microsoft sich wohl im Nachhinein ärgert, Geldsumme X in die 360-Exklusivität von Magna Carta 2 gesteckt zu haben? Schon der erste Teil konnte damals auf der PlayStation 2 niemanden so recht vom Hocker reißen und auch jetzt krankt es an zu vielen Ecken. Statt einer epischen Story gibt es bemüht synchronisierte Dialoge vor langweiligen Hintergründen, nur selten warten richtige Zwischensequenzen. Statt einem durchweg durchdachten Kampfsystem gibt es unkontrollierbare Gastmitglieder innerhalb der Party und eine träge Steuerung. Das sind sie aber auch schon, die größten Kritikpunkte an dem „Namco Bandai“-Titel. Davon abgesehen wartet ein ansonsten innovatives Kampfsystem, Bossfights mit gewohnt riesigen Schergen, eine etwas andere Hintergrundgeschichte und teils liebenswerte Charaktere auf die Spieler. Als Fan von japanischen RPGs sollte man Magna Carta 2 jedenfalls eine Chance geben, auch wenn nicht jedermann das Ende des ca. 30- bis 40-stündigen Abenteuers sehen wird. Dazu fehlte es zumindest mir aufgrund der angesprochenen Mängel ehrlicherweise an Durchhaltevermögen.
Bewertung
Weitere News
Datenblatt - Spieletest - Trailer - Bilder - News ...
Bitte logge Dich ein, um Kommentare zu verfassen.
Coming Soon
Galerien
Yakuza 5
Hier seht ihr 25 erste Screenshots zu Yakuza 5!Crimson Dragon
Drachenhafte Bilder mit echsigen Wesen.Lost Planet 3
Bilder zu Lost Planet 3.DmC
Weibliche Bilder zu DmC.Die Neuesten User-Tests
Kid Icarus: Uprising 3DS
Zur E3 2006 kündigte Nintendo mit einem kleinen Trailer einen neuen ''Smash Bros.'' Teil an. Die ganze Community war sehr erfreut und doch wunder...
Kid Icarus: Uprising 3DS
Pit ist wieder da. Beachtliche 21 Jahre liegt der letzte Auftritt des geflügelten Heldes zurück. Nun erwartet uns ein Reboot von \\\"Kid Ica...






















Kommentare (27)
Thenomine
Robert Buch
"BLEASTS!"
Saibot
DerPferd
LookMyBullet
KING_BAZONG
Meine Ansicht: M$ hat den großen J-RPG-Boom um knappe 4-6 Jahre verpaßt. Nun ist damit kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Die J-RPG-Ära ist längst passe und M$ greift sich lediglich die B- bis C-Ware ab. Wenn's Freude bringt..........
KING_BAZONG
Jack Scallion
@Topic: Das Cover sieht hammer aus. Das Game interessiert mich nicht.
salasar
wie war das noch mit :" hört auf zu Sony news rum zu bashen, ich mach das bei 360 news ja auch nicht"...
Lol du Vogel :-)